Artikel mit dem Schlagwort Kindernothilfe-Partner

Nach Tsunami und Erdbeben: Trauma- und Bildungs-Workshops für Pädagoginnen

Unsere Partnerorganisation AMURT Indonesien bietet ab sofort im krisengebeutelten Palu-Distrikt Workshops und psychosoziale Unterstützung für 600 Grundschullehrerinnen und Kindergärtnerinnen an. Der Pilotworkshop stieß auf so großes Interesse, dass Offizielle des Bildungsministeriums im Palu-Distrikt spontan eine Ausweitung der Schulungen arrangierten.

Text: Lukas Leßmann, Karl Andersson/AMURT

Den ganzen Beitrag lesen »

Südafrika: 28 Jahre nach dem Ende der Apartheid

Vor 28 Jahren beendete der damalige Präsident de Klerk mit seiner Rede die Apartheid in Südafrika. Von da an sollte die Trennung nach ethnischen Gruppen aufgehoben sein. Anlässlich des Jahrestages haben wir mit unserem Länderkoordinator in Südafrika, Phil Donnell, über die Zeit während und nach der Apartheid gesprochen. 

Interview: Sophie Rutter, Foto: Frank Peterschröder

Mädchen in einem Projekt in Durban, Südafrika. (Quelle: Frank Peterschröder)

Welche Auswirkungen hatte die Apartheid auf die Projekte der Kindernothilfe?

Die Apartheid wirkte sich in den 1980er Jahren auf verschiedene Weisen auf die Projekte unserer Partner aus. Beispielsweise das Recht auf Meinungsfreiheit und die Freiheit, entscheiden zu können, wo man leben und arbeiten möchte, wurden uns verwehrt. Projekte wurden gebremst, da es nicht immer möglich war, Geld von internationalen Spendern und Organisationen zu bekommen. Auch die Hilfe der Regierung für Projekte mit schwarzen Kindern war sehr eingeschränkt, wenn überhaupt existent. Das Sozialsystem, das wir heute kennen und uns, aber insbesondere die Ärmsten der Ärmsten, heute unterstützt, gab es damals leider nicht. Um die Projekte umzusetzen, mussten wir auf die Hilfe und Spenden der Gemeinschaft setzen, denn andere finanzielle Hilfen blieben während dieser Zeit oft aus.

Welche Auswirkungen hatte die offizielle Beendigung der Apartheid in den 1990er Jahren?

Für Südafrika bedeutete die Demokratie, dass die vorherigen Restriktionen aufgehoben wurden und es mehr Freiheiten für alle benachteiligte Gruppen gab. Wir als Kindernothilfe hatten durch die Beendigung auch mehr Möglichkeiten, inländische und ausländische Spendengelder für unsere Projekte zu gewinnen. Bis in die späten 1990er Jahren ermöglichte ein von der Regierung neu erstelltes Sozialsystem es uns, Millionen von benachteiligten Haushalten zu unterstützen und viele unserer Projekte umzusetzen. Einigen Projekten ist es nun möglich, mit anderen Nichtregierungsorganisationen und verschiedenen Regierungsabteilungen zusammen zu arbeiten. Somit kann eine größere Reichweite erreicht werden.

Spüren Sie die Apartheid noch heute? 

Ja, leider schon. Viele der sozial- und wirtschaftspolitischen Ausmaße der Apartheid sind heute noch von unseren Partnern und der Bevölkerung zu spüren.

Aus sozialer Sicht ist die Trennung nach ethnischen Gruppen immer noch dadurch bemerkbar, dass viele Menschen noch wie zur Zeit der Apartheid leben – nämlich geographisch getrennt voneinander. Nur wenige schwarze Südafrikaner haben den Aufstieg geschafft und können sich Grundstücke in hauptsächlich weißen Wohngebieten leisten. Viele Schulen, besonders in den ländlichen und halb-ländlichen Gebieten, werden nur von der gleichen ethnischen Gruppe besucht.

Wirtschaftlich gesehen gibt es auch noch große Probleme wie Armut und Arbeitslosigkeit, die insbesondere die schwarzen Südafrikaner betreffen. Obwohl viele NGOs und die Regierung schon über 20 Jahre an dieser Ungleichheit arbeiten, gibt es für die Südafrikaner kaum Veränderungen. Das Gleiche gilt für die weißen Südafrikaner, denn sie können ihr Leben immer noch im gehobenen Lebensstil genießen. Diese Diskriminierung motiviert aber die Partner vor Ort, weiterhin daran zu arbeiten, dass die heutigen Familien nicht mehr unter den früheren Umständen leiden müssen.

Leider kann die benachteiligte Bevölkerungsgruppe nicht auf die Hilfe aller Politiker zählen, denn vielen werden Korruption und andere Machenschaften vorgeworfen. Diese Zustände gab es auch schon während der Apartheid.

Obwohl die Apartheid in Südafrika nicht mehr existieren sollte, kann man leider immer noch die Diskriminierung und Trennung im Alltag spüren. Aber man kann durchaus eine Veränderung im Land erkennen, auch wenn nicht so viele, wie gewünscht. Es könnte noch einige Jahre dauern, bis die Ungleichheit im Land nicht mehr zu spüren ist.

Indien: Raghu hat das Zeug zum Motorradmechaniker

Text und Foto: Christoph Dehn, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kindernothilfe

Chennai, 28.01.2017

Dürr ist Raghu (Name geändert) und verschwitzt. Er muss sich anstrengen, er will alles richtig machen. Raghu ist in der Probezeit. Vier Wochen hat er, um den Chef zu überzeugen, dass er das Zeug zum Motorradmechaniker hat. Jetzt hockt er auf der Straße vor einem Motor, den er auseinandergenommen hat, und säubert die Teile mit Öl und einem Pinsel. Werkstatt, das bedeutet in Chennai, der Megametropole in Südindien, etwas anderes als in Duisburg oder Berlin. Hier ist es ein abschließbarer Lagerraum für Ersatzteile und Werkzeug an der Straße. Gearbeitet, auseinandergeschraubt, repariert und wieder zusammengesetzt wird auf dem staubigen Bürgersteig und der Straße davor. Es ist erst Januar, und doch ist es schon heiß. Ein stechender Geruch nach Öl und Urin liegt schwer über der Werkstatt und den angrenzenden Betrieben.

So unscheinbar die Werkstatt aussieht, der Besitzer hat es geschafft. Er hat ein kleines Haus, und seine beiden Töchter haben studiert. Nein, in der nächsten Generation müssen sie nicht mehr mit ihren Händen arbeiten. Aber er bildet aus, um jungen Leuten aus den Slums eine Chance zu geben. Der Werkstattbesitzer gehört zum Netzwerk der Kindernothilfe-Partnerorganisation Codiac. Codiac, gegründet und weiter inspiriert von dem inzwischen 85-jährigen Architekten, Bauherren und Kindernothilfe-Unterstützer J.S. Rajasingh, vermittelt Kinder aus armen Familien in Ausbildungsplätze. Die Organisation knüpft Verbindungen zu kleinen Firmen, wählt die Jugendlichen aus, gibt einen Zuschuss zum Ausbildungsgeld und später vielleicht einen Kredit für den Start in die Selbständigkeit. 40 Firmen machen mit, fast 100 Jugendliche befinden sich zurzeit in der Ausbildung. 4.200 waren es insgesamt in den letzten Jahren. Die meisten Ausbildungen sind informell, fast alle Absolventen werden später in ihren Ausbildungsfirmen angestellt oder finden eine andere gut bezahlte Beschäftigung. Raghu hat Glück, er hat sogar in einem staatlich anerkannten Lehrbetrieb angefangen.

Aber vor dem anerkannten Ausbildungszertifikat muss er erst einmal beweisen, dass er zuverlässig und pünktlich und den Anforderungen der Ausbildung gewachsen ist. „Das wird schon“, sagt er und lächelt. Die Maschinen mag er, Mechaniker werden wollte er schon lange. Mit dem ersten Motor hat es auch schon wirklich gut geklappt, er hat ein Gefühl dafür. Nach der Probezeit kommen zwei Jahre Ausbildung. Und dann, so plant er, die eigene Werkstatt und eine Frau und Kinder und ein kleines Haus. Das wäre dann schon eine ganze Menge für einen aus den Elendsvierteln von Chennai. Und Raghu will es schaffen.