Artikel vom Oktober 2018

Deutsch-Afrikanischer Wirtschaftsgipfel: Motor für Entwicklung?

Zwei der Teilnehmer des Afrika-Gipfels in Berlin: die Präsidenten von Ruanda und Südafrika, Paul Kagame (re.) und Matamela Cyril Ramaphosa

Zwei der Teilnehmer des Afrika-Gipfels in Berlin: die Präsidenten von Ruanda und Südafrika, Paul Kagame (re.) und Matamela Cyril Ramaphosa

Eine Art Marshallplan für Afrika – offiziell „Compact with Africa“ genannt – soll deutschen Firmen Investitionen in ausgewählten afrikanischen Ländern schmackhaft machen, um so deren nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung zu fördern. Heute trafen sich deshalb in Berlin Spitzenvertreter der Wirtschaft und Politik aus Deutschland und den beteiligten afrikanischen Staaten. Die Frage ist: Wer profitiert von der vor gut einem Jahr aus der Taufe gehobenen Wirtschaftspartnerschaft mehr: die Menschen vor Ort oder die ausländischen Unternehmen?

Deutsche Direkt-Investitionen spielen in manchen Wirtschaftsbereichen ausgewählter afrikanischer Länder eine wichtige Rolle. Auf der heutigen Konferenz wurden konkrete Modellprojekte z.B. von Siemens in Ägypten oder Togo, von MAN in Benin oder von Volkswagen in Ruanda mit ihren Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung des Beispiellandes vorgestellt. In den Keynote-Ansprachen zogen Bundeskanzlerin Angela Merkel, der ruandische Präsident Paul Kagame und der südafrikanische Präsident Matamela Cyril Ramaphosa überdies eine Bilanz des vergangenen Jahres und ordnen die Perspektiven der strategischen Zusammenarbeit ein. Vorgesehen waren zudem konkrete Vertragsunterzeichnungen mit Ägypten, dem Senegal und Togo.

Konkurrenz der Konzepte: Compact with Africa vs. Reformpartnerschaft

Während der Vormittag ganz im Zeichen der im Finanz- und Wirtschaftsministerium entwickelten Compacts with Africa stand, stellte am Nachmittag Entwicklungsminister Gerd Müller seine Strategie der Reformpartnerschaften vor. Der Unterschied der Konzepte war unübersehbar. In den Reformpartnerschaften geht es um einen Zukunftsvertrag mit Wirtschafts-, Handels und Beschäftigungsfragen. Genauso werden aber auch Frieden und Sicherheit sowie Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gleichberechtigt miteinbezogen. Schwerpunktländer der Reformpartnerschaften sind die Elfenbeinküste, Ghana und Tunesien. In Berlin starteten außerdem Verhandlungen mit Marokko, dem Senegal und Äthiopien.

Der Entwicklungsminister sagt dazu: „Die Reformpartnerschaften stehen beispielhaft für die Neuausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Wir setzen auf Privatinvestitionen, Berufsbildung und Beschäftigung, damit Afrikas Jugend eine Zukunft in Afrika hat“. Gute Regierungsführung und der Aufbau funktionierender staatlicher Institutionen – von der Steuerverwaltung bis zum Ausbau rechtsstaatlicher Verfahren nach menschenrechtlichen Standards – sind zentrale Elemente, die die Förderung privatwirtschaftlicher Investitionen ergänzen. Demgegenüber sind die Wirtschaftsabkommen der Compacts with Africa hauptsächlich wirtschafts- und handelsorientiert. Deshalb standen auch die im G20-Prozess versprochenen Direktinvestitionen im Mittelpunkt dieser Gespräche.

Für den entwicklungspolitischen Erfolg ist entscheidend, ob sich beide Ansätze sinnvoll verknüpfen lassen. Eine nachhaltige Entwicklung afrikanischer Staaten erfordert immer auch die Einbeziehung entwicklungspolitischer Fragestellungen und Governance-Aspekte. Dazu gehört etwa die Einbindung der Zivilgesellschaft.

Derzeit bleibt offen, welchen Entwicklungsbeitrag der Marshallplan für Afrika in seiner aktuellen Form für die Menschen leisten kann. Der Anspruch der Regierungen ist hauptsächlich, wirtschaftliche Impulse und mehr Beschäftigung zu erreichen. Dafür sind nicht nur die Höhe der Investitionen entscheidend, sondern vor allem ihre nachhaltig entwicklungsorientierte Wirkung. Als Indikator für erfolgreiche Investitionen wären eine verantwortliche Kreditaufnahme, die langfristige Beschäftigungsquote für die lokale Bevölkerung oder die vereinbarten sozialen Mindeststandards besser geeignet, als die Höhe der Gesamtinvestitionen, an denen meist solche Gipfel gemessen werden.

Tausende auf der Flucht aus Mittelamerika – Kindernothilfe besorgt: Kinder und Jugendliche ohne Schutz auf dem Weg in die USA

Ein Junge sitzt in einem Bus am Fenster. (Quelle: Bastian Strauch)

Honduras schickt Busse, um die Flüchtlinge zurückzuholen.

Seit Tagen berichten die Medien über Tausende von Flüchtlingen, die Richtung US-Grenze durch Mexiko ziehen. Nach UN-Angaben sollen es mittlerweile 7.000 Menschen sein. Sie fliehen vor Armut, Gewalt und Perspektivlosigkeit aus ihren Heimatländern Honduras, El Salvador und Guatemala. Die Kindernothilfe-Partner in Honduras und Guatemala sind besorgt.

Text: Lukas Leßmann, Kindernothilfe Honduras und PAMI (Kindernothilfe-Partner aus Guatemala)

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Nach Tsunami und Erdbeben: Trauma- und Bildungs-Workshops für Pädagoginnen

Unsere Partnerorganisation AMURT Indonesien bietet ab sofort im krisengebeutelten Palu-Distrikt Workshops und psychosoziale Unterstützung für 600 Grundschullehrerinnen und Kindergärtnerinnen an. Der Pilotworkshop stieß auf so großes Interesse, dass Offizielle des Bildungsministeriums im Palu-Distrikt spontan eine Ausweitung der Schulungen arrangierten.

Text: Lukas Leßmann, Karl Andersson/AMURT

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Kinderhandel in Peru: Gemeinsam gegen „trata“!

Plakat gegen die Ausbeutung von Frauen. (Quelle: Jürgen Schübelin)

„Schluss mit der Gewalt gegen Frauen!“ Kinder und Jugendliche von Barranquita haben alle Wände ihrer Schule mit selbst gemalten Plakaten behängt.

Weltweit zwölf Millionen Menschen wurden 2016 Opfer einer sogenannten trata – einer Entführung mit dem Ziel, sie kommerziell sexuell auszubeuten. Die meisten waren minderjährig. In Peru kämpft der Kindernothilfe-Partner Paz y Esperanza gegen das organisierte Verbrechen.

Text und Fotos: Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika und Karibik, Kontakt: redaktion@kindernothilfe.de

Die Einladung war einfach unwiderstehlich: Direkt ins Studio, zu Cuéntamelo todo („Erzähl mir alles“) mit tollen Fernsehstars. Einmal Show- Ambiente schnuppern und dazu eine Reise nach Lima, in die Hauptstadt! Wochenlang hatte ihr Freund ihr vorgeschwärmt, wie toll das wäre, wenn sie mitkommen würde. Nur erzählen dürfe sie niemandem von dem Plan, vor allem nicht zu Hause, weil dann alle nur neidisch sein würden. Am Ende war es dann ganz einfach: Er wartete vor der Schule in Moyobamba auf sie. Am Omnibusbahnhof, stiegen sie in den Überlandbus. Aber in Lima kamen sie nie an. Das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt zwölf Jahre alt, ihr angeblicher Freund, der Mann, der sie entführte, 24.

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