Artikel vom 25. November 2016

Nepal Stories VIII: Die Gemüsebauern von Attarpur

Gemüseanbau: Stolze Gemüsebäuerin: Deu Kumari Shakya aus Attarpur in Nepal

Stolze Gemüsebäuerin: Deu Kumari Shakya aus Attarpur in Nepal

„Wir haben einfach drauflos gepflanzt“, sagt Deu Kumari Shakya im Rückblick. In ihrem Heimatdorf Attarpur in Nepal ist seit einigen Jahren das Gemüsefieber ausgebrochen. In mittlerweile 24 Gewächshäusern und 40 Folientunneln bauen die Frauen und Männer des Dorfes Tomaten, Erbsen, Chilischoten und viele andere Gemüsesorten an – zunächst ohne professionelle Anleitung. Unser Partner AMURT lieferte ihnen jetzt das langerwartete Know-How.

Die 51-jährige Deu Kumari war eine der ersten Frauen, die sich von der traditionellen Landwirtschaft – Weizen, Hirse und Mais – abwandte und anfing, immer neue Gemüsearten zu pflanzen. Die ersten Jahre mussten sie und die anderen Dorfbewohner dabei gänzlich ohne die nötigen Kenntnisse in Sachen Gemüseanbau zurechtkommen. „Es ist ein Wunder, dass wir keine Verluste gemacht haben“, gibt die Landwirtin selbst zu.

Unser Partner AMURT kam letztes Jahr im Zuge der Soforthilfe nach den Erdbeben in das kleine nepalesische Dorf. Dort warteten Menschen, die hochmotiviert waren – aber nicht wussten, wie sie aus ihrer Leidenschaft ein professionelles Geschäft machen konnten.

Die florierenden Gemüsegärten von Attarpur sind vor allem ein Gemeinschaftswerk.

Die florierenden Gemüsegärten von Attarpur sind vor allem ein Gemeinschaftswerk.

AMURT reagierte und bildete seitdem 28 Frauen und 2 Männer im nachhaltigen Gemüseanbau aus. Dazu gehörten Schulungen zu organischen Düngern, dem richtigen Einsatz von Pestiziden und der schnellen Bekämpfung von Krankheiten in den Gemüsegärten. Gerade der Schutz der Böden vor Auslaugung ist in der Region ein wichtiges Thema. Deshalb gibt es zwischen Dezember und Februar eine dreimonatige Brachzeit, in denen der Gemüseanbau zum Stillstand kommt.

Trotz der Brachzeit boomt das Geschäft mittlerweile. Deu Kumari allein rechnet damit, im nächsten Jahr etwa 50.000 Rupien (rund 420 Euro) Gewinn zu erzielen. Besonders stolz ist sie auf die 33 Kiwi-Pflanzen – die Neuzugänge unter den vielen Gemüsesorten, die in Attarpur angebaut werden.

Das Gemüsefieber im Dorf hält weiter an – dank AMURT können die Bewohner nun auch endlich davon leben!

Äthiopien: Keine Dürre mehr im Magen

Volles Haus und volle Mägen in der Schulmensa. Foto: Kindernothilfe-Partner

Volles Haus und volle Mägen in der Schulmensa. Foto: Kindernothilfe-Partner

Im vergangenen Winter hat das Wetterphänomen El Niño in manchen Landesteilen heftige Dürren ausgelöst und damit gleich mehrere Ernten vernichtet. Für die betroffenen Kinder ist das eine doppelte Katastrophe: Neben Mangelernährung leiden sie auch noch unter monatelangem Schulausfall, weil die Beschaffung von Nahrungsmitteln einfach alle Kräfte in Anspruch nimmt.  Um die Not zu lindern, haben wir über mehrere Monate für fast 2.000 Kinder Schulmahlzeiten zur Verfügung gestellt.

Äthiopien wurde diesmal von El Niño, den Passatwinden mit dem unschuldigen Namen, besonders heftig getroffen. Die Winde trieben die Regenwolken in großen Teilen des Landes einfach aufs Meer hinaus. Die folgende Dürre führte in dem ostafrikanischen Land zu einer der größten Hungerkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Die traf und trifft, wie so oft, besonders die Kinder.

Mitglieder der Selbsthilfegruppe teilen Essen aus. Foto: Kindernothilfe-Partner

Mitglieder der Selbsthilfegruppe teilen Essen aus. Foto: Kindernothilfe-Partner

Kinder werden in der Dürrezeit zuhause gebraucht

Eines der Projekte im Rahmen unserer Soforthilfe in Äthiopien, das wir in diesem Jahr gemeinsam mit unserem Partner Rift Valley Children and Women Development Organization (RCWDO) auf die Beine gestellt haben, richtete sich deshalb direkt an die Kinder… und ihre leeren Mägen. Vier Schulen wurden täglich mit Essen bliefert. So bekamen seit März insgesamt 1.920 Kinder an vier Schulen jeweils zwei Mahlzeiten am Tag.

Die Schulen liegen in Ziway Dugda und Adami Tullu, zwei Woredas (Bezirken) im südlichen Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs – einer Gegend, in der El Niño besonders viel Schaden anrichtete. Viele Kinder der Region haben die Schule während der Dürrezeit abbrechen müssen – sie mussten zuhause helfen, Nahrung aufzutreiben.

Unterricht trotz El Niño

Das Projekt holte die Kinder während der eigentlichen Ferienzeit in die Schule zurück, gab ihnen eine tägliche Routine, sorgte für ihre Verpflegung und entlastete so auch ihre Familien. Unser Partner lieferte u. a. 85.000 Kilogramm Weizenmehl, 26.000 Kilogramm Hülsenfrüchte, jodiertes Salz und vor allem sauberes Trinkwasser an die Schulen.

Wertvolle Hilfe bei der Herstellung und Verteilung des Essens leisteten zehn lokale Selbsthilfegruppen. Die rund 200 Frauen, die darin organisiert sind, waren in erster Linie für die Zubereitung der Mahlzeiten zuständig. Durch die gemeinsame Aufgabe konnten sie zeigen, wie leistungsfähig sie sind, und wuchsen noch enger zusammen.

Ende August lief das Projekt aus. Die vier unterstützten Schulen konnten trotz El Niño ihren Betrieb wiederaufnehmen. Keines der 1.920 Kinder hatte in den kritischen Dürremonaten mit Unterernährung oder anderen akuten Krankheiten zu kämpfen. Auch vielen Familien konnten wir durch unsere Projektarbeit das Überleben sichern. Die gute Qualität des Schulessen war ein Verdienst der beteiligten Selbsthilfegruppen.

Wolken sind in der äthiopischen Wüstenregion eine echte Seltenheit. Foto: Girmay Tilahun

Wolken sind in der äthiopischen Wüstenregion eine echte Seltenheit. Foto: Girmay Tilahun

Trotzdem ist die Not noch nicht vorbei. Wieder hat es in Ziway Dugda und Adami Tullu monatelang nicht geregnet, erneut sind die Ernten bedroht. Und das bedeutet: Die Hungergefahr ist nicht gebannt. Das hat auch politische Gründe, wie zuletzt Anfang dieser Woche die Süddeutsche Zeitung analysierte. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern unterstützen wir die Menschen in Äthiopien auch weiterhin – auch darin, in Zukunft gegen Naturkatastrophen wie diese besser gewappnet zu sein.