Artikel vom 27. Oktober 2015

Polizeigewalt gegen Mapuche-Kinder unter Anklage

Mapuche-Kinder mit den Tränengas-Kartuschen eines Polizeieinsatzes

Mapuche-Kinder mit den Tränengas-Kartuschen eines Polizeieinsatzes

Mit Unterstützung des Kindernothilfe-Partners ANIDE sind die andauernden schweren Kinderrechtsverletzungen durch chilenische Polizeikräfte nun ein Fall für die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte in Washington.

Aktivisten der Mapuche-Gemeinden in Chile setzen sich seit Jahren mit Protestaktionen und auch Landbesetzungen dafür ein, Teile ihres illegal enteigneten Landes wiederzuerlangen. Der chilenische Staat hat darauf mit Anti-Terrorismus-Gesetzen reagiert: Immer wieder gibt es brutale staatliche Übergriffe auf Mapuche-Dörfer, bei denen nicht nur Aktivisten, sondern auch die Zivilbevölkerung verletzt werden. Unter den Betroffenen sind auch Kinder und Jugendliche. Bei den polizeilichen Razzien müssen Kinder regelmäßig beobachten, wie Familienmitglieder angegriffen, gedemütigt  und oftmals vollkommen willkürlich verhaftet werden.

Obwohl die Menschenrechtsverletzungen bereits von internationalen und nationalen Menschenrechtsorganisationen und Gerichtshöfen angeklagt wurden, gab es bislang keine ernsthaften Bemühungen der chilenischen Regierung, einen Wandel herbeizuführen.

Einsatz von Polizei-Spezialkräften in einer Mapuche-Siedlung

Einsatz von Polizei-Spezialkräften in einer Mapuche-Siedlung

Anhörung vor der Menschenrechtskommission mit erschütterndem Bildmaterial

Der Kindernothilfe-Partner ANIDE hat gemeinsam mit einem Zusammenschluss von Mapuche-Gemeinden (ATM – Alianza Teritorial Mapuche) und dem Zentrum für Gerechtigkeit und Völkerrecht (CEJIL) die Kinderrechtsverletzungen in den Mapuche-Gemeinden dokumentiert. Die ATM hat nun in Washington eine Anhörung vor der Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte – einem Teil des Intermaerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte –  erwirkt.

Am 22. Oktober sprachen Mijael Carbone Queipul, Vertreter der ATM, und die Anwältin Manuela Royo Letelier bei der Kommission vor, um über die extreme Gewaltsituation zu informieren, der die Mapuche-Kinder ausgesetzt sind. Dabei führten sie neben zahlreichen Foto-Dokumenten auch dieses Video vor:

 


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Hoffnung auf ein Ende der Gewalt

Verantwortlich für die Gewalt sind die chilenischen Polizeikräfte und die Justiz. Letztlich fehlt der politische Wille, die Konfliktsituation, die Ausgrenzung und Kriminalisierung der protestierenden Dorfgemeinschaften zu beenden.

Die Kindernothilfe arbeitet über ein ANIDE-Projekt seit Jahren mit der ATM zusammen, um die Rechte von Mapuchekindern zu schützen, deren Gemeinden sich im gewaltsamen Konflikt mit dem chilenischen Staat befinden. Es bleibt zu hoffen, dass die erneute internationale Aufmerksamkeit die chilenische Regierung dazu bewegt, die Übergriffe auf die Mapuche-Gemeinden endlich einzustellen.

Weitere Informationen (in spanischer Sprache) gibt es hier: http://bit.ly/1jL084T