Artikel vom 15. November 2013

Philippinen: Anpacken angesagt

Fotos: Kidlat de Guia

Kindernothilfe-Mitarbeiterin Antje Weber berichtet von den Philippinen

14. November 2013

Die Berichte über die Folgen des Taifuns reißen nicht ab. Zu recht. Noch immer sind viele Gegenden unerschlossen, tausende Menschen ohne Dach über dem Kopf und voller Verzweiflung. Haiyan hat derart gewütet, dass noch immer nicht das ganze Ausmaß der Schäden bekannt ist. Um einen besseren Überblick zu bekommen und um gemeinsam mit Mitarbeitern unseres lokalen Partners AMURT die Orte zu identifizieren, an denen wir unsere Hilfsmaßnahmen ausbauen wollen, habe ich mich am Dienstag mit meinem Kollegen Christoph Dehn auf den Weg in den Inselstaat gemacht. Nach einer langen Reise sind wir nun in Cebu. Der Norden dieser Insel ist vom Taifun nahezu gänzlich zerstört und von Hilfsmaßnahmen bislang nicht erreicht worden. Morgen werden wir diese Region erkunden, um geeignete Orte für Schutzzentren zu identifizieren, in denen besonders die Kinder Zuflucht finden können.

Begleiten werden wir auch eine Lebensmittelverteilung an rund 1.000 Menschen – und die will vorbereitet sein. Vor meiner Zimmertür türmen sich zu später Stunde Reissäcke, Nudelpakete und Suppen. Eine Gruppe Einheimischer packt mit Feuereifer Familienrationen ab. Sie alle sind selbst oder im weiteren Familienumfeld vom Taifun betroffen. Sie alle hätten Grund zur Verzweiflung. Erst vor zwei Wochen erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,1 die Insel und sorgte für Chaos. Starke Regenfälle kamen hinzu, schließlich zerstörte Taifun Haiyan den Norden der Insel.

Doch statt Verzweiflung verbreitet sich hier eine enorme Energie. Sie alle packen bis in die späten Abendstunden an, um den Betroffenen zu helfen. Der Zusammenhalt der Philippiner ist beeindruckend. Sie verteilen nicht nur Lebensmittelpakete, sie senden auch Boote mit Hilfsgütern in die Regionen, in die kaum jemand vordringt. Per Handy und Social Media tauschen sie permanent Neuigkeiten aus, geben sich gegenseitig Rat oder organisieren Freiwilligeneinsätze zur medizinischen Versorgung entlegener Regionen. Auch die Mitarbeiter unseres Partners AMURT sitzen bis tief in die Nacht zusammen, um die nächsten Schritte zu planen. Anpacken ist hier angesagt – und das werden auch wir in den nächsten Tagen tun.