Artikel vom 29. August 2012

Bundestagsdelegation besucht Kindernothilfe-Partnerprojekt in einer Favela von Porto Alegre

Von Jürgen Schübelin, Kindernothilfe-Referatsleiter Lateinamerika und Karibik

Duisburg / Porto Alegre (29.08.2012) Alternative Ansätze zum Abbau von Gewalt und zur nachbarschaftlichen Lösung von Konflikten standen Ende der vergangenen Woche im Mittelpunkt des Besuches von fünf Bundestagsabgeordneten in einem von Kindernothilfe unterstützten Favela-Projekt im südbrasilianischen Porto Alegre. Die Delegation des Parlaments-Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter der Leitung der früheren Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, Dr. Barbara Hendricks, sprach mit Kindern, Jugendlichen, Eltern und Mitarbeitern des Kindernothilfe-Partnerprojektes Centro de Promoção da Criança e do Adolescente São Franciso de Assis (CPCA) über Strategien zur Überwindung von Armut und das Engagement der Nachbarn gegen Kriminalität, Gewalt und Blutvergiessen in ihrem Viertel.

In dem Favela-Sektor Lomba do Pinheiro an der Ostperipherie von Porto Alegre sind allein in den ersten Monaten dieses Jahres sechs Jugendliche bei bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden oder bei Polizeieinsätzen ums Leben gekommen. Frei Luciano Bruxel und das Team des von den brasilianischen Franziskanern getragenen Kindernothilfe-Partners CPCA vermittelten den fünf Bundestagsabgeordneten einen Eindruck von den prekären Lebensbedingungen innerhalb dieses Armenviertelsektors – sowie dem Ursachen-Zusammenhang zwischen extremer sozialer Ungleichheit, der massiven Verletzung von Kinderrechten und Gewalt an den Rändern brasilianischer Großstädte. Gleichzeitig wurde auf eindrucksvolle Weise deutlich, wie durch experimentelle Projekte, bei denen es auch um nachbarschaftliche Formen der Wiedergutmachung und Versöhnung nach erbittert geführten Auseinandersetzungen geht, die Gewaltspirale gestoppt werden kann. CPCA arbeitet dafür auch intensiv mit Kindern und Jugendlichen an mehreren Schulen des Armenviertels.

Für die fünf Bundestagsabgeordneten Barbara Hendricks (Kleve), Egon Jüttner (Mannheim), Helmut Heidrich (Hersfeld / Rotenburg), Klaus Peter Flosbach (Wüpperfürth) und Sascha Raabe (Frankfurt/Main) bildete der Besuch in dem bereits seit 33 Jahren von Kindernothilfe unterstützten Projekt CPCA in Porto Alegre Teil des umfangreichen Arbeitsprogramms einer Delegations-Reise durch Paraguay und den Süden Brasiliens.
Begleitet wurden sie bei ihrem Aufenthalt in der Lomba do Pinheiro vom deutschen Generalkonsul in Porto Alegre, Hans-Josef Over, seinem Stellvertreter, Konsul Dieter Fuchsenthaler – sowie von brasilianischen Kollegen aus dem Team des Kindernothilfe-Büros in Porto Alegre.

„Für uns war es außerordentlich wichtig“, so der Koordinator für das KNH-Programm in den drei südbrasilianischen Bundesstaaten, Sergio Soares, „den Parlamentariern aus Berlin nicht nur einen Einblick in die Lebens- und Alltagsbedingungen in einer brasilianischen Favela vermittelt zu haben, sondern auch zeigen zu können, wie durch eine engagierte pädagogische und soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern und Nachbarn die Bedrohung durch Gewalt und Kriminalität nachhaltig verringert werden kann.“