Artikel vom 08. Dezember 2010

Cancún: Der Klimagipfel – eine kritische Beobachtung

Seit Beginn der Klimakonferenz stößt insbesondere die räumliche Trennung zwischen dem Hauptverhandlungsort und dem Messegelände auf Kritik unter den Besuchern. Lediglich letztere Räumlichkeiten ermöglichen den Vertretern staatlicher und nichtstaatlicher Organisation ihr Engagement zu präsentieren sowie gemeinsam zu diskutieren.

Durch das zögerliche Eintreffen vieler Konferenzteilnehmer, füllten sich die Informationsstände auf dem Messegelände während der ersten Woche allerdings nur langsam. Kurzfristige Absagen haben zur Folge, dass ungenutzte Informationsstände seit Beginn der zweiten Konferenzhälfte anderen Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden.

Aufgrund der im Vorfeld starken Teilnehmerbeschränkung, wirkt das Messegelände oftmals leblos und leer. So waren speziell während des vergangenen Wochenendes viele Informationsstände vollkommen verwaist. Auch einige Veranstaltungen der einzelnen Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen stoßen auf unerwartet geringe Resonanz.

Außerdem sind seit Beginn der Veranstaltung zahlreiche Logistikprobleme zu beobachten. Viele Aufbauarbeiten konnten nicht rechtzeitig abgeschlossen werden und halten teilweise in der zweiten Konferenzwoche an.

Auf Kritik stößt zudem der mangelnde Informationsfluss hinsichtlich des bisherigen Verhandlungsverlaufs. So sind auf dem Messegelände keinerlei Informationsmaterialen verfügbar, in denen Zwischenergebnisse zusammengefasst werden. Fernsehübertragungen aus den Konferenzsälen bleiben ungenutzt, da alle TV-Geräte auf Durchgangswegen aufgebaut worden sind und keine Sitzgelegenheiten zum längeren Verweilen bieten. Während seines Aufenthaltes auf dem Messegelände ist der Besucher somit in der Regel auf eigene Internetrecherchen angewiesen.

Während Klimaforum10 trotz seiner zuvor beschriebenen Makel einen sympathischen Charakter erhält, wirkt der UN-Klimagipfel zunehmend steril und oberflächlich. So finden alle Veranstaltungen in stark klimatisierten Räumlichkeiten statt. Ebenfalls extrem abgekühlte Großbusse bleiben bei laufenden Motoren bis zu 20 Minuten unbewegt und befördern teils weniger als fünf Passagiere. Doch wie würden die Konferenzteilnehmer reagieren, blieben beispielsweise alle Räumlichkeiten und Transportmittel im Sinne des Umweltschutzes unklimatisiert?

Stefan Ernst,
Kindernothilfe