Artikel vom 18. Oktober 2010

Mit Act Positive nach Südafrika: 16.10.2010

Fünf Jugendliche berichten über ihre Reise mit der Kindernothilfe nach Südafrika. Sie hatten bei Act Positive mitgemacht und werden nun für ihr außergewöhnlich großes Engagement belohnt. Die Reise wird komplett mit einem EU-Zuschuss für die Kampagne finanziert.

Wiebke, 18, aus Reinbek:

Als wir heute Morgen zum YfC-Office gefahren sind, waren wir alle ein bisschen aufgeregt. Denn es galt den Peer Education Avard der Change Agents zu verleihen. Wir hatten aber keinerlei Ahnung, wie so eine Preisverleihung aussehen würde und wie das mit der Sprachbarriere wird und ob wir dann noch etwas zu den Gewinnern sagen müssen. Als wir bei YfC ankamen waren auf dem Gelände schon viele Schüler in verschiedenen Schuluniformen und unterhielten sich, sangen und begrüßten Schüler von anderen Schulen. Kaum angekommen halfen wir, die Halle zu bestuhlen. Yvonne und ich haben uns dann noch in der Küche beim Gemüse schneiden nützlich gemacht (auch das war für uns eine interessante Erfahrung, weil Frauen in der Küche ähnlich denken, aber durch diese kulturellen Unterschiede waren Yvonne, Pumbi und Wiebke doch überrascht, dass fast nichts erklärt werden musste, was zu tun ist, und so hatten wir Zeit, um über andere Dinge zu reden, das war schön.) Die Jungens haben sich um das Fleisch und den Grill gekümmert. Als nichts mehr zu tun war, ging die Preisverleihung los.
Um 10:00 strömte eine bunte Horde südafrikanischer High School Kinder der 8. Klasse in die Halle. Sie kommen von 7 verschiedenen Schulen aus den Townships von Durban. Es sind aber nicht die ganzen Jahrgänge, sondern nur eine Art Delegation der Schüler, die von den Change Agents in besonderen Kursen geschult wurden oder an einzelnen Projekten sich besonders beteiligt haben. Sie präsentieren in Gruppen von 15 – 25 Kindern ihre Schulen.

Zu Beginn stimmt jede Schule ein Lied an
Amazing! Dann arbeiten die Kinder in Gruppen und schreiben ihre Feedbacks extra für uns in Englisch auf. Aber was sie schreiben, ist noch viel toller. Sie schreiben, was sie sich wünschen für die Arbeit mit YfC für das nächste Jahr. Und eben diese Wünsche haben es in sich! Die Kinder wollen Schulungen zum Thema Gruppenzusammenhalt und Teamfähigkeiten, sie wollen über Vertrauen und Menschenkenntnis mehr lernen, wollen an ihren Kommunikationsfähigkeiten arbeiten, wollen sch austauschen über Erfahrungen mit anderen High Schools und fordern mehr Camps und mehr Leader-Training. Aber natürlich wollen sie auch mehr Drama, Spiel, Tanz, Musik und Spaß, wie es ihnen Leute wie der lustige Thula vorleben. Denn sie sind ja auch noch immer Kinder, wenn auch schon sehr erwachsene Kinder. Bei dieser Aufgabe haben sich die Schülerinnen und Schüler echt viel Mühe gegeben und jeden Punkt einzeln diskutiert, bevor sie ihn aufgeschrieben haben und konnten es so später allen präsentieren.
Ein anderer Part des Peer Education Awards waren die Frage-Runden: „Was macht dich stolz?“, „Was war deine schwerste Challenge?“ „Was konntest du durch dein bei YfC Erlerntes bewirken?“ Und bei eben diesen Frage-Runden schnellten die Finger nach oben und wir bekommen die erstaunlichsten Antworten übersetzt. Wir hören, wie diese 14-Jährigen gelernt haben selbstbewusst aufzutreten, jüngeren Kindern bei Problemen mit ihren Eltern zu helfen, aber auch für andere Mitmenschen und deren Probleme ein offenes Ohr zu haben und wie sie in komplizierten Situationen sicher und vernünftig handeln konnten. Daran konnten wir sehen, wie ernst sie die Arbeit von YfC nehmen, und das ist wirklich wunderbar, denn hier trägt ja auch unsere Arbeit ihre Früchte. Bei eben diesen Kindern, die die Zukunft Südafrikas auf ihren Schultern tragen.

Yvonne und Wiebke als Charity-Ladies
Nach einer kurzen Pause geht es zum spannenden Teil der Veranstaltung über, der Preisverleihung. Wir haben beschlossen, dass Yvonne und Wiebke den Part der Charity-Ladies übernehmen und Lennart und Pablo sich um die Fotos kümmern sollten. Für Yvonne und mich war es komisch, dort vorn zu stehen und den Kindern die Urkunden, T-Shirts und Pokale zu überreichen. Aber irgendwie hat es auch Freude gemacht, den Kindern die Hand zu reichen, ihr breites Grinsen zu sehen und zu spüren, wie sie vor Stolz nahezu platzen.

Julian, 16, aus Bochum:

Der meiner Meinung nach bisher beste Tag der Reise. Es ist nicht so als währen die anderen Tage nicht besonders gewesen, aber dieser war besonders auf seine eigene Art und Weise.
Heute wurde in dem Büro von Youth for Christ (YFC) der sog. Peers Educators Award vergeben. An mehreren Schulen, an denen sich YFC engagiert, wurden einige Schüler zu sog. „Peer Educators“ ausgebildet. Das von dem YFC-Team erlangte Wissen sollen die Schüler an ihren Schulen weitergeben, den Schülern vermitteln, was „gut und was schlecht“ ist. Für besondere Leistungen wurden einzelne Schüler dann ausgezeichnet, ebenso die engagierteste Lehrerin.
Für mich ist es immer wieder ein wundervolles Gefühl zu sehen, mit wie viel Freude die Kinder zur Schule gehen bzw. Schulveranstaltungen wie heute besuchen. Für mich ist es unvorstellbar, dass in Deutschland Jugendliche in diesem Alter an einem Samstag freiwillig und derart voll Freude auftauchen. Mit welcher Disziplin die jungen Menschen in der Halle von YFC saßen, miteinander gesungen haben, miteinander geredet haben, miteinander Spaß hatten, auch wenn sie nicht von einer Schule waren. Miteinander, das Wort, welches meiner Meinung einen großen Stellenwert im Leben der Menschen hier hat.
Als die Schule ausgezeichnet wurde, die sich alles in allem am meisten engagiert hat, die Mvaba High School, freuten sich nicht nur die Schüler dieser Schule, sondern genauso wie sie die Schüler aller anderen Schulen. Alle standen auf, klatschten und tanzten! Ich denke, was ich heute einmal wieder erleben durfte, war wirkliche Freude, auch natürlich die Freude, einen Preis zu gewinnen aber vor allem die Freude, zusammen zu sein, zusammen zu tanzen, zusammen zu singen und einen tollen und gut organisierten Tag genießen zu dürfen, der mit einem leckeren Mittagessen (BBQ) endete.
Für mich war dieser Tag wirklich rührend, denn ich finde es immer wieder begeisternd, mit wie viel Freude und Dankbarkeit die Menschen und gerade auch die Jugendlichen, deren Probleme Armut und Perspektivlosigkeit sind, ihr Leben leben.
Ich finde, wir hätten ein Foto von der Halle, in der die Veranstaltung stattfand, machen müssen, bevor wir sie gestern entrümpelt haben. Es ist erstaunlich, wie aus einer mit Möbeln voll gestellten, leblos und trist wirkenden Halle ein so fröhlicher und lebvoller Raum werden konnte, nicht etwa aber durch den Anstrich mit materiellem wie Farbe, sondern mit viel mehr, nämlich mit der wahren Freude an dem Event und der Freude an dem Tag.

Yvonne, 18, aus Marienstatt:

Kinderaugen
Es ist kurz nach neun und das Gelände der Change Agents ist voll von Schulkindern. Es laufen 140 Kinder fröhlich über den Platz und warten auf den Beginn der Verleihung von Preisen an besonders engagierte Schüler.
Um 10 Uhr stürmt eine Horde tanzender Kinder in die große Halle des Geländes, und das mit einer Lebensfreude, als gäbe es nichts Schöneres. Die Begrüßung ist ein Mix aus Gottesdienst und einem Abend unter Freunden. Jedes Team einer Schule singt etwas vor, und sofort wird lauthals eingestimmt. Nach der Begrüßungszeremonie werden die Kinder in eine Gruppenarbeit entlassen, in der sie sich mit der Frage auseinandersetzen sollten, was nächstes Jahr bei Youth for Christ verbessert werden sollte. Während die Kinder arbeiten, wird mir bewusst, wie wichtig Zusammenhalt im Kampf gegen Aids ist. Erstaunlich, dass diese Kids das selbstständig vorleben! Am Ende hat jede Gruppe eine Liste konkreter Kritikpunkte, die von Vertretern mit guten Argumenten vorgestellt wird.
Anschließend werden die Preise verliehen. Das Strahlen in den Augen der Kinder, als sie mit Stolz ihre Trophäen entgegennehmen, ist mit nichts zu vergleichen. Wahrhaftig “CHANGE Agents” – denn diese Kinder verändern wirklich – und das zum Positiven!
Ebenso spannend war mit anzusehen, mit was für einem großen gegenseitigen Respekt die Kinder sich verhalten. So gibt’s zum Beispiel für selbsteinstudierte Choreografien tobenden Applaus sowie immer wieder eine rege Beteiligung an den Auftritten. Diese bestanden aus kurzen Balladen, und selbst eine Zulu-Rap-Einlage brachte die Halle zum Toben!
Nach dem emotionalen Event wurde noch eine Mahlzeit an alle Kinder ausgeteilt, und dann folgte die Verabschiedung der Change Agents.

Mit Act Positive nach Südafrika: 15.10.2010

Fünf Jugendliche berichten über ihre Reise mit der Kindernothilfe nach Südafrika. Sie hatten bei Act Positive mitgemacht und werden nun für ihr außergewöhnlich großes Engagement belohnt. Die Reise wird komplett mit einem EU-Zuschuss für die Kampagne finanziert.

Oli aus Duisburg:

Heute verbrachten wir den Tag mit den „Change Agents“ von „Youth For Christ“, einem Kindernothilfe-Partner. Als wir auf dem Gelände von „Youth for Christ“ ankamen, befanden sich die Mitarbeiter im morgendlichen Gottesdienst. Keine langweiligen Predigten, wie bei uns üblich, sondern Jeff, letztes und vorletztes Jahr noch als Leiter der Theatergruppe in Deutschland auf Tour, saß am Keyboard und die restlichen Mitarbeiter sangen, tanzten und lachten. Auch wir standen, ehe wir uns versehen konnten, in der ersten Reihe und gaben uns Mühe, nicht wie die größten Bewegungslegastheniker zu wirken – mehr oder weniger erfolgreich.
Danach ging es los zu einer Schule. Die „Change Agents“ besuchen jede Woche eine andere Schule: Jeweils an 4 Tagen spielen sie Theaterstücke über Nächstenliebe, HIV/Aids und anderen Problematiken des südafrikanischen Alltags und veranstalten Workshops.
Gerade als wir das Gelände der Schule betreten, direkt ein großer Schock. Das eigens gemietete große, bunte Zelt hat den Sturm des gestrigen Abends nicht überlebt. Souverän mit der Situation umgehend informierten die engagierten Mitarbeiter der „Change Agents“ den Verleiher, der eiligst das Zelt abbaute. Zur Überbrückung der Wartezeit wurden ein paar Körbe geworfen und Bälle gekickt. Musik wurde gespielt, unter anderem der WM-Song von Shakira, und wir Deutsche machten uns ein bisschen bei überzogenen Tanzaufführungen zum Affen, bis die Reste des Zeltes abgebaut waren und die Veranstaltung unter freiem Himmel stattfinden konnte.
Nach unserer Rückkehr bei „Youth for Christ“ galt es zu beweisen, dass die Deutschen nicht nur zugucken, sondern auch anpacken konnten, und so wurde die Versammlungshalle gemeinsam entrümpelt und gebohnert. Dort soll morgen trotz schlechter Wetterprognosen – die eigentlich in einem Park geplanten – Auszeichnungen für sozial engagierte Jugendliche stattfinden.

Pablo, 20, aus Selb:

Gerade erst mit den „Change Agents“ vorgefahren hört man schon Gesang. Die Sing- und Tanzkultur hier ist unvergleichlich mit Deutschland. So versammeln sich hier spontan um die 30 Schülerinnen und Schüler der Schule, um gemeinsam zu singen und zu tanzen, zumeist vollständig improvisiert. Ein guter Start in den Tag. Ohne Lächeln und Mitsummen kommt man da gar nicht vorbei!
Die „Change Agents“ bestehen aus studierenden Ehrenamtlichen, die ein bis zwei Jahre dort helfen und mitarbeiten. Wahnsinn, wie man dann sieht, dass trotz eines komplett vom Sturm zerstörten Zeltes alles schnell und im Teamwork ablief! Pantomime, Theater und akrobatische Tanzeinlagen, und schon ist die komplette Schule versammelt, um die „Change Agents“ zu erleben. „You are special and unique“ war die letzte Message der Gruppe. Nächste Woche geht’s für die Agents dann auch schon ab in die nächste Schule und vom 1. bis 12. November 2010 sind sie mit der Kindernothilfe in Deutschland auf Tour!
Zurück zum “Youth for Christ Office”.  Selbst als wir dann beim Aufräumen der Versammlungshalle halfen, wurde geklatscht, gesungen und in Gummistiefeln getanzt – egal, ob jung oder alt. Absolut ansteckend!