Artikel vom 04. Oktober 2010

Bilanz: Neun Monate nach dem Erdbeben – Bildung ist Zukunft

  • –  9 Monate nach dem Beben erreicht die Kindernothilfe 9.000 Jungen und Mädchen in Haiti.
  • –  25 Projekte in ganz Haiti: Die Arbeit der Kindernothilfe konzentriert sich auf die Unterstützung von Kinderzentren und Notschulen, sowie den Wiederaufbau zerstörter Schulen und Gemeindezentren.
  •  –  Über 1,5 Millionen Menschen verloren ihr zu Hause und leben seitdem in Camps rund um Port-au-Prince.

Die Bilanz der Arbeit der Kindernothilfe in Haiti ist neun Monate nach dem Beben weitgehend positiv. „Dank der überwältigenden Unterstützung konnten wir bereits sehr viel erreichen. Ich beobachte einen großen Wandel. Die meisten Kinder aus unseren Projekten gehen heute zur Schule. Die Lebensbedingungen der Familien in den Projektgebieten haben sich verbessert. Die Jungen und Mädchen lernen Lesen und Schreiben, und geben das Erlernte oftmals auch an ihre Eltern weiter,“ berichtet Alinx Jean Baptiste, Landesdirektor der Kindernothilfe Haiti. Seit 2000 arbeitet er für die Kindernothilfe in Haiti.

Zu den Schwerpunkten der Arbeit der Kindernothilfe in Haiti: „In vielen Projekten werden die Kinder in wichtigen ökologischen Themen unterrichtet: wie sät man richtig an, wie erhöht man Erträge in eigenen Gärten nachhaltig oder wie funktionieren Bewässerungssysteme. Unser Ziel ist es, den Kindern eine langfristige Lebensperspektive zu ermöglichen. Auch ihre Gesundheitssituation hat sich spürbar verbessert. Durch gesunde Ernährung gibt es zum Beispiel deutlich weniger Parasiten- oder Durchfallerkrankungen“, so Alinx Jean-Baptiste.

„Die Mehrzahl der Kinder sind gesund. Das Notschulprogramm und der Wiederaufbau der Schulen gibt ihnen Hoffnung. Auch Restavèk-Kinder werden in speziellen Projekten mit Schulprogrammen gefördert und sind vor Gewalt und Ausbeutung geschützt. Die Kinder wissen, das Bildung auch Schutz bedeutet.“

Eines der größten Probleme Haitis: Fehlende Bildung
Seit dem Beben am 12. Januar gibt es große Probleme im Land. Große Teile der ohnehin schwachen Infrastruktur sind seit dem Beben zerstört, Eigentumsverhältnisse sind of unklar und die Hurrikan Saison erschwert die Baumaßnahmen. Der allgemeine Wiederaufbau geht nur schleppend voran. Am 28. November sind Präsidentschaftswahlen. „Dieses Datum ist für Haitis Zukunft wegweisend. Eines der größten Probleme ist die fehlende Bildung. Es gibt nicht genug Schulen im Land. Durch das Erdbeben sind viele zerstört worden. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben mehr als eine halbe Millionen Kinder zwischen sechs und zwölf keinen Zugang zu Bildung. Was dazu führt, dass viele später ohne Arbeit und soziale Absicherung leben. Fehlende Bildungsmöglichkeiten verursacht Armut.“

Doch die Erfolgsgeschichten beginnt „im Detail“, auf der Projektebene tut sich viel. Die Kindernothilfe erreicht insgesamt rund 9.000 Kinder in Haiti. Schwerpunkte der Projekte sind Schulbildung, medizinische Versorgung und kindgerechte Ernährung. „Gleichzeitig unterstützen wir die psychosoziale und pädagogische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen, besonders in den Notschulen und Kinderzentren. Wir wollen ihr Selbstbewusstsein stärken, unter anderem durch Maßnahmen wie sportliche Aktivitäten, Tanzen und Singen ebenso wie Gruppen- und Einzelarbeit. Außerdem möchten wir in Zukunft mehr Kinder mit Behinderungen erreichen. Geschulte Mitarbeiter können die Gemeinden sensibilisieren und die Integration von behinderten Kindern- deren Anzahl gerade nach dem Erdbeben stark zugenommen hat- fördern,“ so Alinx Jean Baptiste.

Die Kinder haben das Lachen wieder gerlernt 
Auf die Frage worauf er besonders stolz ist, antwortet er: „Es sind beim Beben hier unzählige Menschen gestorben. Die Kinder in Haiti haben dramatisches durchlebt, und doch kommen sie jeden Tag zur Schule und lernen das Lachen wieder. Es herrscht in den Programmen eine außerordentliche Solidarität untereinander. Ich bin sehr dankbar für die großzügige Hilfsbereitschaft in Deutschland, die uns diese Erfolgsgeschichte unserer Projekte ermöglicht hat, und hoffe, dass uns die Menschen auch weiterhin verbunden bleiben“, betont Alinx Jean Baptiste.