Artikel vom 22. September 2010

Haiti: Neues Kinderzentrum in Port-au-Prince/Tokyo

Text und Fotos: Katja Anger, Haiti

Am 1.  September öffnete die Kindernothilfe die Türen ihres neuen Kinderzentrums in Tokyo, einem Bezirk im Stadtteil Delmas 2 von Port-au-Prince. Es ist das erste der 16 Kinderzentren, das vom Kindernothilfe-Haiti-Team ohne Partner direkt implementiert wird.

Eine Herausforderung, auf die sich Mericia, Assistentin der Programm Leitung, sehr freut: „Es ist ein ganz tolles neues Projekt, das von Anfang an gut angelaufen ist. Momentan suchen wir noch nach mehr Kindern in den nahe gelegenen Zeltlagern ‚Football’ und ‚Boliman’, die nicht zur Schule gehen und unbedingt einen Ort brauchen, an dem man sich um sie kümmert, wo sie spielen können und ihr Lachen wiederfinden.“

Die Bewohner von Delmas 2 haben der Kindernothilfe das Terrain, welches vorher ein Basketballplatz war, zur Verfügung gestellt, und nun spielen hier seit zwei Wochen 79 Kinder. Die Zahl wird noch auf 250 anwachsen, schließlich ist genug Platz da, und es gibt zehn Betreuer, die größtenteils selbst aus Delmas 2 stammen und von der Kindernothilfe ausgebildet wurden: „Es ist sehr wichtig, die Menschen, die in der Nähe wohnen, in das Projekt einzubinden. Die Gestaltung liegt somit zuallererst in ihren Händen, und es gibt ihnen das Gefühl, Teil dieses Projektes und seines Erfolgs zu sein. Dies wiederum hilft, eine gewisse Kontinuität des Projekts zu garantieren“, erklärt Eva Meyer, die Programmkoordinatorin der Kindernothilfe Haiti.

Wenn man die Kinder fragt, warum sie gerne ins Kinderzentrum kommen, lassen die Antworten nicht lange auf sich warten: „Zum Lernen“, „Mich informieren“, „Sport machen“, „Spaß haben“, „Ablenkung finden“… – und Jolivant, ein kleiner Junge von 12 Jahren, fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: „Ich bin glücklich hier, und ich habe schon ganz viele Sachen gelernt, von denen ich vorher noch nicht einmal wusste, das es sie gab.“

Er meint die Lieder, die ihm die Betreuer beibringen, die Spiele, die sie spielen, und Aktivitäten wie Malen und Basteln. Aber manchmal leider auch mehr als das.

Nerlyne, die Leiterin des Kinderzentrums, hat bemerkt, dass manche der Kinder nicht lachen können oder nicht verstehen, was es ist zu lachen gibt. Ja, manchmal kennen sie nicht einmal das Wort „Lachen“ (Sourire auf Kreol): „Die meisten Kinder kommen aus der unmittelbaren Umgebung. Die Menschen hier sind sehr arm. Es gibt viele Probleme, viel Gewalt und Kriminalität, weil viele große und schlecht ausgestattete Zeltlager in der Umgebung liegen. Durch das Kinderzentrum haben wir die Möglichkeiten, wenigstens 250 Kinder von der Straße zu holen, sie zum Lachen zu bringen und ihnen Perspektiven zu geben. Darüber bin ich stolz und glücklich.“

Die Kinder aus Delmas 2 und Tokyo haben auch in den letzten acht Monaten sehr unter schlechten hygienischen Bedingungen gelitten, und viele von ihnen sind krank. Deswegen ist auch LandsAid, eine medizinische NGO, mit der die Kindernothilfe momentan die Projekte besucht, letzten Freitag hierher gekommen und hat die Kinder behandelt.

Das KNH Haiti Büro freut sich über den Kinderzentrum-Neuzuwachs!