Haiti: Aufbau des ersten Kinderzentrums

19. Januar, 7 Uhr Ortszeit in Haiti. Ich spreche mit dem Kindernothilfe-Koordinator Ruben Wedel, der sich in Port-au-Prince gerade auf die Aktivitäten des neuen Tages vorbereitet. Seiner Stimme merkt man die Anspannung, den Stress und die Müdigkeit an. Hier sein Bericht:

„Auf dem Schulgelände, auf dem unser Team bisher kampiert hat, wird die amerikanische Armee jetzt einen Stützpunkt errichten und dann von hier aus die Verteilung von Lebensmitteln und Wasser organisieren.

Heute soll ein neuer Container mit Lebensmitteln kommen, der dringend gebraucht wird. Durch den Stützpunkt werden aber jetzt hoffentlich immer mehr Hilfslieferungen reinkommen. Die Verteilung muss von der Armee kontrolliert werden, damit es nicht zu Aufständen kommt. Die Sicherheitslage wird angespannter, was verständlich ist, die hungernden Menschen werden immer verzweifelter. Bis jetzt wurde die Arbeit des Kindernothilfe- und humedica-Teams davon jedoch nicht beeinträchtigt.

Hier wurde inzwischen der Ausnahmezustand ausgerufen – die Ausgangssperre gilt  von abends 18 Uhr bis morgens um 5 Uhr. Auf den Straßen dürfen dann nur noch Militär und die UN unterwegs sein.

Kinderzentren in Port-au-Prince:
Für heute ist geplant, das erste provisorische Kinderzentrum zu errichten. Dazu müssen wir Zelte organisieren. Wir werden klein anfangen, mit einem Zentrum für Kinder bis sechs Jahre. Wir können leider keine älteren Kinder aufnehmen, weil das unsere Kapazitäten sprengen würde. Nach und nach werden wir versuchen, weitere Kinderzentren zu eröffnen.

Bei den Zentren geht es um vier Hilfsangebote:

  1. Schutz – wir wollen dafür sorgen, dass Kinder, deren Eltern umgekommen sind, nicht orientierungslos umherirren oder womöglich von Kinderhändlern aufgegriffen werden
  2. Gesundheit – wir werden abklären, ob sie krank sind, ob sie ins Krankenhaus oder zu einem Arzt gebracht werden müssen, und dann dementsprechend handeln
  3. Ernährung – die Kinder bekommen zu essen, unterernährte Kinder spezielle Zusatznahrung
  4. Psychosoziale Arbeit – ein Kindernothilfe-Partner stellt einen Psychologen, der die Trauma-Arbeit organisieren wird

Die übrigen Mitarbeiter der Kinderzentren sind Lehrer von der Heilsarmee. Sie wohnen irgendwo in Flüchtlingslagern und haben sich bereit erklärt, mitzumachen.

Situation der Projekte in Jacmel:
Die Straße nach Jacmel ist zerstört – der Ort ist nur per Flugzeug oder Schiff erreichbar. Deshalb konnte das Team das Projekt bisher nicht besuchen.

Kindernothilfe-Partner in Carrefour:
Über die Deutsche Botschaft haben wir gestern eine Trinkwasserlieferung für unseren Partner ‚Die kleinen Schwestern‘ in Carrefour organisiert.

Hilfskonvoi wird heute erwartet:
Heute gegen 17 Uhr haitianischer Zeit erwarten wir den Konvoi mit den Hilfsgütern, der gestern mit Air Berlin auf die Reise geschickt wurde. Er wird von Kindernothilfe-Mitarbeiter Jürgen Schübelin begleitet.“

Wir, die wir in Deutschland im Büro sitzen und schon durch die Bilder und Berichte immer wieder schockiert und betroffen sind, wünschen dem Kindernothilfe- und humedica-Team viel Kraft und Gesundheit für die wichtige Arbeit, die es dort leistet!

Gunhild Aiyub, Redakteurin
Gunhild.Aiyub@knh.de

4 Kommentare zu Haiti: Aufbau des ersten Kinderzentrums

  1. Karin

    Kann man etwas über das College Verena sagen? Unser Patenkind ging dort zur Schule. Gibt es die Schule noch und wenn nicht, waren die Kinder zum Zeitpunkt des Bebens dort? Wir dneken jeden Tag an die tapferen Menschen dort, die die Hilfe realisieren, ein Großer Dank aus der Ferne und wir wünschne viel Kraft. Über eine Antwort würden wir uns feuen. Wenn wir von hier etwas tun können, bitte melden

  2. Hannspeter

    Wir freuen uns, dass die Situation sich stabilisiert. Unser Patenkind ist auch im College Verena. Ich suche überall Bilder und Informationen, um zu erfahren, wie es ihr geht. Es wäre schön, etwas mehr zu erfahren.
    Wir wünschen weiterhin Ihnen allen dort drüben Kraft und Ausdauer, wir versuchen derweil hier einfach die Spendenbüchse rumzureichen.

  3. Vera und Claude Roumain

    Unser Patenkind Samantha Baubien ist auch dort. Wir hoffen und beten, dass Sie überlebt hat. Wenn die Lage überschaubarer ist, würden wir uns sehr über eine Rückmeldung freuen.
    Toll wie sich die Kindernothilfe für die Menschen in Haiti engagiert!!
    Wir werben hier auch schon eifrig für Spenden!
    Herzliche Grüße aus Südbaden!

  4. Gerd Heidchen

    Liebe Karin, lieber Hannspeter, liebe Vera und Claude Roumain,

    herzlichen Dank für Ihre große Anteilnahme. Wir teilen Ihre große Sorge um das Wohlergehen der Patenkinder und ihrer Familien vor Ort!

    Die Heilsarmee ist im Moment dabei, die Kinder aus den Projekten ausfindig
    zu machen. Noch ist es schwierig. Es gibt Überlebende, es werden aber Kinder und Jugendliche aus den Projekten vermisst.

    Durch die beiden Mitarbeiter unseres Kindernothilfe-Büros in Port-au-Prince werden wir hoffentlich bald weitere Informationen über den Verbleib einzelner Kinder und ihrer Familien erhalten. Sie können sich darauf verlassen, dass wir solche Informationen so bald wie möglich an die jeweiligen Paten weitergeben.

    Herzliche Grüße!
    Gerd Heidchen
    Kindernothilfe e.V.

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