Erdbeben in Haiti: „Dies ist ein Hilferuf!“

 

Wir schreiben heute Tag 5 seit dem schweren Erdbeben in Haiti. Seit vorgestern ist unser Kindernothilfe-Mitarbeiter Ruben Wedel gemeinsam mit dem Ärzteteam von Humedica in Port au Prince. Die Ärzte haben sich mittlerweile im Krankenhaus der Hoffnung mit einer Notklinik eingerichtet.

Bis zur Erschöpfung haben sie bislang 500 Kinder und Erwachsene behandelt. Alinx Jean Baptiste, Mitarbeiter des Kindernothilfe-Partners Heilsarmee dazu: „Gestern, das war die Hölle! Die Ärzte haben bis 21 Uhr gearbeitet und schlimme Verletzungen behandelt. Jetzt sind alle Medikamente verbraucht. Bald sollen neue aus der Dominikanischen Republik kommen.

In einem logistischen Kraftakt stellen die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ und die Luftfahrtgesellschaft Air Berlin für morgen einen Hilfstransport in die Dominikanische Republik bereit. Humedica und die Kindernothilfe können rund 30 Tonnen an Bord nehmen, Wasserfilter, medizinische Versorgung, Nahrungsmittelzusätze und Damenbinden. Auch an Bord: Weitere Ärzte von Humedica. Von der Dominikanischen Republik aus geht es dann auf dem Landweg weiter nach Haiti. Der Referatsleiter für Lateinamerika und die Karibik, Jürgen Schübelin, ist bereits vor Ort, um den Weitertransport zu organisieren. Auf dem Flughafen in Port au Prince landen zwar mittlerweile auch ständig Maschinen mit Hilfsgütern. Doch an der Koordination scheitert es im Moment meist.

Dass Lebensmittel und Wasser knapp sind, hören wir täglich aus den Medien. Eindringlich bittet auch Alinx Jean Baptiste nochmal um Hilfe: „Wir brauchen Medikamente. Die Kinder brauchen sie. Die besonders! Dies ist ein Hilferuf!“

Eine besonders prekäre Situation: Heute Morgen wurden im Krankenhaus der Hoffnung Zwillinge geboren. Auch auf dem Gelände des Kindernothilfe-Projekts College Verena gebären Frauen unter freiem Himmel immer wieder Kinder, ohne Schmerzmittel, ohne Hygiene. Besonders für die Babys ist dies eine Herausforderung. Sie dürfen kein schmutziges Wasser trinken, sonst bekommen sie Durchfall. Und es gibt keine Milch.

Überhaupt findet das Leben jetzt draußen statt. Alle schlafen draußen, denn keiner traut sich wegen der Nachbeben in die Gebäude. Erst heute Morgen gab es wieder eins. Trotzdem scheint Alinx Jean Baptiste die angespannte Sicherheitslage nicht komplett zu bestätigen. „Wir haben bisher keine gefährliche Situation erlebt. Wenn die Menschen sehen, da ist ein Weißer, denken sie, er ist Arzt und bitten um Medikamente. Aber es ist nicht gefährlich. Was ich beobachten kann, ist eine gute Solidarität unter den Leuten. Der menschliche Umgang miteinander ist sehr gut“.

Die Kindernothilfe hat rund um Port au Prince Projekte, die zum Teil schwer beschädigt wurden. Viele Paten rufen uns an und fragen uns über ihre Patenkinder. Viele der Patenkinder, so Jean Baptiste, deren Häuser zerstört sind und die ihre Eltern verloren haben, halten sich auf dem Schulgelände auf. Die Heilsarmee versorgt sie, so gut sie kann. Die Lebensmittelreserven kommen aus der Schule: Reis, Öl, Bohnen. Jetzt haben sie nichts mehr.

Er erzählt weiter: „Einer unserer Partner, „Die kleinen Schwestern“, haben viele Kinder verloren. Sie haben auch kein Wasser. Ich werde versuchen, auf dem Weg dorthin, Wasser zu organisieren. In den Bergen sind alle unsere Schulen kaputt.“ Trotzdem: Derzeit fällt es schwer, dass sich die Mitarbeiter vor Ort über Projekte, die weiter weg liegen, informieren: Denn es fehlt auch an Treibstoff.

Was die kommenden Tage auf Haiti bringen werden, weiß niemand genau. Hoffen wir auf das Beste von allem, was möglich bleibt.

Gunhild Aiyub, gunhild.aiyub@knh.de
Simone Orlik, presse@knh.info
Online-Redaktion Kindernothilfe

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