Ein Tag bei Aynimundo

Die kleine Künstlerin ist stolz auf ihr Werk, das sie im Projekt Aynimundo gemalt hat

Text und Fotos: Ilse Kreiner, zurzeit in Lima/Peru im Projekt Aynimundo

Morgens um 8 Uhr

Die Sonne müht sich durch Wolken und Dunst. Man ahnt, es wird wieder ein schwül-heißer Sommertag in Lima/Perú. Hoffentlich gibt es Wasser aus der Wasserleitung …

Im Projekt Aynimundo beginnt der Arbeitstag. Die ersten Kinder mit Behinderung kommen zur Therapie, einige Mitarbeiter sind bereits auf dem Weg in die verschiedenen Schulen, wo Ferienaktivitäten angeboten werden, und die für die Start-ups Zuständigen bereiten ihre Beratungsgespräche vor.

Zur letzten Gruppe gehöre auch ich. Mein Name ist Ilse Kreiner, ich arbeite nun schon das zweite Mal im Rahmen des Kindernothilfe-Freiwilligenprogramms im Projekt Aynimundo mit und werde als vollwertiges Mitglied des Teams behandelt – ein sehr schönes Gefühl.

Jeden Montag setzen sich alle Mitarbeiter zusammen, und jede Gruppe berichtet von ihren Aktivitäten, von ihren Schwierigkeiten und von vielen kleinen und größeren Erfolgserlebnissen. Wenn es so heiß ist wie gerade jetzt, dann gibt auch schon mal Eis für alle – hurra!

Aynimundo hat sich zur Aufgabe gemacht, die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung zu verbessern und ihre Integration in die Gesellschaft zu fördern. Das geschieht durch die Zusammenarbeit mit Schuldirektoren und Professoren, um diese für die speziellen Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung zu sensibilisieren. Dabei werden den Lehrern auch Möglichkeiten nähergebracht, wie sie die Fähigkeiten dieser Kinder besser fördern können.

Auch Maltherapien stehen auf dem Programm

Singen und tanzen in den „Sommerschulen“

Aus dieser Zusammenarbeit entstanden die sogenannten “Sommerschulen”. Es gibt dort keinen Unterricht, sondern die Kinder spielen gemeinsam, malen ihre Träume, singen und tanzen unter Anleitung von Fachkräften. Die Integration von Kindern mit Behinderung gelingt spielerisch. Es ist erstaunlich, mit welcher Ernsthaftigkeit alle ans Werk gehen. Und der Tanz bringt die Kinder in Bewegung. Am Ende sind wir alle erschöpft – gut so!

Tanzend gelingt die Integration ganz spielerisch

In unserer Montagsitzung erzählen unsere Therapeutinnen von ihrer Freude über selbst noch so kleine Fortschritte eines Mädchens mit Downsyndrom. Und sie berichten von den glücklichen Gesichtern der Eltern, wenn sie beobachten, wie ihr kleiner Sohn mit Verhaltensstörung seine Kommunikationsfähigkeit langsam verbessert. Das sind sehr berührende Momente, wir freuen uns alle gleich mit.

Ein anderer Kollege erzählt vom Anruf eines Unternehmers, der zwei Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung anbietet. Wie schön, denn in Aynimundo haben wir eine Liste von Arbeitsuchenden, die bereits mehrere Vorbereitungskurse bei uns absolviert haben. Heute soll das Einstellungsgespräch sein. Wie wird es den Kandidaten wohl ergehen?

Nachmittags – Bürozeit

Mittlerweile ist es Nachmittag geworden. Die Therapien sind vorbei, die Mitarbeiter aus den Sommerkursen sind zurück im Büro. Jetzt kommt für sie die Zeit der administrativen Arbeiten sowie die Vorbereitung der Aktivitäten des nächsten Tages.

Für die Betreuer der Start-ups beginnt die Nachmittagssession. Die ist – für mich zumindest – wegen der Hitze manchmal eine echte Herausforderung.

Ich habe schon vorher erwähnt, dass Aynimundo die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung verbessern möchte. Dazu gehört auch ein halbwegs gesichertes Einkommen der leider allzu oft alleinerziehenden Mütter. Aus Mangel an geeigneten Arbeitsplätzen bleibt da oft nur der Weg in die Selbständigkeit. Nachdem sich die Teilnehmerinnen im Herbst 2019 in Vorbereitungskursen das mentale und fachliche Rüstzeug angeeignet haben, wagen nun 14 von ihnen den großen Schritt.

Jede von ihnen kommt sechs Wochen lang einmal pro Woche zum Beratungsgespräch, das immer etwa 90 Minuten dauert. Da sind wir – derzeit nur mein Kollege Christian und ich – den Müttern behilflich, ihr Geschäftsziel zu konkretisieren, sich ein Firmenlogo zu entwickeln und ihr Unternehmen zu organisieren. Weil es nirgendwo auf der Welt ohne Werbung geht, reden wir auch über Marketingstrategien. Zum Abschluss geht es dann um Preiskalkulation und Buchhaltung. Auch das muss halt sein.

Damenkonfektion, Accessoires für Hunde und Catering

Wir haben ein recht breites Spektrum von Geschäftsideen. Da gibt es natürlich die Damenkonfektion, denn die meisten sind sehr gute Schneiderinnen. Es gibt aber auch eher ungewöhnliche Ideen. Amparo zum Beispiel ist Lehrerin mit Leib und Seele. Privat begeistert sie sich für Kuchen und Torten samt deren Dekoration. Sie möchte Beruf und Leidenschaft verbinden und wird Konditorkurse für Anfänger und Anfängerinnen sowie für Fortgeschrittene anbieten.

Oder da ist Mercedes. Sie hat einen Sohn mit Behinderung und auch sonst ein mental ziemlich schwieriges Leben hinter sich. Sie liebt Hunde über alles. Daraus ist die Geschäftsidee entstanden – Accessoires für Hunde: Mäntelchen, Pfotenschutz, Schlafdecken etc., alles aus eigener Produktion.

Besonders stolz sind wir alle auf Beatriz. Sie hat nach einigem Nachdenken beschlossen, ein Catering-Unternehmen zu gründen. Nach dem Motto “Alles hausgemacht” liefert sie Mittagessen an Büroangestellte, aber auch für kleine Familienfeiern, wenn die Hausfrau nicht selber kochen möchte. Die ersten Gehversuche hat sie mit der Lieferung an Aynimundo gemacht. Heute hat sie uns wieder bekocht, und es war ausgezeichnet. Ich werde ihr raten, den Preis zu erhöhen …. zumindest für außerhalb von Aynimundo!

Beatriz betreibt mittlerweile ihr eigenes Catering-Unternehmen

Abends kurz vor Sonnenuntergang

Es ist jetzt kurz vor 18 Uhr, die Sonne geht bald unter, und die Hitze des Tages weicht angenehmen Sommertemperaturen. Kurz vor dem Nach-Hause-gehen kommt noch die Nachricht, dass alle drei Kandidaten für die angebotenen Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung das Einstellungsgespräch positiv absolviert haben. Welch toller Abchluss eines interessanten Tages!

Da meine Zeit als Freiwillige mit Aynimundo in wenigen Wochen zu Ende gehen wird, verabschiede ich mich auf diesem Weg aus dem Projekt und von den Lesern dieses Blogs.

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