Somaliland: Besuch im einzigen Zentrum für sexuelle Gewalt

Ein Mädchen hält sich die Hände vors Gesicht. (Quelle: Frank Peterschröder)

Mehr als 280 Kinder suchten im vergangenen Jahr Hilfe und Schutz im Zentrum. (Quelle: Frank Peterschröder)

Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, besucht Projekte in Somaliland und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Mittwoch, 24. Februar 2016, mittags

Mittags im Baahi-Koob-Center. Es  ist das erste Zentrum in Somaliland, in dem Opfer sexueller Gewalt Hilfe erfahren. Seine Gründung 2008 war nicht unumstritten, die Notwendigkeit wurde von vielen infrage gestellt. Erst der grausame Tod eines sechs Monate alten Mädchens als Folge einer Vergewaltigung führte dazu, dass Baahi-Koob seine Arbeit aufnehmen konnte, „angedockt“ an die gynäkologische Klinik des staatlichen Krankenhauses Hargeisa. Die Sozialarbeiter des Zentrums arbeiten hier Hand in Hand mit dem medizinischen Personal der Klinik – ein unschätzbarer Vorteil, um die Hemmschwelle für Opfer so niedrig wie möglich zu halten und ihnen zusätzliche Wege zu ersparen. Die Mädchen und Jungen, Frauen und Männer erhalten in dem  „One-Stop-Center“ unter einem Dach medizinische Hilfe, psychologische Betreuung und auch Rechtsbeistand. Allein vier Polizistinnen und vier Polizisten stehen dafür im Schichtbetrieb zur Verfügung, um Ermittlungen aufzunehmen. So soll den Opfern rasch und effektiv bei der Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse  geholfen werden.

Mit Asher, der Koordinatorin des Projekts, sitzen wir in dem winzigen Büro, das gleichzeitig Beratungsraum ist. Fünf Personen arbeiten normalerweise hier und an dem zusätzlichen Schreibtisch im Vorraum. In dem Moment, wo eine oder einer von ihnen ein Gespräch mit einem Opfer führt, gehen die anderen nach draußen auf die Gänge des Hospitals und warten dort. Das kann manchmal lang dauern.

567 Personen waren es im Jahr 2015, die bei Baahi-Koob Schutz, Hilfe und Beratung gesucht haben, die Hälfte von ihnen war jünger als 15. Für neue Räume gibt es zwar schon ein Grundstück, aber für den Bau fehlen die Mittel.  Der Direktor des Krankenhauses zeigt uns das Modell des Krankenhausneubaus, der die bisherigen alten Gebäude ersetzen soll. Ein fester Platz für Baahi-Koob ist dafür bisher nicht vorgesehen. Vielleicht, überlegt er laut, bei der neuen Notaufnahme? Asher und ich sehen uns wortlos an: Mit „vielleichts“ lässt sich verletzten und traumatisierten Kindern nicht helfen. Es liegt noch viel Arbeit vor uns, um die Zukunft des Baahi-Koob Zentrum zu sichern.

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