Somaliland: Mauern und Stacheldraht

Katrin Weidemann, Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, besucht Projekte in Somaliland und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Sonntag, 21. Februar 2016

Die Anreise zieht sich: eine Nacht im Flugzeug nach Addis Abeba, zwei Stunden Warten auf den Anschlussflug (mit grandiosem Sonnenaufgang und grandiosem äthiopischen Kaffee) und schließlich der Weiterflug nach Hargeisa. Hier, in der Hauptstadt der selbsternannten Republik Somaliland, will ich Projekte unserer Partner am Horn von Afrika besuchen. Vor den ersten offiziellen Gesprächen noch schnell ins Hotel – „schnell“ zieht sich aber auch. Ein Hochsicherheitsgefängnis dürfte leichter zu betreten sein, als unsere Unterkunft für diese Nacht: Unser Wagen muss auf dem Weg zur Hoteleinfahrt einen Zickzack-Parcours durch quergestellte Betonmauern absolvieren, wird von unten und oben nach Sprengstoff durchsucht, in (für Männer und Frauen getrennten) Sicherheitsschleusen öffnen Wächter und Wächterinnen jeden Koffer, nehmen jedes Kleidungsstück einzeln heraus und durchsuchen es sorgfältig. Im Inneren der Hotelanlage ist jeder Apartmentblock noch einmal extra mit Mauern und Stacheldraht umbaut, Wachtürme und rund um die Uhr durch das Gelände patroullierende Wächter verweisen auf die angespannte Sicherheitslage. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Somaliland. 

Katrin Weidemann und Afrika-Referatsleiter Dr. Karl Pfahler mit Kindernothilfe-Partner in Somaliland. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)

Katrin Weidemann und Afrika-Referatsleiter Dr. Karl Pfahler mit dem Kindernothilfe-Partner in Somaliland. (Quelle: Kindernothilfe-Partner)

Die Mitarbeiter unserer Partnerorganisationen leben hier. „Ich bin nach dem Krieg wieder hierher in meine Heimat zurückgekommen“ erzählt Abib. Vier Jahre lang war er Ende der 80er Jahre im benachbarten Äthiopien im Exil. Nur ein paar Ziegen konnte er damals mitnehmen, die retteten ihm in den ersten Monaten in der Fremde das Leben. „Ohne die Ziegen wäre ich verhungert“, erzählt er im Rückblick. Nach der einseitigen Unabhängigkeitserklärung Somalilands 1991 kehrte er nach Hargeisa zurück. Heute leitet er von hier aus eine große Entwicklungsorganisation, die mit den Dorfgemeinschaften in den ländlichen Gebieten zu Katastrophenvorsorge und Gesundheitsthemen arbeitet.

Ich bin gespannt darauf, diese Woche einige der Projekte mit ihm zusammen zu besuchen.

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