Äthiopien: Der Kindheitstraum von einem eigenen Salon wurde wahr

Hirut ist 18 Jahre alt und hat schon ihren eigenen Friseursalon. Fotos: Karl Pfahler

Hirut ist 18 Jahre alt und hat schon ihren eigenen Friseursalon. Fotos: Karl Pfahler

Katrin Weidemann, seit Juli Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, ist zu ihrem ersten Projektbesuch in Äthiopien angekommen und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

28. November 2014 (Fortsetzung)

Hirut ist 18 Jahre alt. Sie reicht mir grade bis zur Schulter, von weitem könnte man sie für ein Kind halten. Dennoch hat sie in ihrem bisherigen Leben schon mehr erreicht als manch ausgewachsener Mittdreißiger. Mit 14 musste sie die Schule verlassen. Ihre Eltern, beide Taglöhner, konnten sie weder mit Stiften, Heften, Büchern noch einer Schuluniform versorgen, geschweige denn für ausreichende Ernährung sorgen. „Schon als Kind wollte ich gerne einen Beautysalon haben“ erzählt sie. Dieser  Traum schien mit dem Schulabbruch unerfüllbar geworden, ihr drohte ein Schicksal in absoluter Armut als Tagelöhnerin. In dieser Situation kam vor vier Jahren unser Kindernothilfe Partner von der Mekane Yesus Kirche auf sie zu.

Werbeplakat für den Salon

Werbeplakat für den Salon

Hirut wurde ausgewählt für einen Platz in einem gemeindebasierten Handwerkstraining. Ein halbes Jahr lang lernte sie bei einer Friseurin die ersten Grundlagen, vom Haarewaschen über Flechten bis hin zum Schneiden.  Begleitet wurde sie von Projektmitarbeitern, die sie auch nach den sechs Monaten unterstützten, eine Anstellung zu finden, sie anhielten, von ihrem Verdienst Rücklagen zu bilden, ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln. Zwei Jahre lang arbeitete sie als Angestellte, lernte und sparte weiter. Spezialisierte sich schließlich ein weiteres Jahr auf die traditionelle Haarflechtkunst. Und verwirklichte dann tatsächlich ihren Kindheitstraum. Stolz präsentiert sie  uns heute ihren eigenen kleinen Salon. Es ist ein mit Planen überdachter Holzanbau an einer Hausmauer, zwei Plakate mit Flechtmodellen schmücken die Plastikwände, fünf Holzstühle gruppieren sich locker um einen kleinen Holzkohleofen, der  gerade einen Kessel mit Wasser erwärmt. Eine Kundin hat bereits an dem einzigen Waschbecken Platz genommen. Routiniert und sorgfältig shampooniert Hirut die dunklen Locken, während sie uns von ihren weiteren Plänen erzählt.

Ja, den Traum vom eigenen Laden hat sie sich erfüllt, sogar zwei Angestellte kann sie finanzieren. Und ihre Schwester und deren siebenjährige Tochter wohnen seit kurzem bei ihr und werden mit von ihr unterstützt. Ob sie denn jetzt zufrieden sei? frage ich sie. Sie lacht mit blitzenden Augen. Natürlich hat sie noch weitere Ziele! In zwei Jahren  will sie einen größeren Laden mit besserer Ausstattung und noch mehr Kundenplätzen haben. So energiegeladen und zielgerichtet wie sie davon berichtet bin ich mir sicher: Sie schafft das.

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