Philippinen: Wie geht’s denn jetzt weiter?

Die Menschen haben Heiligenfiguren geborgen und mitten in den Trümmern aufgestellt. Fotos: Kidlat de Guia

Das Ziel unserer Reise war es, die Orte zu identifizieren, die besonders schwer getroffen und von Hilfsmaßnahmen bislang nicht erreicht wurden. Unsere vorabbestehende Vermutung, dass Panay und Ost-Samar besonders hart getroffen wurden, hat sich bestätigt. Darüber hinaus sind wir in diesen Regionen auf viele Dörfer gestoßen, in denen bislang zwar notdürftig und oft unregelmäßig Hilfsgüter ankommen, jedoch keinerlei Hilfsorganisationen präsent sind. Das wird sich jetzt ändern, denn wir starten hier unsere Hilfe.

Arbeiten ohne Strom, Benzin, Handynetz
Doch wie läuft das genau ab? In Salcedo im Osten Samars werden wir gemeinsam mit unserer Partnerorganisation AMURT die Projekte beginnen. Oft haben wir schon erfolgreich kooperiert, so zum Beispiel in Myanmar und Haiti oder aktuell auch im Libanon. Kurt Behringer und Sylvia Kabanban von AMURT sind mit uns letzte Woche nach Ost-Samar geflogen und direkt dort geblieben. Sie haben sich ein kleines, halbwegs intaktes Zimmer angemietet, das nun als Büro fungieren wird. Der Raum ist winzig und dunkel, aber funktional und leider die Heimat vieler hungriger Mücken. Es herrschen erschwerte Arbeitsbedingungen. Strom gibt es nicht, Benzin und Mietautos ebenfalls nicht. Lebensmittel sind eingeschränkt verfügbar. So gibt es Reis und Nudeln, Gemüse und Obst bekommt man jedoch kaum. Auch das Handynetz wird noch etwa 2 Monate auf sich warten lassen, so dass sie zunächst mit dem Satellitentelefon kommunizieren. Das Büro dient zeitgleich auch als Unterkunft, denn intakte Räume sind rar, an Mietwohnungen gar nicht zu denken. So werden Isomatte und Schlafsack für die kommenden Wochen herhalten.

Am Montag startet die Trauma-Arbeit mit den Kindern
Im Landkreis Salcedo beginnen wir mit dem Wiederaufbau von 10 Kindertagesstätten und psychosozialer Betreuung für die Kinder. Später sollen auch der Wiederaufbau und die Reparatur von Schulen und Wohnhäusern sowie die Unterstützung der Fischer mit Booten hinzukommen. Daher stellen Kurt Behringer und Sylvia Kabanban in den nächsten Tagen als erstes Personal an. Eine Psychologin ist bereits gefunden, und am Montag fängt die psychologische Aufarbeitung der schlimmen Erlebnisse mit den Kindern am Zentralkindergarten in Salcedo an. Auch zwei Baufachleute gibt es bereits, die nun Pläne für Reparatur und Wiederaufbau der Kindertagesstätten erstellen werden. Ganz praktische Probleme treten hier trotzdem auf: Wie kommen die Psychologen beispielsweise zu den Therapieorten, wenn es weder Benzin noch Mietautos gibt? Kurt Behringer wird hier kleine Motorräder anschaffen oder mieten und regelmäßig Benzin aus Tacloban anfordern müssen. 400 Liter Diesel sind bereits von AMURT aus Cebu eingetroffen. Auch die Architekten stellt all das vor Herausforderungen – die Pläne für Neubau und Reparatur werden zunächst per Hand angefertigt. Im nächsten Schritt bedarf die Beschaffung von Baumaterialien sorgfältiger Planung. Da viele Gegenden in Samar zerstört sind, ist die Nachfrage groß und der Transport über zerstörte Straßen langwierig. Den National Highway zwischen Borongan und Salcedo kann man beispielsweise nur noch schwer als solchen erkennen.

Die Bevölkerung packt mit an
Doch egal, welche Probleme in den nächsten Tagen auch auftreten werden – Kurt Behringer und Sylvia Kabanban sind nicht allein. Die Bevölkerung des Landkreises Salcedo hat uns bereits bei unserem Besuch in der letzten Woche herzlich willkommen geheißen und packt schon aus eigenem Antrieb emsig mit an. Der Bürgermeister, Melchior Mergal, ist bestens organisiert und wird den Projektstart nach Kräften unterstützen. Auch unsere Kollegen in der Geschäftsstelle der Kindernothilfe in Duisburg tragen jeden Tag mit großem Engagement dazu bei, die Arbeit vor Ort zu erleichtern und die notwendige Administration zu regeln. All das, damit die Kinder von Salcedo bald wieder zuversichtlich nach vorne schauen können.

Überall in den Katastrophengebieten suchen Kinder ihre Kuscheltiere aus den Trümmern, die dann gewaschen und aufgehängt werden.

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