„Ich wünsche mir, dass es nie wieder einen so starken Taifun wie Yolanda gibt“

Foto: Christoph Dehn

Unsere Mitarbeiterin Antje Weber ist derzeit auf den Philippinen, um unsere Soforthilfe zu unterstützen. In unserem Blog erzählt sie von ihren Erlebnissen dort.

„Da vorne stand unser Shop“, die neunjährige Shaine zeigt mir aufgeregt, wo früher der kleine Lebensmittelladen ihrer Großmutter stand. Taifun Yolanda, wie er hier vor Ort genannt wird, hat alles zerstört. Unter den Brettern sind noch einige Lebensmittel, aber die Familie kommt nicht dran.

An unserem dritten Tag sind wir auf der Insel Bantayan, ein kleines Urlaubsparadies vor Cebu. Die Insel hat es schwer getroffen. Schon von der Fähre aus sieht man die abgeknickten Palmen. Auf dem Weg nach Madridejos, einer Stadt mit 40.000 Einwohnern im Nordwesten Bantayas, werden immer mehr Schäden offenbar. Sämtliche Mais- und Bananenplantagen sind zerstört, die Kokospalmen abgebrochen. Die Häuser sind eingestürzt, nur bei wenigen Steinbauten erkennt man noch das Gebäude. Bantayan ist im Chaos versunken, 8.000 Familien haben ihr Heim verloren. Drei Menschen sind gestorben. Hier wird es nicht nur darum gehen, die Infrastruktur wieder aufzubauen, sondern auch die Landwirtschaft wieder aufleben zu lassen. Für die kommenden Monate fehlt hier die Perspektive.Wenig hier auf Bantayan hielt dem Taifun stand.

Foto: Kidlat de Guia

„Es war zehn Uhr morgens, als es anfing zu stürmen“, erzählt Shaine mir. Sie lebt mit ihrer 71-jährigen Großmutter Irthel und ihren sieben Geschwistern in Madridejos. Drei Stunden wütete Yolanda, die kleine Insel war schutzlos ausgeliefert. Während dieser Zeit stand die Familie dicht gedrängt an einer Steinmauer, um sich zu schützen. „Die Kinder haben geweint, Shaine hatte fürchterliche Angst“, sagt Irthel. Es war nicht ihr erster Sturm, die Philippinen werden regelmäßig von Taifunen heimgesucht. Shaine berichtet mir, dass Yolanda ihr dritter Taifun war – mit Abstand der stärkste.

Doch es gibt Hoffnung. In Madridejos trudelt langsam internationale Hilfe ein. Es herrscht ein emsiges Treiben in jedem Winkel. Überall wird geräumt, gehämmert und für den Wiederaufbau geplant. Der Bürgermeister zeigt sich zuversichtlich. „Am Montag beraten wir gemeinsam mit den Lehrern, wann der Unterricht beginnen kann“, sagt Major Salvador de la Fuente. 800 Zelte sind als Notunterkünfte unterwegs und warten im Hafen von Cebu auf die Überfahrt. Lebensmittelverteilungen laufen, zum Teil auch organisiert von Angehörigen der Einwohner und privaten Initiativen.

Wenig hier auf Bantayan hielt dem Taifun stand.

Wenig hier auf Bantayan hielt dem Taifun stand.

Foto: Kidlat de Guia

„Ich wünsche mir, dass es nie wieder einen so starken Taifun wie Yolanda gibt“, sagt Shaine mir zum Abschluss. Das kann zwar niemand von uns beeinflussen, aber wir können durch einen nachhaltigen Wiederaufbau für die Zukunft besser vorsorgen.

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