„Wir brauchen den politischen Willen, um ausbeuterische Kinderarbeit weltweit zu beenden!“

Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe, berichtet vom Abschluss der 3. Weltkonferenz Kinderarbeit in Brasilia

„Wir brauchen mehr als Solidarität, wir brauchen den politischen Willen, um ausbeuterische Kinderarbeit weltweit zu beenden!“

So lautet das Fazit von Lula da Silva, dem ehemaligen Präsidenten Brasiliens, zum Abschluss der 3. Weltkonferenz Kinderarbeit. Recht hat er. Denn auch diese Konferenz hat wieder gezeigt, dass es nicht an Bekenntnissen, Geld oder Lösungsoptionen fehlt, sondern an konkreten politischen Schritten und vor allem dem politischen Willen, um ausbeuterischer Kinderarbeit weltweit bis 2016 ein Ende zu bereiten. Auch in Brasilia hat der politische Wille nicht gereicht, um konkrete Vorschläge zu unterbreiten, mit denen dieses 2010 in Den Haag gesetzte Ziel vielleicht doch noch erreicht werden kann. Für mich endet die Konferenz daher mit gemischten Gefühlen.

Beeindruckend war die Präsenz der 153 Delegationen aus aller Welt, waren die vielen Best Practice Beispiele, die in zahlreichen Statements vorgestellt wurden, die vielen motivierenden Gespräche auf den Fluren und auch das allgemeine Bekenntnis, die Anstrengungen im Kampf gegen gefährliche Kinderarbeit zu erhöhen. Als Vertreterin der deutschen Zivilgesellschaft hatte ich an vielen Stellen die Möglichkeit, unsere Sichtweise und Forderungen sowie die Perspektive der Kinder einzubringen. Es war wichtig, diese Chance zu nutzen und aktiv an der Konferenz teilzunehmen.

Und es gibt gute Neuigkeiten. Die Internationale Arbeitsorganisation wird sich künftig stärker der Kinderarbeit im informellen Sektor widmen. Ein wichtiger Schritt, denn der Großteil der Kinder arbeitet in Haushalten oder auf heimischen Feldern und damit unentdeckt von der Öffentlichkeit. Weiterhin richtet sie den Blick auch stärker auf Kinderarbeit in internationalen Wertschöpfungsketten transnationaler Konzerne. Auch das ist ein wichtiger Schritt, denn durch die fortschreitende Globalisierung überschreiten auch die Produktions- und Handelswege nationale Grenzen, und die Produktionskette wird immer undurchschaubarer. Auch die Bundesregierung ist hier in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass deutsche Konzerne, die international agieren, keine Kinder entlang ihrer Wertschöpfungskette beschäftigen oder dass die öffentliche Hand nur Produkte kauft, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Positiv stimmen auch die neuen Zahlen zu Kinderarbeit. Weltweit ist die Zahl  zwischen 2008 und 2012 von 215 Millionen auf 168 Millionen gesunken, statt 115 Millionen Kindern im Jahr arbeiten jetzt noch 85 Millionen unter gefährlichen Bedingungen – nicht mitgezählt sind hier allerdings die Kinder, die im informellen und häuslichen Sektor arbeiten, so dass die Dunkelziffer weitaus höher ist.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt das Ergebnis letztendlich doch ernüchternd. Allen TeilnehmerInnen war klar, dass wir nach aktuellem Stand das Ziel von Den Haag, gefährliche Kinderarbeit bis 2016 abzuschaffen, nicht erreichen werden. Während der gesamten Konferenz fehlte es jedoch an konkreten Vorschlägen, wie das Ziel noch verwirklicht werden kann. Das Abschlussdokument bekräftigt zwar den in Den Haag vereinbarten Fahrplan und erneuert das Bekenntnis der Regierungen dieser Welt, ihre Anstrengungen im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit zu erhöhen, doch fehlt es an konkreten Aktionsschritten. Enttäuschend ist auch, dass die Stimme der Kinder bei dieser Konferenz nicht gehört wurde. Die Online-Plattform, die im Vorfeld der Konferenz zur Verfügung gestellt wurde, ist für die arbeitenden Kinder, um die es uns geht, schon aufgrund eines fehlenden Internetzugangs nicht nutzbar gewesen.

Was heißt das für uns? Die positiven Entwicklungen zeigen, dass Fortschritt möglich ist. Er geht allerdings langsamer voran, als wir es uns wünschen würden. Deshalb müssen auch wir unsere Anstrengungen erhöhen, uns dafür einsetzen, dass die arbeitenden Kinder bei der nächsten Konferenz gehört werden und unsere Regierungen in die Pflicht nehmen, damit die Bekenntnisse des Abschlussdokuments zu politischem Handeln führen und Wirklichkeit werden. Auf geht’s!

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