Chile: Gewaltsame Polizeiaktion in Temucuicui – Sorge um die Situation der Kinder und Jugendlichen

Am 9. Oktober wurden in Temucuicui friedliche Landbesetzungen gewaltsam polizeilich geräumt. Die Dorfbewohner hatten das Land, um dessen Rückgabe an ihr Volk, die Mapuche, sie seit Jahren unter Ausschöpfung aller Rechtsmittel kämpfen, landwirtschaftlich genutzt.

Am Morgen des 9. Oktober drangen schwer bewaffnete Polizeikräfte hier ein, zerstörten die Felder, Umzäunungen und landwirtschaftlichen Geräte und töteten dort weidende Schafe. Als die Dorfbewohner hinzukamen, um die Zerstörungen zu verhindern, wurden etliche von ihnen schwer geschlagen und verhaftet; unter ihnen der Sprecher der Mapuche-Organisation Alianza Teritorial Mapuche, Mijael Carbone, und seine Frau, Eltern einer sechsjährigen Tochter.

Mit der Alianza Teritorial Mapuche arbeitet Kindernothilfe-Partner ANIDE seit einiger Zeit eng zusammen, um im Rahmen des Projekts „Pichikeche“ die Rechte der Mapuche-Kinder und Jugendlichen zu schützen.

Foto: Polizei-Einsatz gegen Mapuche im November 2011

Im seit Jahren bestehenden Konflikt mit den protestierenden Mapuche-Gemeinden geht der chilenische Staat extrem repressiv vor und scheut vor Menschenrechtsverletzungen nicht zurück. Dies wird seit Jahren von Menschenrechtsorganisationen und internationalen Instanzen wie dem Interamerikanischen Gerichtshof für Menschenrechte, Unicef und anderen angeprangert, ohne dass es zu einer grundlegenden Verbesserung der Praktiken gekommen wäre.

Wie immer in gewaltsamen Konflikten leiden die Kinder und Jugendlichen besonders: unter den traumatischen Gewalterfahrungen, der extremen Ausgrenzung durch die anhaltende Belagerungssituation in den Gemeinden, den willkürlichen Verhaftungen und langen Inhaftierungen von Jugendlichen und Eltern.

Eine gängige Praxis des Staates ist, politische Führungspersonen der Mapucheorganisationen unter willkürlichen Vorwänden zu verhaften und monatelang in Untersuchungshaft zu halten, um so die Protestbewegung zu schwächen. ANIDE und die Kindernothilfe hoffen, dass die jetzt in Haft genommenen Personen nicht diesem Vorgehen zum Opfer fallen und eine faire Behandlung erfahren. ANIDE wird, wie auch andere Menschenrechtsorganisationen in Chile, die weiteren Geschehnisse beobachten.

14. Oktober: Gute Nachrichten: Die Inhaftierten sind ohne Anklageerhebung  freigekommen!

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