Mit Act Positive nach Südafrika: 18.10.2010

Fünf Jugendliche berichten über ihre Reise mit der Kindernothilfe nach Südafrika. Sie hatten bei Act Positive mitgemacht und werden nun für ihr außergewöhnlich großes Engagement belohnt. Die Reise wird komplett mit einem EU-Zuschuss für die Kampagne finanziert.

Pablo, 20, aus Selb:
Angekommen am „Khajalethu- Projekt“ von Youth for Christ in Pietermaritzburg, empfangen uns die misstrauischen Blicke sechs Straßenkinder, im Alter von 14 bis 23. Sofiso, einer der Street Worker, lockert die Stimmung mit Akustikklampfe (an die ich auch mal durfte) und Gesang auf. Um das Eis endgültig zu brechen, kam es zum Länderspiel Südafrika gegen Deutschland. Auch wenn die Sonne, gleich einem Feuerball, das sicher selbst bald erledigt hätte.

Hier die Ergebnisse des ersten Spieltags:
1. Deutschland vs Südafrika: 2:0
2. Südafrika vs Deutschland: 2:0
Klares Unentschieden für Südafrika.

„Khajalethu“ (Zulu: „Unser Haus“), von der Kindernothilfe unterstützt, ist ein „Übergangsheim“ für Jungs, die ein Leben auf der Straße führen. In Sofisos Worten: „It is a bridge to a better life.“ Die Einrichtung ist offen für jeden Jungen – es gibt Waschräume, regelmäßige Mahlzeiten und bietet Raum für Freizeitgestaltung (z. B. Musik, Kicker, Fußball, etc…).
Die Street Worker sind ständig auf der Straße unterwegs und versuchen ins Gespräch mit den Kindern zu kommen und suchen dann nach einer individuellen Lösung der Probleme der Kids. Ziel ist es, die Kinder wieder in ihre Familien – soweit vorhanden – zu integrieren oder eine neue für sie zu finden. Aber es sind auch Rückschläge zu verzeichnen: so trafen wir bei dem gemeinsamen Rundgang durch einen Stadtteil Pietermaritzburgs einen Straßenjungen, der bereits zweimal einer neuen Familie vermittelt wurde, aber immer wieder ausriss. Für mehr als Handshake, Namentausch und ´ne Kaugummi-Packung für ihn, hat dann die Zeit nicht gereicht und ich hoffe, dass sich die Street Worker sich seiner weiterhin annehmen – trotz der Rückschläge.

Bloß warum landen die Kids überhaupt auf der Straße?
Die HIV-Rate beträgt in den Townships über 30%. Deshalb verlieren viele der Kinder ihre Eltern durch Aids. Weiterhin reißen viele Kids aus, mit der Vorstellung, dass sie auf der Straße durch Betteln oder kleine Hilfsdienste mehr Geld verdienen, als es daheim vorhanden ist.
Außerdem scheitert oft der Schulbesuch an bürokratischen und/oder finanziellen Hürden. Viele der Straßenkinder besitzen zum Beispiel keine Papiere und werden deshalb an regulären Schulen nicht aufgenommen. Youth for Christ vermittelt diese Kinder an spezielle Partnerschulen, wo auch für diese Kids eine Ausbildung möglich ist.
Zurück von den Besuchen der Communities, bin ich doch ein bisschen traurig: man könnte so viel helfen, aber übermorgen geht’s schon wieder ab in die Lüfte. Aber um das zu relativieren: Act Positive lebt weiter!

Julian aus Bochum und Oli aus Duisburg:
Sehr dankbar waren wir, heute den Tag nicht in Durban, sondern in dem ungefähr eine Stunde entfernten Pietermaritzburg verbringen zu dürfen. Erneut haben wir die Arbeit von „Youth for Christ“ besucht. Unter anderem hatten wir die Gelegenheit, einen Township aus der Nähe (nicht aus dem Auto) zu betrachten. Als wir ankamen wurden wir sofort von dem Herz und der Seele der Community, Mama Nana, begrüßt. Sie ist seit 6 Jahren in der Community tätig, hat aber vorher bereits den Menschen in anderen Communities zur Seite gestanden. Ihre Arbeit besteht darin, sich um die Kinder der ausgelasteten Eltern und um die Waisen zu kümmern.
Als bewundernswert empfanden wir den großen Zusammenhalt und die enorme gegenseitige Unterstützung dieser Leute. Zum Beispiel wurde uns die Lehmhütte eines 16-jährigen Jungen gezeigt, deren Einrichtung bei einem Feuer vollständig zerstört wurde. Zusammen hat die Gemeinschaft dafür gesorgt, dass die Hütte wieder in einen bewohnbaren Zustand gebracht wurde, damit der Junge sich weiterhin möglichst sorgenfrei um seine schulische Laufbahn kümmern kann.
Anschließend führte uns Mama Nana zum Community Center des Townships. Ein umzäuntes Areal mit einem größeren Steinhaus für die Kleinsten, einem Spielplatz, sowie einem Container, in dem die Schulkinder nachmittags bei den Hausaufgaben betreut wurden und mit den Jüngeren gebastelt haben. Als es zu Gruppenspielen kam, entdeckten auch wir wieder die Kinder in uns und hatten genauso viel Spaß wie alle anderen.
Obwohl die Kinder oft keine Eltern haben, oder die Eltern sich nicht kümmern können, waren wir von der unglaublichen Lebensfreude und Fröhlichkeit der Kinder angetan. Die Community ist wie eine große Familie und auch wir wurden, nachdem das erste Eis gebrochen war, wie Mitglieder dieser wundervollen Familie behandelt und spielten und lachten mit den Kindern.
Als es schließlich hieß Abschied zu nehmen, fiel es uns und den Kindern schwer einander loszulassen. Dieser Tag hat uns wieder einmal gezeigt, was für fantastische Menschen diese Leute trotz ihres oft trost- und perspektivlosen Lebens sind.

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