Mit Act Positive nach Südafrika: 13.10.2010

Die Reisegruppe aus Deutschland mit Mitarbeitern eines Kindernothilfe-Partners. Foto: privat

Fünf Jugendliche berichten über ihre Reise mit der Kindernothilfe nach Südafrika. Sie hatten bei Act Positive mitgemacht und werden nun für ihr außergewöhnlich großes Engagement belohnt. Die Reise wird komplett mit einem EU-Zuschuss für die Kampagne finanziert.

Wiebke,18, aus Reinbek:
Heute ist also schon Mittwoch, der 13. Oktober, und wir sind nun endlich in Durban heil angekommen. Unsere Reise ist beinahe als Odyssee zu bezeichnen, macht nix, am Ende haben wirs ja geschafft. Am Montag haben wir (Lenni, Oli, Yvonne, Julian, Pablo und Wiebke) uns um 15 Uhr in Frankfurt am Flughafen getroffen, 17:15 ging unsere Maschine nach London, aber wir sind mit Verspätung gestartet und mit Verspätung angekommen, was leider zur Folge haben sollte, dass wir unseren Flieger nach Johannesburg verpassen sollten. Mist! Also bekamen wir nach einigen Verwirrungen und vielen Warteschlangen einen Hotelplatz und sollten dann 24Stunden später erst nach Johannesburg weiterreisen können. Gut, wir machen ja alles mit.

Nach 12 Stunden Flug endlich in Südafrika
Am Dienstag also sind wir wieder zu Heathrows Terminal 5, um einzuchecken. In Sachen Sicherheitschecks sind wir inzwischen geübt, also ist alles paletti, und der Jumbo Jet von British Airways startete in Richtung Süden, wir kamen unserem Ziel näher. Obwohl auch diese Maschine nach 12 Stunden Flug mit Verspätung in Johannesburg landete und wir uns um unser Gepäck kümmern mussten, haben wir den Flug nach Durban noch erreicht.
Endlich Südafrika, endlich Durban und endlich, endlich sehen wir unsere Freundin Sane wieder, die uns bereits zweimal in Deutschland besucht hat. Und endlich können wir auch Ntokozo, unseren Fahrer, und Sbioniso, unseren Coordinator, in South Africa kennenlernen. Wow, wir sind da, haben es geschafft, und können’s gar nicht fassen, es ist irgendwie wie im Traum. Südafrika, das Land im Süden, das Land der WM, ein Land geprägt von Apartheit und HIV/AIDS, ein Land, in dem die Projekte der KinderNotHilfe Früchte tragen.

Wir kommen uns vor wie in einem Traum
Hier sind wir nun. Das waren für den Anfang schon mal sehr viele Eindrücke. All die Aufregung, dann das Ziel erreicht, strömen die Bilder, Gerüche, Farben, Geräusche und Szenen auf uns ein. Die Landschaft ist karg, geprägt von roter Erde und wenig grünen Bäumen, statt dessen sehen wir selbst an der Schnellstraße blühende Blumen in wie angelegt scheinenden Beeten, und weiter weg wachsen viele gedrungene Bäumchen und große Sträucher, wir sehen Palmen und vieles, was wir gar nicht zuordnen können.
Durban präsentiert sich uns als eine sehr weitläufige Stadt. Hier sollen 3 Mio. Menschen leben, unfassbar, dass sie nicht in die Höhe bauen. Wir sehen schicke Häuser und kleinere Gebiete mit Wellblechbauten. Hier ist es schön und gepflegt, dort dreckig und armselig, der Unterschied ist schwer zu verkennen. Wir können gar nichts mehr sagen, wir schauen aus dem Fenster und staunen. Es ist eine andere Welt, und wir kommen uns vor wie in einem Traum, können noch gar nicht realisieren, wo wir da gelandet sind.
Geschafft von der Reise kommen wir im B&B an, kaufen noch schnell Wasser und Bananen im Supermarkt, duschen und fallen ausgelaugt in unsere Betten, schlafen erstmal 3 Stunden. Danach werden wir mit unseren Freunden essen gehen, uns noch einmal neu kennenlernen. Diesmal sind sie die Gastgeber, und wir werden versuchen uns anzupassen und vielleicht auch Isi Zulu zu lernen.

 

Pablo, 20, aus Selb: Durban – 21.42 Uhr

Meerluft, rote Erde, Palmen und dann fängt auch schon das Wellblechdachmeer an. Durban – ca. drei Millionen Menschen auf einem Fleck. Wir sind gerade auf dem Weg, um die „Change Agents“ zu treffen und man schlürft schon die ersten Einblicke, wie aus einem exotischen Drink. Bloß ist der bittere Beigeschmack – der offensichtlichen Armut wegen – immer mit am Start. Eigentlich seit drei Tagen auf Reise (Dank Verspätung des Flugs mussten wir eine Nacht in London verbringen). Und jetzt wir mittendrin.
„Wir“ heißt: Lennart, Yvonne, Wiebke, Julian, Oliver und ich (Pablo). Wie wir alle hierher geraten sind, wird euch jeder selbst schreiben.
Ich bin in der Band („La Confianza“), und wir wollten ein Musik-Festival für einen guten Zweck organisieren. Also fand das erste „Act Positive Festival“ 2009 statt, um Unterschriften zu sammeln und auf die Kampagne aufmerksam zu machen. Ich hätte nie erwartet, dass das zu einer Afrikareise führen würde und ich erstmals dem Kontinent Europa den Rücken kehre. Mit Glück wurde ich ausgewählt, unter den vielen, die sich engagierten, um an dieser Bildungsreise teilzunehmen.

„Du siehst aus wie ein Hühnchen“
Heute treffen wir die Change Agents von Youth for Christ – ein Kennlernabend. „Du siehst aus wie ein Hühnchen“ – das erste, was einer der Change Agents von uns beigebracht bekommt – der Bildungsauftrag hat oberste Priorität! Wir werden herzlich aufgenommen und ohne Umschweife umarmt. Die Grenzen fallen weitaus schneller als in Deutschland. Die typisch deutsche (freundliche) Distanziertheit fällt hier komplett weg. Beeindruckend, wie schnell man miteinander Witze reißt und im wahrsten Sinne des Wortes „quatscht“.
Ach ja – die Mission „Klicklaute“ wurde auch schon angegangen. Zwar recht erfolglos, aber immerhin habe ich für Gelächter gesorgt. Bodybuilding für die Zunge und die Lachmuskeln! Mal sehen, ob ich das bis zum Abflug noch hinkriege. Aber der Standard-Dialog „Hi! Ich heiße Pablo. Wie geht’s dir?“ wurde mir schon beigebracht, und ich absolvierte den ersten Easy-Zulu-Kurs.
So weit so toll! Morgen geht’s ab in ein Township von Durban und besuchen mehrere Projekte der Organisation „iThemba Lethu“.

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