Haiti: Weniger unterernährte Kinder als gedacht

Kooperation Kindernothilfe Haiti – LandsAid: Innerhalb von zwei Wochen wurden bereits 521 kleine Patientinnen und Patienten versorgt und behandelt.

Text: Antonie Hutter und Katja Anger, Kindernothilfe 
Fotos: Katja Anger

Gemeinsam mit einem haitianischen Assistenzarzt, vier Krankenschwestern, zwei Dolmetschern und einem togolesischen Koordinator besucht ein deutscher Arzt jeden Dienstag und Freitag die Kinderzentren und Notschulen der Kindernothilfe in Haiti. Sie untersuchen und behandeln Mädchen und Jungen – bei 41 Grad Celsius über fünf bis acht Stunden lang! Anschließend geben sie ihnen die nötigen Medikamente, die für die weiterführende Therapie wichtig sind.

Viele der Jungen und Mädchen sind erst drei Jahre alt, daher kommen zur Untersuchung häufig die Eltern dazu – um dabei zu helfen, die Beschwerden der Kinder zu artikulieren und darauf zu achten, dass die Medikamente ordentlich eingenommen werden. Manchmal kommt es vor, dass auch ein Elternteil, vor allem schwangere Mütter, mitbehandelt werden. Doch natürlich nur wenn ausreichend Zeit ist, denn die Kinder haben Vorrang!

Die Kinder haben starke Widerstandskräfte entwickelt
Auf dem Programm stehen Generaluntersuchungen, Wurmbehandlungen sowie freie Medikamentenausgabe. Die Untersuchungen gehen normalerweise morgens gegen 9 oder 10 Uhr los – abhängig vom Anfahrtsweg über die unterschiedlich holprigen Straßen von Port-au-Prince zum Kinderzentrum bzw. zur Notschule. Eigentlich sollten sie nur bis 15 Uhr dauern, was aber meistens nicht eingehalten wird. Im CfS Cineas wird auch schon mal bis 18 Uhr weitergearbeitet. Wie die sehr engagierte Krankenschwester Caro es ausdrückt: „Wenn viel los ist, können wir nicht einfach unsere Sachen zusammenpacken und gehen. Das wäre nicht fair den verbleibenden Kindern gegenüber; die Menschen hier brauchen dringend ärztliche Unterstützung.“

Viele Kinder leiden an Hautkrankheiten, vor allem an Krätze, aber glücklicherweise weniger an Unterernährung. „Die größte Überraschung und das schönste Erlebnis waren, dass es viel weniger unterernährte Kinder gibt als ich dachte“, berichtet Günther Eidelloth, der Mediziner im Team. „Die meisten Mädchen und Jungen, die ich gesehen habe, haben eine starke Widerstandskraft. Das hat auch damit zu tun, dass ihre Abwehrkräfte schon das ganze Jahr über auf Hochtouren laufen.“ Die gesundheitliche Situation in Haiti schätzt er so ein: „Momentan herrscht ein labiles Gleichgewicht, welches jedoch mit zu viel Regengüssen leicht kippen und eine Epidemie verursachen könnte. Wir hoffen auf das Beste.“

Massenandrang bei der ärztlichen Sprechstunde
„Anfangs ging’s auch ein paar mal etwas chaotischer zu,“ erinnert sich Günther Eidelloth, „zum Beispiel in Fort National, einem der meist zerstörten Vierteln von Port-au-Prince. Als die Menschen um das Kinderzentrum in dieser Ruinenstadt erfuhren, dass es freie Behandlungen und Medikamente von einem Ärzteteam im Kindernothilfe-Kinderzentrum gab, kam es zu einem massiven Andrang.“

Mit besänftigen Worten seitens des Kindernothilfe Haiti-Koordinators Jürgen Schübelin konnte eine friedfertige Atmosphäre wiederhergestellt werden. Die weiteren Besuche gingen dann auch sehr friedlich und organisiert vonstatten.

Celine ist eine der Hauptverantwortlichen für einen reibungslosen Ablauf. Sie arbeitet seit Juni 2010 als Krankenschwester und Leiterin des Gesundheit-Departments im Kindernothilfe Haiti Büro. Sie hat ihren Hochschulabschluss an der Adventistischen Universität von Haiti gemacht und danach das Staatsexamen für Krankenschwestern. Über die Kooperation mit LandsAid sagt sie: „Es ist wirklich eine tolle Initiative und eine große Unterstützung, um den Kindern unserer Projekte gesundheitlichen Beistand zu leisten.“

Kindernothilfe Haiti Projekte – Kinderzahlen im August 2010:
17.08 – Fort National: 131 behandelte Kinder
24.08 – Warf Jeremy: 124 behandelte Kinder
27.08 – Delmas 33/ Cineas: 163 behandelte Kinder
31.08 – Fort National: 103 behandelte Kinder

Weitere Infos über die Arbeit von LandsAid in Haiti

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