Birma: Ein Jahr ist keine Zeit

Ruprecht Eser

Ruprecht Eser

Ich habe damals noch als ZDF-Korrespondent in London gelebt, als die ersten Bilder aus Birma/Myanmar kamen und ich wollte nicht glauben, was ich da sah. Irgendwie hatte Myanmar immer so geklungen wie eine Mischung aus Ende der Welt und Märchen aus Tausendundeiner Nacht. Jetzt war es wie der Blick in eine Hölle aus Trauer und Leid: mit 215 km/h war der Zyklon Nargis über das flache Irrawaddy-Delta gefegt, zwölf Stunden lang in jener Nacht vom 2. auf den 3. Mai.
Ich wollte nicht glauben, was ich hörte, bis ich es sah in den Bildern, die die Welt erschütterten: wie Zehntausende in einer 5 Meter hohen Flutwelle ertranken, Hunderttausende obdachlos wurden und wochenlang vergeblich auf Hilfe warten mussten, weil die Militärjunta ausländische Hilfsorganisationen nicht ins Land ließ und später behinderte, vor allem bei den Hilfs- Aktivitäten im Delta.

Interview:  Ruprecht Eser live aus Birma (Deutschlandfunk)


100.000 Menschen in Notunterkünften
Es war die größte Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes und noch heute warten Viele, allzu viele auf Hilfe von außen: 524 Millionen Euro werden in den nächsten 3 Jahren in der Region gebraucht, noch immer leben 100.000 Menschen in Notunterkünften, die von der bevorstehenden Regenzeit weggespült werden können.

Zyklon-Saison beginnt
Mit Anfang Mai steht sie wieder bevor, die Küstenregionen sind wieder von Zyklonen bedroht wie letztes Jahr in jener Nacht, in der es im Auge des Sturms so unheimlich still war, bis die Hölle losbrach.
Wir werden am 3. Mai, am 1. Jahrestag der Katastrophe im Irrawaddy-Delta sein, auf Spurensuche: nach den sichtbaren Spuren von Zerstörung und anschließender Hilfe, von Not und Hoffnung: Denn ein Jahr ist keine Zeit und der Ruf nach Hilfe braucht ein Echo, auch wenn er leiser klingt und schwerer Gehör findet in den Zeiten weltweiter Verwerfungen.

Eines der vier Kinderzentren im Delta

Eines der vier Kinderzentren im Delta

Am Jahrestag im Delta
Wir werden am Jahrestag in Dedaye sein, im östlichen Teil des Irrawaddy-Deltas und Hausbauprojekte der Kindernothilfe besichtigen, wir werden mit Schiff und Auto unterwegs sein, um den Wiederaufbau von Schul- und Shelter-Projekten zu erleben und über die Zusammenarbeit der Kindernothilfe mit Partnern vor Ort und lokalen Kräften möchte ich mich informieren.
Mit offenen Augen und Ohren will ich dort sein, zuhören und lernen möchte ich und es denen weitererzählen, die es hören wollen.
Und wenn wir dann auf dem Rückweg sind, will ich mich aus Bangkok wieder melden, ein Jahr danach. Denn ein Jahr ist keine Zeit und die Not hat kein Ende.
Auch und gerade deshalb gilt im 50. Jahr des Bestehens der Kindernothilfe: Wer ihnen, den Jüngsten hilft, der verändert die Welt.
Also: wo, wenn nicht hier und wann, wenn nicht jetzt.

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