Action!Kidz 2009: Culcha Candela lässt Turnhalle in Wesel toben

Als Culcha Candela die Bühne der Weseler Gesamtschule betreten, brechen fast 1.000 Schüler und Schülerinnen in Begeisterungsstürme aus. „Seid Ihr Action!Kidz?“ fragt die Berliner Hip Hop Band, bevor die Jungs mit ihrem ersten Hit „Schöne Neue Welt“ die Turnhalle zum Toben bringen.

In der Dunkelheit sieht man Hunderte von Handys. Der Versuche, einen Schnappschuss der Jungs zu ergattern. „Normalerweise ist das Handy hier tabu“, erzählt mir eine Lehrerein, „heute haben wir da eine Ausnahme gemacht.“ Und eine Kollegin fügt schmunzelnd hinzu: „Als wir früher zu einem Konzert gingen, rockten wir mit unseren Armen mit. Heute stehen alle still und halten nur noch ihre Mobilgeräte hoch. Für Fotos, Videos. Podcasts.“

Bis die Band aber tatsächlich auf der Bühne steht, um die Gewinner der Action!Kidz-Kampagne 2009 zu ehren, müssen die Kinder und Jugendlichen fast einen ganzen Tag warten. Eine Lehrerin erzählt mir: „Der Unterricht begann heute erst in der 5. Stunde. Und selbst dann konnte man bei Schülern und Lehrern die Anspannung merken“, erzählt sie. „Unterricht war da kaum möglich.“ Während die Jugendlichen noch die Schulbank drücken, herrscht in und um die Schule herum schon angespannte Aufgeregtheit. Das Lehrpersonal arbeitet schon seit morgens, um sich im besten Licht zu präsentieren. Ein Lehrer, mit dem ich ins Gespräch komme, zeigt auf die Stuhlreihe seitlich der Bühne: „Hier kommen die geladenen Gäste aus Wesel hin. Wo in Wesel so etwas los ist, kommen alle“, sagt er und ein kleines wenig Stolz schwingt in seiner Brust mit.

Ich erlaube mir einen Gang durch das Schulgelände. Polizei, Feuerwehr, Sanitäter. Auf dem Gelände der Weseler Gesamtschule am Lauerhaas herrscht aufgeregte Nervosität vor dem Auftritt der Berliner Hip Hop Band Culcha Candela. Die Polizei kontrolliert das Gelände rund um die Gesamtschule. Zu populär ist der Auftritt in der Schule am Niederrhein mittlerweile geworden. Während sich in den verschiedenen Internet-Communities rumgesprochen hatte, dass Culcha kommt, wollten viele Jugendliche auch aus anderen Regionen einfach anreisen und sich dem Konzert anschließen. Aber das geht nicht, weiß auch die Polizei. Denn Konzert ist exklusiv, nur für die Gewinne der Action!Kidz-Kampagne gedacht.

Ein Polizist sagt, dass eigentlich alles ruhig sei, aber wissen könne man nie und man sicher sei doch schließlich sicher. Kurz vor dem Auftritt der Band versammeln sich einige nicht geladenen Jugendlichen vor der Turnhalle. Alles ohne Probleme. Sie kommen nur, um ein Autogramm zu ergattern.

Irgendwann dann füllt sich die Turnhalle mit den Schülern der Gesamtschule. Das Ganze erinnert ein wenig wie das Aufstellen vor der Schule bei den Erstklässlern. In Zweierreihen betritt Klasse für Klasse die Turnhalle. Alles scheint sehr gesittet und geordnet. Eine Lehrerin zeigt mir ihren seitenlangen Programmplan. Minütlich ist hier aufgeführt, welche Klasse zu welcher Minute und an welchem Ort in der Halle Platz zu nehmen hat. Ich bin schwer beeindruckt. Nicht nur wir haben uns gut vorbereitet und zum ersten Mal wird mir so richtig klar, was für ein toller Preis dieser Tag für die Gesamtschule

Gekreische, Geschnattere, ausgefallene Outfits finden sich unter den Schülern. Für die Jungs kann man sich schon mal schick machen. Von links höre ich: Wow, eine richtige Bühne! Die Schüler sind beeindruckt. Andere spekulieren darüber, wie viele Lieder und welche die Band eigentlich spielen wird. Suchen sich den besten Platz, wenn das überhaupt geht. Zwischendrin erkennt man den hauseigenen Sanitätsdienst mit seinen leuchtenden Uniformen. Die drei Jungen und ein Mädchen haben eine richtige Ausbildung für kleinere und größere Einsätze absolviert. „Uns gibt es mittlerweile seit drei Jahren“, berichten sie stolz. Unterstützt werden sie heute vom Deutschen Roten Kreuz.

Dass er da ist, macht sich spätestens beim 3. Lied von Culcha Candela bezahlt, als ob des Gedränges der vielen Schüler an der Bühne einige Mädchen hyperventilieren.

Doch vor dem Auftritt der Berliner Band, müssen die Schüler noch ein wenig zuhören: Christina Rau, Schirmherrin der Aktion und dem Kindernothilfe-Vorsitzenden  Jürgen Thiesbonenkamp. Der stimmt die Schule nochmal auf den Sinn des Mitmachens ein: Ausbeuterische Kinderarbeit in Bolivien, in den Bergwerken von Potosi. Mitgebracht hat er einen Helm und einen Schuh, getragen von Kindern, die unter ausbeuterischen Bedingungen dort arbeiten müssen. Manchmal sagen Bilder mehr als Worte. Und für einen kurzen Moment sind alle bei den Kindern, um die es in Bolivien geht.

Dann endlich kommen und singen Culcha Candela. Sechs gestandene Kerle, die sich nicht nur für die Action!Kidz stark machen und Preise verleihen. Sondern eine Band, die sich voll ins Zeug legt für die Gewinner, um ihnen einen wirklichen unvergesslichen Moment zu bescheren. Mitgebracht haben sie unter anderem ihre Hits Monsta und Hamma. und dann gibt es auch noch die eine oder andere Zugabe, und zwar ohne sich lange bitten zu lassen.

Danach gibt es in der Aula der Schule Autogramme. Ich bin schwer beeindruckt, wie viel Zeit sie dafür mitgebracht haben. Kleine Gesten, Fotos mit dem einen oder anderen Bandmitglied. Die coolen Jungs sind auf einmal eine Band zum Anfassen, mit denen man reden kann, denen man auf einmal ganz kurz ganz nah sein kann. Eine Stunde später gibt es keine Autogrammkarten mehr, aber dafür 100 traurige Kidz. Doch die Culchas lassen auch sie nicht im Regen stehen, sondern versprechen, dass sie Autogramme nachschicken werden. Danke dafür.

Als sich das Schulgebäude am Abend leert, sehe ich nur in zufriedene Gesichter: Bei den Schülern, bei den Lehrern, bei der Band, bei uns Veranstaltern. Bundesweit haben sich über 6.000 Schüler und Schülerinnen gegen Kinderarbeit stark gemacht. Mit dem Anreiz auf einen solchen Hauptpreis, könnten es 2010 vielleicht auch noch mehr werden. Die Kinder in Haiti, für die das Geld in diesem Jahr gedacht sein wird, werden es ihnen danken!

Simone Orlik,
pressestelle@knh.info

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