Genitalverstümmelung: Ein Bericht macht Hoffnung.

Die Kale Heywot Church in Äthiopien kämpft seit über 50 Jahren gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen. Neun Jahre haben die Kindernothilfe und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) das Projekt kofinanziert. Jetzt legen sie einen Evaluierungsbericht vor.

Wie lässt sich Genitalverstümmelung wirksam bekämpfen? An dieser Frage arbeitet die Kale Heywot Church, eine der größten evangelischen Kirchen in Äthiopien, seit mittlerweile 50 Jahren. Nachdem die Kindernothilfe und das BMZ das Projekt der Kale Heywot Church neun Jahre unterstützt haben, liegt jetzt ein Evaluierungsbericht vor. Das Ergebnis fällt positiv aus: Die Zahl der verstümmelten Mädchen in den Klassen 7 bis 10 konnte innerhalb von fünf Jahren im Projektgebiet von 61, 7 Prozent auf 25,1 Prozent gesenkt werden. Auch die Einstellung der Jungen hat sich geändert. Viele akzeptieren heute, eine Frau zu heiraten, die nicht verstümmelt wurde.

Zentrale Rolle in der Projektarbeit spielen Multiplikatoren: Das sind meist Frauen, die das grausame Ritual am eigenen Körper erfahren haben und sich aktiv gegen die Genitalverstümmelung einsetzen. In Hausbesuchen klären sie über die Gefahren auf und halten den Status Quo eines jeden Mädchens fest. So hofft man Kontrolle über die Genitalverstümmelung zu erhalten. Weitere Bestandteile der Projektarbeit: die Aufklärung in Workshops und Schulen sowie die Vergabe von Kleinkrediten an ehemalige Beschneiderinnen, um diesen ein alternatives Einkommen zu ermöglichen. Die für die Jugendlichern so wichtigen Clubs gegen Genitalverstümmelung sollen, so die Gutachter, nach Abschluss des Projekts stärker mit den lokalen Behörden vernetzt werden, um ihren Erfolg dauerhaft zu sichern. Ein Ergebnis, das hoffen lässt. Dennoch: Die Genitalverstümmelung ist ein Initiationsritus, der in einigen afrikanischen Ländern tief verwurzelt ist und – in der traditionellen Vorstellung – junge Mädchen zur Frau werden lässt.

Doch obwohl viele Afrikanerinnen ihre eigene Kultur wertschätzen, entscheiden sich immer mehr von ihnen gegen den Ritus. Sie setzen sich gemeinsam gegen diese schädliche Praxis ein und verhelfen so immer mehr Mädchen zu ihrer Würde und zu ihrem Recht. Der Kampf gegen die Genitalverstümmelung darf nur ein erster Schritt einer langen Entwicklung sein. Wenn diese menschenverachtende Praxis wegfällt, müssen wir darüber nachdenken, wie wir gemeinsam mit den Menschen einen anderen humaneren Ritus entwickeln, der in der Gesellschaft Akzeptanz findet.

Während in Äthiopien der Kampf gegen die Genitalverstümmelung noch im Zentrum der Projektarbeit steht, sind andere Länder einen Schritt weiter. Beispiel Kenia: Hier hat die Kindernothilfe erste Erfahrungen mit alternativen Riten wie einer großen Initiationsfeier gesammelt. Für Äthiopien gilt nun der Anspruch, auch hier Alternativen zu entwickeln, damit der bisherige Projekterfolg gesichert wird.

 Zusammenfassung des Evaluierungsberichts unter
http://www.kindernothilfe.de/multimedia/KNH/Downloads/Evaluationsbericht_Genitalverst%C3%BCmmelung.pdf

Dietmar Roller, Auslandsvorstand und Simone Orlik, Redakteurin
pressestelle@knh.info

Eine Kommentar zu Genitalverstümmelung: Ein Bericht macht Hoffnung.

  1. Garretot

    Im depressed…
    Garretot

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