Wirklich die Welt verändern? Yes, we can

Mein alter Freund Hajo Friedrichs (der verstorbene „Tagesthemen“-Moderator) hat einmal den immer wieder zitierten Satz gesagt: „Man soll sich mit keiner Sache gemein machen, auch nicht mit einer guten.“
Nun hört ein Journalistenleben zwar nicht mit der Pensionierung auf, aber als ich letztes Jahr in London 65 wurde und zumindest mein ZDF-Leben beendet habe, da wollte ich genau das tun: mich mit einer guten Sache gemein machen, nicht nur Betrachter und Reporter, sondern auf neue und andere Weise dabei sein. Christina Rau schlug die Kindernothilfe vor und nun bin ich dabei und gehe als Neuling die ersten Schritte mit der Kindernothilfe und für sie.

Ende März, bei der 50-Jahr-Feier der Kindernothilfe, sprach die Bundeskanzlerin davon, dass weltweit 600 Millionen Kinder in Armut leben, 566.000 werden von der Kindernothilfe gefördert, in Asien, in Afrika, in Lateinamerika und anderswo.

Und jetzt, gerade jetzt, begegnet mir das Motto „Ich verändere die Welt.“ Und in jedem Moment des Krisenjahres 2009 konfrontiert uns die Kindernothilfe mit diesem Satz und erzwingt von uns allen schmerzliche Einsichten und Veränderung. Wir suchen eine globale Antwort auf die globale Krise und können gerade jetzt neue Nähe und Nachbarschaft lernen. Die Welt verändern, gerade jetzt?

Florence Nasamula beim Festakt der Kindernothilfe

Florence Nasamula beim Festakt der Kindernothilfe

Ich bin beim Jubiläum in Duisburg Florence Nasamula aus Uganda begegnet, die ihre Eltern durch Aids verloren hat und ihre Geschwister schon als junges Mädchen allein großziehen musste. Die Kindernothilfe hat sie u.a. mit einer Nähmaschine unterstützt und jetzt verdient sie als Schneiderin ihren Lebensunterhalt.
Zum ersten Mal ist sie jetzt aus ihrem kleinen ugandischen Dorf in unsere laute, ihr so fremde Welt gekommen, um „Danke“ zu sagen. Ihre Welt hat sich verändert durch die Hilfe, die ihr zuteil wurde und auch wir verändern uns, indem wir helfen: jetzt, gerade jetzt.

Guillermo Francisco Ramos Flores (14)

Guillermo Francisco Ramos Flores (14)

Und Guillermo Francisco Ramos Flores aus Honduras bin ich begegnet, der noch vor einem Jahr als Straßenkind unterwegs war, elternlos und begleitet von Prostitution und Mord. Jetzt wächst er in einem Kinderheim auf und hat schon große Pläne: Guillermo will einmal Anwalt werden, sich und seine Welt will er verändern. Er wird es schaffen,
zusammen mit denen, die ihm helfen: „Ich verändere die Welt“? Yes, we can und gerade jetzt.

Und auch ich bin dankbar, dass ich mich verändern und mitmachen kann -mithelfen, im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ein Jahr nach dem Wirbelsturm in Birma/Myanmar werde ich Anfang Mai im Irrawaddy-Delta sein, um Kindernothilfe-Projekte vor Ort kennenzulernen, und ich werde an der Grenze von Thailand nach Burma sein und Flüchtlings-Familien begegnen, die auf Hilfe angewiesen sind.
Sie und die vielen Millionen Menschen in Armut brauchen uns, und jeder von uns kann lernen, die Welt zu verändern, indem er sich verändert – gerade jetzt.

Und ich lerne kräftig dazu, weil ich mich jetzt gemein machen kann, mit einer guten Sache, ohne Einschränkungen. Und trotzdem kann ich Journalist bleiben.

Können wir sie wirklich verändern, unsere Welt, die jeden von uns gerade jetzt in solche Turbulenzen stürzt? Yes, we can. Nicht angstvoll warten, sondern in globaler Nachbarschaft handeln, auch das können wir lernen, gerade jetzt. Und ich freue mich darauf, dass ich dabeisein darf, mit der Kindernothilfe und für sie. Neugierig stehe ich am Anfang dieses Weges.

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2 Kommentare zu Wirklich die Welt verändern? Yes, we can

  1. ingrid Hruby

    „Ich verändere die Welt“
    Das schein mir ja – auf den ersten Blick
    – ein sehr hoch gestochenes Motto zu sein. ICH verändere wie Welt????
    Woh l kaum. Was kann ich schon tun? Mein kleiner Beitrag wird wohl nicht so bedeutend sein. Aber der Satz „Ich helfe, zusammen mit anderen die Welt zu verändern“ – der macht Sinn – keiner von uns kann das alleine tun, aber wenn wir alle zusammenhalten, können wir etwas verändern. „Viele kleine Menschen“ – alleine nicht besoners imposant – „an vielen kleinen Orten“ – solche Orte, in denen wir leben – „die viele kleine Schritte tun“ – auch nicht so richtig eindrucksvoll – „können das Gesicht der Welt verändern“. Das ist ein afrikanisches Sprichwort – scheint, dass die Afrikaner mehr Mut haben,als wir, obwohl wir doch mehr Möglichkeiten haben. Oder kommen SIE ans Hungern, wenn Sie 31 Euro pro Monat abgeben??? Das ist EIN Euro pro Tag!!!

    LG Inga

  2. Edburgh Dörr

    Yes I did!
    Mein erstes Kindernothilfe Patenkind in Sabará , Brasilien im Bundesstaat Minas Gerais wurde durch das Projekt und meine Unterstützung so gefördert, dass es aus einer Familie der Tagelöhner kommend nun Ingenieurwissenschaft studiert.
    Ich habe immer noch Kontakt zu Magda und freue mich über ihre Briefe in denen sie mir schreibt, dass ihr vater inzwischen Hausmeister an der Universität ist, die Mutter eine Schneiderei hat und der Bruder ebenfalls an der Universität als Elektriker arbeitet. Was ist die Welt? Für jeden Einzelnen ist doch Welt, das was um uns herum ist, Familie, Gemeinde, LAnd, – aus dieser Sicht ist die Welt dieser Familie bereits verändert und ich hoffe, dass sie sich im Laufe der Jahre für mein neues Patenkind Dára und seine Familie auch so positiv entwickeln kann. Wenn man aber nicht irgendwo anfängt im Kleinen, dann kann sich im Großen nichts ändern…

    Es ist kein Tropfen auf den heissen Stein, ich denke eher ein Fass, das irgendwann voll sein wird.

    Gruß
    Edburgh

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