Jungunternehmer in Lima: erste Erfolge

Mein Name ist Ilse Kreiner, ich melde mich aus dem Projekt “Aynimundo” in Lima/Peru.

Im Dezember 2018 habe ich von einem von Aynimundo angebotenen Kurs für Jungunternehmer erzählt. Einige der damals 17 Teilnehmer haben ihre unternehmerischen Pläne aus privaten Gründen auf Eis gelegt oder ihren Lebensmittelpunkt verlegt.

Ilse Kreiner mit Maria Ramos und einem ihrer T-Shirts

Sechs der Teilnehmerinnen jedoch haben ihr Unternehmen mittlerweile gut aufgestellt. Maria Ramos produziert z.B. vor allem T-Shirts und verkauft sie über das Internet. Ich habe auch gleich eines mit einer großen Sonne darauf gekauft. Eines Tages haben wir für ihren Internetauftritt Werbefotos gemacht – Benetton hätte es nicht besser hinbekommen. Den Namen der Produktlinie hat Marias 18-jährige Tochter ausgesucht: „Love yourself“! Sehr passend, finde ich.

Besonders freue ich mich über die Damen Yolanda, Luz und Corina, die teilweise nach selbst entwickelten Rezepten Kuchen und andere Süßigkeiten, aber auch kleine Snacks herstellen und verkaufen. Luz hat für mich und meine Aynimundo-Kollegen einen Schokokuchen nach österreichischem Rezept gebacken. Vielleicht lässt sich daraus ja auch ein Geschäftsmodell entwickeln.

Corina macht das Interview offensichtlich viel Spaß!

Frauenpower in Südamerika

Als ein besonderes Highlight meiner Arbeit hier im Projekt sehe ich den Beginn einer Arbeitsgemeinschaft von Luz, Corina und Yolanda. Frauenpower in Südamerika – ich finde das toll! Zuerst muss aber Vertrauen auf und die Angst vor dem Verlust der Unabhängigkeit abgebaut werden. Als  identitätsstiftende Aktion haben wir gerade den Import von Manjar Blanco aus Cajamarca initiiert. Die ersten 10 kg sind kürzlich eingetroffen. Da man hier dieses süße Milchprodukt liebt, wird es sicher leicht zu verkaufen sein, zumal wir Jhonatan, unser Verkaufsgenie, als Mitarbeiter gewinnen konnten – viel Glück dabei!

Da mein Aufenthalt im Projekt Aynimundo nun bald zu Ende geht, möchte ich auch noch den emotionalen Aspekt meiner Freiwilligentätigkeit ansprechen. Im Laufe von mehr als fünf Monaten hatte ich die Freude, sehr viele sehr nette und sehr engagierte Menschen kennenzulernen. Da Aynimundo primär mit Menschen mit Behinderung und auch sonst benachteiligten Familien arbeitet, habe ich viele traurige Schicksale kennengelernt. Eines Tages hat mir die 32-jährige Corina ihre Lebensgeschichte erzählt,

Corina und ihr Sohn

Corinas Geschichte

Sie stammt aus einer “bildungs-fernen” Familie, wollte trotzdem aber immer nur lernen, sei es in der Schule, in Gratiskursen oder in unbezahlten Praktika – für eine richtige Ausbildung fehlte das Geld, und eine Anstellung war nicht zu bekommen. Weil sie etwas Kreatives machen wollte und gerne Süßes isst, fing sie früh an, eigene Rezepte zu kreieren. Der spätere Weg war also ziemlich klar.

Im Jahr 2012 kam ihr Sohn mit einem extrem seltenen Gendefekt zur Welt, der seine sprachlichen und motorischen Fähigkeiten sowie das Sozialverhalten stark negativ beeinflusst. Es gibt keine Erfahrungen mit der Krankheit, und für Genanalysen fehlt das Geld. Vom Vater des Kindes und der eigenen Familie  wurde die Behinderung zuerst geleugnet und später die Therapien als Geldverschwendung abgelehnt. Mit der ihr eigenen Beharrlichkeit fand Corina Möglichkeiten, ihrem Sohn die Therapien zu ermöglichen, auch indem sie selbst zur Therapeutin wurde.

Vor etwa zwei Jahren kam Corina mit Aynimundo in Kontakt, wo ihr Sohn kostenlose Therapien und sie selbst psychologische Betreuung erhielt. Der Junge macht langsam Fortschritte, was das Sozialverhalten und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit betrifft. Das und die mittlerweile fixe Anstellung in einer Großbäckerei gab Corina die Ruhe, ihre alte Idee wieder aufzugreifen, später ein eigenes Geschäft zu gründen, das sie dann an ihren Sohn übergeben können wird.

Ihm November 2018 kam dann der Aynimundo-Kurs für Jungunternehmer. Das war die Geburtsstunde der “Repostería Macori”, einer Kombination von ihrer beider Namen. Sie sagte: ”Man muss die Gelegenheit ergreifen, wenn sie sich bietet.” Herzlichen Glückwunsch zu der Entscheidung und alles Gute für die Zukunft, Corina!

Damit verabschiede ich mich aus Lima – Ilse


Chile und die Rechte der Kinder: Eine offene Wunde

Interview mit David Ordenes, Direktor der Nichtregierungsorganisation La Caleta

David Ordenes und Jürgen Schübelin (Quelle: Lorenz Töpperwien)

Wenn es das schmale Land an der lateinamerikanischen Pazifikküste in unseren Breiten in die Medien schafft, geht es meist entweder um Fußball, im besten Fall um sehr guten Wein oder um Abenteuertourismus und im schlechtesten um die scheinbar endlose Serie von sexuellen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche – mit Kindern und Jugendlichen aus Opfer. David Ordenes, 69, Direktor der Nichtregierungsorganisation La Caleta, Sozialpädagoge, Lehrer und einer der renommiertesten chilenischen Kinderrechtsspezialisten, besuchte im Sommer verschiedene Partnerorganisationen in Europa. Anderthalb Tage lang machte er auch bei der Kindernothilfe Station. Im Gespräch ringt er um einen differenzierten Blick auf das Chile unter der Hochganzpolitur und Patina.

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Jubiläumsveranstaltung mit Dr. Auma Obama

Es war ein starker Abend, und er erzählte von starken Müttern und starken Kindern.

Mehr als 400 Gäste waren unserer Einladung in den Landschaftspark Nord gefolgt. In Duisburg, wo vor genau 60 Jahren der Grundstein für die Kindernothilfe gelegt worden ist, wollten wir aufmerksam machen auf das, was unsere Arbeit weltweit bewirkt. Vor allem die 35.000 Selbsthilfegruppen standen im Mittelpunkt der Feier. Sie stärken gezielt Mütter, damit sie sich und ihre Kinder eigenständig aus größter Armut befreien können.

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Ehrenamtliche werden digital

Wir haben eine brandneue digitale Engagement-Plattform. Was ist das? Was steckt dahinter? Wozu ist sowas gut? Diese Fragen beantworten wir derzeit auf verschiedenen Regionaltreffen, die wir unseren ehrenamtlichen Mitarbeitern in regelmäßigen Abständen anbieten. In Köln durften wir den Teilnehmern dabei über die Schulter schauen.

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Indien: Vom Patenkind zum Stiftungsgründer

Mit 11 Jahren bezieht Lamech Gunasekaran ein Zimmer in einem Schülerwohnheim der Kindernothilfe in Arupukottai im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Knapp 25 Jahre später gründet er den Calvary Chapel Trust und gibt seitdem Aidswaisen und mit HIV infizierten Kindern Heimat und Zukunft. Bei einem Besuch in unserer Geschäftsstelle in Duisburg berichtet er mit viel Herzblut über seine Arbeit.

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Brasilien: Jugendzeitschrift gegen die Gewalt

Der Stadtteil Grande Mucuripe in Fortaleza an der Nordostküste Brasiliens ist als besonders gewalttätig bekannt. Viele dieser Verbrechen treffen Kinder und Jugendliche in den Armenvierteln. Das Projekt „Mucuripe da Paz: Frieden in Mucuripe“ unseres lokalen Partners Terre des hommes Brasil (TDH) schult die Betroffenen zum Thema Kinderrechte und vermittelt eine Kultur des gewaltfreien Miteinanders. Wie? Zum Beispiel in einem Medien-Workshop mit dem Ziel, eine eigene Zeitschrift gegen Gewalt zu produzieren.

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NEIN zum Albtraum Genitalverstümmelung

Weibliche Genitalverstümmelung (abgekürzt FGM = Female Genital Mutilation) ist eine schwerwiegende Verletzung der Rechte von Frauen und Mädchen. Über 200 Millionen Betroffene gibt es laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Seit Jahren kämpfen wir gegen diese unmenschliche und lebensbedrohliche Praxis an. Eines unserer Schwerpunktländer ist Somaliland, wo FGM weit verbreitet ist. Vier Beispiele aus Projekten unserer Partner NAFIS – Network Aginst FGM in Somaliland und CLHE – Candlelight For Health Education and Environment zeigen, was Aufklärung bewirken kann.

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Venezuela: eine humanitäre Katastrophe

„Slow-motion catastrophe“ – Katastrophe in Zeitlupe – hat der Guardian die verhängnisvolle Entwicklung in Venezuela genannt. Längst ist aus der politischen eine umfassende humanitäre Krise geworden. Die Menschen hungern und verlassen in Scharen das Land, die Gesundheitsversorgung ist zusammengebrochen, Gewaltverbrechen nehmen rasant zu. Unter der Notsituation leiden vor allem Kinder. Um sie wirkungsvoll zu unterstützen, lotet die Kindernothilfe derzeit Möglichkeiten für Hilfsmaßnahmen in Kooperation mit dem Medikamentenhilfswerk action medeor und anderen ökumenischen Partnern aus. Pater José María Gimeno, Beauftragter für Humanitäre Hilfe und Sozialprojekte der Erzdiözese Barquisimeto, berichtet bei einem Besuch in der Geschäftsstelle der Kindernothilfe in Duisburg von der verzweifelten Lage in Venezuela.

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Chile: Mittelschweres Beben

Vor knapp zwei Tagen, in der Nacht vom 19. auf den 20. Januar, ereignete sich im Norden Chiles ein mittelschweres Erdbeben. Unsere Projekte sind nicht betroffen. Jürgen Schübelin, unser Head of Latin America & Caribbean Department, befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Hauptstadt Santiage de Chile. Hier ist sein Bericht.

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Die Motoren des Wandels – ein Bericht aus Thailand

Woran denken Sie, wenn Sie diesen Titel lesen? Möglicherweise an digitale Innovation, technischen Fortschritt, oder – da wir uns im Feld der Entwicklungszusammenarbeit bewegen – an die Unterstützung von Bedürftigen durch Mikrofinanzkredite? Wenn Sie sich zur Überschrift passende Personen vorstellen – sind diese dann männlich? All diese Vermutungen, die ich hier voranstelle, basieren auf vielen Begegnungen und Gesprächen, die ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Manager für Bildung und Öffentlichkeitsarbeit der Kindernothilfe geführt habe. Und sicherlich sind auch Kredite oder die Nutzung neuer digitaler Möglichkeiten wichtige Faktoren, die dazu beitragen, eine nachhaltig erfolgreiche Entwicklung zu gestalten. In meiner Geschichte möchte ich Ihnen aber erzählen, wer für mich die wahren Motoren des Wandels sind: Es sind Frauen. Frauen, die ich als Kolleginnen, als Ehrenamtliche und vor allem in unseren Projekten vor Ort kennengelernt habe. Den ganzen Beitrag lesen »