Artikel mit dem Schlagwort Jugendarbeit

Fußball als Lebensretter

Torszene: Mädchen-Teams beim Fußballturnier in Sambias Hauptstadt Lusaka in Aktion

Torszene: Mädchen-Teams beim Fußballturnier in Sambias Hauptstadt Lusaka in Aktion

„Tooooor!“ Riesenjubel auf einem Fußballplatz in Lusaka, der Hauptstadt von Sambia. Die Mädchen des führenden Teams liegen sich freudestrahlend in den Armen. Doch auch die übrigen Kickerinnen sind nicht umsonst dabei. Beim Fußballturnier unserer Partnerorganisation Africa Direction (AD) gewinnt jedes der teilnehmenden Mädchen – nicht nur auf sportlicher Ebene.

Bereits zum dritten Mal richtete AD das Fußballturnier für Mädchen aus der Stadtteilen Chilenje und Mtendere aus. Dabei hatten die Teilnehmerinnen Spaß und lernten auch etwas fürs Leben – beim Turnier macht unsere Partnerorganisation die Mädchen auf ihre Jugendarbeit aufmerksam, um ihnen auch langfristig helfen zu können.

Fußballturnier Sambia: Hier kommt jede zum Zug, egal ob mit Fußballschuhen oder ohne

Hier kommt jede zum Zug, egal ob mit Fußballschuhen oder ohne

Sambia ist eines der ärmsten Länder weltweit. Ein Drittel der Bevölkerung ist unter 25 Jahre alt – Mädchen und junge Frauen sind von Armut und Gewalt besonders betroffen: Frühschwangerschaften und Aids sind unter Mädchen die häufigste Todesursache. Mangelnde Chancen auf weiterführende Bildung und Perspektivlosigkeit verschlimmern noch die Situation.

Sport holt die Mädchen von der Straße

Genau um diese Probleme geht es im AD-Jugendzentrum in Chilenje, einem Stadtteil von Lusaka. Allerdings kommen fast nur Jungen. Das will DC ändern. Wie? Mit Sport, Beauty Contests und Aufklärungsveranstaltungen in Schulen, die sich speziell an Mädchen richten. Ist das Interesse einmal geweckt, finden die Betroffenen auch den Mut, über sich und ihr Leben zu sprechen und Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Fußballturnier Sambia: Das Training im Fußball-Camp leitete zum dritten Mal Ex-Fußballnationalspielerin Petra Landers

Das Training im Fußball-Camp leitete zum dritten Mal Ex-Fußballnationalspielerin Petra Landers

Das Fußballturnier war so ein Versuch, Mädchen für das AD-Jugendzentrum zu gewinnen. Schon vorher gab es die Möglichkeit, an einem fünftägigen Fußballcamp teilzunehmen. Coach war Petra Landers, eine ehemalige deutsche Nationalspielerin, die für diese Aufgabe bereits zum dritten Mal nach Lusaka geflogen ist. Parallel zur Fußballschule wurden die Mädchen von anderen Jugendlichen über ihre Rechte aufgeklärt. Dabei ging es etwa um die Risiken von Frühverheiratung, frühen Schwangerschaften und ungeschütztem Geschlechtsverkehr.

Darum ging es eigentlich beim Mädchen-Fußballturnier in Chilenje/Lusaka: Aufklärungsarbeit! Dabei ging es um Fragen wie: Was sind meine Rechte? Welche Hilfsangebote gibt es? Wo und mit wem kann ich mich austauschen?

Darum ging es eigentlich beim Mädchen-Fußballturnier in Chilenje/Lusaka: Aufklärungsarbeit! Dabei ging es um Fragen wie: Was sind meine Rechte? Welche Hilfsangebote gibt es? Wo und mit wem kann ich mich austauschen?

Turnier in jeder Hinsicht erfolgreich

Beim Turnier selbst hat AD Mädchen und Teams aus dem ganzen Umland erreicht. In einem VCT-Zelt (VCT steht für Voluntary Counselling and Testing) wurden 445 Jugendliche beraten und 356 auf HIV getestet. Teilnehmerinnen von drei Fußballteams aus Chilenje und Mtendere kommen jetzt regelmäßig ins Jugendzentrum. Sie nehmen aus dem Turnier nicht nur Spaß und Siege mit, sondern vor allem ein gestärktes Selbstvertrauen und ein wacheres Bewusstsein für die eigenen Rechte.

Fußballturnier Sambia: Die mobile Zeltstation für Beratung und HIV-Tests ist immer dabei und wird rege besucht.

Die mobile Zeltstation für Beratung und HIV-Tests ist immer dabei und wird rege besucht.

Was Boliviens Jugendliche bewegt

In verschiedenen Workshops lernen die Jugendlichen, sich und andere vor Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen

In verschiedenen Workshops lernen die Jugendlichen, sich und andere vor Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen (Foto: J. Schübelin)

Raphaela Fischer (19) kam vor drei Monaten mit dem Freiwilligendienst weltwärts nach Bolivien. Dort unterstützt sie unseren Partner Fundación La Paz in der Jugendarbeit. Eine erlebnisreiche Zeit, wie ihr Bericht zeigt.

Die Fundación engagiert sich hier in La Paz in mehreren Bereichen. Das Programm, dem ich als Freiwillige zugeordnet bin – und das im Rahmen einer Kooperation mit der Kindernothilfe entwickelt wurde –, richtet sich gegen sexuelle Gewalt und Geschlechterdiskriminierung. Unser Team arbeitet in drei Themenfeldern: Sensibilisierung und Prävention, Freizeitangebote für Jugendliche sowie psychologische Betreuung für Opfer sexueller Gewalt.

Sexueller Gewalt vorbeugen: Wie geht das?

Hauptsächlich unterstütze ich den Bereich Sensibilisierung und Prävention im Hinblick auf sexuelle Gewalt und begleite dafür meine Kolleginnen an die Schulen (6. – 12. Klasse). Pro Klasse haben wir in der Regel drei Einheiten: Die erste „unidad“ dient der Analyse. Gemeinsam mit den Jugendlichen versuchen wir herauszufinden, welche Themen ihnen besonders am Herzen liegen.

Den Einstieg bilden meist markige oder provokante Thesen, über die wir mit den Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen. Außerdem zeigen wir verschiedene Filme mit offenem Ende – als Einladung an die Jugendlichen, eigene Erfahrungen mit den beschriebenen Konfliktsituationen beizusteuern.

Je nachdem, in welchem Bereich wir dabei den größten Gesprächsbedarf erkennen, gestalten wir die nachfolgenden Arbeitseinheiten. Dabei geht es dann sehr konkret um Problem- und  Gefahrensituationen rund um Alkohol und Drogen. Auch das Risiko, im Umgang mit Facebook und anderen sozialen Medien zu viel von sich preiszugeben, kommt häufig zur Sprache. Weitere Themen sind persönliche Erlebnisse mit Geschlechterdiskriminierung, mit Gewalt auf der Straße oder im familiären Umfeld.

Zur Jugendarbeit gehören auch Workshops mit Eltern

Diese Arbeit an den Schulen macht mir sehr viel Spaß. Auch wenn wir gelegentlich doch auch ziemlich unreife oder erschreckende Antworten erhalten, merkt man vor allem in den Kursen, mit denen schon im Vorjahr gearbeitet wurde, wie wichtig diese Arbeit ist und wie intensiv sich die die Schüler mit  dem, worüber wir sprechen, beschäftigen.

Parallel dazu gibt es auch eine Arbeit mit den Eltern – etwa in Form von Workshops, in denen es um Kindererziehung ohne Gewalt geht. Auch zu diesen spannenden Treffen begleite ich meine Kollegen manchmal. Dabei ist es immer wieder interessant zu sehen, wie unterschiedlich sich Jugendliche und ihre Eltern zu ein und derselben Fragestellung äußern und welche gegensätzlichen Sichtweisen sie entwickeln.

Kreativität und soziales Engagement

Eines der Teilprogramme dieses Projektes nennt sich MUSARTA (Musik, Kunst und Talente). Das sind Kurse für junge Menschen zwischen 12 und 22 Jahren, in denen sie ihre Kreativität erproben können. Zum Angebot gehören Break Dance, Theater, Gitarrenunterricht, Maskenschminken, das Schreiben von Liedern und Texten – etwa im Hiphop-Stil – und vieles mehr. Meine Aufgabe ist es, an den Schulen Werbung für neue Kurse zu machen, einige Lehrer bei den Kursen zu unterstützen und die monatlichen Talentabende zu organisieren, an denen die Kursteilnehmer ihr Können zeigen.

Talentabend mit Break Dance - eine Bühne für Kreativität

Talentabend mit Break Dance – eine Bühne für Kreativität (Foto: J. Schübelin)

Einmal in der Woche findet unsere „Noche Arte y Cultura“ statt, eine Gesprächsrunde, bei der die Jugendlichen über von ihnen vorgeschlagene Themen diskutieren können. Themen der jüngsten Treffen waren zum Beispiel Drogen- und Alkoholabhängigkeit, Beziehungen und Trennungen, Sexualität.

Außerdem gibt es verschiedene Jugendgruppen wie die „Comunicadores“ und die „Facilitadores“. Die Comunicadores gehen jeden zweiten Sonntag mit ihrem eigenen Radioprogramm auf einen Platz hier im Stadtteil,  um dort über aktuelle Themen zu sprechen und mit Passanten zu diskutieren. Die Facilitadores ( frei übersetzt „Kontaktknüpfer“) sind eine recht neue Gruppe, die sich gerade „in Ausbildung“ befindet, um uns in Zukunft an die Schulen zu begleiten und mit ihren Altersgenossen über den Umgang mit Gewalt zu sprechen.

Straßenradio in Aktion: Jugendliche sprechen auf öffentlichen Plätzen über das, was sie bewegt

Straßenradio in Aktion: Jugendliche sprechen auf öffentlichen Plätzen über das, was sie bewegt (Foto: J. Schübelin)

Der enge Kontakt mit den Jugendlichen, den ich bei der Begleitung dieser Gruppen habe, ist für mich eine sehr eindrucksvolle Erfahrung, da ich so unmittelbar erlebe, was bolivianische Jugendliche hier in La Paz eigentlich bewegt.

Nach drei Monaten hier im Team der Fundación La Paz  kann ich sagen, dass diese Arbeit wirklich außerordentlich abwechslungsreich und interessant ist. Ich freue mich schon sehr auf die Erfahrungen, die in den nächsten Monaten auf mich warten.