Artikel mit dem Schlagwort Äthiopien-Tagebuch

Äthiopien: Eine Schule für die Kinder von Langano Shalla

Die äthiopischen Kinder freuen sich über den Besuch von Katrin Weidemann. (Fotos: Karl Pfahler)

Die äthiopischen Kinder freuen sich über den Besuch von Katrin Weidemann. (Fotos: Karl Pfahler)

Treffen mit Schulkomitees, Elternvertretern und Lehrern.

Treffen mit Schulkomitees, Elternvertretern und Lehrern

Katrin Weidemann, seit Juli Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, ist zu ihrem ersten Projektbesuch in Äthiopien angekommen und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Mittwoch, 26. November 2014

Heute ist Sportfest und deshalb kein Unterricht in der Schule von Langano Shalla. Ich treffe mich mit Mitgliedern des Schulkomitees, Elternvertretern und Lehrern in dem flachen Schulgebäude, während draußen die Mädchen und Jungen über den Fußballplatz rennen. Dass sie hier, entlang des afrikanischen Grabenbruchs im südlichen Äthiopien überhaupt eine Schule besuchen können, ist eine besondere Erfolgsgeschichte. Denn Langano Shalla ist eine der am meisten unterversorgten und von Armut betroffenen Gemeinden der Region. Lange gab es weder Schulen noch andere Infrastruktur.

Bis unser Kindernothilfe Partner ein erstes Lernzentrum startete. Das klingt imposant, tatsächlich trafen sich die Kinder anfangs unter dem großen Schattenbaum, um lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Der Baum reichte bald nicht mehr aus, bei Regen war an Unterricht nicht zu denken. Also zog die Gruppe übergangsweise in die Kirche. Und jetzt half die ganze Dorfgemeinschaft mit. Sammelte Feuerholz, zimmerte Bänke. Zusammen mit unserem Partner schafften sie es, ein kleines Schulzentrum für ihre Kinder zu errichten.

Unterricht in der Schule von Langano Shalla.

Unterricht in der Schule von Langano Shalla

Stolz erzählen uns die Delegierten die Entstehung „ihrer“ Schule. Die mittlerweile übrigens schon um weitere fünf Klasszimmer erweitert werden musste. Und – das ist besonders beeindruckend – die nach langen, mühevollen Verhandlungen schließlich vom Distrikt als staatliche Schule übernommen wurde. 2.500 Kinder haben so in Langano Shalla Zugang zu formaler Bildung erhalten. Und die Schule wächst weiter…

 

Äthiopien: 16 Frauen, 16 besondere Geschichten

Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Katrin Weidemann bei einer Frauen-Selbsthilfegruppe in Äthiopien. (Fotos: Karl Pfahler)

Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Katrin Weidemann bei einer Frauen-Selbsthilfegruppe in Äthiopien. (Fotos: Karl Pfahler)

Katrin Weidemann, seit Juli Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, ist zu ihrem ersten Projektbesuch in Äthiopien angekommen und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Dienstag, 25. November 2014

Heute soll ich das Erfolgsmodell Selbsthilfegruppe (SHG) kennenlernen. Wie organisieren sich Frauen in Selbsthilfegruppen? Wie funktioniert ihr Sparmodell? Welche Ziele geben sie sich? Wie wirkt sich ihr Engagement auf ihre Kinder aus? Den ersten Theorieinput bekam ich gestern schon im Flieger. Zwischen Jeddah und Addis einen Powervortrag über Gemeinwesenprojekte im Allgemeinen und Selbsthilfegruppen im Speziellen. Heute Vormittag liefern die Mitarbeiter unserer Partnerorganisation im Viertelstundentakt eine Präsentation nach der anderen. Vor allem zu SHGs. Mehr als 9.000 Gruppen gibt es in Äthiopien. Mit ganz genau  166.291 Mitgliedern. 440.000 Kinder profitieren davon. Die will ich jetzt kennenlernen! Zuvor noch ein Gespräch mit Mulu. Sie ist Leiterin einer Partner-NGO in Addis und wurde kürzlich ausgezeichnet als eine der „most influental women in Africa“. Eine beeindruckende Frau, die sich für die Ärmsten der Armen starkmacht!

Katrin Weidemann bekommt von den Kindern ein Ständchen getrommelt. (Quelle: Karl Pfahler)

Katrin Weidemann bekommt von den Kindern ein Ständchen getrommelt.

Nachmittags bei der Society for Women and Aids in Africa. Ihr Name mag irreführend sein (wer wird hier unterstützt, wer bekämpft?), ihr Ziel  ist klar und eindeutig: in drei Jahren einen  spürbaren Beitrag zu leisten, HIV/Aids in Äthiopien zu bekämpfen und die Situation der Betroffenen zu verbessern. Wir besuchen ihren Stützpunkt, der mitten in einem sozialen Brennpunkt liegt.  Prostitution und Gewalt gegen Frauen und Kinder sind hier an der Tagesordnung. Die Kinder der Trommel und Tanzgruppe empfangen uns. Manche nutzen die Angebote des Hauses schon seit Jahren. Ihre mit Fell umwickelten Trommeln auf Blecheimerbasis bearbeiten sie mit Konzentration und offensichtlicher Freude. Was ihnen am meisten im Center gefällt? Die gut 20 Kinder und Jugendlichen sind sich einig: ihre Trainer! Die zeigen ihnen nicht nur den Umgang mit den Drums und die richtigen Tanzschritte. Die hören ihnen auch zu! Die  nehmen sich Zeit für ihre Fragen. Und geben ihnen mit Ernährungstipps und Hinweisen zur Gesundheitsfürsorge hilfreiches Wissen für ihr Überleben. „Das sind Lebenstrainer“. Für diese Kinder entscheidende Ankerpersonen, die ihnen Selbstvertrauen und  Perspektive geben. Und herzlichen Dank für das Center an die Kindernothilfe, das singen uns die Mädchen und Jungen vielstimmig zu!

Katrin Weidemann schneidet ein äthiopisches Brot an. (Quelle: Karl Pfahler)

Katrin Weidemann schneidet ein äthiopisches Brot an.

Im Takt ihrer Trommeln schneide ich ein wagenradgroßes Brot an. Ganz wichtig: in Kreuzform! Wir essen alle davon, Kinder, Mitarbeiter, Gäste, und nicht nur das Brot an diesem Nachmittag macht uns satt.
Die SHG Frauen warten. 16 Frauen, 16 besondere Geschichten. Vor fünf Jahren lebten sie buchstäblich von der Hand in den Mund. Trauten sich kaum, laut darüber nachzudenken, ob sie das könnten: ihr Leben und das ihrer Familie verbessern. So fing es an. Maleda nannten sie ihre Gruppe – Morgendämmerung.

Das Sparheft der Frauengruppe

Das Sparheft der Frauengruppe

Sie lernten das SHG Sparmodell kennen. Centbeträge zurücklegen. Jede Woche. Ins grüne Heft kommen die Cents für Notfälle. Sie dürfen nur bei Krankheit angetastet werden oder wenn der Schulbesuch des Kinds sonst an der fehlenden Schuluniform scheitern würde. Im gelben Heft werden die Spareinlagen für das eigene kleine Geschäft notiert. Für die Wollfäden, die zu Tuch verwebt werden können Für Lehm, aus dem sich Deckel für die traditionellen Fladenöfen töpfern lassen. Es sind kleine Beträge für kleine Geschäftsideen. Sie bewirken bei diesen Frauen Großes. Während sie erzählen, trinke ich den vierten nach traditioneller äthiopischer Zeremonie zubereiteten Kaffee an diesem Tag. Mein Herz klopft deutlich schneller als sonst. Nicht wegen des Kaffees, da bin ich mir sicher. Es ist die pure Freude.

Handarbeit de Frauengruppe

Handarbeit der Frauengruppe