Artikel mit dem Schlagwort Äthiopien

Den inneren Schweinhund überwinden – für einen guten Zweck

Besonders Anfang des Jahres ist die Motivation noch groß, die sportlichen Vorsätze fürs neue Jahr einzuhalten. Diese Motivation hat die Agentur GID-Projects mit Sitz in Neuss zum Anlass genommen, den ersten Neujahrslauf in Duisburg zu veranstalten. Die Kindernothilfe war mit an Bord.

Von Sophie Rutter, Kindernothilfe-Pressestelle

Es war kalt und grau, aber trotzdem war der Parkplatz am Wolfsee in Duisburg überfüllt. Ob hier etwas stattfindet, fragte der Busfahrer, der anscheinend nichts von der Veranstaltung mitbekommen hat. Auch nicht schlimm, denn schließlich fand heute, am Samstag den 6. Januar 2018, das erste Mal der Duisburger Neujahrslauf an der Sechs-Seen-Platte statt. Über 850 Läufer und Läuferinnen machten sich frühmorgens auf den Weg, um das Jahr 2018 aktiv zu beginnen und den inneren Schweinehund zu überwinden.

Toller Einsatz trotz erschwerter Bedingungen

Die Veranstalter (GID-Projects) mussten noch kurzerhand den Streckenverlauf ändern, da wegen Hochwasser ein Teil der geplanten Strecke nicht mehr passierbar war. Trotzdem liefen die motivierten Sportler und Sportlerinnen eine 3,2 km lange Strecke, die mindestens genauso idyllisch und malerisch war. Die Besonderheit war, dass jeder Läufer und jede Läuferin selbst entscheiden konnte, wie weit er oder sie noch laufen möchte. Um Punkt 9:30 Uhr ging‘s los. 90 Minuten hatten sie Zeit und liefen zwischen einer und sieben Runden. Anfangs kamen die Läufer und Läuferinnen nur schwer von der Stelle, die Masse entzerrte sich aber schon sehr bald. Vielleicht auch weil sich einige für eine kürzere Laufstrecke entschieden. Als Unterstützung, Zuschauer oder Mitläufer hatten viele  von ihnen Freunde und Familie mitgebracht.

Laufen für Straßenkinder in Äthiopien

Auch Kinderwagen und Hunde waren auf der Strecke zu sehen – und alle für einen guten Zweck: Die Veranstalter entschieden sich, pro Finisher einen Euro an die Kindernothilfe zu spenden. Mit 858 Finishern bedeutet das 858 Euro, die die Veranstalter erfreulicherweise auf 900 Euro aufrunden.  Darüber freut sich die Kindernothilfe sehr und möchte sich herzlich bei all den motivierten Teilnehmenden und dem Team bei GID-Projects bedanken. Die Spenden unterstützen ein Projekt in Dire Dawa, Äthiopien,  das Straßenkinder betreut und ihnen Kleidung, Bildung,  aber auch Hoffnung gibt. Die Gewinnerin der ersten Runde, Xenja Hartmuth vom MSV Duisburg 02 Leichtathletik e.V., freute sich, „dass man mit dem Lauf Kindern hilft, denen es nicht so gut geht wie uns“. Sie präsentierte uns stolz ihre Urkunde und die Preise, eine Sporttasche und Kopfhörer, die sie bei der gut besuchten Siegerehrung überreicht bekam. Auch die Pressesprecherin der Kindernothilfe, Angelika Böhling, ließ sich nicht von dem kalten Januarmorgen abhalten und lief mit. Angelika Böhling, zu erkennen an ihrer Kindernothilfe-Kappe, schaute sich die Veranstaltung ganz genau an, denn nächstes Jahr soll die Veranstaltung zusammen mit dem diesjährigen Veranstalter GID-Projects von der Kindernothilfe durchgeführt werden.

 

Begeisterung bei allen Beteiligten

Sie war begeistert von der Veranstaltung und freute sich sehr, dass man so viele Menschen mit dem Lauf ansprechen und motivieren konnte. Auch Paul Ermlich vom Veranstaltungsteam freute sich über die positive Resonanz.

Mitmachen stand im Mittelpunkt

Zur Stärkung standen Fruchtsaftschorle und frisches Obst bereit. Zusätzlich gab es für alle Teilnehmenden eine Gewinnertasse und eine Brötchentüte, denn schließlich sollte jeder belohnt werden. Für viele ging es nicht um die Zeit oder den Sieg, sondern vielmehr ums Mitmachen und darum, den inneren Schweinehund zu überwinden. Nach diesem erfolgreichen ersten Duisburger Neujahrslauf besteht großes Interesse an einer Wiederholung: Dafür wird gesorgt – keine Sorge.

Äthiopien: Keine Dürre mehr im Magen

Volles Haus und volle Mägen in der Schulmensa. Foto: Kindernothilfe-Partner

Volles Haus und volle Mägen in der Schulmensa. Foto: Kindernothilfe-Partner

Im vergangenen Winter hat das Wetterphänomen El Niño in manchen Landesteilen heftige Dürren ausgelöst und damit gleich mehrere Ernten vernichtet. Für die betroffenen Kinder ist das eine doppelte Katastrophe: Neben Mangelernährung leiden sie auch noch unter monatelangem Schulausfall, weil die Beschaffung von Nahrungsmitteln einfach alle Kräfte in Anspruch nimmt.  Um die Not zu lindern, haben wir über mehrere Monate für fast 2.000 Kinder Schulmahlzeiten zur Verfügung gestellt.

Äthiopien wurde diesmal von El Niño, den Passatwinden mit dem unschuldigen Namen, besonders heftig getroffen. Die Winde trieben die Regenwolken in großen Teilen des Landes einfach aufs Meer hinaus. Die folgende Dürre führte in dem ostafrikanischen Land zu einer der größten Hungerkatastrophen der letzten Jahrzehnte. Die traf und trifft, wie so oft, besonders die Kinder.

Mitglieder der Selbsthilfegruppe teilen Essen aus. Foto: Kindernothilfe-Partner

Mitglieder der Selbsthilfegruppe teilen Essen aus. Foto: Kindernothilfe-Partner

Kinder werden in der Dürrezeit zuhause gebraucht

Eines der Projekte im Rahmen unserer Soforthilfe in Äthiopien, das wir in diesem Jahr gemeinsam mit unserem Partner Rift Valley Children and Women Development Organization (RCWDO) auf die Beine gestellt haben, richtete sich deshalb direkt an die Kinder… und ihre leeren Mägen. Vier Schulen wurden täglich mit Essen bliefert. So bekamen seit März insgesamt 1.920 Kinder an vier Schulen jeweils zwei Mahlzeiten am Tag.

Die Schulen liegen in Ziway Dugda und Adami Tullu, zwei Woredas (Bezirken) im südlichen Teil des Großen Afrikanischen Grabenbruchs – einer Gegend, in der El Niño besonders viel Schaden anrichtete. Viele Kinder der Region haben die Schule während der Dürrezeit abbrechen müssen – sie mussten zuhause helfen, Nahrung aufzutreiben.

Unterricht trotz El Niño

Das Projekt holte die Kinder während der eigentlichen Ferienzeit in die Schule zurück, gab ihnen eine tägliche Routine, sorgte für ihre Verpflegung und entlastete so auch ihre Familien. Unser Partner lieferte u. a. 85.000 Kilogramm Weizenmehl, 26.000 Kilogramm Hülsenfrüchte, jodiertes Salz und vor allem sauberes Trinkwasser an die Schulen.

Wertvolle Hilfe bei der Herstellung und Verteilung des Essens leisteten zehn lokale Selbsthilfegruppen. Die rund 200 Frauen, die darin organisiert sind, waren in erster Linie für die Zubereitung der Mahlzeiten zuständig. Durch die gemeinsame Aufgabe konnten sie zeigen, wie leistungsfähig sie sind, und wuchsen noch enger zusammen.

Ende August lief das Projekt aus. Die vier unterstützten Schulen konnten trotz El Niño ihren Betrieb wiederaufnehmen. Keines der 1.920 Kinder hatte in den kritischen Dürremonaten mit Unterernährung oder anderen akuten Krankheiten zu kämpfen. Auch vielen Familien konnten wir durch unsere Projektarbeit das Überleben sichern. Die gute Qualität des Schulessen war ein Verdienst der beteiligten Selbsthilfegruppen.

Wolken sind in der äthiopischen Wüstenregion eine echte Seltenheit. Foto: Girmay Tilahun

Wolken sind in der äthiopischen Wüstenregion eine echte Seltenheit. Foto: Girmay Tilahun

Trotzdem ist die Not noch nicht vorbei. Wieder hat es in Ziway Dugda und Adami Tullu monatelang nicht geregnet, erneut sind die Ernten bedroht. Und das bedeutet: Die Hungergefahr ist nicht gebannt. Das hat auch politische Gründe, wie zuletzt Anfang dieser Woche die Süddeutsche Zeitung analysierte. Gemeinsam mit unseren Projektpartnern unterstützen wir die Menschen in Äthiopien auch weiterhin – auch darin, in Zukunft gegen Naturkatastrophen wie diese besser gewappnet zu sein.