Artikel vom Mai 2014

Chile: Auf den verbrannten Hügeln von Valparaíso

Von Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika, zurzeit Santiago de Chile                                                                                  

Wellblechwand mit handschriftlichen Zetteln daran, im Hintergrund ein Berghang mit verbrannten Hütten.

Hilferufe nach der Brandkatastrophe. Foto: Jürgen Schübelin

Jürgen Schübelin besuchte Familien, die bei der Brandkatastrophe im April ihr Zuhause verloren haben.

Die Adresse steht auf einem Blatt Papier – Los Chonos 86 B – an einen Wellblechzaun geklebt, dazu eine Handy-Nummer. Darüber ein Hilferuf: „Eine Hütte –  dringend! Bitte! Unsere Kinder brauchen ein Dach über dem Kopf.“ Seit vier Wochen lebt Familie Díaz nun schon in einer provisorischen Behausung aus Plastikplanen und einem winzigen Zelt. Alles, was das gewaltige Feuer vom 12. und 13. April von ihrem kleinen Haus auf dem Cerro Las Cañas übrig gelassen hatte, sind 15 von der Hitze verformte und verbeulte Wellblechplatten, feinsäuberlich aufgestapelt. Sieben Mal haben sie bereits die endlosen Fragebögen und Formulare ausgefüllt, um eine Notunterkunft zu erhalten. Bislang ist nichts geschehen.

Estrella Díaz, die an jenem apokalyptischen Samstagabend allein mit ihren Kindern zu Hause war, schaffte es im letzten Moment, mit ihren kleinen Jungs die enge, kurvige  Straße hinunterzurennen, ehe die Flammenwand sie erfassen konnte. Ein älteres Ehepaar in der Nachbarschaft hatte weniger Glück und starb in dem kleinen Häuschen, das jahrelang sein Zuhause gewesen war. „Es ging alles so entsetzlich schnell“, berichtet eine der Nachbarinnen, „innerhalb einer Minute erfasste das Feuer hier in unserer Straße zehn Häuser hintereinander. Wir hatten keinerlei Chance, irgendetwas zu retten.“

Die Dimension dieser gewaltigen Feuersbrunst, die in drei Tagen 13.000 Hektar Wald- und Wohnflächen vernichtete, wird erst aus der Nähe fassbar. Foto: Jürgen Schübelin

Die Dimension dieser gewaltigen Feuersbrunst, die in drei Tagen 13.000 Hektar Wald- und Wohnflächen vernichtete, wird erst aus der Nähe fassbar. Foto: Jürgen Schübelin

Auch etwas mehr als einen Monat nach dem verheerenden Großbrand, der 15 Menschenleben gekostet und über 13.000 Bewohner der Viertel auf sechs Hügeln oberhalb der chilenischen Hafenstadt Valparaíso obdachlos gemacht hatte, ist das Chaos und auch eine gewisse Willkür bei der Verteilung von staatlicher Hilfe und Unterstützung augenfällig. Die Katastrophe hat erneut auf schmerzhafte Weise deutlich gemacht, wie begrenzt, prekär und unkoordiniert die Kriseninterventionsmechanismen der zuständigen staatlichen Institutionen funktionieren.Die Menschen auf den vom Feuer verwüsteten Hügeln von Valparaíso haben dafür ein feines Gespür: Auf ihren Transparenten danken sie den freiwilligen Feuerwehrleuten für ihren heroischen Einsatz, den Studenten, die zu Tausenden unmittelbar, nachdem nach dramatischen 72 Stunden die Flammen endlich gelöscht waren, bei der Schuttbeseitigung und dem Abtragen der Ruinen mithalfen – oder den Gewerkschaften und anderen sozialen Organisationen, die als Erste landesweite Kampagnen zur Versorgung der Überlebenden mit Kleidung, Decken und Nahrung organisierten und die Spenden nach Valparaíso schafften. Ein Dank an die Regierung und die zuständigen staatlichen Stellen ist hingegen auf keiner der zahlreichen auf Pappkartons und Mauerreste geschriebenen Botschaften zu finden.

Viele Familien hausen in aus Plastikplanen und Zelten gebauten Notunterkünften. Foto: Jürgen Schübelin

Viele Familien hausen in aus Plastikplanen und Zelten gebauten Notunterkünften. Foto: Jürgen Schübelin

Kentyi Cheung, Psychologe, erfahrener Straßensozialarbeiter und seit dreieinhalb  Wochen im Auftrag des Kindernothilfe-Partners ACHNU verantwortlicher Koordinator des Humanitäre Hilfe-Projektes in der Katastrophenzone von Valparaíso (9200CZ), bringt es auf den Punkt: „Der chilenische Staat lädt die Verantwortung für die Unterstützung und Betreuung der traumatisierten Menschen bei den sozialen Organisationen, den vielen Freiwilligen oder auch dem Personal der öffentlichen Schulen ab.“ So wurde etwa den Lehrerinnen und Lehrern der unmittelbar neben der Großbrandzone auf dem Cerro Las Cañas liegenden David-Ben-Gurion-Schule kurzerhand die Verteilung der Baumaterialien für die provisorischen Hütten übertragen – selbstverständlich zusätzlich zum inzwischen wieder laufenden Unterrichtsbetrieb.Indes drängen die Menschen mit aller Gewalt aus den albergues, den Notunterkünften unten auf dem plan (dem flachen Teil von Valparaíso), zurück auf die Hügel. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das Feuer gezielt gelegt worden sei, um den Immobilienspekulanten den Zugriff auf die dicht besiedelten Cerros mit dem grandiosen Blick über die Bucht von Valparaíso zu ermöglichen. Obwohl Chiles Präsidentin Michelle Bachelet erklärt hatte, dass ihre Regierung diesmal alles unternehmen werde, um – wie nach dem Erdbeben vom 27. Januar 2010 in der Provinz Concepción geschehen – zu verhindern, dass Immobilien-Haie sich mit teilweise kriminellen Methoden die Grundstücke überschuldeter und verzweifelter Erdbebenüberlebender für einen Apfel und Ei unter den Nagel rissen, ist die Angst mit Händen zu greifen, dass in Valparaíso am Ende genau das doch erneut geschehen könnte.

Ein steiler Berghang, an dem Hütten aus Sperrholzplatten errichtet werden.

Auf den Fundamenten der vom Feuer zerstörten Häuser errichten die Anwohner ihre provisorischen Behausungen. Foto: Jürgen Schübelin

Deshalb wurden in den zurückliegenden zwei Wochen von Bewohnern der Katastrophenzone – unterstützt von unermüdlichen, meist sehr jungen Freiwilligen –  bereits Hunderte mediaguas, kleine aus nur einem Raum bestehende Holzhütten errichtet, um den Platz zu besetzen, auf dem zuvor die von dem Feuer vernichteten Häuser und Unterkünfte standen. Mit einem Meer aus chilenischen Fahnen, Transparenten und selbst gemalten Schildern mit den Namen der Familien und ihrer Anschrift markieren die damnificados, die durch den Großbrand obdachlos Gewordenen, die kleinen Flächen an den steilen Hängen und ihren Anspruch darauf, hier auch in Zukunft leben zu können.

Die tief eingeschnittenen kleinen Täler der Hügel von Valparaíso wirkten wie Kamine, um die Flammen zusätzlich anzufachen. Foto: Jürgen Schübelin

Die tief eingeschnittenen kleinen Täler der Hügel von Valparaíso wirkten wie Kamine, um die Flammen zusätzlich anzufachen. Foto: Jürgen Schübelin

Das Ausmaß der Verwüstungen dieser Feuerwalze kann nur nachvollziehen, wer zu Fuß stundenlang auf den sechs abgebrannten Hügel unterwegs ist. Das Inferno vernichtete innerhalb von Minuten alles, was sich die Menschen in Jahren aufgebaut hatten. Die kleinen engen Täler, die die Hügel oberhalb von Valparaíso durchfurchen, wirkten wir Kamine, durch die der Wind vom Pazifik her den Flammen immer wieder neu anfachte. Und die zahlreichen Eukalyptus-Bäume verwandelten sich mit ihren ätherischen Harzen in riesige Fackeln, die die gewaltige Hitzeentwicklung noch verstärkten. Von all dem ist in weiten Teilen nur der blanke Boden übriggeblieben, ohne jegliche Vegetation, völlig schutzlos dem starken Regen während der jetzt beginnenden Wintermonate und den entsprechenden Erdrutschrisiken ausgesetzt.

 In dem kleinen Gemeindezentrum von Las Cañas hat der Kindernothilfe-Partner ACHNU eines der Kinderzentren eingerichtet. Foto: Jürgen Schübelin

In dem kleinen Gemeindezentrum von Las Cañas hat der Kindernothilfe-Partner ACHNU eines der Kinderzentren eingerichtet. Foto: Jürgen Schübelin

Wie sehr der Schock über das Erlebte den Menschen von den Cerros in den Knochen sitzt, wird deutlich, wenn man mit den Kindern im Centro Comunitario Las Cañas zusammen ist. Dort hat ACHNU, angeleitet und beraten von dem erfahrenen Team der chilenischen Kindernothilfe-Partnerorganisation ANIDE, bereits wenige Tage nach dem Großbrand damit begonnen, ein Kinderzentrum aufzubauen, in dem zurzeit 120 Mädchen und Jungen betreut werden, die mit ihren Familien wieder auf den Hügel zurückgekehrt sind. Das kleine Gemeindezentrum ist das einzige Gebäude in ganzen Umkreis, das kein Raub der Flammen wurde. Während Freiwillige im Auftrag der Nachbarschaftsorganisation auf den Fluren und dem kleinen Sportplatz gespendete Hilfsgüter sortieren und ihre Verteilung vorbereiten, arbeitet das ACHNU-Team in einem der Räume mit den Kindern, die an diesem Vormittag gekommen sind, um sich von Jeanette und Jota, zwei Theaterleuten, kleine Geschichten vorspielen zu lassen, in denen es in Variationen immer um das gleiche Thema geht, nämlich darum, dass Kinder es den Erwachsenen zeigen – und in absolut aussichtslosen Lagen mit kreativen und pfiffigen Einfällen in der Lage sind, das Blatt zu wenden. Mitten im Spiel hängen sich zwei Jungs wie die Kletten an Jeanette, die sie behutsam wieder an ihren Platz begleitet. Hinterher gibt es etwas zu essen und Kakao zu trinken, dann stürmen die Kinder mit einem der Betreuer und einem zerknautschten Fußball aus dem Raum, um auf den paar freien Metern zwischen den gespendeten Kleidungsstücken und einem improvisierten Büro der Nachbarschaftsorganisation zu kicken.

Gabriela, eine der Psychologinnen aus dem Team des Kindernothilfe-Partners ACHNU ist jeden Tag unterwegs, um mit den Kindern und Eltern, die auf die Hügel zurückgekehrt sind, zu sprechen. Foto: Jürgen Schübelin

Gabriela, eine der Psychologinnen aus dem Team des Kindernothilfe-Partners ACHNU ist jeden Tag unterwegs, um mit den Kindern und Eltern, die auf die Hügel zurückgekehrt sind, zu sprechen. Foto: Jürgen Schübelin

Gabriela, eine der Psychologinnen aus dem ACHNU-Team, kennt diesen Hyperaktivismus, aber auch Phasen von Apathie und Aggressivität inzwischen genau: Die Kinder leben immer noch in einem permanenten Ausnahmezustand. Ihre Welt, so wie sie vor dem Feuer aussah, gibt es nicht mehr. Das auf sechs Monate angelegte Programm, das Kindernothilfe unterstützt, will erreichen, die betroffenen Kinder psychisch zu stabilisieren und ihnen zu helfen, ihre traumatischen Erlebnisse während und nach der Katastrophe zu verarbeiten.Dazu gehört aber auch eine enge Kooperation mit den Lehrerinnen und Lehrern an den Schulen rund um die niedergebrannte Fläche – und deren Weiterbildung, um im Unterricht mit Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Verletzungen der Kinder angemessen umgehen zu können. Wie dringend notwendig die Unterstützung der Lehrerkollegien und Schulleitungen ist, machen die ACHNU-Erfahrungen der zurückliegenden Wochen deutlich: „Wir haben miterlebt, wie Kinder vom  Cerro Las Cañas plötzlich mutterseelenallein in Schulen in ganz anderen, weit entfernten Stadtteilen von Valparaíso geschickt wurden“,  berichtet Kentyi Cheung vom ACHNU-Team, „und darauf extrem verunsichert und eingeschüchtert reagierten.“ Ein kleiner Junge aus dem ACHNU-Betreuungsprogramm versteckte sich sogar morgens, um nicht in eine fremde Schule zu müssen. „Alles, was für die Kinder in dieser Situation zusätzlichen Stress bedeutet, was sie zusätzlich verunsichert“, ist Kentyi überzeugt, „müssen wir unbedingt verhindern.“Zwei weitere Kinderzentren wird ACHNU in den kommenden Tagen eröffnen – insgesamt sollen durch dieses Humanitäre Hilfe-Projekt, dem das ACHNU-Team den Namen „Sichere Räume für Kinder“ (Espacios Seguros para Niños) gegeben hat, 2.000 Mädchen und Jungen erreicht werden. Das Problem ist bislang, auf den Hügeln Räume zu finden, in denen mit den Kindern gearbeitet werden kann. Deshalb finden ganz viele der Aktivitäten, solange die Witterung es zulässt, draußen statt.

Auch stabil und solide errichtete Häuser konnten den Flammen nicht standhalten. Foto: Jürgen Schübelin

Auch stabil und solide errichtete Häuser konnten den Flammen nicht standhalten. Foto: Jürgen Schübelin

In den von der Regierung einberufenen Expertenrunden wird erbittert über einen Masterplan für den Wiederaufbau gestritten. Der Bürgermeister von Valparaíso und der Regierungspräsident der V. Region, zu der die Hafenstadt gehört, liefern sich öffentlich Gefechte über die jeweiligen Zuständigkeiten. Im Hintergrund hat längst das Feilschen um die Kuchenstücke an den in Aussicht gestellten staatlichen Fördermittel begonnen. Währenddessen durchleiden die Kinder und Erwachsenen auf den sechs abgebrannten Hügeln eine ganz schwierige Zeit: „Wir sind mitten in einer Krisenphase nach dem Ende der ersten Hilfseuphorie“, erklärt der ACHNU-Psychologe Kentyi Cheung, „Valparaíso ist wieder aus den chilenischen Medien verschwunden. Jetzt dreht sich alles um die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft. Das verletzt die Menschen.“ Die Regierung hat die Freiwilligeneinsätze weitgehend gestoppt – mit der Begründung, dass nicht genügend mobile Toiletten zur Verfügung stünden. Es fehlen Helfer, um die verbleibenden Ruinenreste und den Brandschutt zu entsorgen und beim Errichten der Behelfsbehausungen mit Hand anzulegen. Und für viele Familien, die bisher in einem eigenen kleinen Haus gelebt haben und sich jetzt in einer winzigen Hütte aus eilig zusammengezimmerten Pressspanplatten wiederfinden, „ist das einfach nur Stress pur“, fügt Kentyi hinzu.

Das achtköpfige ACHNU-Team ist jeden Tag auf den Hügeln unterwegs, erklärt den Erwachsenen, worin die Arbeit mit den Mädchen und Jungen in den Kinderzentren besteht, tröstet und berät, wie man sich in dieser Situation im Dschungel der staatlichen Zuständigkeiten zurechtfinden kann, stellt Kontakte zu anderen Institutionen her und motiviert, sich gerade jetzt an den Nachbarschaftsorganisationen zu beteiligen, um Stimme und Gewicht beim Wiederaufbau einbringen zu können. Gabriela, die zweite Psychologin im Team, setzte außerdem eine Idee um, die bei den Familien auf den verwüsteten Cerros extrem gut ankommt: Sie hat liebevoll alle Mädchen und Jungen aus dem Kinderzentrum, aber auch Eltern und Geschwister portraitiert, und den Familien Farbabzüge geschenkt, weil mit dem Hab und Gut in den Häusern und Hütten ja auch alle fotographischen Erinnerungen an das frühere Leben vernichtet wurden.

Spendenkonto:
Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank
IBAN: DE92 3506 0190 0000 4545 40
BIC: GENODED1DKD
Konto: 45 45 40, BLZ 350 601 90
Zweck: Z 7217 Großfeuer Chile

Muttertag

Was wünschen sich die Mütter dieser Welt?

Foto: Frank Peterschröder

Foto: Frank Peterschröder

Am Sonntag, den 11. Mai, ist Muttertag. Die Mütter stehen mit im Fokus der Arbeit der Kindernothilfe, da sie eine zentrale Rolle für den Familienzusammenhalt und die Versorgung und Entwicklung der Kinder spielen. Sie sind häufig auch für das Einkommen der Familie zuständig. Wir denken besonders an die Mütter auf allen Kontinenten, auf denen die Kindernothilfe mit ihrer Arbeit hilft. Während es bei uns in Deutschland an diesem Tag darum geht, den Müttern Danke zu sagen und ihnen eine kleine Freude zu machen, wollen wir wissen, was sich Mütter in Afrika, in Asien oder in Lateinamerika für  ihre Kinder wünschen, wovon sie träumen und wofür sie so hart kämpfen. Unsere Partner vor Ort haben mit den Müttern gesprochen.

Foto: Christoph Engel

Foto: Christoph Engel

Die Mütter auf den Philippinen, die an den Selbsthilfegruppen teilnehmen, versuchen, ihren Kindern den Weg zu ebnen. Eine Teilnehmerin aus Kabankalan sagt: “Ich wünsche mir für meine Kinder eine gute, eine bessere Zukunft. Ich möchte lernen, wie ich für sie sorgen kann und was ich tun kann, um ihr Leben zu verbessern.“ Und eine andere Mutter aus Manjuyod erzählt uns: „Ich habe gelernt, meine Talente zu erkennen und einzusetzen, um meinen Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie sollen zur Schule gehen und es einmal besser haben.“ Diese Frauen haben durch die Projekte der Kindernothilfe gelernt, zusammenzuhalten und so gemeinsam mehr zu bewirken.

Foto: Christian Herrmanny

Es sind oft ganz einfache Dinge, die sich die Mütter für ihre Kinder wünschen und die für uns in Deutschland oder anderen westlichen Industrienationen schon zu Selbstverständlichkeiten geworden sind: regelmäßige Mahlzeiten, Gesundheit und die Möglichkeit, eine Schule zu besuchen. Die Mutter von Tigest, einem zwei Jahre alten Mädchen aus dem Norden Äthiopiens, erzählt: „Bei uns im Dorf entsteht gerade eine neue Schule und es werden Pumpen für frisches Trinkwasser gebaut. Ich selbst bin nie zur Schule gegangen, wünsche mir aber für meine Tochter, dass sie später nicht nur lesen, rechnen und schreiben kann, sondern auch einen sicheren Beruf erlernt, der sie und ihre Familie gut versorgt.“

 

Foto: Jakob Studnar

Foto: Jakob Studnar

Bellancila (48 Jahre) aus Ruanda hat vor 20 Jahren den schrecklichen Genozid überlebt. Sie ist eine unglaublich starke Frau, die in die Zukunft blickt. Heute kümmert sie sich um fünf eigene Kinder und drei Kinder von verstorbenen Familienmitgliedern. Mittlerweile kann sie das Geld für regelmäßige Mahlzeiten und eine medizinische Grundversorgung aufbringen. Das hat sie aus eigener Kraft geschafft. Auch ihr großer Wunsch für ihre Kinder ist es, dass sie alle zur Schule gehen und einen Schulabschluss machen. Wie wahrscheinlich alle Mütter dieser Welt, so wünschen sich auch die befragten Mütter in Asien, in Afrika oder in Lateinamerika nur das Beste für ihre Kinder. Sie  wünschen sich vor allem, dass ihre Kinder es einmal besser haben als sie, und dass sie die notwendigen Hilfestellungen – wie beispielsweise eine grundlegende Bildung – bekommen, um der Armut zu entfliehen.

Foto: Christian Herrmanny

Foto: Christian Herrmanny

So beschreibt auch Girasols Mutter (aus dem Hochland von Peru): „Unser Leben ist oft wirklich beschwerlich.  Als Wäscherin verdiene ich nur sehr wenig Geld, es reicht kaum für meine Familie. Wir Mütter können im Bäckerei-Projekt von IINCAP [Kindernothilfe-Partner, Anm.d.Red.] backen und so etwas hinzuverdienen. Davon können wir die Schulbücher und -gebühren für unsere Kinder bezahlen. Unsere Kinder sollen es einmal besser haben.“

Der Muttertag ist für uns ein Anlass, um die Rolle und den Kampfgeist dieser Mütter und aller Mütter dieser Welt zu würdigen, an sie zu denken und sie zu feiern. Der Muttertag macht uns aber auch bewusst: Die Arbeit der Kindernothilfe zeigt Wirkung! Und wir werden uns auch in Zukunft dafür einsetzen, dass die Wünsche dieser Mütter für ihre Kinder in Erfüllung gehen.