Artikel vom April 2013

Essener Greenpeace-Mitglieder besuchen Kindernothilfe-Projekte

Im Oktober 2012 besuchten die Bochumer Abiturientinnen Xenia und Eva (19)  zwei Kindernothilfe-Projekte in Indien. Als Mitglieder der Greenpeace-Jugendgruppe in Essen waren sie in Kontakt mit dem Children Movement for Climate Justice (CMCJ) gekommen, einer Kinderbewegung, die von der Kindernothilfe unterstützt wird. Der indische Kindernothilfe-Koordinator Satish Samuel hatte bei einem Deutschlandbesuch die Greenpeace-Jugendlichen eingeladen, CMCJ-Mitglieder zu treffen und Projekte  in Indien zu besuchen. Jetzt schickten sie uns einen Bericht über ihre Indien-Reise:

„Wir verbrachten jeweils eine Woche in Südindien nahe Madurai, in der Einrichtung der RCPDS (Resource Centre for Participatory Development Studies) und bei der CeFHA (Centre for Humanitarian Assistance Trust) in der Nähe von Visakhapatnam. Schon im Vorfeld hatten wir aus beiden Projekten Wochenpläne mit den Aktivitäten während unseres Aufenthalts erhalten.

Unsere erste Station war RCPDS in Yirudu Nagar, eine Organisation, die seit 2007 mit der Kindernothilfe zusammenarbeitet. In den ersten Tagen lernten wir die Anlage des Projekts, die Mitarbeiter und die unterschiedlichen Arbeitsfelder kennen. Wir besuchten eine Schule und zwei kleine Dörfer in der Umgebung, wo wir uns mit Mitgliedern der Kinder- und Frauenselbsthilfegruppen unterhalten konnten über ihre Erfahrungen mit der Begleitung durch RCPDS.

Die Frauen schilderten uns viele Veränderungen, die ihr Leben seit der Zusammenarbeit bereicherten. Durch die Hilfe der Mitarbeiter lernten sie, ihren Alltag und das Leben in der Familie zu strukturieren und gewannen Unabhängigkeit. Es finden regelmäßige Treffen statt, bei denen die Frauen die Möglichkeit haben, sich auszutauschen und gemeinsam neue Ideen und Pläne zu verwirklichen.

Kinder mischen mit

Die Kindergruppen sind unterteilt in den Child Club (7-13 Jahre) und Palar Panchayat (13-18 Jahre). In regelmäßigem Abstand treffen sich ihre Mitglieder und besprechen alles, was ihren Lebensraum betrifft. Eigeninitiierte Umweltprojekte- und Aktionen, Ausbau der Infrastruktur der Dörfer und auch private Probleme und Bedürfnisse der Kinder finden hier Platz, gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht.

Ein Projekt der Kinder ist eine eigene Farm, die sie auf einem kleinen Stück Land errichtet haben. Dort haben sie die Möglichkeit, ökologischen Landbau zu kennenzulernen und auszuprobieren. Das erlernte Wissen geben sie dann weiter an Farmer aus der Umgebung und sorgen so für die Verbreitung des ökologischen Umdenkens in der Landwirtschaft.

Beeindruckt vom Wissensdurst und Engagement der Kinder

In der kurzen Zeit, die wir bei RCPDS verbrachten, haben wir viele kleine Eindrücke gesammelt über die Arbeit und deren Auswirkung vor Ort. Wir verstanden das Prinzip der Arbeit als Hilfe zur Selbsthilfe, die von den Mitarbeitern begleiteten Menschen bekommen Unterstützung und Anregungen für Entwicklungen, die immer mehr aus eigenen Impulsen entstehen können.

Beeindruckt haben uns vor allem der Wissensdurst und das Engagement der Kinder, denen in Form von den bestehenden Gruppen ein Raum geboten wird, in dem sie sich ausprobieren können und in dem sie durch die Erfahrung des Erfolges ihrer Projekte Selbstständigkeit erlangen. Wir empfinden es als einen großen und wichtigen Schritt, Kindern schon im frühen Alter die Wichtigkeit des rücksichtsvollen Umgangs mit ihrer Umwelt und ihren Ressourcen näher zu bringen, sodass sie diesen verinnerlichen und in die Welt tragen können. Außerdem wird durch die Arbeit an gemeinsamen Projekten ein soziales Miteinander, Spiel und Spaß ermöglicht.

Sehr gefallen hat uns der respektvolle und geduldige Umgang der Mitarbeiter mit den Kindern, die, meistens nur durch kleine Anstöße in ihren Ideen unterstützt und begleitet wurden.

Besuch beim Centre for Humanitarian Assistance Trust

Eine weitere Woche verbrachten wir bei der CeFHA, Centre for Humanitarian Assistance Trust, nahe der Stadt Visakhapatnam. Partner der Kindernothilfe ist sie seit 2005. Auch hier lernten wir zunächst die Mitarbeiter sowie Arbeitsfelder und -abläufe der Organisation kennen. Zusammen mit den Mitarbeitern wurden wir von einer Schule empfangen, die uns an ihrer Projektarbeit zum Thema Biodiversität und traditionelles Saatgut teilhaben ließ. Außerdem begleiteten wir das Team bei einem Besuch an einer Schule in der Nähe, an der von ihnen eine Informationsveranstaltung über die weltweiten Kinderrechte durchgeführt wurde.

Die „Grünen Botschafter“

In den darauffolgenden Tagen lernten wir die Kindergruppen kennen, unter ihnen die der „Green Ambassadors“ . Zu den verschiedenen Kindergruppen der Organisation zählt jedes Kind, das in einem der von ihr begleiteten Dörfer wohnt.

Die Mitglieder der Green Ambassadors berichteten uns viel über ihre Aktivitäten, sie beschäftigen sich mit Themen aus dem Bereich des Umweltschutzes, dem Klimawandel und dessen Auswirkung auf das Leben der Menschen, der Erhaltung der einheimischen Artenvielfalt und der Ressourcenknappheit. Außerdem praktizieren sie zusammen Musik und entwickeln eigene Spiele.

Auch das Dorf Yasidpalem lernten wir kennen, das durch die Unterstützung der CeFHA eine komplett neue Infrastruktur aufbaute und dessen Bewohner heute in der Lage sind, sich selbst zu versorgen und ihren Kindern Bildung zu ermöglichen.

In den Tagen, die wir bei der CeFHA verbrachten, fand sehr viel Austausch über globale Themen statt, sowohl mit den Kindern der Projektgruppen, als auch mit den Bewohnern der Dörfer, den Mitarbeitern und der Vorsitzenden der Organisation, Sasi Prabha Stanley.

Es wurde sich sehr viel Mühe bei der Gestaltung unseres Programms gegeben, einige Kinder bereiteten einen Kulturabend für uns vor, an dem sie uns traditionelle oder von ihnen erarbeitete Tänze und Lieder vorführten. Das Team war sehr freundlich, hilfsbereit und für uns und unsere Fragen immer erreichbar.

Gleichzeitig vermissten wir jedoch zeitweise in dem schwerwiegenden Kontext des Umweltschutzes und Klimawandels einen spielerischen, kindgerechten Umgang in der Arbeit mit den Kindern. Trotzdem aber begeisterten uns auch hier die Ausdauer und Fähigkeiten der Kinder, Verantwortung zu übernehmen und einen Teil zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beizutragen.

Umfassende Förderung durch das Projekt

Einen großen Eindruck machte auf uns insbesondere der Umfang der Projektbereiche von CeFHA. Sie unterstützen die Menschen in allen Lebensbereichen: Gesundheitsversorgung, Arbeit und Bildung, Lebensverhältnisse und Verbesserung der Infrastruktur, Frauen- und Kinderrechte und vieles mehr.

Rückblickend waren die beiden Projektbesuche in Indien für uns sehr interessant und lehrreich. Wir haben Einblick erhalten in die Herangehensweise an Umwelt- und Gesellschaftsprobleme in einem uns bisher unbekannten Land. Immer wieder konnten wir Bezug nehmen auf unsere eigene Arbeit bei Greenpeace in Deutschland für die wir viele Anregungen gesammelt haben.

Und auch uns wurde großes Interesse für unsere Projekte entgegengebracht und es machte uns großen Spaß, Ideen weiterzugeben und somit einen kleinen Einblick in unsere Arbeit, sowie Kultur und Lebensweise zu ermöglichen.

Wir haben viel erfahren über die Strukturen der Organisationen, gefallen hat uns der Ansatz ihrer Arbeit, die immer am Kern des Problems anzusetzen scheint und somit wichtige Grundlagen für weitere Veränderungen schafft. Das bezieht sich insbesondere auf die Familien der betreuten Dörfer, die, meist mittellos, Unterstützung und Zugang zu neuen Zukunftsperspektiven erfahren.

Wir finden es toll, dass die Kindernothilfe diese Projekte unterstützt und so langfristig innerhalb der globalen Vernetzung für Annäherung und Austausch sorgt.

Danke schön

Wir möchten uns bedanken für die Möglichkeit unseres Besuchs und die große Erfahrung, die er uns gebracht hat. Wir haben uns in den Projekten sehr gut aufgehoben gefühlt und es war schön, mit einer so großen Selbstverständlichkeit aufgenommen und eingeführt zu werden, in die Arbeit der Organisationen sowie auch ein stückweit in die indische Kultur und Lebensweise.

Ein besonderer Dank gilt den Leitern der beiden Projekte, John Devavaram und Sasi Prabha Stanley, sowie Satish Samuel von der Kindernothilfe Indien und Stefan Ernst von der Kindernothilfe Duisburg.