Artikel vom Juli 2012

Planungs-Workshop zur neuen Kindernothilfe-Strategie in Brasilien

Jürgen Schübelin, Referatsleiter für Lateinamerika und Karibik, berichtet aus Porto Alegre

Der neue Fünfjahresplan für die Arbeit der Kindernothilfe in Brasilien steht: Im Rahmen eines fünftägigen Workshops im winterlich kalten Porto Alegre verständigten sich die Teams der drei KNH-Brasil-Regionalbüros und der Brasiliengruppe innerhalb des Kindernothilfe-Lateinamerika- und Karibik-Referates auf ein Konzept und die Details für die programmatischen und finanziellen Eckdaten der KNH-Arbeit 2013 – 2017 im größten Land Lateinamerikas. Drei der fünf Arbeitsschwerpunkte im neuen „Plano Nacional“ beschäftigen sich mit den Gewaltproblemen Brasiliens: Das zukünftig deutlich verstärkte Kindernothilfe-Engagement gegen sexuelle Gewalt und Ausbeutung von Kindern, Programme zur Eindämmung von Gewalt in den Familien – sowie die Förderung von Initiativen gegen Gewalt in Armenvierteln urbaner Ballungszentren mit Hilfe von Strategien zur Vorbeugung und alternativen Konfliktlösung. Neben diesen eher auf die Megacities und Metropolen konzentrierten Themen wird es bei dem vierten Programmschwerpunkt um die Verbesserung von Bildungs- und Integrationschancen von Kindern in ländlichen Gebieten vor allem des brasilianischen Nordostens und Nordens – aber auch der Trockenregionen im Norden von Minas Gerais und in Bahia mit ihren unverändert dramatischen Armutsproblemen – gehen. Als fünften Arbeitsschwerpunkt verständigten sich die Workshop-Teilnehmer in Porto Alegre auf die Unterstützung von Initiativen zur Integration- und Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. Zur Vorbereitung dieser weitreichenden programmatischen Weichenstellungen hatte die brasilianische Sozialwissenschaftlerin Cássia Vieira de Melo aus Belo Horizonte ein umfangreiches Analyse-Dokument zu den gravierendsten Kinderrechtsverletzungen und eklatantesten Armutsproblemen in dem Schwellenland verfasst. Von dem neuen „Plano Nacional“ für Brasilien versprechen sich die beteiligten Kindernothilfe-Teams, auch in den kommenden fünf Jahren einen relevanten Beitrag zur Stärkung der Kinderrechte in einem Land leisten zu können, das sich unverändert mit extremen sozialen Ungleichheiten – sowie tagtäglichen, massiven Benachteiligungen und Ausgrenzungen von Millionen von Kindern und Jugendlichen konfrontiert sieht.