Artikel vom Oktober 2011

Brasilienarbeit der Kindernothilfe wird neu justiert

Wie verändern sich die Aufgaben eines Werkes wie der Kindernothilfe in einem Schwellenland wie Brasilien, das, was seine makroökonomischen Hausnummern anbelangt, in den zurückliegenden Jahren durchaus mit relevanten Erfolgen aufwarten konnte und entsprechend auf internationaler Bühne zunehmend selbstbewusster auftritt?

Eine Woche lang diskutierten die drei Regionalkoordinatoren von Kindernothilfe-Brasilien, Raimunda da Silva aus Recife, Andréia Barreto aus Belo Horizonte und Sergio Soares aus Porto Alegre, in Duisburg mit dem Kindernothilfe-Vorstand und dem -Brasilien-Team über die Grundlagen für ein neues Strategiepapier, das den Leitfaden für die Programmentwicklung bis 2016 bilden soll.

Die Sozialwissenschaftlerin Cássia Vieira de Melo, ebenfalls aus Belo Horizonte, hatte dafür ein umfangreiches Analyse-Dokument zu den gravierendsten Kinderrechtsverletzungen und eklatantesten Armutsproblemen im größten Land Lateinamerikas verfasst.

Ein besonderes Augenmerk richteten die workshop-Teilnehmer auf die Situation von Kindern und Jugendlichen, die Opfer von sexueller Gewalt und sexueller Ausbeutung werden. Noch immer fehlt es in Brasilien an Strategien, staatlichem und gesellschaftlichem Engagement, um Kinder und Jugendliche wirkungsvoll zu schützen. Weitere Gruppen, denen in der kinderrechtsbasierten Länderstrategie Brasilien erhöhte Aufmerksamkeit zuteil werden wird, so eines der Zwischenergebnisse des Duisburger Treffens, sind Kinder aus indigenen Gemeinschaften und anderen ethnischen Minderheiten sowie Kinder mit Behinderungen.

Deutlich wurde auch, dass die Kindernothilfe das Engagement in ländlichen Regionen mit besonders gravierenden Armutsindikatoren, vor allem im Nordosten und Norden des Riesenlandes verstärken wird; dort haben sich, so der Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, „die Lebensbedingungen von Kindern in Armut und extremer Armut seit 30 Jahren nicht verändert“. Die Neuausrichtung der Kindernothilfe-Programm-Schwerpunkte in Brasilien geht daher zwangsläufig einher mit geographischen Verschiebungen innerhalb des Länderprogramms: Rückbau der Zahl der geförderten Projekte im Süden Brasiliens, Verstärkung des Engagements im Nordosten und Norden – sowie in denjenigen urbanen Ballungsräumen mit der höchsten Armuts- und Gewaltdichte gegen Kinder und Jugendliche.

„Wir werden uns in Brasilien auch weiterhin engagieren“, bekräftige der stellvertretende Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Rolf-Robert Heringer, der innerhalb der Leitungsstruktur der Kindernothilfe auch die Verantwortung für die Brasilien-Arbeit trägt. „Wir lassen uns nicht täuschen von den Boom- und Glitzerbildern aus den Megacities, sondern schauen ganz genau dort hin, wo Kinder unverändert extremer Armut und extremen Rechtsverletzungen ausgesetzt sind.“

Ihre Fortsetzung wird die äußerst arbeitsintensive und fruchtbare „Duisburger brasilianische Woche“ in der ersten Jahreshälfte 2012 finden, dann, wenn in Brasilien der Weichenstell-Prozess für die neue Kindernothilfe-Länderstrategie abgeschlossen sein wird und die ersten kinderrechtsbasierten Projektaufnahmen angeschoben werden können.

Jürgen Schübelin, Kindernothilfe-Referatsleiter Lateinamerika und Karibik

Jugend-Klima-Gipfel 2011

Jens Stephan (16) aus Duisburg berichtet von der zweitägigen Veranstaltung in Berlin.

Seit ich den Film „An inconvenient truth“ von Al Gore gesehen habe, lässt mich das Thema Klimaschutz nicht mehr los. Ich habe für mich beschlossen, meinen eigenen Beitrag zum Klimaschutz zu geben. Auch wenn dieser Beitrag nicht von großer Bedeutung ist, will ich mir und meinen Kindern später die Zukunft sichern. Doch auch den Menschen in den Entwicklungsländern, die einen nur verhältnismäßig kleinen CO2 Ausstoß verursachen und trotzdem durch die Folgen des Klimawandels besonders schwer zu leiden haben, sollte man aus meiner Sicht helfen.

Da ich mich außerhalb des Schulunterrichtes noch nicht wirklich intensiv mit dem Thema Klimaschutz auseinandergesetzt habe, sah ich den Klima-Gipfel als eine sehr gute Möglichkeit, dies zu tun. Außerdem bot der Gipfel auch ein gutes Diskussionsforum, um sich mit anderen Leuten auszutauschen, wozu ich in meinem Umfeld nur vereinzelt die Möglichkeit habe. Die Menschen vor Ort waren alle, trotz Altersunterschiede, sehr aufgeschlossen, was vor allem auch in dem ersten Workshop zur Klimagerechtigkeit deutlich wurde.

Silent-Climate-Parade

Dort wurde uns als erstes ein Input zu dem Thema gegeben und anschließend wurde heiß diskutiert. Leider war für die Diskussion nicht genügend Zeit eingeplant, denn wir fuhren von dort aus direkt zur Silent-Climate-Parade. Diese war meiner Meinung nach ein voller Erfolg, da sie eine äußerst positive Demonstration war. Jeder Teilnehmer hat einen Kopfhörer bekommen, über den zentral, von einem Elektroauto aus, welches mitgefahren ist, Musik und Kommandos übertragen wurden. Jeder war guter Dinge; selbst die Polizei. Ich habe auch bei den Passanten während des Flyer-Verteilens fast nur positive Stimmen gehört. Die einzigen, die sich beschwert haben, waren die Autofahrer, die nicht über den Kuhdamm, den wir für fast 3 Stunden blockiert haben, fahren konnten. Aber das war auch ein Bestandteil der Silent-Parade.

Am zweiten Tag des Klima-Gipfels standen unter anderem wieder Workshops auf dem Programm. Diesmal ging es um eine rhetorische Art, seine Reden möglichst mitreißend zu gestalten. Das sogenannte „public narrative“ wurde von Barak Obama in seinem Wahlkampf erfolgreich angewandt und soll uns nun helfen, die Menschen von dem Ziel „100% erneuerbar in 2050“ zu überzeugen. Ich habe viele neue Eindrücke, aber vor allem Motivation, an meinem täglichen Leben und Konsumverhalten etwas zu verändern, mit nach Hause genommen. Außerdem habe ich mir das Ziel gesetzt, mich in Zukunft auch in meiner Umgebung aktiv zu beteiligen.

Jens Stephan