Artikel vom Januar 2010

Haiti: Ohne „Netzwerken“ geht nach dem Erdbeben nichts. Ein Beitrag von Jürgen Schübelin

Eine der wichtigsten und positivsten Erfahrungen dieser intensiven Zeit in Haiti besteht für mich in der Qualität und bedingungslosen Selbstverständlichkeit, mit der sich Menschen aus den unterschiedlichsten Organisationen, die sich zuvor nie gesehen hatten, gegenseitig bei ihrer Arbeit mit den Erdbebenüberlebenden unterstützen.

Der Teil der Kindernothilfe-Mitarbeiter, der nicht wie Alinx Jean-Baptiste, Vladimir Constant, Franklin und Pepito die Jahrhundert-Katastrophe vor Ort hatten miterleben müssen, sondern unmittelbar in den Tagen danach ins Land gekommen waren, also Ruben Wedel, Christian Jung, Detlef Hiller und ich – bilden Teil des „deutschen Teams“ auf dem Compound der christlichen „Quisqueya“-Schule in Delmas 75, einem Sektor von Port-au-Prince, der sich bereits etwas den Berghang hinauf zieht – und wo vor allem auch ganz große und eigentlich solide gebaute Gebäude zusammengestürzt und Tausende von Menschen unter sich begraben haben.

Die „Quisqueya“-Schule ist hingegen weitestgehend unbeschädigt. Die Schulleitung hat bereits ganz kurz nach der Katastrophe entschieden, ihr gesamtes Areal den verschiedenen internationalen Helfer-Teams, die nach und nach in Port-au-Prince eintreffen, als Quartier anzubieten. Die Ärztinnen und Ärzte von humedica, die Kollegin von „Apotheker ohne Grenzen“ und wir dürfen ein Klassenzimmer benutzen, in dem vor der Katastrophe Mädchen und Jungen aus einer Grundschulklasse unterrichtet wurden. Ihre Zeichnungen hängen an der Wand, ihre Name finden wir an verschiedenen Stellen im Raum.

Ich muss in diesen Tagen immer wieder an die Kinder denken, die genau hier zur Schule gingen, wo wir jetzt unsere Iso-Matten und Schlafsäcke ausrollen, unser Materiallager einrichten und die beiden Koordinatoren Simone Winneg und Dieter Schmid von humedica ihre Kommunikationszentrale installiert haben. Geht es den Kindern und ihren Familien gut? Haben alle das Erdbeben überlebt? Hier auf dem Compound, berichten uns die freundlichen Gastgeber aus dem „Quisqueya“-Team, ist ein Kind getötet worden, und unter den Familien der Schulkinder gibt es mehrere Opfer.

Im Klassenzimmer neben uns sind die World Vision-Kolleginnen und -Kollegen aus der Dominikanischen Republik untergebracht, noch ein Zimmer weiter Ärztinnen und Ärzte aus Südkorea. Es gibt mehrere Gruppen aus den USA, Kanada und aus einer Reihe von anderen europäischen Ländern. Auf den Holzbänken unter Bäumen, dort, wo vor der Katastrophe die „Quisqueya“-Schulkinder zu Mittag gegessen haben, werden auch wir versorgt.

Einmal am Tag besteht die Möglichkeit, eine warme Mahlzeit zu bekommen, hier können wir unsere Wasserflaschen auffüllen und (was ich am meisten geniesse), es gibt richtigen Kaffee.

Da das kleine Büro von Kindernothilfe-Haiti, das ganz in der Nähe liegt, bei dem Erdbeben vom 12. Januar ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen wurde – und ohne gründliche bautechnische Untersuchung und erhebliche Reparaturarbeiten nicht benutzt werden kann, finden unsere abendlichen Kindernothilfe-Teambesprechungen, die Planungen der Aktionen für den nächsten Tag, der gegenseitige Austausch über die Neuigkeiten von den verschiedenen KNH-Partnern ebenfalls unter den „Quisqueya“-Bäumen, statt.

Weil nicht in allen Hilfsgüter-Konvois immer komplett all die Dinge mitgekommen sind, die man exakt zum jetzigen Zeitpunkt braucht, hilft man sich gegenseitig: Julia Micklinghoff, die Pharmazeutin von „Apotheker ohne Grenzen“, stellt uns aus dem gemeinsamen humedica-KNH-Kontingent die täglichen Medikamentensendungen zusammen, die das Heilsarmee-Ärzteteam in dem Kindernothilfe-Partnerprojekt „College Verena“, unten in Delmas Deux, erbeten hat: Große Mengen an Antibiotica, um Wunden von verletzten Kindern zu versorgen, Schmerzmittel, vor allem aber auch Medikamente, um Durchfall und Fieber bei Kindern zu bekämpfen. Die Kollegen von World Vision aus dem Dominikanischen Republik schenken uns vor ihrer Abreise alle ihre verbliebenen Nahrungsmittelreserven, um den von uns fast täglich besuchten „Petites Soeurs de Sainte Thérèse de l’Enfant Jésu“, deren Schule im Stadtteil Riviere Froide in Carrefour mit über 200 Kindern in den Klassenräumen (von denen, wie berichtet, 150 den Tod fanden) zusammenstürzte, zu helfen.

Unsere Kollegin Gertie von terre des hommes-Lausanne unterstützt uns zur Aufstockung unserer eigenen Hilfsgüterbestandes mit eine großen Menge schweizer Milchpulver für die KNH-Kinderzentren, über Kontakte mit der deutschen Botschaft gelingt es, fünfmal hintereinander Trinkwassertransporte nach Riviere Froide zu den Kleinen Schwestern zu organisieren und auch die GTZ kooperiert mit zusätzlichen Nahrungsmitteln, die wir für die Hilfe zugunsten der „Petites Soeurs“ und der von ihnen mitgetragenen KNH-Partnerorganisation EPPMPH dringend gebrauchen können. Eine wichtige professionelle Unterstützung kommt aber auch von den Kollegen vom Technischen Hilfswerk (THW), die uns einen Statiker- und Gebäudeschäden-Experten für die Untersuchung der Heilsarmee-Schule in „Fort National“, für das schwer beschädigte Tagungs- und Verwaltungsgebäude unseres Partners GADRU und für unser eigenes Büro in Delmas 75 zur Verfügung stellen.

Wir revanchieren uns mit einem Teil unserer Dieselreserven, die wir in der Dominikanischen Republik beschafft haben, mit Desinfektionsmitteln für die Ärzteteams – und mit Beständen der Mineralwasserflaschen-Paletten aus Supermärkten in Santo Domingo, die wir dem gemeinsamen Hilfsgüterkonvoi von humedica, Kindernothilfe und anderen Organisationen hatten beipacken können.

Aber es geht bei dieser gegenseitigen Unterstützung nicht nur um Hilfsgüter und Materialen, die wir miteinander teilen: Chancy Grandell und Steve Griffith sind zwei Ärzte aus den USA, die wir auf dem Compound kennenlernen.

Sie erklären sich spontan bereit, noch einmal jene 38 Kinder aus der zusammengestürzten Schule von Riviere Froide in Carrefour zu besuchen, die von den Schwestern lebend aus den Trümmern hatten befreit werden können und die nach einer ärztlichen Erstversorgung jetzt zu Hause bei ihren Familien versorgt werden. Chancy und eine Krankenschwester fahren mit dem KNH-Haiti-Koordinator Alinx Jean-Baptiste nach Carrefour, versorgen Wunden und kümmern sich rührend um die schwer traumatisierten Kinder, während Steve Griffeth aus Georgia zusammen mit dem Lehrer aus der kleinen Schule von Coupeau, hoch oben in den Bergen, zu der wir vor zwei Tage zu Fuß gewandert sind, mit seiner Motocross-Maschine aufbricht. Sein Ziel: All die verletzten Kinder und Erwachsenen mit offenen Wunden und Knochenbrüchen zu behandeln, denen wir zuvor auf unserem Fußmarsch begegnet sind – und deren Verletzungen wir registriert und fotografiert hatten.

Alinx, der ein wenig skeptisch war, ob es wirklich gelingen würde, Ärzte zu finden, die bereit wären, in diese abgelegene Berglandschaft südlich von Carrefour aufzusteigen, ist sichtlich beeindruckt über das unkomplizierte Engagement unserer neuen Freunde.

Das ist eine der wichtigsten Lektionen in diesen Tagen in Haiti: Ohne sich gegenseitig zu unterstützen – und die verschiedenen, gewaltigen Aufgaben miteinander zu koordinieren, geht gar nichts. Und genau das ist es auch, was die Erdbebenüberlebenden mit Recht von uns erwarten dürfen. Für one-man-shows oder institutionelle Gruppen-Egoismen ist Haiti nach der Katastrophe vom 12. Januar der denkbar falscheste Ort… 

Jürgen Schübelin,
Referatsleiter Lateinamerika und Karibik

juergen.schuebelin@knh.de 

 

Fotos: Jens Großmann

„Mach die Katze“ – Kinder in Haiti können wieder spielen

Kindernothilfe-Mitarbeiter Jürgen Schübelin ist heute aus Haiti zurückgekehrt. Und sofort hat er uns einen aktuellen Bericht gemailt:

Seit Tagen diskutieren Alinx Jean-Baptiste, der Koordinator von KNH-Haiti, Ruben Wedel, Vladimir Constant (der Psychologe in unserem Team) und ich mit wachsender Sorge über die Frage, was aus den Tausenden von Restavèk-Kindern in den Bidonsvilles von Port-au-Prince wird, die sich nach der Erdbebenkatastrophe vom 12. Januar in einer noch prekäreren Lage als vorher befinden. Diese Kinder – meistens Mädchen – hatten vor dem Desaster vor allem für Familien gearbeitet, die selbst zur Gruppe der Extrem-Armen in diesem Land gehören, und zwar täglich von vor Sonnenaufgang bis in die späte Nacht hinein – gegen ein bisschen Essen und die Möglichkeit, in der Hütte der „Gastfamilien“ auf dem Fußboden in einer Ecke schlafen zu dürfen.

Das Erdbeben hat in ganz vielen Fällen das System zerstört, auf dem ihr eigenes Überleben gründet, weil die Familien, mit denen sie bisher lebten, selbst alles verloren haben und in ihren Notunterkünften am Straßenrand keine zusätzlichen Münder brauchen, um das bisschen Wasser und Essen, das zur Verfügung steht, zu teilen. Uns ist seit Tagen klar, dass diese besondere Gruppe, die seit Jahren in der Haiti-Projektarbeit der Kindernothilfe eine so wichtige Rolle spielt, extrem gefährdet ist.

In dem von uns aufgebauten Kinderzentrum auf dem Compound der Heilsarmee in Delmas Deux sind zwar einige Mädchen dabei, die vor der Katastrophe als Restavèk gearbeitet haben, aber angesichts der gewaltigen Menschenmasse in der Zeltstadt rund um das Gelände der Armée du Salut und den entsprechenden Versorgungsproblemen ist es einfach nicht möglich, systematisch nach all den anderen Kindern zu suchen, die zuvor an dem kleinen Restavèk-Programm im College Verena der Heilsarmee teilgenommen haben.

Wir machen uns also auf den Weg nach Wharf Jérémie, ein – zumindest zu einem wesentlichen Teil – auf einer Müllhalde entstandenes Bidonville am Hafen, dort, von wo aus jeden Tag die Schiffe, vollbeladen mit aus Port-au-Prince fliehenden Menschen, nach Jérémie, an der äußersten Südwest-Spitze von Haiti, in See stechen. Im Hafenbereich herrscht ein unglaubliches Gedränge, schon von Weitem wird klar, dass die Schiffe, die allesamt wie schrottreife Seelenverkäufer aussehen, völlig überladen zu ihrer achtstündigen Fahrt entlang der Küste ablegen werden. Diejenigen, für die es keine Chance gibt, aus Port-au-Prince heraus zu kommen, sind die Bewohner von Wharf Jérémie. Auch in diesem Bidonville sind die Häuser und Hütten Wand an Wand errichtet. Überall, wo mit Stein gebaut wurde, hat das Erdbeben große Schäden verursacht, die elenden Hütten aus rostigem Wellblech und anderen Abfallmaterialien sind hingegen stehen geblieben.

Wharf Jérémie ist ein Ort mit besonders vielen Restavék-Kindern. Mit ihnen arbeitete der Kindernothilfe-Partner MOCOSAD in seiner kleinen Schule bereits lange vor der Katastrophe. Nach dem Erdbeben hat Vladimir Constant, der KNH-Psychologe, zusammen mit Pastor Luckner Guervil von MOCOSAD alle Familien besucht, in denen zuvor Restavèk-Kinder lebten, um möglichst viele Informationen über den Verbleib der Kinder einzuholen. Einige von Ihnen sind inzwischen allein in Wharf Jérémie, weil ihre „Arbeitgeber“ geflohen sind, von anderen fehlt jede Spur, aber ein großer Teil der MOCOSAD-Kinder befindet sich immer noch hier an diesem apokalyptischen Ort zwischen Kloaken und Müllhalden, in den sich vor uns kaum eine Hilfsorganisation hineingetraut hat. Vladimir hat bereits kurz nach dem Erdbeben begonnen, mit einigen der Kinder, die auf ihn einen besonders verstörten, traumatisierten Eindruck machten, zu arbeiten und versucht gerade, als wir uns treffen, einem Mädchen, das seit Tagen nicht mehr aufhört, völlig zusammenhanglos zu sprechen, zu helfen.

Wir wollen unbedingt inmitten dieses Bidonville ein weiteres Kinderzentrum in Gang bringen, aber die Frage laut: Wo? Die Zeit drängt – und deshalb bitten wir Pastor Luckner und sein Team um einen großen Gefallen: Sich dazu durchzuringen, den mit erheblichen finanziellen Mühen von seiner kleinen Kirche aufgebauten Unterrichtsraum – unmittelbar neben dem Gotteshaus, der bei dem Erdbeben schwer beschädigt wurde, niederzureißen, die Fläche vom Schutt zu säubern und an dieser Stelle – indem die Kirche gleich mitbenutzt wird – unter einer großen Zeltplane mit den Kindern arbeiten zu können.

Pastor Luckner ist einverstanden – und ich verpflichte mich per Handschlag, dass die Kindernothilfe ihm dann in einigen Wochen, wenn es in Haiti hoffentlich endlich keine Nachbeben mehr geben wird, helfen wird, das Klassenzimmer komplett wieder aufzubauen und auch die beschädigte Kirchenmauer zu ersetzen. Morgen geht es los, Luckner und MOCOSAD werden mit dem Abriss der Ruine beginnen. Die Kinder hören aufmerksam bei unseren Beratungen zu.

Klar ist, dass wir den Bereich für die Arbeit mit den Kindern, der hier entstehen wird, mit Planen zur Straße hin sichern müssen, um geschützt die Lebensmittel und die Milch für die Kinder, die wir für die Kinderzentren beschafft haben, verteilen zu können – aber vor allem auch, weil die Kinder einen Raum brauchen, in dem sie sich geschützt und unter sich fühlen können.

Die Haltung des kleinen, schmächtigen Pastors und seiner Leute berührt uns zutieftst, er stellt keine Forderungen, sondern will einfach, dass möglich schnell wieder mit den Kindern gearbeitet werden kann und vertraut darauf, dass wir unser Wort halten. Vladimir Constant, der Luckner seit Jahren kennt, ist unser Gewährsmann. Er verbürgt sich für uns.

Indes hat Ingrid Müller, Journalistin beim „Berliner Tagesspiegel“, die uns seit Tagen immer wieder bei unserer Arbeit begleitet, auf ihrer Weise bereits mit dem begonnen, was hier möglichst schnell starten soll: Eine intensive Beschäftigung mit den Kindern, die so dringend Schutz, Zuwendung und Aufmerksamkeit brauchen. Ingrid Müller hat das Katzenspiel erfunden, faucht und bewegt die Krallen, verwandelt sich in eine Katze, die miaut, einen Buckel macht und mit den Augen rollt. Die Kinder sind hellauf begeistert. Auf unserer Tour durch Wharf Jérémie begleitet uns ein ganzer Tross von Mädchen und Jungen, die mit Ingrid Müller Katze spielen. Immer wieder rufen sie: „Katze, Katze, mach die Katze…“ Alinx Jean-Baptiste, der KNH-Koordinator in Haiti, ist voller Begeisterung für die begnadete Entertainerin aus Berlin: „Wenn Du möchtest, kannst Du sofort bei uns anfangen!“ Als wir von Wharf Jérémie zurück nach Delmas Deux aufbrechen, rufen uns die Kinder nach: „Katze, mach die Katze!“

 Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika und Karibik

Spenden für Haiti: Zwei Siebstklässlerinnen mischen ihre Schule auf!

Kindernothilfe-Mitarbeiterin Dr. Inga Hruby kam gerade vom Grafschafter Gymnasium in Moers zurück – mit einem dicken Scheck!

„Gerade habe ich im Grafschafter Gymnasium Moers einen Scheck über 3.810,38 Euro abgeholt – für Haiti. Zwei Schülerinnen der 7. Klaase haben die Sammlung bei Schülern, Lehrern und Eltern initiiert; sie wurdem vom Schülersprecher und dem Schülerrat unterstützt.

Sie sind durch alle Klassen gegangen, um für die Sammlung zu motivieren, und hatten vorbereitete Briefumschläge bei sich, die die Schülerinnen und Schüler mit nach Hause genommen haben und dann gefüllt zurückbrachten.

Ist das nicht toll?“

Dr. Inga Hruby, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Kampf gegen das Chaos: Ein Rückblick auf das Beben in Haiti

Gestern Abend bei einem prominenten Nachrichtenmagazin: Der Beitrag, der zum Thema Haiti läuft, dauert exakt 30 Sekunden und läuft irgendwo am Rande der  Nachrichtenlage. Man hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, neues Filmmaterial einzusetzen. Ich bin schier ensetzt: Es hat keine 2 Wochen gedauert, da ist eine Katastrophe eines solchen Ausmaßes schon wieder aus den Medien verschwunden.

Meine Kollegin Gunhild Ayiub und ich produzierten just zum Zeitpunkt der Katastrophe unser aktuelles Spendermagazin. Einige von Ihnen kennen es vielleicht. Aus aktuellem Anlass revidierten wir einen Artikel und schrieben einen neuen Text zur Lage in Haiti.  Um uns die Bilder noch einmal vor Augen zu halten, wie schlimm die Tragödie für das arme Land Haiti ist, lassen wir Sie noch einmal mit uns zurückblicken.

Dienstag, 12.01.2010
Es ist später Abend, als die ersten spärlichen Meldungen im Fernsehen, Rundfunk und Internet laufen: In der Hauptstadt Haitis, Port-au- Prince, hat es ein Erdbeben der Stärke 7,0 gegeben. Verletzte und Tote überall. Viele Kindernothilfe-Mitarbeiter hören von der Nachricht an diesem Abend. Geschockt. Besorgt. Unruhig. Sechs Kindernothilfe-Projekte sind in und um Port-au-Prince angesiedelt. Mitarbeiter versuchen Alinx Jean-Baptiste, Koordinator von KNH-Haiti, zu erreichen. Das Telefon bleibt tot.

Mittwoch, 13.01.2010
Das Ausmaß der Zerstörung wird erst jetzt richtig sichtbar. Die Meldungen überschlagen sich: Port-au-Prince liegt in Schutt und Asche. Tausende von Toten und Verletzten. Drei Millionen Menschen, die dringend Hilfe benötigen. Kindernothilfe-Paten rufen in der Zentrale an und wollen Informationen über ihr Patenkind. Aber die Kindernothilfe hat keine Informationen aus erster Hand. Denn Alinx Jean-Baptiste, bei jeder Katastrophe ein Fels in der Brandung, meldet sich nicht. Die Sorge in der Kindernothilfe-Zentrale, dass er sowie viele Mädchen und Jungen in den Projekten tot sein könnten, ist groß. Die Kindernothilfe sagt eine Soforthilfe von 50 000 Euro zu und beginnt mit der Koordinierung der Hilfe vor Ort.

Donnerstag, 14.01.2010
Am nächsten Morgen die Erleichterung: Jean-Baptiste meldet sich per Mail. Er und seine Familie haben überlebt. Später berichtet er: „Als das Beben begann, war ich mit unserem Buchhalter im Büro. Wir rannten auf die Straße, um uns zu retten. Wir rannten um unser Leben.“ Die Gebäude der Heilsarmee-Projekte in Port-au-Prince, die seit Jahrzehnten von der Kindernothilfe gefördert werden, sind schwer beschädigt worden, erfahren wir. Aus einem Projekt in Carrefour, in dem 400 Restavèks (Kinder, die in fremden Haushalten arbeiten müssen) betreut werden, fehlt jede Nachricht. Auch Angaben über Tote oder Verletzte unter den Patenkindern gibt es noch nicht. Da ist zum Beispiel das Patenkind der evangelischen Gemeinde in Warendorf. Sie unterstützt den Jungen seit vielen Jahren. Was aus ihm geworden ist, weiß bislang niemand.

Die Kindernothilfe stockt ihre Soforthilfe auf 100 000 Euro auf und beschließt eine Zusammenarbeit mit humedica, einem Verein, der sich mit Hilfe von Ärzten und Schwestern um die medizinische Versorgung in Katastrophenfällen kümmert. Der Kindernothilfe-Koordinator Ruben Wedel, der drei Jahre lang in Haiti gelebt hat, begleitet die Mediziner. Donnerstagabend bricht das Team, bestehend aus vier Ärzten, einer Krankenschwester, einem Pfleger sowie zwei Koordinatoren und Ruben Wedel, vom Frankfurter Flughafen auf Richtung Haiti. Im Gepäck: Medi-Kits, mit denen bis zu 3 000 Patienten erstversorgt werden können: Knochenbrüche, Wundversorgung, Not-OPs. Tabletten für die chemische Wasseraufbereitung für bis zu 100 000 Liter sind auch dabei. Ein kleiner erster Schritt auf einem langen Weg der Nothilfe. Abends berichten die Medien von der zunehmend angespannten Sicherheitslage. Weil die Nothilfe nur langsam anlaufe, seien viele Überlebende wütend und verzweifelt. Es komme auch zu Plünderungen. Die Menschen versuchen immer noch mit bloßen Händen, Überlebende auszugraben.

In der Geschäftsstelle stehen die Telefone nicht still. Immer mehr Menschen – Paten, Unternehmen, Gemeinden, Privatpersonen –  wollen sich engagieren, kündigen Aktionen an, um Spenden zu sammeln, bitten um Poster und Spendendosen. Die Online-Spenden haben die 100 000 Euro-Marke überschritten.

Freitag, 15.10.2010
Am nächsten Morgen steht der telefonische Kontakt mit Alinx Jean-Baptiste, der auf Hilfe drängt. Er berichtet von einer chaotischen Situation. Es fehle an Wasser, Medikamenten und an Treibstoff. Einer seiner Mitarbeiter habe mehrere Stunden wegen Benzin angestanden. Ohne Erfolg.
Das Ärzteteam und Ruben Wedel sind in der Zwischenzeit in der Dominikanischen Republik gelandet. Dort beladen sie ihren Konvoi mit den Hilfsmitteln und decken sich für zwei Wochen mit Lebensmitteln, Wasser und Treibstoff ein. Der Weg über den Zoll läuft reibungslos. Am frühen Nachmittag twittert Ruben Wedel: „Wir stehen jetzt im Stau und kommen nur langsam voran. Hoffen, Port-au-Prince noch heute zu erreichen.“ Von Deutschland aus hat die Kindernothilfe ihre Soforthilfe auf 200 000 Euro aufgestockt. Die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ und viele andere sagen ihre Hilfe zu.

Samstag, 16.10.2010
Vier Tage sind jetzt seit dem Beben vergangen. Doch die Hilfe erreicht die Überlebenden nur schleppend. Für viele Verschütteten kommt jede Hilfe zu spät. Leichen liegen auf den Straßen, Verwesungsgeruch breitet sich über der Stadt aus. Die Regierung berichtet von bislang 50 000 Toten. Wie hoch die Zahl am Ende sein wird, wagt niemand zu sagen. Auf den Straßen befinden sich immer mehr unbeaufsichtigte Kinder. Aus Angst vor dem Ausbruch von Seuchen versucht man, die Leichen zu beseitigen. Auf dem Weg durch die Stadt kommen Ruben Wedel und Alinx Jean-Baptiste an einem Friedhof vorbei: „Hier verbrennen sie die Menschen einfach.“ Das Ärzteteam von humedica hat ein Notfallzentrum im „Krankenhaus der Hoffnung“ eingerichtet, behandelt Verletzte. Darunter ein Mädchen, das drei Tage unter den Trümmern begraben lag und schließlich gerettet wurde. Es gibt auch solche Augenblicke, die Hoffnung machen. Auch im College Verena, einer von der Kindernothilfe geförderten großen Heilsarmee-Schule für 2 000 Mädchen und Jungen, ist Hilfe dringend angezeigt. Die Helfer schlafen kaum und wenn, dann mit den Verletzten auf einem Fußballfeld unter freiem Himmel.

Air Berlin und die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ sagen zu, einen Hilfstransport mit rund 30 000 Tonnen Hilfsgütern in das Krisengebiet zu organisieren. Ein Anfang. Doch was kommt danach? So lautet die bange Frage. Für Dr. Jürgen Thiesbonenkamp, den Vorstandsvorsitzenden der Kindernothilfe, ist eines besonders wichtig: „Unser Mandat sind die Kinder!“ Weil die Infrastruktur in Haiti komplett zusammengebrochen sei, dauere die Erstversorgung hier länger als bei anderen Katastrophen. Dennoch: „Haiti ist das Land der Restavèks. Wir müssen uns vor allem jetzt um die Mädchen und Jungen kümmern, die in dieser dramatischen Lage völlig schutzlos sind. Leider kommt es gerade in diesen Situationen immer wieder zu Übergriffen von Gewalt und Missbrauch.“

Sonntag, 17.01.2010
Die Arbeit in der Kindernothilfe-Zentrale in Duisburg geht für einige Mitarbeiter weiter. Journalisten werden informiert, Stiftungsrätin Christina Rau wird abends in der ARD-Talkshow bei Anne Will Rede und Antwort über die Situation der Kindernothilfe-Projekte stehen. Die Kindernothilfe ist Partner des Bündnisses „Entwicklung hilft“, für das während der Sendung zu Spenden aufgerufen werden soll. Die Online-Spenden über die Kindernothilfe-Website gehen mittlerweile im Zwei-Minuten-Takt ein und überschreiten am Nachmittag die 200.000 Euro-Marke.

Schätzungsweise 400 Familien sind auf dem Gelände des College Verena untergebracht. Jean-Baptiste: „Die Heilsarmee versorgt sie, so gut sie kann. Der Schulkomplex hatte auch eine Großküche mit einem Lebensmittellager – Reis, Öl, Bohnen. Heute wurde die letzte Mahlzeit gekocht – jetzt haben wir nichts mehr.“

Auf dem Gelände des College Verena bekommen Frauen unter freiem Himmel Kinder. 20 Meter weiter laden Menschen immer wieder Leichen vor der Tür der Heilsarmee ab. Die humedica-Ärzte arbeiten bis zur Erschöpfung. „Gestern, das war die Hölle“, sagt Alinx, „bis abends haben die Ärzte 500 Kinder und Erwachsene behandelt. Jetzt sind alle Medikamente verbraucht. Wir warten dringend auf Nachschub.“

Der ist auf dem Düsseldorfer Flughafen angekommen. In einem logistischen Kraftakt stellen die Stiftung „Ein Herz für Kinder“ und die Luftfahrtgesellschaft Air Berlin einen Hilfstransport für humedica und Kindernothilfe nach Puerto Plata in der Dominikanischen Republik bereit. 30 Tonnen, darunter Wasserfilter, Babynahrung, medizinische Versorgung, Nahrungsmittelzusätze und Hygiene-Artikel. 15 humedica-Ärzte begleiten die Hilfsgüter. Von der Dominikanischen Republik aus geht es auf dem Landweg weiter nach Haiti. Jürgen Schübelin, Kindernothilfe-Referatsleiter für Lateinamerika und die Karibik, ist vor Ort, um den Weitertransport zu organisieren. Auf dem Flughafen in Port-au-Prince landen zwar auch Maschinen mit Hilfsgütern. Doch an der Koordination scheitert es noch. „Es ist schwierig, Transportmöglichkeiten nach Haiti zu finden“, berichtet er aus Santo Domingo. „und wenn, dann nur zu horrenden Kosten.“ Aber er hat auch Positives beobachtet: „Die Katastrophe hat die Einstellung vieler Menschen und der Politiker hier, die den Haitianern bisher mit Ablehnung und Rassismus begegneten, verändert. Es gibt große Solidaritätsaktionen, viele Menschen engagieren sich, spenden Geld und Lebensmittel. Alle Fahnen hängen auf Halbmast…“

Dann erreicht uns eine Meldung von Ruben Wedel. Das Kindernothilfe- und humedica-Team hatte sich gestern bis nach Carrefour durchgekämpft. Ein nicht von der Kindernothilfe gefördertes Projekt und das Wohnhaus der „Kleinen Schwestern“, einem der Kindernothilfe-Partner, sind eingestürzt. 130 Schüler und einige Schwestern konnten nur noch tot geborgen werden.  Die Überlebenden sind so stark traumatisiert, dass sie bisher noch keine Nothilfe für die anderen Projekte organisieren konnten.. Die sechs Bildungszentren der Kindernothilfe in den Bergen sind auch alle eingestürzt. Gott sei Dank wurden keine Kinder verletzt. Das Verwaltungsgebäude eines weiteren Partners im Stadtzentrum sowie seine von der Kindernothilfe unterstützte Schule und die dazu gehörige Klinik in Carrefour wurden komplett zerstört. Es gibt immer noch kein Lebenszeichen von den Mitarbeitern dort.

Wen das ganze Magazin mit seinen lesenwerten Beiträgen interessiert: http://www.kindernothilfe.de/magazin_uebersicht-path-2,8.html

Gunhild Aiyub und Simone Orlik,
Redakteurinnen, pressestelle@knh.info

Helmut Michelis berichtet: Im Krankenhaus der Hoffnung in Haiti

Haiti: So viel Leben retten wie möglich – unter unvorstellbaren Bedingungen kämpfen sich die Ärzte vom Kindernothilfe-Partner Humedica, aus Nordrhein-Westfalen im Hospital „Espoir“ gegen die Zeit. Der Reporter der Rheinischen Post, Helmut Michelis, verbrachte einen Tag in der Klinik in Port-au-Prince.

7.30 Uhr: Die acht Ärzte der Hilfsorganisation „Humedica“ bereiten sich auf ihren Einsatz vor. Was sie jetzt nicht einpacken, auf das können sie in den nächsten Stunden nicht mehr zurückgreifen, denn Fahrzeuge sind Mangelware für die Helfer und der Weg zu Fuß ist zu gefährlich. Zeitgleich startet ein zweites Team von „Humedica“ mit dem Bonner Arzt Michael Brinkmann zur Erstaufklärung in das Epizentrum des Bebens nach Leograne, ein drittes Team betreibt ein weiteres Krankenhaus in Port-au-Prince.

8.00 Uhr: Abfahrt von der christlichen Schule, die den internationalen Helfern als Stützpunkt dient, zum Hospital „Espoir“ (französisch für Hoffnung) im Ortsteil Delmas, nur etwa drei Kilometer entfernt. Der dominikanische Fahrer der Hilfsorganisation „World Vision“ (man hilft sich untereinander) quält sich über Buckelpisten, vorbei an Zeltlagern für Erdbebenopfer und die Straßen säumende Menschenmassen.

8.14 Uhr: Mehrere laute Knalle sind zu hören. Schüsse? Oder nur eine Fehlzündung bei einem der unzähligen, sich vorwärts quälenden Autos, die aus europäischer Sicht schrottreif sind? Wir fahren einfach weiter, eine Flucht wäre ohnehin nur in Schrittgeschwindigkeit möglich. „Verlassen Sie die Klinik zu Fuß bloß nicht“, rät einer der Begleiter. „Das könnte gefährlich werden.“ Denn die Stimmung derer, die noch keine Hilfe bekommen haben, wird zunehmend aggressiver; schon die „normale“ Gewaltkriminalität ist eine Geißel Haitis.

8.27 Uhr: Ankunft am Hospital, das unerwartet aufgeräumt wirkt: Die Trauben Hilfesuchender der ersten Tage sind verschwunden, auf dem Hof liegen ordentlich aufgereiht unter Zeltdächern die Patienten. Gegenüber dem Tor haben vier haitianische Polizisten mit Gewehren Stellung bezogen. „Das ist schon beruhigend“, meint der Medizinstudent Simon Oeckenpöhler aus Moers, der sich wie alle anderen freiwillig zu diesem Einsatz gemeldet hat. Er hat das Hospital, eigentlich eine Kinderklinik, mit wieder geöffnet: „Das einheimische Personal hat nach dem Beben so lange weitergemacht, bis alles Material aufgebraucht war. Dann ist es geflohen.“

8.29 Uhr: Norman Hecker, Anästhesist aus Ratingen, bereitet die erste Operation vor, wühlt in Regalen und Kisten und meint augenzwinkend: „Das ist hier nicht wie in unserem Sankt-Marien-Krankenhaus.“ Auf dem Boden liegt ein Akku-Bohrer aus dem Baumarkt. Auch damit wird gleich operiert. „Da uns zunächst eine Knochensäge gefehlt hat, mussten wir  in den ersten Tagen Amputationen mit meinem Taschenmesser vornehmen“, berichtet
Oeckenpöhler. An der Decke im Gang klebt ein in der Mitte offenes Pflaster mit einer Glaslinse darin. Dieses einfache Einsturz-Warnsystem haben Experten des deutschen Technischen Hilfswerks im hinteren Gebäudeteil installiert. Fällt das Glas zu Boden, hat sich der Riss so vergrößert, dass das Gebäude schnell evakuiert werden muss.

8.31 Uhr: Der erste Patient wird auf den OP-Tisch gehoben. Der etwa 30-jährige Pierre Jean V. hat einen Oberschenkelbruch durch herabfallende Trümmer erlitten. Es wird langsam unangenehm warm in dem kleinen Raum, geschätzt sind es nach kurzer Zeit bereits 30 Grad. Der Mundschutz erschwert das Atmen zusätzlich.

8.45 Uhr: Die erste Operation an diesem Tag beginnt. Norman Hecker setzt eine Rückenmark-Narkose. Das OP-Team ist siebenköpfig, dazugestoßen sind inzwischen zwei Amerikaner. Deshalb wird Englisch gesprochen. Die Freiwilligen aus aller Welt kommen meist über eine der vielen privaten und kirchlichen Organisationen nach Haiti. Der Zahnarzt Stefan Rodi aus Erlangen ist schon eine Ausnahme: Er hatte kurzerhand auf eigene Faust einen Flug in die Karibik gebucht, als er von der Katastrophe hörte und stieß unterwegs eher zufällig auf das „Humedica“-Team. Es nahm ihn mit offenen Armen auf.

9.15 Uhr: Der Bohrer surrt. Die Mönchengladbacher Chirurgin Britta Merten zieht am Fuß, damit die gebrochenen Knochen sich nicht wieder verschieben. Peter aus Minnesota – hier sprechen sich alle nur mit Vornamen an – lässt sich den tropfenden Schweiß von der Stirn wischen.

9.44 Uhr: „We are finished“, ruft der Hamburger Chirurg Christian Queitsch. „Der Bruch steht jetzt so, dass er gut verheilen kann.“ Queitsch ist sicher, dass dieser Patient überlebt. Die Gefahr von Embolien durch die lange Liegezeit (das Erdbeben war am 12. Januar) wachse allerdings täglich. „Gestern ist ein frisch Operierter an einer Lungenembolie verstorben.“ Wohl jeder zweite noch lebende Schwerstverletzte hat mittlerweise keine Chance mehr.

10.12 Uhr: Mit einer Trage wird Pierre Jean V. aus dem Raum transportiert. Selbst das ist ein Kraftakt, weil es keine ausreichend breiten Türen gibt. Schwester Nancy Schmidt – die Amerikanerin ist mit einem Deutschen verheiratet – hat inzwischen liebevoll einen provisorischen Ruheraum hergerichtet und wird vom OP-Team mit Beifall bedacht.

10.30 Uhr: Ein Wasserfall spritzt von der Decke im Gang. „Beim Nachbeben ist der letzte Tank auf dem Dach geplatzt“, stellt Oeckenpöhler fest, während das Wasser bereits in den OP-Raum läuft. Queitsch schüttelt zornig den Kopf – „Die ganze Stadt hat kein Wasser, und hier läuft es sinnlos aus der Decke.“ Haitianische Helfer versuchen, dass kostbare Nass in Eimern und Schüsseln aufzufangen.

10.35 Uhr: Britta und Peter (er heißt Van Patten mit Nachnamen und stammt aus Oregon) tragen die nächste Patientin auf den OP-Tisch. „Wir könnten noch schneller sein“, meint Oeckenpöhler. „Aber der Engpass ist die Sterilisation der Instrumente.“

10.40 Uhr: Die junge Frau, sie mag um die 16 Jahre alt sein, hat furchtbare Schmerzen und schreit. Hecker legt tröstend den Arm um sie, während die Narkose langsam wirkt.

11.15 Uhr: Nach der Visite hat Ulrich Seemann aus Gifhorn ein paar Minuten Pause und erklärt sein freiwilliges Engagement für Haiti: „Enkelin Jemina-Sophie stammt von hier. Unsere Tochter hat sie als Baby adoptiert, als sie als ausgehungertes Neugeborenes vor die Missionsstation gelegt worden ist, wo unsere Tochter damals als Kinderkrankenschwester gearbeitet hat.“ Inzwischen sei Jemina-Sophie 14 Jahre alt und leide als Dunkelhäutige unter der Ausländerfeindlichkeit in Niedersachsen. „Ihr Traum ist es, wieder nach Haiti zurückzukehren.“

11.22 Uhr: Im Nebenraum hat Irmgard Harms aus Hindelang das OP-Programm für die nächsten Tage fertiggestellt. Die Namen von 20 Patienten stehen darauf. „Wenn wir wieder freie Kapazitäten haben, lassen wir das über das Lokalradio durchgeben.“

11.25 Uhr: Mit einem Fixateur, einem Metallgesell mit Schrauben, ist der Oberschenkelbruch von Natalie S. gerichtet. Vier weitere Operationen folgen. Bernd Domres aus Tübingen listet die Erfolgsliste der letzten Tage auf: „123 Menschen wäre ohne unsere Hilfe verstorben. Leider hatten wir auch vier Todesfälle.“ Über die ungleich höhere Zahl der ambulant Behandelten hat niemand Buch geführt.

17.30 Uhr: Die Arbeit des „Humedica“-Team muss zügig beendet werden: Ein Kleinbus wartet, es wirkt dunkel – um 18 Uhr beginnt die von der UN-Schutztruppe verhängte Sperrstunde. Erschöpft, aber zufrieden kommen die Helfer in die Schule zurück.

Jürgen Schübelin berichtet aus Haiti: „Da, wo keine Hilfe ankommt“

 


Nach Tagen zwischen den Schutthalden und Ruinen hier in der Innenstadt und den Außenbezirken von Port-au-Prince – und, nachdem wir gestern endlich zum ersten Mal den Aufstieg in das Bidonville (Armenviertel) Fort National geschafft hatten, einen Sektor, in dem vermutlich 19.000 Menschen ums Leben gekommen sind, wo Kindernothilfe seit fast 30 Jahren in Partnerschaft mit der Heilsarmee eine kleine Schule und ein Vorschulprojekt unterstützt, das inmitten all der Zerstörungen wie ein Fels in der Brandung – weitgehend unbeschadet – stehen geblieben ist, aber trotzdem vorerst nicht genutzt werden kann, weil die Menschen panische Angst davor haben, geschlossene Räume und Gebäude zu betreten – lautete mein Auftrag heute, Samstag, in eines der Dörfer vorzudringen, in denen Kindernothilfe mit Unterstützung der Europäischen Union eine Reihe von Dorfschulprojekten unterstützt.

Wir fahren von Carrefour aus über extrem beschwerliche, vielfach durch abrutschendes Geröll und Felsbrocken, die nach dem Erdbeben die Steilhänge herunterkamen, beeinträchtigte Wege – alle in einem katastrophalen Zustand.

Rund 20 km südlich von Carrefour geht es dann definitiv nur noch zu Fuß weiter. Unser Ziel, ein kleines Dorf namens Coupeau, erreichen wir nach drei Stunden Fußmarsch unter sengender Hitze, mehreren durchquerten Flüssen und extrem steilen Aufstiegen. Überall eröffnet sich uns das gleiche Bild:

Fast alle Häuser der Kleinbauernfamilien weisen Beschädigungen auf, sind teilweise oder ganz eingestürzt – außer denjenigen Gebäuden, die aus Holz errichtet wurden.

Auch hier in den Bergen zwischen Petite-Riviére und Coupeau wurden bei der Katastrophe am 12. Januar Menschen verletzt und unzählige Häuser vernichtet, trotzdem ist die Situation der Familien und vor allem der Kinder – so unser Eindruck – besser als in der Stadt: Die Wasserprobleme lösst der Fluß, von dort aus tragen die Menschen jeden Tropfen, den sie brauchen, auf den Köpfen nach Hause. Die kargen und steilen Berghänge liefern den Mais für die Familien, die Oberstbäume sind stehen geblieben, mit Organgen, Grapefruits und Kokusnüssen, es gibt einige Hühner und Schweine, sowie einige Ziegen.

Die Menschen wissen sich zu helfen, wie in Port-au-Prince schlafen sie im Freien.

Wir sind das erste Team, das nach der Katastrophe in dieses Gebiet vordringt. Die Menschen führen uns zu den Ruinen ihrer Häuser, zeigen uns Kinder und Erwachsene mit Verletzungen, offene Wunden, die sich zu infizieren beginnen – alle unversorgt.

Wir müssen unbedingt versuchen, über die Kontakte mit den Ärzten in dem Compound, wo wir übernachten, eine Möglichkeit zu finden, dass die Dörfer hoch oben in den Bergen medizinisch ebenfalls betreut werden können.

Dann stehen wir endlich vor der kleinen Schule von Coupeaux, viele Kinder, aber auch zahlreiche Erwachsene – und die örtliche Delegierte der KNH-Partnerorganisation EPPMPH – erwarten uns bereits. Das Dach des Gebäudes ist intakt, von den Mauern stehen dagegen nur noch Reste, die beiden Klassenräume mit den Schulbänken und der Tafel sind unter dem Schutt begraben. Anders als in Carrefour bei den Kleinen Schwestern, wo 150 Kinder ums Leben kamen, haben die Familien hier unglaubliches Glück gehabt, um

16:15 Uhr war an diesem 12. Januar die Schule zu Ende, die Kinder hatten das Gebäude bereits verlassen, spielten auf dem Platz vor dem Gebäude, als die Erde bebte. Nur der Lehrer war noch im Klassenzimmer, konnte sich aber in letzter Minute retten.

Die erste Frage, die uns gestellt wird, lautet: „Helft Ihr uns, damit wir die Schule wieder aufbauen können?“ Aber die Eltern wollen diesmal mit Holz bauen, nicht wieder mit Steinen, weil sie gesehen haben, dass Gebäude aus Holz einfach als erbebensicherer herausstellten. Ja, wir werden helfen können – genau wie beim letzten Mal, als die Schule errichtet wurde, über die Organisation eines „combit“, einer Gemeinschaftsaktion aller Eltern, die die Baumaterialien von Carrefour aus über die Berge nach Coupeau tragen und verarbeiten werden. Kindernothilfe finanziert die Baumaterialien und die Lebensmittel für das traditionelle Gemeinschaftsessen am Ende des Arbeitstages.

Der junge Lehrer hat eine Liste zusammengestellt, mit den 32 Familien aus Coupeaux, deren Häuser am stärksten von den Zerstörungen betroffen sind.

Alinx Jean-Baptiste, der Kindernothilfe-Länderkoordinator in Haiti, und ich überlegen, wie wir den Menschen helfen können – am besten ebenfalls über eine Gemeinschaftsaktion, bei der die benötigten Materialen in einem Rutsch beschafft werden, sobald es wieder Holz und Baustoffe zu kaufen gibt. Die Familien wollen die Gelegenheit auch nutzen, um die Zisterne zum Auffangen des Regenwassers zu Ende zu bauen, mit der sie vor der Katastrophe angefangen haben.

Am Ende sind wir auf dem Platz vor der zerstörten Schule rund 80 Leute, die Kinder, Mütter und Väter – sowie die Mitglieder des örtlichen EPPMPH-Komités. Was wie ein Besuch zur Erhebung der Erdbebenschäden begann, endet mit einem intensiven Gespräch darüber, wie die Arbeit mit den Kindern wieder in Gang gebracht werden soll. Zum Abschied werden wir mit einer herrlich saftigen Grapefruit und einer Kokusnuss zum Trinken beschenkt.

Während des gesamten Rückwegs denke ich darüber nach, dass es nur dann möglich sein wird, dieses Land wieder aufzubauen, wenn die Menschen in Haiti bei diesem Prozess eine entscheidende Rolle spielen – und von der internationalen Gemeinschaft, all den Helfern und ihren Organisation mit dem Respekt bedacht werden, den sie verdienen. Es werden die Kleinbauern von Coupeau und hundertausend Andere Haitianer sein, die die Hauptlast für diese Titanenaufgabe tragen. Das muss uns bei allem, was wir hier tun, zu jeder Sekunde bewusst sein.

Jürgen Schübelin,
Leiter Referat Lateinamerika und Karibik

Haiti: „Lasst uns hoffen, dass daraus etwas Gutes wird!“

Als ich heute Morgen meinen Rechner anmache und meine E-Mails abrufe, nimmt die Liste der neuen Mails kein Ende. Was ich besonders beeindruckend finde: Menschen wollen nicht nur spenden, sondern sie überlegen sich auch, wie sie Andere davon begeistern könnten, bei der Hilfe für Haiti mitzumachen. Unternehmen, Künstler, Privatpersonen…..

Da sind zum Beispiel die Schüler vom Albert-Einstein-Gymnasium in Duisburg. Sie hatten vergangenen Samstag einen Tag der offenen Türe an ihrer Schule und haben ganz spontan für Haiti gesammelt. Vorige Tage standen sie dann in der Kindernothilfe-Zentrale und haben die Spendendosen vorbeigebracht:  2456,66 Euro haben sie gesammelt. Ich finde das toll! Danke für Euer Engagement.

Jemand, den sicher viele von Ihnen kennen: Der Gewinner der letzten Staffel bei DSDS:  Thomas Godoj. Er hatte schon vor Weihnachten eine seiner Jacken für die Kindernothilfe versteigert. Jetzt ließ er sich nicht lange bitten: Am 28. Januar gibt es ein Benefizkonzert von Thomas Godoj und der Neuen Philharmonie Westfalen im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen. Tickets gibt es übrigens unter www.imvorverkauf.de

Bei all den Spenden ist es mir wichtig, auch an dieser Stelle zu betonen, was die Kindernothilfe mit den Spenden macht. Auf unserer Webseite liest man viel über die medizinische Notversorgung der Verletzten. Das hat im Fall einer Katastrophe wie der in Haiti immer erste Priorität und geschieht immer noch. Gerade sind weitere Ärzte von Humedica eingetroffen.  Nachdem man aufgrund des Nachbebens das Krankenhaus der Hoffnung evakuieren musste, hat der THW nun das Gebäude begutachtet und Ärzte sowie Patienten können wieder hinein.

Wichtig sind auch Wasser und Lebensmittel. Auch hier ist die Hilfe angelaufen, wenn auch immer noch und leider schleppend. Doch sauberes Wasser ist von immenser Bedeutung, gerade, wenn es um den Schutz vor Durchfall und anderen Infektionskrankheiten geht. Schmutziges Wasser und keine öffentlichen Toiletten sind meist Auslöser dessen.  

Wir als Kindernothilfe  haben natürlich vor allem die Kinder im Auge. Und zwar nicht nur diejenigen, die wir bereits vorher betreut haben. Viele Mädchen und Jungen haben in der Katastrophe ihre Eltern verloren und irren allein durch die Straßen von Port au Prince. Und so sind sie leichte Beute für Übergriffe von Kinderhändlern oder Missbrauch im Allgemeinen.  Unser Mitarbeiter vor Ort, Alinx Jean Baptiste, spricht von 50.000 bis 100.000 Kinder, die elternlos sein könnten. Eine unvorstellbare Zahl.

Um hier einen ersten Schritt zu gehen, hat die Kindernothilfe vor einigen Tagen auf dem Gelände des Projekts College Verena ein Kinderzeltlager errichtet. Im Prinzip handelt es sich hier um eine Bretterkonstruktion, über die man Bettlaken gegen die Sonne gespannt hat. Hier werden Drei – bis Sechsjährige behandelt und betreut. Die Mädchen und Jungen finden dort Schutz bekommen zu essen, ihre Wunden versorgt und durch zwei Psychologen betreut. Ein guter Anfang, den es jetzt auszubauen gilt.

Der Wiederaufbau in Haiti steht über allen Hilfsmaßnahmen und wird von allem am längsten dauern. Wir haben für diejenigen unter Ihnen, die sich langfristig für Haiti engagieren wollen, eine Patenschaft für Haiti eingerichtet, die sich speziell um diesen Wiederaufbau kümmert. Im Gegensatz zur Kinderpatenschaft kostet sie 25 Euro im Monat. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

Wir stehen jeden Tag im Kontakt mit unseren Mitarbeitern vor Ort und versuchen auch einzuschätzen, wie es Ihnen persönlich geht.  Jürgen Schüelin, Leiter des Referats Lateinamerika und Karibik, betreut gerade den Hilfstransport von Air Berlin und „Ein Herz für Kinder“ vor Ort und erzählt uns gestern am Telefon : „Ich freue mich zu sehen, dass unsere Partner und Mitarbeiter trotz allem so optimistisch sind.“ Man strahle hier Zuversicht trotz der dramatischen Lage aus. Das mache Hoffnung. „In einem Gespräch mit einem Journalisten sagte Kindernothilfe-Partner Alinx Jean Baptiste `Wir sind voller Hoffnung, dass aus dieser Situation etwas Gutes wird`.“

Ich würde uns allen wünschen, dass wir uns alle ein wenig von diesem Optimismus anstecken lassen.

Simone Orlik, Kindernothilfe,
pressestelle@knh.info

Haiti: Aufbau des ersten Kinderzentrums

19. Januar, 7 Uhr Ortszeit in Haiti. Ich spreche mit dem Kindernothilfe-Koordinator Ruben Wedel, der sich in Port-au-Prince gerade auf die Aktivitäten des neuen Tages vorbereitet. Seiner Stimme merkt man die Anspannung, den Stress und die Müdigkeit an. Hier sein Bericht:

„Auf dem Schulgelände, auf dem unser Team bisher kampiert hat, wird die amerikanische Armee jetzt einen Stützpunkt errichten und dann von hier aus die Verteilung von Lebensmitteln und Wasser organisieren.

Heute soll ein neuer Container mit Lebensmitteln kommen, der dringend gebraucht wird. Durch den Stützpunkt werden aber jetzt hoffentlich immer mehr Hilfslieferungen reinkommen. Die Verteilung muss von der Armee kontrolliert werden, damit es nicht zu Aufständen kommt. Die Sicherheitslage wird angespannter, was verständlich ist, die hungernden Menschen werden immer verzweifelter. Bis jetzt wurde die Arbeit des Kindernothilfe- und humedica-Teams davon jedoch nicht beeinträchtigt.

Hier wurde inzwischen der Ausnahmezustand ausgerufen – die Ausgangssperre gilt  von abends 18 Uhr bis morgens um 5 Uhr. Auf den Straßen dürfen dann nur noch Militär und die UN unterwegs sein.

Kinderzentren in Port-au-Prince:
Für heute ist geplant, das erste provisorische Kinderzentrum zu errichten. Dazu müssen wir Zelte organisieren. Wir werden klein anfangen, mit einem Zentrum für Kinder bis sechs Jahre. Wir können leider keine älteren Kinder aufnehmen, weil das unsere Kapazitäten sprengen würde. Nach und nach werden wir versuchen, weitere Kinderzentren zu eröffnen.

Bei den Zentren geht es um vier Hilfsangebote:

  1. Schutz – wir wollen dafür sorgen, dass Kinder, deren Eltern umgekommen sind, nicht orientierungslos umherirren oder womöglich von Kinderhändlern aufgegriffen werden
  2. Gesundheit – wir werden abklären, ob sie krank sind, ob sie ins Krankenhaus oder zu einem Arzt gebracht werden müssen, und dann dementsprechend handeln
  3. Ernährung – die Kinder bekommen zu essen, unterernährte Kinder spezielle Zusatznahrung
  4. Psychosoziale Arbeit – ein Kindernothilfe-Partner stellt einen Psychologen, der die Trauma-Arbeit organisieren wird

Die übrigen Mitarbeiter der Kinderzentren sind Lehrer von der Heilsarmee. Sie wohnen irgendwo in Flüchtlingslagern und haben sich bereit erklärt, mitzumachen.

Situation der Projekte in Jacmel:
Die Straße nach Jacmel ist zerstört – der Ort ist nur per Flugzeug oder Schiff erreichbar. Deshalb konnte das Team das Projekt bisher nicht besuchen.

Kindernothilfe-Partner in Carrefour:
Über die Deutsche Botschaft haben wir gestern eine Trinkwasserlieferung für unseren Partner ‚Die kleinen Schwestern‘ in Carrefour organisiert.

Hilfskonvoi wird heute erwartet:
Heute gegen 17 Uhr haitianischer Zeit erwarten wir den Konvoi mit den Hilfsgütern, der gestern mit Air Berlin auf die Reise geschickt wurde. Er wird von Kindernothilfe-Mitarbeiter Jürgen Schübelin begleitet.“

Wir, die wir in Deutschland im Büro sitzen und schon durch die Bilder und Berichte immer wieder schockiert und betroffen sind, wünschen dem Kindernothilfe- und humedica-Team viel Kraft und Gesundheit für die wichtige Arbeit, die es dort leistet!

Gunhild Aiyub, Redakteurin
Gunhild.Aiyub@knh.de

CVJM Duisburg spendet für Erdbebenopfer in Haiti – und wir sagen DANKE!

Heute Morgen erreichte mich die Pressemeldung meiner Kollegin aus der Duisburger Zentrale:

„Mit Betroffenheit hat der Vorstand des CVJM Duisburg e.V. die Meldungen aus dem Erdbebengebiet in Haiti verfolgt.

Kurzfristig wurden daher 2.000 € für Soforthilfe zur Verfügung gestellt und an die Kindernothilfe überwiesen. „Wir sind froh einen solchen guten und kompetenten Partner in der Kindernothilfe zu haben, der in der Lage ist den Menschen vor Ort schnell zu helfen“, so Finanzvorstand Karl-Heinz Frings.

Der CVJM Duisburg unterstütz seit vielen Jahren Projekte in der sogenannten Dritten Welt und hat selbst einen Partnerverein in Ghana.“

Wir sagen DANKE! and den CVJM Duisburg, aber nicht alleine an sie. Sellvertretend für alle Menschen, die uns durch ihre Spende in unserer Hilfe für die Erdbeben-Opfer in Haiti unterstützen, wollen wir uns hiermit bedanken.  Ich würde mich freuen, wenn wir weiter gemeinsam an einem Strang ziehen.

Simone Orlik,
Online-Redaktion Kindernothilfe,
pressestelle@knh.info

130 Kinder aus Schule eines Kindernothilfe-Partners tot geborgen

Um 12 Uhr telefonierte Kindernothilfe-Mitarbeiter Erhard Stückrath, Julia Burmann und Michaela Dacken mit Ruben Wedel. Wedel, Alinx Jean-Baptiste und das humedica-Team hatten sich gestern zu den Projekten in den Bergen rund um Carrefour auf den Weg gemacht. Hier ein  Überblick über die aktuelle Situation dort.

 
Kindernothilfe-Partner EPPMPH (Kleine Schwestern):
Das Gelände rund um das Projektgebäude in Carrefour ist zerstört, die Schwestern sind stark traumatisiert.

Das Kindernothilfe- und humedica-Team hatte sich gestern bis nach Carrefour durchgekämpft. Ein nicht von der Kindernothilfe gefördertes Projekt und das Wohnhaus der „Kleinen Schwestern“, einem der Kindernothilfe-Partner, sind eingestürzt. 130 Schüler und einige Schwestern konnten nur noch tot geborgen werden. Die Überlebenden sind so stark traumatisiert, dass sie bisher noch keine Nothilfe für die anderen Projekte organisieren konnten. 

Gestern war die ISAR Hundestaffel vor Ort, aber die Hunde haben nicht mehr angeschlagen.
Die 6 Bildungszentren der Kindernothilfe in den Bergen sind auch alle eingestürzt. Kinder wurden aber nicht verletzt. Sie sind bei ihren Familien.

Kindernothilfe-Partner FMS
Das Verwaltungsgebäude neben der Kathedrale wurde komplett zerstört. Leichen wurden hier noch nicht geborgen. Bisher konnte noch kein Kontakt zur Leitung von FMS hergestellt werden.
Die von der Kindernothilfe unterstützte Schule und Klinik in Carrefour sind zerstört. Es gibt immer noch kein Lebenszeichen von den Mitarbeitern.