Artikel vom November 2009

Klassik Radio baut Schule in Birma: Ein Reisebericht von Moderatorin Maria Willer

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(November 2009) Wir bauen eine Schule in Birma. In einem Gebiet, das besonders schwer unter dem Zyklon Nargis vor eineinhalb Jahren gelitten hat. Schon vor meiner Abreise, nach vielen Gesprächen mit unserem Partner, der Hilfsorganisation Kindernothilfe, bin ich davon überzeugt, dass dieses Projekt ein ganz, ganz wichtiges ist. Aber wie ist die Situation tatsächlich Vorort, wie sind die Menschen, denen wir helfen wollen und wie leben sie? 

Mit diesen Fragen im Gepäck mache ich mich auf die Reise, um mir ein eigenes Bild zu machen. Wir brechen in der Hauptstadt  Rangoon  auf. Drei Tage lang werden wir durch das  Irrawaddy -Delta reisen. Obwohl diese Region an die Hauptstadt grenzt, liegt sie doch ganz abgeschieden. Das Delta ist von einem wild verzweigten Kanalnetz durchzogen; befestigte Straßen gibt es schon bald nicht mehr. Ab jetzt sind wir mit dem Boot unterwegs. Die weiten Wege lassen viel Zeit für Gespräche mit den Mitarbeitern von AMURT, der lokalen Partnerorganisation der Kindernothilfe. 

Sie berichten mir von der verheerenden Nacht im Mai 2008 als der Sturm das Wasser in das Land drückte. Es war dunkel, nachts um 11, als die Menschen merkten, dass sie sich in Sicherheit bringen müssen. Die leichten Bambushütten hielten dem Wind und Wasser nicht stand. Wer konnte, rettete sich in ein Kloster. Andere kletterten auf Bäume, hielten ihre Kinder umklammert und probierten die Nacht zu überstehen. Das Tageslicht brachte die bittere Realität zum Vorschein. Dort wo gerade noch das Dorf gestanden hatte, war einfach nichts mehr. Noch nicht einmal mehr das Material der Häuser konnte man finden. 180.000 Menschen starben in dieser Nacht in Birma. 400.000 Häuser wurden zerstört. 

Eine Woche nach der Katastrophe beginnt Luis Uribe von AMURT als einer der Ersten die Arbeit im Delta. „Ich kam eine Woche nach dem Zyklon in die Dörfer“, erzählt er. „Mein erster Eindruck war ganz schön hart. Unsere Aufgabe war es, Leichen zu bergen. Es waren hauptsächlich Kinder. Da haben wir entschieden, dass wir uns besser um die Kinder kümmern, die noch leben.“ Und so ist es geschehen. Nachdem AMURT durch die finanzielle Unterstützung der Kindernothilfe die Menschen mit dem Nötigsten versorgt hat, beginnt der Wiederaufbau. Von Häusern, Kindergärten und Schulen. „A childfriendly space“ – das ist das Motto für die Räume, die hier geschaffen werden. Ob Schule oder Kindergarten, es sind Orte, an dem die Kinder spielend lernen und sich ausdrücken können. An denen sie auch die traumatischen Erlebnisse der Sturmflut verarbeiten können.

untitledbirma3Insgesamt fünf schon realisierte Projekte schauen  wir uns während unserer Reise an. Jedes Mal werden wir in den Dörfern pompös empfangen. Mit Tanz und Gesang, beschenkt mit Blumen, Andenken und reichlich gedeckten Tafeln. Die Menschen hier sind arm. Sie arbeiten unglaublich hart, um ihre Leben bestreiten zu können. Und offerieren uns alles, was sie herbei schaffen konnten – es ist überwältigend! Die Schulen und Kindergärten die AMURT gebaut haben sind wunderschön. Helle und freundliche Orte. Und bei den Schulen sogar mit einer Doppelfunktion versehen. Denn sie sind so hoch und stabil gebaut, dass sie bei einer erneuten Naturkatastrophe als Zufluchtsort für das Dorf dienen können.

 4.000 Schulen wurden in Birma durch den Zyklon zerstört. Eine davon finden wir in dem Dorf  Tahn Di Thea Kone. Der Ort, an dem die Klassik Radio Schule gebaut werden wird. Bei unserer Ankunft dort stehen 300 Kinder Spalier. Sie gucken mich neugierig an, viele lachen auch ein wenig schüchtern als ich durch ihre Mitte gehe geradewegs  auf das große Plakat zu, auf dem „Welcome Maria, thank you Klassik Radio“ steht. Die alte Schule existiert zwar noch. Unterrichtet werden, kann in ihr aber nicht mehr. Mauerwerk und Fundament sind so stark angegriffen, dass sie jederzeit in sich zusammenbrechen kann. Deshalb findet der Schulunterricht übergangsweise im Kloster statt. Das Kloster steht auf Stützen, so dass unterhalb ein Raum entsteht. Hier, wo Sechst- bis Achtklässler auf engstem Raum zusammen lernen, ist es dunkel und in der Regenzeit extrem matschig. Im Kloster selbst kommen die Primarklassen (1 bis 5) unter; alle Kinder in einem Raum (ca. 120 qm groß), ohne Abtrennungen, ohne Schulmobiliar. Sie sitzen auf dem Boden. Die Lehrer, mit denen ich spreche, berichten von Lärm und Hitze. Man kann sich das nur zu gut vorstellen, wenn man es einmal gesehen hat.

Wir bringen die frohe Botschaft mit uns, dass schon in sechs Monaten die neue Schule fertig sein wird. Gebaut nach den katastrophensicheren Standards von AMURT. Sie wird fünf Klassenräume haben für die 1. bis 5. Klasse und eine Bibliothek. Ausgestattet mit ausreichend Tischen und Bänken für die 200 Schüler. Es wird Toiletten geben und eine Wasseraufarbeitungsanlage. Geplant ist auch das Außengelände zu bearbeiten, so dass die Kinder auf dem Schulhof gut spielen können. Darauf freut sich auch schon die 10-Jährige Phyo Thandar Htwe. „Die neue Schule wird viel besser sein als das Kloster. Ich werde dort mit meinen Freunden spielen können. Und wir werden Tische und Bänke haben.“ sagt mir das Mädchen, das später einmal Ärztin werden möchte. Und der Bürgermeister verspricht, dass das ganze Dorf mithelfen wird: „Wir sind zwar arm, aber wir können anpacken!“

untitledbbirma1 Mein Fazit: Der Bau einer Schule im so schwer gebeutelten Birma ist die richtige Sache am richtigen Ort zur richtigen Zeit! Den Menschen dort liegt enorm viel daran, dass ihre Kinder gut aufwachsen und sie wissen, dass Bildung ein „Grundnahrungsmittel“ für die jüngsten ihrer Gesellschaft ist. Wir können also sicher sein, dass wir mit den Menschen, denen unsere Hilfe zu Gute kommen wird, an einem Strang ziehen. Ein ganz wichtiger Bestandteil für den Erfolg einer solchen Hilfsaktion. 100.000 Euro brauchen wir. Eigentlich gar nicht so viel, wenn man bedenkt, dass wir eine Schule bauen, die dazu auch noch Leben retten kann.

Maria Willer, Moderatorin von Klassik Radio

Mehr Informationen:
http://www.kindernothilfe.de/klassikradio.html

Besuch beim Patenkind: „Manches kann man nicht für sich behalten…“

Ruth Hott und ihr Mann erfüllten sich im Oktober 2009 einen langgehegten Wunsch und machten eine Indienreise. Dabei besuchten die Butzbacher auch das ehemalige Patenkind ihrer Kirchengemeinde in Chennai.

Subramani_1„Während der hessischen Herbstferien konnten wir uns den langgehegten Wunsch erfüllen und nach Indien reisen. Schon lange galt mein Interessse einer solchen Reise – mit dem Ziel, unser langjähriges Patenkind Andy Subramani in Chennai (ehemals Madras) zu treffen. Der Beginn der Patenschaft liegt Jahrzehnte zurück, der intensive Briefkontakt blieb bestehen. Darin haben wir vieles miteinander geteilt, haben auf diese Weise am Leben der anderen Familie teilgenommen und uns gegenseitig als Teil der jeweils anderen Familie gefühlt.

Der Beginn der gemeinsamen Geschichte
Subramani hatte das Glück, 1966 als eines von vier Kindern einer Witwe in Yelagiri Hills durch die Kindernothilfe in das Kinderheim in Tirupattur aufgenommen zu werden. Er war ein guter und stets sehr dankbarer Schüler, konnte nach der Schule ein Studium in „engineering“absolvieren und fand einen Arbeitsplatz bei der Bahn in Madras, wo er bis heute (jetzt 50-jährig) arbeitet. Die Patenschaft für ihn wurde getragen von der Evangelischen Kirchengemeinde Ober-Widdersheim bei Nidda in Oberhessen, den Briefkontakt zu ihm übernahm ich als ganz junge Pfarrfrau, nicht ahnend, dass es ein Kontakt werden würde, der mich durchs Leben begleiten sollte und der auch mir viel geben würde.

Manchmal kam von Subramani die Frage, ob es wohl in unserem Leben einst den Tag geben würde, an dem wir uns sehen würden. Und dann war es im Oktober soweit. Mein Mann und ich reisten mit einer Freundesgruppe nach Südindien. Unsere erste Station war Chennai mit dem Ziel, „unsere Subramanis“ zu treffen, einen Tag gemeinsam zu verbringen.

Subramani_2„The golden day of my life“
Wir trafen unser ehemaliges Patenkind A. Subramani mit seiner Frau Vasanthi und den drei erwachsenen Kindern. Nach einer emotionalen und bewegenden Begrüßungszeremonie, bei denen sie uns ehrerbietend Sandelholzketten und Tücher umhängten, waren wir schnell im Gespräch. Wie wohltuend und langersehnt war dieser Tag! Wie großartig war es zu sehen, welche Früchte die einstige Patenschaft trägt. Subramani selbst bezeichnete den Tag als „the golden day of my life.“

Aus dem Kind aus den Bergen von Yellagiri Hills ist ein verantwortungsvoller, dankbarer und ehrbarer Mann geworden, der verantwortungsbewusst und erfolgreich im Beruf steht, der zusammen mit seiner Frau drei wunderbare Kinder hat, die im Studium bzw. die Tochter als jüngste der drei im College sind und alle drei sehr erfolgreich lernen. Sie studieren Informatik, Ingenieurwesen und Bio-Technologie. Einer der Söhne war aus seinem Studienort Coimbatore acht Stunden mit der Bahn angereist um uns zu treffen.

Die Patenschaft hat Spuren hinterlassen
Der gemeinsame Tag mit unserer „Patenfamilie“ hat nicht nur uns, sondern die ganze Reisegruppe sehr berührt. Welche große Befriedigung und Freude ist es zu sehen, welche Spuren die einstige Patenschaft hinterlassen hat und wie durch sie Weichen für die ganze Familie gestellt wurden. Welch große Dankbarkeit sprach aus ihnen allen, die uns geradezu beschämt hat. An diese Begegnung schloss sich für uns und unsere Gruppe eine wunderbare Rundreise durch Südindien an – aber das Treffen mit der Patenfamilie blieb für uns persönlich der Höhepunkt der Reise.

Haben Sie vielleicht auch ihr Patenkind besucht? Mailen Sie uns Ihre Eindrücke – gerne auch mit Fotos: pressestelle@knh.info

Sie interessieren sich auch für eine Patenschaft? Unser Spenderservice hilft Ihnen gerne weiter: 0203.7789-111

Duisburg: Flötenspiel in der Fußgängerzone

IMG00042-20091031-1432Am Samstagnachmittag ging ich über die Königstraße und hörte plötzlich Flötentöne. Zwei Mädchen standen am Eingang zum Sonnenwall und spielten sehr gekonnt „My Bonnie is over the ocean“. Auf einem Schild zu ihren Füßen konnte ich lesen, für welchen Zweck die beiden spielten: Emma und Merle Niehues (8 und 7 Jahre) von der GGS Böhmerstraße waren Action!Kidz und sammelten Spenden für Kinderarbeiter in bolivianischen Bergwerken.

Ich war natürlich begeistert! Das waren die ersten Action!Kidz, die ich in diesem Herbst live und nicht nur auf Fotos gesehen habe. Ich habe Klaus Niehues, den Vater der Mädchen, gebeten, mit seinem Handy ein Foto zu machen und mir zu mailen, denn die beiden haben es verdient, hier auf der Homepage zu stehen. Und da sind sie!

Und, wie ihr Vater schrieb, waren die beiden supererfolgreich: Sie haben mehr als 200 Euro gesammelt!

Ein ganz dickes Dankeschön an Emma und Merle!

Gunhild Aiyub, Kindernothilfe-Redakteurin