Artikel der Kategorie ‘Kinderarbeit’

Bolivien: Neues Gesetz zur Kinderarbeit – „Endlich tut die Regierung etwas!“

Pressegespräch mit zwei Kinderarbeitern aus Lateinamerika. Foto: Niklas Alof

Pressegespräch mit zwei Kinderarbeitern aus Lateinamerika. Foto: Niklas Alof

Kinder in Bolivien dürfen ab zehn Jahren arbeiten – zwar nur unter gewissen Umständen, aber dann mit gesetzlicher Erlaubnis. Das entschied das dortige Parlament im vergangenen Jahr. Kinderrechtsexperten und die internationale Arbeitsorganisation (ILO) laufen Sturm gegen das Kinder- und Jugendgesetz, andere, vor allem die Kinder selbst, begrüßen die Entwicklung. Im Gespräch mit Jürgen Schübelin, Leiter des Kindernothilfe-Referats für Lateinamerika, erläutern zwei Jugendliche aus der Lateinamerikanischen Bewegung Arbeitender Kinder (MOLACNATs) ihre Position. Sie besuchten mit Unterstützung der Kindernothilfe unter anderem das Europäische Parlament und die EU-Kommission in Brüssel, um ihre Sicht auf das Gesetz zu erläutern.

Warum ist es aus eurer Sicht notwendig, dass Kinder arbeiten dürfen? Wäre es nicht wichtiger, für das Recht aller Kinder, zur Schule gehen zu können, zu kämpfen?

Lourdes Sánchez: In vielen Fällen können Kinder in Lateinamerika eben nur deshalb zur Schule gehen, weil sie nebenbei, tagsüber oder abends, an den Wochenenden und in den Ferien, arbeiten. Nur so bekommen die Familien das Schulgeld, die Mittel für die Schuluniformen und die Unterrichtsmaterialien zusammen. Kinderarbeit, die Mädchen und Jungen daran hindert, am Unterricht teilzunehmen, lehnen wir ganz entschieden ab.

Juan Pablino Insfran: Es ist ganz wichtig, dass sich Schulen und Lehrer besser auf die Bedürfnisse von arbeitenden Kindern einstellen. Wir brauchen Unterrichtszeiten, die es ermöglichen, Schule und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Und es ist wichtig, dass in der Schule die Lebensleistung und die Erfahrung von Kindern und Jugendlichen, die arbeiten müssen, wertgeschätzt werden. Da fehlt in Lateinamerika noch ganz viel.

Was ändert sich konkret durch das Gesetz, und welche Auswirkungen hat es auf arbeitende Kinder?

Lourdes: Zum allerersten Mal überhaupt übernimmt der Staat Verantwortung gegenüber Kindern, die arbeiten müssen: nicht einfach, indem er Kinderarbeit verbietet, sondern indem er klare Bedingungen setzt, Institutionen beauftragt, sich um die Belange der arbeitenden Kinder zu kümmern. Er sagt auch klipp und klar, was überhaupt nicht geht, nämlich Kinder auszubeuten oder für Arbeiten einzusetzen, die ihre Gesundheit, ihre Würde und ihr Recht auf Bildung verletzen. Ich finde zum Beispiel ganz wichtig, dass das Gesetz bestimmt, dass nach 22 Uhr kein Kind oder Jugendlicher mehr arbeiten darf. Dass für Mädchen und Jungen ab 14 Jahren der gesetzliche Mindestlohn bezahlt werden muss, ist ebenfalls neu und ein Fortschritt.

Halten sich die Arbeitgeber an dieses Gesetz?

Lourdes: Das müssen wir erst noch sehen. Das Gesetz wurde zwar im Juli letzten Jahres verabschiedet, aber erst seit Kurzem gibt es jetzt auch die Ausführungsbestimmungen. Wir werden vermutlich erst in einigen Jahren sagen können, ob unsere Erwartungen wirklich erfüllt wurden. Es kommt jetzt darauf an, dass die Kinder- und Jugendämter bei den Kommunalverwaltungen, die ja bei der Umsetzung des Gesetzes und als Ansprechstellen für arbeitende Kinder eine ganz wichtige Rolle spielen, ganz schnell mit ausreichend Geld ausgestattet werden, um funktionieren zu können, und dass die Mitarbeiter dort für diese Aufgabe wirklich ausgebildet werden. Wir alle wissen, dass wir weiter für unsere Rechte kämpfen müssen und dass uns nichts geschenkt wird.

Juan Pablino: Uns gefällt, dass in Bolivien der Staat nicht länger die Augen vor der Realität der arbeitenden Kinder und Jugendlichen verschließt, sondern mit diesem Gesetz auch zugibt, dass es wegen der Armut und den extrem ungleichen Chancen auf unserem Kontinent noch viele Jahre dauern wird, bis Kinder nicht mehr zum Familienunterhalt beitragen müssen. Aber das Gesetz erkennt endlich auch die Leistung und den Beitrag der arbeitenden Kinder und Jugendlichen an und bringt ihnen Wertschätzung entgegen. Das haben wir so zuvor noch nirgendwo erlebt.

Es kommt nicht so oft vor, dass Regierungsmitglieder, sogar der bolivianische Präsident, direkt mit Kindern und Jugendlichen über den Inhalt eines Gesetzes verhandeln. Hattet ihr das Gefühl, ernst genommen zu werden?

Lourdes: Ehe es überhaupt zu Gesprächen kam, haben wir uns monatelang vergeblich zu Wort gemeldet, sind immer wieder umsonst nach Cochabamba und La Paz gefahren, ohne angehört zu werden. Schließlich sind wir auf die Straße gegangen, haben Demos organisiert. Dabei ist die Polizei auf uns losgegangen. Das war richtig heftig. Erst zum Schluss konnten wir dann doch noch unsere Argumente vortragen – und erlebten, dass unsere Forderungen aufgegriffen wurden. Wir wollten von Anfang an, dass uns der Staat vor Ausbeutung und gefährlicher Arbeit schützt, aber auch den Rahmen setzt, um durch unsere Arbeit unsere Familien unterstützen zu können.

Experten kritisieren, dass durch das Gesetz die ILO-Konvention 182 über die „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ aufgeweicht und ein missverständliches politisches Signal gesetzt wird.

Juan Pablino: In meiner Heimat Paraguay müssen arbeitende Kinder oft Schmiergelder an Polizisten bezahlen, um beispielsweise als Schuhputzer oder Lastenträger auf dem Markt in Ruhe gelassen zu werden. Das war früher auch in Bolivien so – und wir kennen das auch aus anderen lateinamerikanischen Ländern, in denen Kinderarbeit offiziell verboten ist. Ist das etwa ok? Wir erwarten von der ILO, dass sie uns erst einmal zuhört. Danach soll sie mit all ihrer Erfahrung und ihrem Fachwissen mithelfen, die im Gesetz festgelegten Schutzregeln für Kinder umzusetzen, zu verbessern und nachzuhalten. Und wir brauchen auch in anderen lateinamerikanischen Ländern ein Umdenken bei den politisch Verantwortlichen: Wir wollen Schutz vor Ausbeutung, Unterstützung beim Einfordern unseres Rechts auf Bildung – und Anerkennung für das, was wir leisten.

Lourdes Cruz Sánche7. Foto: Christian Herrmanny

Foto: Christian Herrmanny

Lourdes Cruz Sánchez aus Potosí, 17: Sie fing mit 10 an zu arbeiten: als Küchenhilfe, Zeitungsverkäuferin, Grabsteine-Putzerin auf dem Friedhof. Heute studiert sie Sozialarbeit und verdient Geld als Näherin. Sie ist Sprecherin der bolivianischen Bewegung arbeitender Kinder (UNATsBO) und war an den Gesetzes-Verhandlungen mit Präsident Evo Morales beteiligt.

 

Juban Pablino Insfran Aldana, Kinderarbeiter aus Paraguay. Foto: Jürgen Schübelin

Foto: Jürgen Schübelin

Juan Pablino Insfran Aldana aus Asunción, 17: Er arbeitet als Schuhputzer auf dem zentralen Busbahnhof von Asunción, Paraguay und ist Sprecher der Lateinamerikanischen Bewegung der arbeitenden Kinder und Jugendlichen (MOLACNATs). In diesem Jahr wird er seinen Sekundarschul-Abschluss machen und möchte Kommunikationstechnik studieren.

 

Wie die Kindernothilfe das Gesetz bewertet: Die Kindernothilfe vertritt eine differenzierte Haltung zu dem Gesetz und wird deren Umsetzung kritisch zu begleiten. „Wir sehen in dem Gesetz eine Grundlage für eine tatsächliche Verbesserung der Lage der Kinder“, sagt die Kindernothilfe-Kinderrechtsexpertin Antje Ruhmann. „Denn dieses Gesetz gibt Umsetzungsschritte vor und benennt Verantwortliche auf lokaler Ebene – also dort, wo die Probleme tatsächlich gelöst werden können.“ Entscheidend sei, dass die bolivianische Regierung genügend Mittel für die Umsetzung bereitstelle.

„Wir brauchen den politischen Willen, um ausbeuterische Kinderarbeit weltweit zu beenden!“

Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe, berichtet vom Abschluss der 3. Weltkonferenz Kinderarbeit in Brasilia

„Wir brauchen mehr als Solidarität, wir brauchen den politischen Willen, um ausbeuterische Kinderarbeit weltweit zu beenden!“

So lautet das Fazit von Lula da Silva, dem ehemaligen Präsidenten Brasiliens, zum Abschluss der 3. Weltkonferenz Kinderarbeit. Recht hat er. Denn auch diese Konferenz hat wieder gezeigt, dass es nicht an Bekenntnissen, Geld oder Lösungsoptionen fehlt, sondern an konkreten politischen Schritten und vor allem dem politischen Willen, um ausbeuterischer Kinderarbeit weltweit bis 2016 ein Ende zu bereiten. Auch in Brasilia hat der politische Wille nicht gereicht, um konkrete Vorschläge zu unterbreiten, mit denen dieses 2010 in Den Haag gesetzte Ziel vielleicht doch noch erreicht werden kann. Für mich endet die Konferenz daher mit gemischten Gefühlen.

Beeindruckend war die Präsenz der 153 Delegationen aus aller Welt, waren die vielen Best Practice Beispiele, die in zahlreichen Statements vorgestellt wurden, die vielen motivierenden Gespräche auf den Fluren und auch das allgemeine Bekenntnis, die Anstrengungen im Kampf gegen gefährliche Kinderarbeit zu erhöhen. Als Vertreterin der deutschen Zivilgesellschaft hatte ich an vielen Stellen die Möglichkeit, unsere Sichtweise und Forderungen sowie die Perspektive der Kinder einzubringen. Es war wichtig, diese Chance zu nutzen und aktiv an der Konferenz teilzunehmen.

Und es gibt gute Neuigkeiten. Die Internationale Arbeitsorganisation wird sich künftig stärker der Kinderarbeit im informellen Sektor widmen. Ein wichtiger Schritt, denn der Großteil der Kinder arbeitet in Haushalten oder auf heimischen Feldern und damit unentdeckt von der Öffentlichkeit. Weiterhin richtet sie den Blick auch stärker auf Kinderarbeit in internationalen Wertschöpfungsketten transnationaler Konzerne. Auch das ist ein wichtiger Schritt, denn durch die fortschreitende Globalisierung überschreiten auch die Produktions- und Handelswege nationale Grenzen, und die Produktionskette wird immer undurchschaubarer. Auch die Bundesregierung ist hier in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass deutsche Konzerne, die international agieren, keine Kinder entlang ihrer Wertschöpfungskette beschäftigen oder dass die öffentliche Hand nur Produkte kauft, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Positiv stimmen auch die neuen Zahlen zu Kinderarbeit. Weltweit ist die Zahl  zwischen 2008 und 2012 von 215 Millionen auf 168 Millionen gesunken, statt 115 Millionen Kindern im Jahr arbeiten jetzt noch 85 Millionen unter gefährlichen Bedingungen – nicht mitgezählt sind hier allerdings die Kinder, die im informellen und häuslichen Sektor arbeiten, so dass die Dunkelziffer weitaus höher ist.

Trotz dieser positiven Entwicklungen bleibt das Ergebnis letztendlich doch ernüchternd. Allen TeilnehmerInnen war klar, dass wir nach aktuellem Stand das Ziel von Den Haag, gefährliche Kinderarbeit bis 2016 abzuschaffen, nicht erreichen werden. Während der gesamten Konferenz fehlte es jedoch an konkreten Vorschlägen, wie das Ziel noch verwirklicht werden kann. Das Abschlussdokument bekräftigt zwar den in Den Haag vereinbarten Fahrplan und erneuert das Bekenntnis der Regierungen dieser Welt, ihre Anstrengungen im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit zu erhöhen, doch fehlt es an konkreten Aktionsschritten. Enttäuschend ist auch, dass die Stimme der Kinder bei dieser Konferenz nicht gehört wurde. Die Online-Plattform, die im Vorfeld der Konferenz zur Verfügung gestellt wurde, ist für die arbeitenden Kinder, um die es uns geht, schon aufgrund eines fehlenden Internetzugangs nicht nutzbar gewesen.

Was heißt das für uns? Die positiven Entwicklungen zeigen, dass Fortschritt möglich ist. Er geht allerdings langsamer voran, als wir es uns wünschen würden. Deshalb müssen auch wir unsere Anstrengungen erhöhen, uns dafür einsetzen, dass die arbeitenden Kinder bei der nächsten Konferenz gehört werden und unsere Regierungen in die Pflicht nehmen, damit die Bekenntnisse des Abschlussdokuments zu politischem Handeln führen und Wirklichkeit werden. Auf geht’s!

World Conference on Child Labour, 8-10 October 2013, Brasilia

Statement von VENRO, vorgetragen von Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe
Dear representatives from governments, workers, employers and civil society all over the world,

thank you very much for the invitation and this great platform to exchange ideas and ways out of the worst forms of child labour. I am proud to speak on behalf of the Association of German Development Non-Governmental Organisations (VENRO) – an organization with more than 100 members from civil society, all of them striving for the realization of children’s rights worldwide.

Our goal is to identify ways for a sustainable eradication of child labour with a special focus on its worst forms. This is a difficult task because the problem of child labour is complex. It requires a complex solution. Thus, we would like to highlight the following four aspects.

  • First of all, we have to be aware that we deal with different types of child labour that make different approaches necessary. The worst forms have to be eliminated immediately according to the ILO Conventions and the UN Convention on the Rights of the Child. But there are also other forms of child labour that need a differentiated approach. Children that work under non-hazardous conditions often show us, that a simple ban is not the right way. As long as their families are poor and in need of their support, they want to help. At the same time they claim their right to education, protection and health. In Latin America and West Africa they even claim their right to work and to unite in trade unions. Thus, we have to find individual solutions focussing on the rights, well-being and best interest of each single child. None of them will solve the problem over night. But until child labour is banned approaches like moving children from the worst forms of child labour to non harmful forms offering decent work conditions, evening classes or protection clothes will help them to realize some of their rights. Simultaneously, it is important to improve their capacities and life skills which will help to realize children’s rights and overcome all forms of child labour in the long-run.
  • Secondly, child labour is not an isolated phenomenon. It is caused by the economic and social poverty facing the children’s families. Anyone interested in finding real solutions must start here. We need a political, socio-economic and legal framework on the national and international level that tackles the root causes of working children and provides decent work opportunities for adults, good educational and health systems, social protection, living wages and an elaborate legal framework to realize children’s rights.
  • Thirdly, we have to put the finger in the wound and focus more on those aspects that have been neglected so far. This includes the effective implementation of the UN Guiding Principles on Business and Human Rights as well as the situation of vulnerable children, domestic labour, hazardous child labour along global value chains and the informal economy where most exploitative child labour is found.
  • Fourthly, despite all the negative aspects we associate with child labour, it does show that children are able to bear responsibility and do a lot to support their families. Anyone wishing to combat child labour can learn from these children. Instead of having to bear their great loads, they could make a huge contribution towards solving the problem they face in their societies and countries. Successful programs are those in which children and adults work side-by-side to find ways of avoiding exploitation, those which facilitate children’s rights to education and health care and which incorporate both families and the social environment, to constantly keep our vision of conquering child labour all over the world in focus. But most of these children live in rural areas, they are not online and they did not have the chance to participate in the Online Dialogues in the forefront of this conference. Thus, let’s invite them to participate in the next Global Conference on Child Labour!

Here in Brasilia we have a unique chance to agree on the next steps – let’s go for it!

Thank you very much!

Antje Weber

„168 Millionen Gründe, unsere Anstrengungen zu erhöhen“

 

Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe, berichtet von der 3. Weltkonferenz Kinderarbeit in Brasilia

Mit diesen Worten hat Guy Ryder, Direktor der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) gestern die 3. Weltkonferenz Kinderarbeit in Brasilia eröffnet. Das Thema ist brisant, das Ziel klar. Nach neuesten Zahlen der IAO arbeiten noch immer 168 Millionen Kinder weltweit, 85 Millionen von ihnen unter gefährlichen Bedingungen, beispielsweise in Minen, Steinbrüchen oder Zementfabriken. Bereits 2010 hat sich die internationale Staatengemeinschaft angesichts dieser Herausforderung auf einen Fahrplan geeinigt, um gefährlicher Kinderarbeit bis 2016 ein Ende zu bereiten. Nun ist Halbzeit – Zeit, um Bilanz zu ziehen.

Vierköpfige Delegationen von 153 Staaten sind zu diesem Zweck nach Brasilia gekommen – jeweils Vertreter von Regierungen, Arbeitnehmern, Arbeitgebern und der Zivilgesellschaft. Hinzu kommen Vertreter internationaler Organisationen. Mittendrin ist auch die Kindernothilfe als Vertreter der deutschen Zivilgesellschaft für den Verband Entwicklungspolitik Deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO). Der Anblick dieser Vielfalt an Kulturen ist wirklich beeindruckend. Langsam füllt sich der Plenarsaal, rund 1000 Menschen jeglicher Couleur, jeglichen Alters und aus verschiedensten Kulturkreisen voller Hoffnungen und Erwartungen an diese Konferenz nehmen Platz. Die Welt ist zu Gast in Brasilia. Nur eine Gruppe fehlt – die Kinder. Vertretern von Kindergewerkschaften, die besonders in Lateinamerika oder Westafrika für ihr Recht auf Arbeit kämpfen, wurde die Teilnahme nicht ermöglicht. Stattdessen sollten sie sich im Vorfeld online beteiligen. Schwierig, denn die Kinder, um die es uns hauptsächlich geht, haben im Steinbruch, der Mine oder auf dem Feld wohl kaum Internetzugang.

Von links: Michael Bergstreser, Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststaetten, Dr. Klaus Guenther, BMAS, Anika Woerstdoerfer, Dt. Botschaft in Brasilia, Antje Weber, Kindernothilfe, Manfred Brinkmann, GEW 

Um 10.30 Uhr geht es dann los. Nach der Begrüßung durch Guy Ryder folgt Dilma Roussef, die Präsidentin Brasiliens, und macht besonders auf die Erfolge ihres Landes im Kampf gegen Kinderarbeit sowie die Herausforderungen im Bereich der sexuellen Ausbeutung und Prostitution aufmerksam. Es folgen Statements von Vertretern der Regierungen, Arbeitnehmer, Arbeitgeber und der Zivilgesellschaft. Im Prinzip sind sie sich einig: Gefährliche Kinderarbeit muss ein Ende haben, jedes Kind hat das Recht, Kind zu sein und entsprechend aufzuwachsen. Es sind spannende Statements dabei, doch mir fehlt die kritische Auseinandersetzung mit nicht-gefährlichen Formen der Kinderarbeit. Ein pauschales Verbot bringt uns hier nicht weiter und geht an der Realität der Kinder vorbei.

Am Vormittag wird auch der Startschuss für die neue Initiative der ILO „Music against Child Labour“ gestartet; Musiker weltweit sind aufgerufen, mit Konzerten und Beiträgen zum Kampf gegen gefährliche Kinderarbeit beizutragen: http://www.ilo.org/ipec/Campaignandadvocacy/MusicInitiative/lang–en/index.htm

Nachmittags bringen verschiedene Workshops Licht ins Dunkel einzelner thematischer Bereiche. Themen sind häusliche Arbeit, Migration, Kinderrechtsverletzungen und die Landwirtschaft. Im Workshop zu Kinderrechtsverletzungen geht es um besonders gravierende Folgen ausbeuterischer Arbeit wie Prostitution, sexueller Ausbeutung oder den Einsatz von Kindern als Soldaten.

Insgesamt eine große Chance, um das Problem ausbeuterischer Kinderarbeit zu diskutieren. Doch leider fehlt mir genau das: Es gibt am ersten Tag keine kontroverse Diskussion über verschiedene Lösungsansätze und Positionen zum Thema. Vielmehr präsentiert man sich gegenseitig die Erfolge seines Landes. Das Abschlussdokument, das als Ergebnis der Konferenz die nächsten Schritte festlegen soll, wird nur am Rande thematisiert. Die große Herausforderung für die folgenden zwei Konferenztage wird es sein, echte Diskussionen zu beginnen, um Best Practice Beispiele zu identifizieren und sich gemeinsam auf die nächsten Schritte zu einigen.

Child labor free zone declaration on the celebration of the National Children’s Day in the district of North Nias

CHILDREN CELEBRATE THE NATIONAL CHILDREN’S DAY IN NORTH NIAS

There were at least 500 children between the ages of 3 and 18 years who were involved in various activities implemented on the celebration of the National Children’s Day in the District of North Nias. The event involved students at kindergarten, elementary school, junior high school and senior high school levels as well as school dropouts attending training programs for the elimination of child labor.

They were involved in various programs implemented at the event such as Nias traditional dance performance, child theater, stop child labor song as well as education and vocational training promotion. In addition to children, the celebration of the National Children’s Day was attended by local government officials, communities and media. The Vice Head of the District of North Nias, Mr. Fangato Lase, also attended the event to officially open the event and release stop child labor baloons.

CHILD LABOR FREE ZONE DECLARATION

The celebration of the National Children’s Day is not merely a ceremony. There are a lot of things that could be learned from the event. It is a moment to evaluate/reflect our commitment to fulfill the rights of the child and a moment to get new ideas towards a much better child protection. In addition, it is a moment to give children an opportunity to express their opinions about the rights of the child that still cannot be fulfilled to relevant stakeholders and policy makers.

PKPA started a series of activities on the celebration of the National Children’s Day from Nias Island. There were two themes on the event: “Towards Child-Friendly District” and “Child Labor Free Zone”. It is urgent to campaign the two themes in Nias Island because the number of child abuse and child exploitation cases is very high in the island. Therefore, these issues need an immediate intervention from relevant parties. According to data from PKPA, there were 43 child abuse cases in 2012. Compared to the number of child abuse cases in 2011 which was only 18 cases, the number increased up to 127.8 percent.

It is also urgent to intervene child labor issues in Nias Island because some of types of works performed by children in Nias such as stone and sand mining on hills and in rivers are categorized as the worst forms of child labor. Data from TNP2K shows that more than 60 percent of total population of children in Nias Island are involved in works. It means that the number of children between the ages of 6 and 18 in Nias Island who work is higher than the number of those who do not work.

Declarator of Child Labour Free Zone

Main activities for the realization of Child Labor Free Zone in North Nias:

– North Nias Child Congress: The congress was held on 11-12 July 2013 and the participants recommended government to improve education for children, decrease the number of school dropouts, stop child abuse and stop child labor.

– Child Labor Free Zone Declaration: The signing of the declaration was represented by North Nias District Government, businessman, media, woman leader, religious leader, education institution, CSO and child. One of female child labors who had attended our vocational training, Febriani Tel (16 years), was chosen to represent other children to sign the Child Labor Free Zone Declaration. The following are contents of the Declaration:

WE SUPPORT THE GLOBAL COMMITMENT AND THE INDONESIAN GOVERNMENT POLICY TO TAKE AN IMMEDIATE ACTION FOR THE ELIMINATION OF THE WORST FORMS OF CHILD LABOR AS  TIPULATED IN THE ILO CONVENTION NO. 182. WE, THEREFORE, GIVE THE FOLLOWING STATEMENTS AND COMMITMENTS:

1. THE DISTRICT GOVERNMENT OF NORTH NIAS, COMMUNITY LEADERS, BUSINESSMEN, YOUTH LEADERS, WOMAN LEADERS AND CHILD REPRESENTATIVES AGREE TO SUPPORT NORTH NIAS TOWARDS CHILD LABOR FREE ZONE AND SUPPORT NORTH NIAS DISTRICT TO BECOME A CHILDFRIENDLY DISTRICT.

2. GOVERNMENT NEEDS TO IMMEDIATELY COLLECT ACCURATE DATA ON CHILD LABOR AND CHILDREN IN GENERAL IN THE DISTRICT OF NORTH NIAS.

3. THE DISTRICT GOVERNMENT OF NORTH NIAS, THROUGH DISTRICT ACTION COMMITTEE FOR THE ELIMINATION OF THE WORST FORMS OF CHILD LABOR, NEEDS TO IMMEDIATELY DEVELOP AN ACTION PLAN AND MAKE A LOCAL POLICY FOR THE ELIMINATION OF CHILD LABOR.

4. STRENGTHEN INTERGOVERNMENTAL INSTITUTION AND INTERSECTORAL COOPERATIONS FOR THE ACCELERATION OF THE ELIMINATION OF CHILD LABOR AND DEVELOPMENT OF INNOVATIVE MODELS FOR THE ELIMINATION OF CHILD LABOR.

5. PROMOTE CHILD PARTICIPATION AND INVOLVE CHILDREN IN ANY LOCAL POLICY AND DEVELOPMENT PLANNING, IMPLEMENTATION AND EVALUATION PROCESS, ESPECIALLY THOSE RELATED TO CHILD ISSUES.

CHILD LABOR FILM LAUNCHING

As a part of the celebration of the National Children’s Day, PKPA also premiered a documentary film about a child labor who tries to free himself from the worst forms of child labor. The documentary film will be screened in all sub districts in the Districts of North Nias and West Nias. The film which entitles “OMASIDO SEKOLA” in Nias language (meaning: I want to go to school) was produced in cooperation between PKPA, ACTED, EU and KNH. Moral messages about child labor situation and impact as well as government’s response are conveyed in Nias language and Indonesian to help Nias people understand them.

Gunungsitoli, 24 July 2013

Misran Lubis