Artikel der Kategorie ‘Flutkatastrophe in Pakistan 2010’

Chile: Auf den verbrannten Hügeln von Valparaíso

Von Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika, zurzeit Santiago de Chile                                                                                  

Wellblechwand mit handschriftlichen Zetteln daran, im Hintergrund ein Berghang mit verbrannten Hütten.

Hilferufe nach der Brandkatastrophe. Foto: Jürgen Schübelin

Jürgen Schübelin besuchte Familien, die bei der Brandkatastrophe im April ihr Zuhause verloren haben.

Die Adresse steht auf einem Blatt Papier – Los Chonos 86 B – an einen Wellblechzaun geklebt, dazu eine Handy-Nummer. Darüber ein Hilferuf: „Eine Hütte –  dringend! Bitte! Unsere Kinder brauchen ein Dach über dem Kopf.“ Seit vier Wochen lebt Familie Díaz nun schon in einer provisorischen Behausung aus Plastikplanen und einem winzigen Zelt. Alles, was das gewaltige Feuer vom 12. und 13. April von ihrem kleinen Haus auf dem Cerro Las Cañas übrig gelassen hatte, sind 15 von der Hitze verformte und verbeulte Wellblechplatten, feinsäuberlich aufgestapelt. Sieben Mal haben sie bereits die endlosen Fragebögen und Formulare ausgefüllt, um eine Notunterkunft zu erhalten. Bislang ist nichts geschehen.

Estrella Díaz, die an jenem apokalyptischen Samstagabend allein mit ihren Kindern zu Hause war, schaffte es im letzten Moment, mit ihren kleinen Jungs die enge, kurvige  Straße hinunterzurennen, ehe die Flammenwand sie erfassen konnte. Ein älteres Ehepaar in der Nachbarschaft hatte weniger Glück und starb in dem kleinen Häuschen, das jahrelang sein Zuhause gewesen war. „Es ging alles so entsetzlich schnell“, berichtet eine der Nachbarinnen, „innerhalb einer Minute erfasste das Feuer hier in unserer Straße zehn Häuser hintereinander. Wir hatten keinerlei Chance, irgendetwas zu retten.“

Die Dimension dieser gewaltigen Feuersbrunst, die in drei Tagen 13.000 Hektar Wald- und Wohnflächen vernichtete, wird erst aus der Nähe fassbar. Foto: Jürgen Schübelin

Die Dimension dieser gewaltigen Feuersbrunst, die in drei Tagen 13.000 Hektar Wald- und Wohnflächen vernichtete, wird erst aus der Nähe fassbar. Foto: Jürgen Schübelin

Auch etwas mehr als einen Monat nach dem verheerenden Großbrand, der 15 Menschenleben gekostet und über 13.000 Bewohner der Viertel auf sechs Hügeln oberhalb der chilenischen Hafenstadt Valparaíso obdachlos gemacht hatte, ist das Chaos und auch eine gewisse Willkür bei der Verteilung von staatlicher Hilfe und Unterstützung augenfällig. Die Katastrophe hat erneut auf schmerzhafte Weise deutlich gemacht, wie begrenzt, prekär und unkoordiniert die Kriseninterventionsmechanismen der zuständigen staatlichen Institutionen funktionieren.Die Menschen auf den vom Feuer verwüsteten Hügeln von Valparaíso haben dafür ein feines Gespür: Auf ihren Transparenten danken sie den freiwilligen Feuerwehrleuten für ihren heroischen Einsatz, den Studenten, die zu Tausenden unmittelbar, nachdem nach dramatischen 72 Stunden die Flammen endlich gelöscht waren, bei der Schuttbeseitigung und dem Abtragen der Ruinen mithalfen – oder den Gewerkschaften und anderen sozialen Organisationen, die als Erste landesweite Kampagnen zur Versorgung der Überlebenden mit Kleidung, Decken und Nahrung organisierten und die Spenden nach Valparaíso schafften. Ein Dank an die Regierung und die zuständigen staatlichen Stellen ist hingegen auf keiner der zahlreichen auf Pappkartons und Mauerreste geschriebenen Botschaften zu finden.

Viele Familien hausen in aus Plastikplanen und Zelten gebauten Notunterkünften. Foto: Jürgen Schübelin

Viele Familien hausen in aus Plastikplanen und Zelten gebauten Notunterkünften. Foto: Jürgen Schübelin

Kentyi Cheung, Psychologe, erfahrener Straßensozialarbeiter und seit dreieinhalb  Wochen im Auftrag des Kindernothilfe-Partners ACHNU verantwortlicher Koordinator des Humanitäre Hilfe-Projektes in der Katastrophenzone von Valparaíso (9200CZ), bringt es auf den Punkt: „Der chilenische Staat lädt die Verantwortung für die Unterstützung und Betreuung der traumatisierten Menschen bei den sozialen Organisationen, den vielen Freiwilligen oder auch dem Personal der öffentlichen Schulen ab.“ So wurde etwa den Lehrerinnen und Lehrern der unmittelbar neben der Großbrandzone auf dem Cerro Las Cañas liegenden David-Ben-Gurion-Schule kurzerhand die Verteilung der Baumaterialien für die provisorischen Hütten übertragen – selbstverständlich zusätzlich zum inzwischen wieder laufenden Unterrichtsbetrieb.Indes drängen die Menschen mit aller Gewalt aus den albergues, den Notunterkünften unten auf dem plan (dem flachen Teil von Valparaíso), zurück auf die Hügel. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das Feuer gezielt gelegt worden sei, um den Immobilienspekulanten den Zugriff auf die dicht besiedelten Cerros mit dem grandiosen Blick über die Bucht von Valparaíso zu ermöglichen. Obwohl Chiles Präsidentin Michelle Bachelet erklärt hatte, dass ihre Regierung diesmal alles unternehmen werde, um – wie nach dem Erdbeben vom 27. Januar 2010 in der Provinz Concepción geschehen – zu verhindern, dass Immobilien-Haie sich mit teilweise kriminellen Methoden die Grundstücke überschuldeter und verzweifelter Erdbebenüberlebender für einen Apfel und Ei unter den Nagel rissen, ist die Angst mit Händen zu greifen, dass in Valparaíso am Ende genau das doch erneut geschehen könnte.

Ein steiler Berghang, an dem Hütten aus Sperrholzplatten errichtet werden.

Auf den Fundamenten der vom Feuer zerstörten Häuser errichten die Anwohner ihre provisorischen Behausungen. Foto: Jürgen Schübelin

Deshalb wurden in den zurückliegenden zwei Wochen von Bewohnern der Katastrophenzone – unterstützt von unermüdlichen, meist sehr jungen Freiwilligen –  bereits Hunderte mediaguas, kleine aus nur einem Raum bestehende Holzhütten errichtet, um den Platz zu besetzen, auf dem zuvor die von dem Feuer vernichteten Häuser und Unterkünfte standen. Mit einem Meer aus chilenischen Fahnen, Transparenten und selbst gemalten Schildern mit den Namen der Familien und ihrer Anschrift markieren die damnificados, die durch den Großbrand obdachlos Gewordenen, die kleinen Flächen an den steilen Hängen und ihren Anspruch darauf, hier auch in Zukunft leben zu können.

Die tief eingeschnittenen kleinen Täler der Hügel von Valparaíso wirkten wie Kamine, um die Flammen zusätzlich anzufachen. Foto: Jürgen Schübelin

Die tief eingeschnittenen kleinen Täler der Hügel von Valparaíso wirkten wie Kamine, um die Flammen zusätzlich anzufachen. Foto: Jürgen Schübelin

Das Ausmaß der Verwüstungen dieser Feuerwalze kann nur nachvollziehen, wer zu Fuß stundenlang auf den sechs abgebrannten Hügel unterwegs ist. Das Inferno vernichtete innerhalb von Minuten alles, was sich die Menschen in Jahren aufgebaut hatten. Die kleinen engen Täler, die die Hügel oberhalb von Valparaíso durchfurchen, wirkten wir Kamine, durch die der Wind vom Pazifik her den Flammen immer wieder neu anfachte. Und die zahlreichen Eukalyptus-Bäume verwandelten sich mit ihren ätherischen Harzen in riesige Fackeln, die die gewaltige Hitzeentwicklung noch verstärkten. Von all dem ist in weiten Teilen nur der blanke Boden übriggeblieben, ohne jegliche Vegetation, völlig schutzlos dem starken Regen während der jetzt beginnenden Wintermonate und den entsprechenden Erdrutschrisiken ausgesetzt.

 In dem kleinen Gemeindezentrum von Las Cañas hat der Kindernothilfe-Partner ACHNU eines der Kinderzentren eingerichtet. Foto: Jürgen Schübelin

In dem kleinen Gemeindezentrum von Las Cañas hat der Kindernothilfe-Partner ACHNU eines der Kinderzentren eingerichtet. Foto: Jürgen Schübelin

Wie sehr der Schock über das Erlebte den Menschen von den Cerros in den Knochen sitzt, wird deutlich, wenn man mit den Kindern im Centro Comunitario Las Cañas zusammen ist. Dort hat ACHNU, angeleitet und beraten von dem erfahrenen Team der chilenischen Kindernothilfe-Partnerorganisation ANIDE, bereits wenige Tage nach dem Großbrand damit begonnen, ein Kinderzentrum aufzubauen, in dem zurzeit 120 Mädchen und Jungen betreut werden, die mit ihren Familien wieder auf den Hügel zurückgekehrt sind. Das kleine Gemeindezentrum ist das einzige Gebäude in ganzen Umkreis, das kein Raub der Flammen wurde. Während Freiwillige im Auftrag der Nachbarschaftsorganisation auf den Fluren und dem kleinen Sportplatz gespendete Hilfsgüter sortieren und ihre Verteilung vorbereiten, arbeitet das ACHNU-Team in einem der Räume mit den Kindern, die an diesem Vormittag gekommen sind, um sich von Jeanette und Jota, zwei Theaterleuten, kleine Geschichten vorspielen zu lassen, in denen es in Variationen immer um das gleiche Thema geht, nämlich darum, dass Kinder es den Erwachsenen zeigen – und in absolut aussichtslosen Lagen mit kreativen und pfiffigen Einfällen in der Lage sind, das Blatt zu wenden. Mitten im Spiel hängen sich zwei Jungs wie die Kletten an Jeanette, die sie behutsam wieder an ihren Platz begleitet. Hinterher gibt es etwas zu essen und Kakao zu trinken, dann stürmen die Kinder mit einem der Betreuer und einem zerknautschten Fußball aus dem Raum, um auf den paar freien Metern zwischen den gespendeten Kleidungsstücken und einem improvisierten Büro der Nachbarschaftsorganisation zu kicken.

Gabriela, eine der Psychologinnen aus dem Team des Kindernothilfe-Partners ACHNU ist jeden Tag unterwegs, um mit den Kindern und Eltern, die auf die Hügel zurückgekehrt sind, zu sprechen. Foto: Jürgen Schübelin

Gabriela, eine der Psychologinnen aus dem Team des Kindernothilfe-Partners ACHNU ist jeden Tag unterwegs, um mit den Kindern und Eltern, die auf die Hügel zurückgekehrt sind, zu sprechen. Foto: Jürgen Schübelin

Gabriela, eine der Psychologinnen aus dem ACHNU-Team, kennt diesen Hyperaktivismus, aber auch Phasen von Apathie und Aggressivität inzwischen genau: Die Kinder leben immer noch in einem permanenten Ausnahmezustand. Ihre Welt, so wie sie vor dem Feuer aussah, gibt es nicht mehr. Das auf sechs Monate angelegte Programm, das Kindernothilfe unterstützt, will erreichen, die betroffenen Kinder psychisch zu stabilisieren und ihnen zu helfen, ihre traumatischen Erlebnisse während und nach der Katastrophe zu verarbeiten.Dazu gehört aber auch eine enge Kooperation mit den Lehrerinnen und Lehrern an den Schulen rund um die niedergebrannte Fläche – und deren Weiterbildung, um im Unterricht mit Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Verletzungen der Kinder angemessen umgehen zu können. Wie dringend notwendig die Unterstützung der Lehrerkollegien und Schulleitungen ist, machen die ACHNU-Erfahrungen der zurückliegenden Wochen deutlich: „Wir haben miterlebt, wie Kinder vom  Cerro Las Cañas plötzlich mutterseelenallein in Schulen in ganz anderen, weit entfernten Stadtteilen von Valparaíso geschickt wurden“,  berichtet Kentyi Cheung vom ACHNU-Team, „und darauf extrem verunsichert und eingeschüchtert reagierten.“ Ein kleiner Junge aus dem ACHNU-Betreuungsprogramm versteckte sich sogar morgens, um nicht in eine fremde Schule zu müssen. „Alles, was für die Kinder in dieser Situation zusätzlichen Stress bedeutet, was sie zusätzlich verunsichert“, ist Kentyi überzeugt, „müssen wir unbedingt verhindern.“Zwei weitere Kinderzentren wird ACHNU in den kommenden Tagen eröffnen – insgesamt sollen durch dieses Humanitäre Hilfe-Projekt, dem das ACHNU-Team den Namen „Sichere Räume für Kinder“ (Espacios Seguros para Niños) gegeben hat, 2.000 Mädchen und Jungen erreicht werden. Das Problem ist bislang, auf den Hügeln Räume zu finden, in denen mit den Kindern gearbeitet werden kann. Deshalb finden ganz viele der Aktivitäten, solange die Witterung es zulässt, draußen statt.

Auch stabil und solide errichtete Häuser konnten den Flammen nicht standhalten. Foto: Jürgen Schübelin

Auch stabil und solide errichtete Häuser konnten den Flammen nicht standhalten. Foto: Jürgen Schübelin

In den von der Regierung einberufenen Expertenrunden wird erbittert über einen Masterplan für den Wiederaufbau gestritten. Der Bürgermeister von Valparaíso und der Regierungspräsident der V. Region, zu der die Hafenstadt gehört, liefern sich öffentlich Gefechte über die jeweiligen Zuständigkeiten. Im Hintergrund hat längst das Feilschen um die Kuchenstücke an den in Aussicht gestellten staatlichen Fördermittel begonnen. Währenddessen durchleiden die Kinder und Erwachsenen auf den sechs abgebrannten Hügeln eine ganz schwierige Zeit: „Wir sind mitten in einer Krisenphase nach dem Ende der ersten Hilfseuphorie“, erklärt der ACHNU-Psychologe Kentyi Cheung, „Valparaíso ist wieder aus den chilenischen Medien verschwunden. Jetzt dreht sich alles um die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft. Das verletzt die Menschen.“ Die Regierung hat die Freiwilligeneinsätze weitgehend gestoppt – mit der Begründung, dass nicht genügend mobile Toiletten zur Verfügung stünden. Es fehlen Helfer, um die verbleibenden Ruinenreste und den Brandschutt zu entsorgen und beim Errichten der Behelfsbehausungen mit Hand anzulegen. Und für viele Familien, die bisher in einem eigenen kleinen Haus gelebt haben und sich jetzt in einer winzigen Hütte aus eilig zusammengezimmerten Pressspanplatten wiederfinden, „ist das einfach nur Stress pur“, fügt Kentyi hinzu.

Das achtköpfige ACHNU-Team ist jeden Tag auf den Hügeln unterwegs, erklärt den Erwachsenen, worin die Arbeit mit den Mädchen und Jungen in den Kinderzentren besteht, tröstet und berät, wie man sich in dieser Situation im Dschungel der staatlichen Zuständigkeiten zurechtfinden kann, stellt Kontakte zu anderen Institutionen her und motiviert, sich gerade jetzt an den Nachbarschaftsorganisationen zu beteiligen, um Stimme und Gewicht beim Wiederaufbau einbringen zu können. Gabriela, die zweite Psychologin im Team, setzte außerdem eine Idee um, die bei den Familien auf den verwüsteten Cerros extrem gut ankommt: Sie hat liebevoll alle Mädchen und Jungen aus dem Kinderzentrum, aber auch Eltern und Geschwister portraitiert, und den Familien Farbabzüge geschenkt, weil mit dem Hab und Gut in den Häusern und Hütten ja auch alle fotographischen Erinnerungen an das frühere Leben vernichtet wurden.

Spendenkonto:
Bank für Kirche und Diakonie eG – KD-Bank
IBAN: DE92 3506 0190 0000 4545 40
BIC: GENODED1DKD
Konto: 45 45 40, BLZ 350 601 90
Zweck: Z 7217 Großfeuer Chile

Pakistan-Tagebuch: „75 Prozent der Reisernte ist zerstört“

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

1.  September 2010

Gestern haben wir unser zentrales Kindernothilfe-Team in Pakistan um einen Mitarbeiter verstärkt. Er wird uns ab heute unterstützen. Ein sehr erfahrener pakistanischer Entwicklungs- und Katastrophenhelfer. Hier steigen inzwischen die Reispreise. 75 % der Reisernte in den wichtigsten Anbaugebieten wurde zerstört. Da ein ganzer Industriebereich davon abhängt, befürchtet man nicht nur Lebensmittelknappheit und unerschwingliche Preise für die Armen, sondern auch eine Wirtschaftskrise verbunden mit politischen Unruhen.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

27. August 2010

Wir arbeiten uns weiter nach Norden vor. Hier im suedl. Punjab hat das Wasser etwa 500000 Häuser zerstört. Hier fließen große Flüsse in den Indus. Das fruchtbare und dicht besiedelte Land dazwischen ist jetzt eine Seelandschafft. Die Versorgung der Menschen ist sehr ungleich, sowohl aufgrund von Erreichbarkeit als auch aufgrund von Diskriminierung mancher Volksgruppen. Es ist gut, dass unsere Partner und zunehmend auch internationale Organisationen auftreten, die keine Unterschiede machen.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

26. August 2010

Konnte gestern 3 wilde Camps südlich von Sukkur besuchen, 3 von hunderten! Die Familien haben sich notdürftig in Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden niedergelassen. Viele leben seit dem 9. August, als das Wasser plötzlich kam, einfach auf den etwas hoeher gelegenen Straßen. Die Versorgung der Menschen war an allen drei Orten völlig unzureichend. Weder Regierung noch UN Organisationen sind bisher aufgetaucht. Unsere Leute werden die Versorgung so schnell wie möglich übernehmen. Bin jetzt auf dem Weg nach Norden, in den südlichen Punjab, der ebenfalls schwer betroffen ist. Dort finden heute zwei Verteilungen von uns statt.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

25. August 2010

Gestern Abend haben wir noch alles in die Wege geleitet, um den Hungernden auf der anderen Seite des Indus sofort eine Wochenration Nahrung zukommen zu lassen. Jetzt fahren wir nach Süden, um weitere wilde Camps anzusehen, in denen wir so schnell wie möglich Hilfe leisten wollen. Jeder arbeitet hier so schnell er kann, aber Personalkapazitäten sind begrenzt und das Gebiet riesig.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

24. August 2008

Wir waren gerade auf der anderen Seite des Indus. In einem wilden Lager. Einige hundert Patienten wurden von unseren Leuten behandelt. Die Kinder sind in einem extrem schlechten Zustand. Die Menschen betteln uns an um eine Hilfslieferung Nahrungsmittel. Wir werden dort Kinderzentren eroffnen, in denen die Kinder Essen bekommen. Wir müssen so schnell wie möglich beginnen.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet von nun an täglich aus dem Katastrophengebiet. 

23. Aug. 2010 07:57
Gestern nachmittag in Sukkur eingetroffen. Vor und hinter der Stadt ist alles überflutet. Stadt selbst blieb weitgehend verschont. Die Ärmsten, mit denen wir schon lange arbeiten, hatten ihre Hütten jenseits der Flutmauern. Sie haben alles verloren, leben auf der Straße, fallen durch alle Raster und werden nur durch unsere Leute versorgt.

Witnessing the Rage of Indus

Vom Kindernothilfe-Partner SSEWA-Pak PME aus Pakistan erreichte uns folgender Bericht:
We visited Upper Sindh to analyze the situation in targeted districts. The main motive was to document present conditions and to coordinate with local authorities. Second agenda on the list was to assess partners in field and resources those are available and can be tapped down from UN and other donors.

While crossing the Indus at Sukkur the river gave a nerve-racking expression as no one among the team members have ever seen it on this pinnacle before. The span between the banks was near to 2 km and the water was touching upper bank walls, searching weak edges to spurt out. The suburbs of Sukkur city were swarming with displaced people from different villages that came or threatened to come underwater, even Sukkur city was under chaos that the water has entered the city premises. The road to Sheikarpur was busy with heavy loads carrying displaced people.

The main highway to Kandhkot was blocked because water from Tori Band in up river, got breached that halted the movement from either side. There were controverses on Tori Band breach, because local people say that it was an official fix to save lands of notables. Not all the routs to Kandhkot were blocked, so the team picked another road, which was safe so far. Almost all the villages seen on the way were deserted giving a haunted feeling. The population was on the move to safer grounds and the road was overcrowded with families either walking or utilizing every possible means of transportation and farmers taking their animals to get out of the area, which was under threat to be hit by floodwater anytime.

On visiting the UC Ghouspur the scene was not different: people were on the roadside with their belongings loading in trucks and other means of transportations, the fares were rocketing as they have tripled for taking few kilometers away from the affected area. Still many decided to stay on the roadside, because they can’t afford the sky-high fares and wanted to keep an eye on the housing structures that were still standing in the water. The misery on their face was obvious from distance as water washed away all their hard work they’d done in the fields, as the entire community is attached to agriculture and few with farming fish.

The villages on the sides of canal RD 219 were the first to hit in the area by the breach in Tori Band in UC Ghouspur.

One wall of Mushtak’s house collapsed, while he told his story
Mushtak, son of Aleef Khan, comes from the village Saiful-Mirani. He told us his story while standing on the half submerged road and his house in the background about 70 meters away was surrounded by fast flowing water.
“I have a wife and two daughters. My uncle’s house is next to our house. We were preparing to leave our village and gathering all our belonging on the veranda of our house, when suddenly we heard the water coming. So we left everything; I took my family and moved to the roadside. The water never gave us a chance to collect a few necessary things and we are not able to go and take things out, because the water current is high and since last three days it has not lessened, rather increased. I’m waiting for the opportunity to collect things for my family’s survival.”
Standing on a half drown road one can easily judge, that the water current is very high. It will wash away Mushtak’s belongings and house structure. One wall of the house collapsed with huge sound while Mushtak was expressing his views.

“We are starving!”
Gulab from the village Saiful-Mirani with his wife, three sons, daughter in-law and four grandchildren was able to save few things, before the water entered their village. “The roof of our house fell on our elder son. Luckily he could escape without any major injuries.”
Gulab was sitting in a bad mood and said: “Nobody came to support us. We are on the roadside starving. People just come and go – no help has come yet. Where should I go and take my children? I have nothing left! All my life’s gain is lost in this cruel waters.“

Murham lost his fish farm
Murham, son of Shafee Mohd, coms from the village Qaseer Khan Mirani. When we saw him, he was in the water trying to bring his belonging to a safe place. He was holding an electric wire attached to the nearby transformer, which in normal condition no one could imagine of trying the idea! He was shouting from other side of the canal that he lost everything including his fish farm, which was holding worth 2 million Rupees fish.

„I only saw water“

Dieser Augenzeugenbericht erreichte uns  von unserer Partnerorganisation ARO aus Pakistan.

“My name is Zadagai, my father’s name is Jilinder. We live in Touda Khazana, which is right at the bank of river Khazana. The night when the flood came was a nightmare for me and my family.

I was sleeping when I heard a loud noise. My father was shouting: ‘Wake up and run!’ I woke up and started weeping, because I was unable to understand what is going on. I only saw water, which was in the beginning up to my feet, but very soon I felt I was half drown. I asked my mother to help me. She gave me a hand and we started running towards the roadside to come out of our village, which was looking like itself a river.

Somehow we reached the road, but then my mother shouted for my brother Fida, because he was not with us. I saw my mother weeping terribly, all of us were weeping at that moment and my father was running madly and shouting ‘Fida! Fida!’ everywhere. It was dark and there were hundreds of people there, who were also searching their beloved ones. I thought this is the Day of Judgment.

The next morning I saw my brother’s body. He was killed by the flood. His body was found trapped in branches near the river bank. This was the saddest day of my life. Now we are like beggars looking for food and help. I hate floods.”

A boy was standing at the bank of a river while small waves gently touching, almost kissing his feet. He looked down and said: “You can kiss my feet a million times I will never ever forgive you for taking my loved ones”.

„Two half walls are still standing – the last sign of our small house“

Dieser Augenzeugenbericht erreichte uns von unserer Partnerorganisation ARO aus Pakistan.

„My Name is Mazam Jan I am 65 years old. I lived with my son Shah Zaman who is married and has one little son, 3 years old Noorullah. Our village name is Louda U/C Nissata. When the flood hit our village we were sleeping and we never thought about it, because our village is about 2 km away of River Jindi.

In the beginning we had taken it normal, but soon the level of water increased and we started pulling water out of our house, but it was increasing and increasing. Then we decided to run, because half of our house was in the water. My family hardly saved anything, we only saved our lives.

Next morning we saw our house totally collapsed. All furniture and other goods are gone, only two half walls remained. That is the last sign of our small house.“