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Chile: Wiederaufbau-Aktivist stirbt bei Flugzeugabsturz – Kindernothilfe und Partner trauern

Felipe Cubillos

Seit Freitagabend, 2. September, stehen die Menschen in Chile wie unter Schock: Beim Absturz einer Propeller-Maschine der chilenischen Luftwaffe vor der Steilküste der zum Juan-Fernández-Archipel gehörenden Robinson-Crusoe-Insel im Südpazifik kamen alle 21 Passagiere und Besatzungsmitglieder ums Leben. Unter den Verunglückten befindet sich auch der Unternehmer und Erdbeben-Wiederaufbau-Aktivist Felipe Cubillos, mit dem Kindernothilfe und ihre chilenische Partnerorganisation ANIDE im vergangenen Jahr – nach der „terremoto“- und Tsunami-Katastrophe – bei der Neuerrichtung des völlig zerstörten Kindertagesstätten- und Stadtteilprojektes „El Pescador“ in Coronel-Lo Rojas (92042) intensiv zusammengearbeitet haben.

Cubillos und weitere fünf Mitarbeiter der von ihm nach dem Erdbeben vom 27. Februar 2010 gegründeten Stiftung „Desafío Levantemos Chile“ (Herausforderung Chile-gemeinsam-wieder-auf-die-Beine-zu-bringen) waren zusammen mit einem Team des Fernsehsenders TVN – „Televisión Nacional de Chile“ – sowie des „Consejo Nacional de Cultura y de las Artes“ (Nationaler Rat für Kultur und Künste) zum Juan-Fernández-Archipel geflogen, um dort die Fortschritte beim Wiederaufbau des nach dem Beben von Tsunami-Wellen zerstörten Dorfes San Juan Bautista zu begutachten und weitere Unterstützungsprojekte für die Menschen auf der rund 670 Kilometer vom chilenischen Festland entfernt gelegenen Inselgruppe zu initiieren.

Der Pilot der zweimotorigen Luftwaffenmaschine CASA C-212 hatte am Freitagabend, kurz vor 18 Uhr, chilenischer Zeit, zweimal vergeblich versucht, auf der nur 800 Meter langen Landebahn des Archipels aufzusetzen, war jedoch durch starke Böen abgedrängt worden und verlor danach offenbar die Kontrolle über das Flugzeug, das schließlich ins offene Meer stürzte. Trotz einer umfangreichen Rettungs- und Suchaktion durch die chilenische Luftwaffe und Marine – sowie die Bewohner des Juan-Fernández-Archipels – konnte niemand von den 21 Personen an Bord lebend geborgen werden.

Die zerstörte Kindertagesstätte El Pescador

Als am 27. Februar 2010 ein verheerendes Erdbeben, das mit einer Magnitude von 8,8 zu den sechs schwersten Katastrophen in der Geschichte der seismischen Forschung gehört, das Gebäude des seit Ende der neunziger Jahre von Kindernothilfe geförderten Stadtteil- und Kindertagesstätten-Projektes „El Pescador“ völlig zerstörte – und nur noch die Möglichkeit eines Totalabrisses blieb, bot Felipe Cubillos mit seiner Initiative „Levantemos Chile“ großzügig Hilfe an. Innerhalb weniger Monate gelang es mit vereinten Kräften und dem Engagement von Spendern aus Deutschland, Norwegen und Chile, für den „Pescador“ und die unter äußerst prekären Bedingungen vom Fischfang lebenden Familien aus Lo Rojas zumindest eine Teillösung zu entwickeln. Dank eines innovativen Container-Baukasten-Systems konnte ein halbes Jahr nach dem Erdbeben in einer ersten Phase der Kindergarten-Bereich des Projektes wieder in Gang gebracht werden.

„Wir haben damals, in den dramatischen Wochen nach dem Erdbeben, Felipe Cubillos kennen- und schätzen gelernt“, erinnert sich José Horacio Wood, Direktor des Kindernothilfe-Partners ANIDE, „dieser Mann brannte geradezu für die Aufgabe, Schulen und anderen Projekten mit Kindern aus Armenvierteln zu helfen, wieder auf die Beine zu kommen und erneut ein Dach über dem Kopf zu haben.“ Dabei war der Unternehmer und leidenschaftliche Hochseesegler eigentlich jemand, dem, was seine familiäre Herkunft anbelangt – sein Vater diente dem Pinochet-Regime als Außenminister –, soziales Engagement nicht gerade in die Wiege gelegt worden war.

Felipe Cubillos unterstützte den Wiederaufbau von El Pescador

Doch Felipe Cubillos hielt sich, wann immer er mit Ungerechtigkeiten konfrontiert wurde, nie zurück: In einer seiner letzten öffentlichen Äußerungen vor dem Flugzeugabsturz kritisierte er mit ätzender Schärfe die betrügerischen Praktiken einiger chilenischer Unternehmen, die vor allem Kunden mit kleinen und kleinsten Einkommen durch manipulierte Kreditverträge auspressen. Cubillos sah sich selbst stets als Brückenbauer in einem Land, in dem es praktisch keine Berührungspunkte zwischen den Lebenswelten der Reichen und denen der Armen gibt. „Die Kinder aus Lo Rojas, ihre Familien und das gesamte Team des Pescador-Projektes haben“, so José Horacio Wood, „diesem Mann, seiner Kreativität und seinem rastlosen Engagement sehr viel zu verdanken.“

Dieser Würdigung und diesem Dank für eine ungewöhnliche Partnerschaft schließen uns auch wir von der Kindernothilfe an.

Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika,  z.Zt. Santiago de Chile (03.09.2011)

Demonstationen in Malawi: Mindestens 18 Tote

In Malawi kam es in den vergangenen Tagen zu
schweren regierungskritischen Protesten, bei denen nach Zeitungsangaben über 18 Menschen zu Tode kamen. Unser Landeskoordinator in Malawi, Anderson M. Kamwendo, berichtet darüber in einer E-Mail:
 

There were demonstrations in the major cities of Malawi yesterday.  Due to some reasons, including anger by people since they were told when they had already gathered to start the demonstrations that an injunction was obtained by someone to stop the demonstrations at 01 00 hours, and the brutal way in which some Police Officers especially in Lilongwe handled the matter, and general anti-president sentiments. Eventually the injunction was vacated the demonstrations started. It is believed that some people were killed, how many we do not know, and that some Police Stations were burned, cars burned and some shops looted.

Today I have been unable to go to town because some roads blocked angry mobs and Police Officers have been firing at people as they tried to clear the roads and disperse the crowds.

The demonstrations are related to the following concerns of the people which have gone unaddressed by the government:

  • Increasing Fuel Shortages
  • High Food Prices
  • Increase in Taxes
  • 40% Loss in Donor Funding (British, German, Netherlands) related to suppression of human rights, the deportation of the British Ambassador and poor governance.

Abuse of Human Rights:

  • A New Law giving the government the right to silence/ban the media if the media disagrees with the government
  • A New Law that forbids anyone to seek an injunction against the government
  • A New Law requiring those who would like to peacefully demonstrate to pay $15,000 for a permit
  • Civil Servants have not been paid in several months
  • Lack of Forex in the country due in part to artificially inflating the kwacha

Dürre am Horn von Afrika

Unser Mitarbeiter Dietmar Roller ist am Horn von Afrika, um die Nothilfe zu koordinieren. Seine ersten Eindrücke aus Äthiopien:

Die Not ist überall sehr groß, im Vergleich mit der letzten Dürre 2007 ist dieses Jahr viel schlimmer, so hat es während der letzten Regenzeit etwa im Distrikt Bale nur etwa zwei bis drei Tage geregnet. Eine Familie dort berichtet, dass sie von ihren 50 Kühen 49 durch die Trockenheit verloren hat und nun vor dem Nichts steht.

Schulen funktionieren nur noch teilweise, weil Familien die ganze Kraft aufs Überleben konzentrieren, viele der Kinder zeigen deutliche Spuren von Unterernährung, Menschen sterben.

Mitarbeiter unserer langjährigen äthiopischen Partnerorganisation Rift Valley Children and Women Development Organisation berichten von tragischen Szenen: Ein Jugendlicher, der von der Boarding School nachhause kam, um die Ferien dort zu verbringen und, wie es üblich ist, sich durch Arbeit einen Teil des Schulgeldes zu verdienen. Als der Junge zuhause ankam, fand er seine Familie verhungert vor. Dies sei kein Einzelfall, sondern zeige, wie extrem angespannt die Situation ist.

Die Regierung agiert und hilft teilweise mit ein bisschen Weizen und in einigen Regionen unregelmäßig mit Wasser aus Tankwagen. Das ist alles längst nicht genug.

Mit Act Positive nach Südafrika: 18.10.2010

Fünf Jugendliche berichten über ihre Reise mit der Kindernothilfe nach Südafrika. Sie hatten bei Act Positive mitgemacht und werden nun für ihr außergewöhnlich großes Engagement belohnt. Die Reise wird komplett mit einem EU-Zuschuss für die Kampagne finanziert.

Pablo, 20, aus Selb:
Angekommen am „Khajalethu- Projekt“ von Youth for Christ in Pietermaritzburg, empfangen uns die misstrauischen Blicke sechs Straßenkinder, im Alter von 14 bis 23. Sofiso, einer der Street Worker, lockert die Stimmung mit Akustikklampfe (an die ich auch mal durfte) und Gesang auf. Um das Eis endgültig zu brechen, kam es zum Länderspiel Südafrika gegen Deutschland. Auch wenn die Sonne, gleich einem Feuerball, das sicher selbst bald erledigt hätte.

Hier die Ergebnisse des ersten Spieltags:
1. Deutschland vs Südafrika: 2:0
2. Südafrika vs Deutschland: 2:0
Klares Unentschieden für Südafrika.

„Khajalethu“ (Zulu: „Unser Haus“), von der Kindernothilfe unterstützt, ist ein „Übergangsheim“ für Jungs, die ein Leben auf der Straße führen. In Sofisos Worten: „It is a bridge to a better life.“ Die Einrichtung ist offen für jeden Jungen – es gibt Waschräume, regelmäßige Mahlzeiten und bietet Raum für Freizeitgestaltung (z. B. Musik, Kicker, Fußball, etc…).
Die Street Worker sind ständig auf der Straße unterwegs und versuchen ins Gespräch mit den Kindern zu kommen und suchen dann nach einer individuellen Lösung der Probleme der Kids. Ziel ist es, die Kinder wieder in ihre Familien – soweit vorhanden – zu integrieren oder eine neue für sie zu finden. Aber es sind auch Rückschläge zu verzeichnen: so trafen wir bei dem gemeinsamen Rundgang durch einen Stadtteil Pietermaritzburgs einen Straßenjungen, der bereits zweimal einer neuen Familie vermittelt wurde, aber immer wieder ausriss. Für mehr als Handshake, Namentausch und ´ne Kaugummi-Packung für ihn, hat dann die Zeit nicht gereicht und ich hoffe, dass sich die Street Worker sich seiner weiterhin annehmen – trotz der Rückschläge.

Bloß warum landen die Kids überhaupt auf der Straße?
Die HIV-Rate beträgt in den Townships über 30%. Deshalb verlieren viele der Kinder ihre Eltern durch Aids. Weiterhin reißen viele Kids aus, mit der Vorstellung, dass sie auf der Straße durch Betteln oder kleine Hilfsdienste mehr Geld verdienen, als es daheim vorhanden ist.
Außerdem scheitert oft der Schulbesuch an bürokratischen und/oder finanziellen Hürden. Viele der Straßenkinder besitzen zum Beispiel keine Papiere und werden deshalb an regulären Schulen nicht aufgenommen. Youth for Christ vermittelt diese Kinder an spezielle Partnerschulen, wo auch für diese Kids eine Ausbildung möglich ist.
Zurück von den Besuchen der Communities, bin ich doch ein bisschen traurig: man könnte so viel helfen, aber übermorgen geht’s schon wieder ab in die Lüfte. Aber um das zu relativieren: Act Positive lebt weiter!

Julian aus Bochum und Oli aus Duisburg:
Sehr dankbar waren wir, heute den Tag nicht in Durban, sondern in dem ungefähr eine Stunde entfernten Pietermaritzburg verbringen zu dürfen. Erneut haben wir die Arbeit von „Youth for Christ“ besucht. Unter anderem hatten wir die Gelegenheit, einen Township aus der Nähe (nicht aus dem Auto) zu betrachten. Als wir ankamen wurden wir sofort von dem Herz und der Seele der Community, Mama Nana, begrüßt. Sie ist seit 6 Jahren in der Community tätig, hat aber vorher bereits den Menschen in anderen Communities zur Seite gestanden. Ihre Arbeit besteht darin, sich um die Kinder der ausgelasteten Eltern und um die Waisen zu kümmern.
Als bewundernswert empfanden wir den großen Zusammenhalt und die enorme gegenseitige Unterstützung dieser Leute. Zum Beispiel wurde uns die Lehmhütte eines 16-jährigen Jungen gezeigt, deren Einrichtung bei einem Feuer vollständig zerstört wurde. Zusammen hat die Gemeinschaft dafür gesorgt, dass die Hütte wieder in einen bewohnbaren Zustand gebracht wurde, damit der Junge sich weiterhin möglichst sorgenfrei um seine schulische Laufbahn kümmern kann.
Anschließend führte uns Mama Nana zum Community Center des Townships. Ein umzäuntes Areal mit einem größeren Steinhaus für die Kleinsten, einem Spielplatz, sowie einem Container, in dem die Schulkinder nachmittags bei den Hausaufgaben betreut wurden und mit den Jüngeren gebastelt haben. Als es zu Gruppenspielen kam, entdeckten auch wir wieder die Kinder in uns und hatten genauso viel Spaß wie alle anderen.
Obwohl die Kinder oft keine Eltern haben, oder die Eltern sich nicht kümmern können, waren wir von der unglaublichen Lebensfreude und Fröhlichkeit der Kinder angetan. Die Community ist wie eine große Familie und auch wir wurden, nachdem das erste Eis gebrochen war, wie Mitglieder dieser wundervollen Familie behandelt und spielten und lachten mit den Kindern.
Als es schließlich hieß Abschied zu nehmen, fiel es uns und den Kindern schwer einander loszulassen. Dieser Tag hat uns wieder einmal gezeigt, was für fantastische Menschen diese Leute trotz ihres oft trost- und perspektivlosen Lebens sind.

Pakistan-Tagebuch: “75 Prozent der Reisernte ist zerstört”

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

1.  September 2010

Gestern haben wir unser zentrales Kindernothilfe-Team in Pakistan um einen Mitarbeiter verstärkt. Er wird uns ab heute unterstützen. Ein sehr erfahrener pakistanischer Entwicklungs- und Katastrophenhelfer. Hier steigen inzwischen die Reispreise. 75 % der Reisernte in den wichtigsten Anbaugebieten wurde zerstört. Da ein ganzer Industriebereich davon abhängt, befürchtet man nicht nur Lebensmittelknappheit und unerschwingliche Preise für die Armen, sondern auch eine Wirtschaftskrise verbunden mit politischen Unruhen.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

27. August 2010

Wir arbeiten uns weiter nach Norden vor. Hier im suedl. Punjab hat das Wasser etwa 500000 Häuser zerstört. Hier fließen große Flüsse in den Indus. Das fruchtbare und dicht besiedelte Land dazwischen ist jetzt eine Seelandschafft. Die Versorgung der Menschen ist sehr ungleich, sowohl aufgrund von Erreichbarkeit als auch aufgrund von Diskriminierung mancher Volksgruppen. Es ist gut, dass unsere Partner und zunehmend auch internationale Organisationen auftreten, die keine Unterschiede machen.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

26. August 2010

Konnte gestern 3 wilde Camps südlich von Sukkur besuchen, 3 von hunderten! Die Familien haben sich notdürftig in Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden niedergelassen. Viele leben seit dem 9. August, als das Wasser plötzlich kam, einfach auf den etwas hoeher gelegenen Straßen. Die Versorgung der Menschen war an allen drei Orten völlig unzureichend. Weder Regierung noch UN Organisationen sind bisher aufgetaucht. Unsere Leute werden die Versorgung so schnell wie möglich übernehmen. Bin jetzt auf dem Weg nach Norden, in den südlichen Punjab, der ebenfalls schwer betroffen ist. Dort finden heute zwei Verteilungen von uns statt.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

25. August 2010

Gestern Abend haben wir noch alles in die Wege geleitet, um den Hungernden auf der anderen Seite des Indus sofort eine Wochenration Nahrung zukommen zu lassen. Jetzt fahren wir nach Süden, um weitere wilde Camps anzusehen, in denen wir so schnell wie möglich Hilfe leisten wollen. Jeder arbeitet hier so schnell er kann, aber Personalkapazitäten sind begrenzt und das Gebiet riesig.

Pakistan-Tagebuch

Detlef Hiller, Kindernothilfe-Koordinator in Pakistan, berichtet täglich aus dem Katastrophengebiet.

24. August 2008

Wir waren gerade auf der anderen Seite des Indus. In einem wilden Lager. Einige hundert Patienten wurden von unseren Leuten behandelt. Die Kinder sind in einem extrem schlechten Zustand. Die Menschen betteln uns an um eine Hilfslieferung Nahrungsmittel. Wir werden dort Kinderzentren eroffnen, in denen die Kinder Essen bekommen. Wir müssen so schnell wie möglich beginnen.

Ein Gruß aus Durban zum Halbfinale

Duncan Andrew und Robyn Hemmens von den südafrikanischen Kindernothilfe-Partnern Thandanani  und Dlalanathi grüßen aus Durban:

Thandanani & Dlalanathi would like to wish you all “Good Luck” for semi finals on Wednesday!

As you will see in the attached picture we have been firm supporters since the first game against Australia in our fantastic stadium in Durban.

Go Germany – Make it happen!

Thandanani & Dlalanathi would like to wish you all “Good Luck” for quarter finals tomorrow!