Nepal: Der Weg zurück in den Alltag

Vor drei Jahren, am 25. April 2015, bebte die Erde in Nepal, und das mit einer Stärke von 7,8. Weitere Erdbeben folgten noch Wochen später. Mehr als 8.700 Menschen verloren ihr Leben bei der verheerenden Katastrophe, es gab mehr als 22.000 Verletzte – Nepal war im Ausnahmezustand. Das ohnehin schon arme Land musste sich auf die Notsituation einstellen. Die Zerstörung war enorm, und für die meisten Menschen schien die Lage ausweglos zu sein. Drei Jahre sind keine lange Zeit, um die Schäden eines so gravierenden Erdbebens zu beheben. Doch die Kindernothilfe-Partnerorganisation AMURT konnte den Prozess des Wiederaufbaus beschleunigen und viele Projekte zugunsten der Kinder und Frauen realisieren.

Das Projekt

Die Mitarbeiter von AMURT hatten zwei zentrale Ziele. Die Hilfe sollte in erster Instanz dazu dienen, den Wiederaufbau der Schulen zu beschleunigen und gleichzeitig Projekte für die Schüler zu realisieren. Die Kinder sollten so schnell wie möglich wieder in den Alltag zurückfinden und einen Ort haben, an dem sie ihr Schicksal wenigstens für ein paar Stunden vergessen können. Als zweites sollte die soziale und wirtschaftliche Situation der Frauen in der Region gestärkt werden. Insgesamt dauerte das Projekt zweieinhalb Jahre. Die ersten Renovierungsarbeiten und Projekte starteten im Oktober 2015. Diesen März wurden sie abgeschlossen.

Verteilung des Mittagessens

Was sich für die Schüler geändert hat

Nach einem Erdbeben steht neben der Versorgung der Verletzten der Wiederaufbau an erster Stelle. Damit die Familien der Schüler ihre Häuser so schnell wie möglich wiederaufbauen konnten, sorgte AMURT mit der Hilfe von Spenden für das Wohl der Kinder in den Schulen. Ein halbes Jahr lang wurden die Schulen mit Mittagessen beliefert. Für viele Familien, deren Häuser durch das gravierende Erdbeben großen Schaden genommen hatten, war alleine das schon eine große Erleichterung. Die Eltern der Schüler mussten den Kindern nicht mehr länger das Essen zubereiten und konnten deshalb schon früher anfangen zu arbeiten.

Nicht nur die Familien haben ihre Häuser renoviert, sondern auch die Schulgebäude wurden wiederaufgebaut. AMURT konnte im Laufe des Projektes insgesamt 31 Klassenzimmer in zehn verschiedenen Schulen renovieren. In fünf Schulen hat unser Partner Bibliotheken eingerichtet und die Lehrer geschult, wie sie diese übersichtlich ordnen können. Zudem wurden viele Sanitäranlagen renoviert oder neu eingerichtet.

Neben den Renovierungsarbeiten konnten an verschiedenen Schulen Projekte für die Schüler realisiert werden – mit dem Ziel, den Kindern ihre Rechte näherzubringen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Bei einem Theaterkurs konnten die Kinder ihre Kreativität frei ausleben. An diversen Schulen dachten sich die Mädchen und Jungen auch eigene Projekte aus und setzten sie um, z.B. ein Seminar zum Thema ,,kinderfreundliches Regieren‘‘. So konnten sich die Kinder Gehör verschaffen.

Die Schüler überlegen sich ein neues Projekt

Der Kindernothilfe-Partner erreichte insgesamt 1.180 Mädchen und Jungen. Auch bei den Schulleitern stießen die Projekte auf große Begeisterung. Sie berichteten, dass die Schüler, dank der Sanierungsarbeiten und der spannenden Projekte, bereits wenige Wochen nach dem Erdbeben wieder in die Schule kamen – der erste Schritt zurück zu Normalität und Alltag.

Das Engagement von Anita Bhandari

,,Mein Lehrer sagt, dass ich jetzt eine Inspiration für alle andere Schüler bin, die versuchen, ihre versteckten Talente zu entdecken.‘‘ Diese Aussage stammt von der 16-jährigen Anita Bhandari. Sie ist die Gewinnerin eines Redewettbewerbs. Die Schülerin der zehnten Klasse konnte sich gegen junge Leute aus 23 verschiedenen Schulen durchsetzen. Das Thema ihrer Rede: Welche Rolle spielen Jugendliche bei der Etablierung von Frieden in Nepal? Anitas größter Wunsch ist es, im späteren Berufsleben einmal als Sozialarbeiterin tätig zu sein. Auch sie möchte sich für Menschen in Notsituationen einsetzten. Der Wettbewerb hat ihren Wunsch weiter verstärkt.

Bestärkung der Frau – so konnte AMURT helfen

In Nepal ist häusliche Gewalt leider noch immer an der Tagesordnung. In mehreren Dörfern und Städten haben sich deswegen Frauengruppen gebildet, die sich gegenseitig dabei unterstützen, sich gegen ihre gewalttätigen Ehemänner zu wehren. Sie treffen sich regelmäßig, verbringen Zeit miteinander und reden über ihre Probleme. Für viele dieser Frauengruppen wurden Schulungen organisiert. Eine Gruppe von 46 Frauen bekam in Attarpur eine Schulung zum Thema Erziehung.

Eines der erfolgreichsten Projekte war ein sechsmonatiger Nähkurs. Daran durften insgesamt 62 Frauen teilnehmen. Das Nähen von Kleidung und Taschen ist für die Frauen essenziell, denn es stellt eine zweite Einkommensmöglichkeit dar. Von den Teilnehmerinnen wurden 15 ausgesucht, die sich besonders geschickt angestellt haben. Sie durften an einem weiteren 160-stündigen Nähkurs teilnehmen. Heute arbeiten sie hauptberuflich als Schneiderinnen und verdienen ihren Lebensunterhalt in einem Zentrum für Schneiderei.

Die Frauen bauen neue Gemüsesorten an.

Am meisten konnten sich die Frauen für ein Projekt rund um die Gartenarbeit begeistern. Außerhalb der Saison Gemüse anzubauen, war für sie meist sehr schwierig. In der Regel bauen sie nur Kartoffeln an. AMURT zeigte ihnen Tipps und Tricks, wie sie ihr Gemüse auch außerhalb der Saison anbauen können. Sie lernten, mit welchen Mitteln man am besten düngt und wie Samen schnell wachsen. Nach dem Crash-Kurs wurden die Frauen immer experimentierfreudiger. Neben Kartoffeln bauen sie heute auch Zwiebeln, Koriander, Gurke, Brokkoli und Spinat an. Die Frauen waren völlig begeistert von ihrem neuen Gemüse und kamen, angetrieben durch ihren Erfolg, auf eine interessante Idee: Eine Gruppe von 21 Frauen hat sich in Attarpur zusammengetan, um das selbstgezüchtete Gemüse zu verkaufen. Damit es in großen Mengen verkauft werden konnte, bauten sie ein Zentrum, das als Sammelplatz dient. Von dort aus wird das frische Gemüse nun über Mittelsmänner verkauft. So konnten sich die betroffenen Familien mit Hilfe der Kindernothilfe-Partnerorganisation ihren Weg in Richtung Normalität bahnen.

Sie gedeihen besser denn je!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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