Seit 54 Jahren: Die Kindernothilfe stärkt Mädchen und Frauen in Indien

Link: Die Arbeit der Kindernothilfe in Indien

Die Kindernothilfe und ihre Partner sind tief betroffen von den Geschehnissen in Indien. Seit über 50 Jahren engagieren wir uns in Indien für Kinder, für die Gleichstellung von Mädchen und Jungen, die Durchsetzung ihrer Rechte. Die Projektmitarbeiter vor Ort setzen sich dafür ein, dass sie zu selbstbewussten, eigenständigen Persönlichkeiten heranwachsen, die ohne jahrhundertealte Vorurteile und schädliche Praktiken ihr Leben führen.

Dieses Statement erreichte uns von unserem Partner Holistic Child Development India (HCDI):

„Der Tod des Mädchens in Delhi hat uns wie betäubt zurückgelassen. Wir sind besorgt um die Sicherheit der Mädchen in unseren Projekten und machen uns noch mehr Gedanken darum, wie wir unsere Jungen richtig erziehen.

Besonders im Osten Indiens werden Mädchen und Frauen erzogen, geduldig zu sein, zuzuhören, immer nur zu geben, um alles bitten zu müssen. Und oft, wenn sie im Gegenzug – sei es von Vater, Ehemann, Freund, Bruder oder Sohn – erwarten, dass sie selbst auch zu ihrem Recht kommen, werden sie bestraft und als unweiblich bezeichnet.

Indische Mädchen müssen mit vielen Herausforderungen und Diskriminierungen leben. Gemeinsam mit der Kindernothilfe hat HCDI während der vergangenen Jahre beständig daran gearbeitet, das Leben von Mädchen und Frauen zu verbessern – durch Gemeinwesenprogramme, institutionelle Angebote, Projekte für Kinder in besonderen Lebenslagen.

Wir legen großen Wert darauf, in unseren Projekten eine friedliche und gewaltfreie Atmosphäre zu schaffen, Mädchen und Frauen darin zu bestärken, sich selbst als Individuen sehen, die in verschiedenen Lebensbereichen und Berufen kompetent und talentiert sind. Wir sind zum Beispiel stolz darauf, dass wir in unseren Kinderparlamenten Mädchen in leitenden Positionen haben, die furchtlos schädliche kulturelle Überlieferungen anprangern und ihren Müttern und Schwestern helfen, ein Leben in Würde und Hoffnung zu führen.

Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Kindernothilfe-Spender. Ihre Förderung hat vielen Mädchen geholfen, sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen, mit Belastungen umgehen zu können und das Vertrauen nicht zu verlieren. Das gilt besonders für diejenigen, die von HIV/Aids betroffen sind, Behinderungen haben oder nach einer Vergewaltigung geboren wurden. Dank der beständigen Förderung können sich indische Mädchen gegen den Missbrauch ihrer Rechte wehren; sie dürfen endlich hoffen, ihre Lebensträume verwirklichen zu können.

Die Selbsthilfegruppen in unseren Dörfern helfen Frauen, Zugang zur örtlichen Verwaltung zu bekommen, was ein großer Schritt ist, sich aus Ausbeutung und Hilflosigkeit zu befreien.

Während wir daran arbeiten, den Sinn hinter dieser sinnlosen Gewalttat gegen Frauen und Kinder zu sehen und Lösungen zu finden, ist die Zeit gekommen, dass sich Jungen/Männer und Mädchen/Frauen versöhnen. Die Zeit ist gekommen, Brücken des Verstehens zu bauen zwischen den Geschlechtern, indem wir unsere Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Bedürfnisse respektieren und darüber freuen.

Auch unsere Kinder und Projektmitarbeiter haben an den Demonstrationen teilgenommen, an Candlelight-Nachtwachen und Märschen durch verschiedene Städte und Dörfer. Einige Stimmen von Teilnehmern aus dem Projekt Sarva Seva Sangh in Pune:

Saima Pathan (16),  Schülerin
Ich war innerlich zerrissen durch das Trauma dieser Vergewaltigung. Ich habe gedacht, das ist der Tod der Menschlichkeit. Für mich bedeutet Freiheit, dass Mädchen und Frauen sich zu allen Tages- und Nachtzeiten draußen aufhalten können. Vergewaltigung hat nichts zu tun mit der Kleidung, die Frauen tragen, denn sogar vier Jahre alte Mädchen werden nicht verschont. Ich bin froh, wenn die Vergewaltiger so schnell wie möglich bestraft werden.

Akash Wachoure (16), Mitglied eines Kinderparlaments
„Wir als Jungen schämen uns wegen dem, was in Delhi passiert ist. Indien ist ein freies Land, und Frauen sollten sich sicher fühlen und sich ohne Angst überall und zu jeder Zeit aufhalten dürfen.
Eine Menge Zeit verstreicht, bevor Gerechtigkeit geschieht, dadurch fühlen sich die Kriminellen sicher, dass sie für ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Wir marschieren still mit Kerzen durch die Straßen, um alle Leute darauf aufmerksam zu machen, dass Gewalt nicht akzeptabel ist.“

Sanjay Thakur (14), Schüler
„Als wir im Gedächtnis an das tote Mädchen mit unseren Kerzen durch die Straßen zogen, fühlten wir uns, als ob um uns herum alles dunkel wäre und nur wir Kinder Licht hätten. Als Kinder verstehen wir nicht, warum die Menschen an dem Tag so teilnahmslos waren und nicht geholfen haben.“

Jayashree Dhamale (18), Designstudentin
„Ich fühle mich seit diesem Tag nicht mehr sicher. Obwohl das Mädchen mit ihrem Freund zusammen war, wurde sie angegriffen und getötet. Vergewaltiger sollten sofort bestraft werden. Als ich gestern Abend nach Hause fahren wollte, hatte ich Angst, mit dem Bus zu fahren. Ich wünsche mir, dass Mädchen Selbstverteidigung lernen können.“

Frauen in vielen Teilen der Welt werden ausgelacht, wenn sie über ihre Freiheit und ihre Rechte sprechen, und in diesen Momenten der Erniedrigung mögen Frauen aus allen Ecken der Welt zusammenkommen, um Strategien zu entwickeln, stark zu werden. Dieses mögen sie tun ohne jegliche Spur von Schuld oder Scham.

Dr. Naina Athalye, Programm-Department HCDI

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