Projekt- und Programmberaterin aus Chile in der Kindernothilfe-Geschäftsstelle

 

Claudia Vera (2.v.r.) mit Jürgen Schübelin, Beate Eckerskorn, und Eva Böckel aus dem Referat Lateinamerika und Karibik

Duisburg / Santiago de Chile. „Wir verfolgen die kontinuierliche Verschlechterung der Kinder- und Menschenrechtssituation in Chile mit größter Sorge“, erklärt Claudia Vera, seit 1991 Projekt- und Programmberaterin beim chilenischen Kindernothilfe-Partner ANIDE und seiner Vorgängerorganisation Programa de Menores (PDM), bei ihrem Besuch in der Kindernothilfe-Geschäftsstelle in Duisburg. Dass die Justiz des Andenlandes beispielsweise unverändert darauf besteht, auch bei Jugendlichen unter 18 Jahren aus dem Volk der Mapuche die volle Härte der chilenischen Anti-Terrorgesetze mit ihren massiven Einschränkungen der prozessualen und Verteidigungsrechte anzuwenden, ist aus der Sicht von ANIDE ein eklatanter Verstoß gegen internationales Recht.

Während ihres Besuches in Duisburg diskutierte Claudia Vera mit den beiden Vorstandsmitgliedern der Kindernothilfe, Dr. Jürgen Thiesbonenkamp und Christoph Dehn, sowie dem Andenländer-Team im Referat Lateinamerika und Karibik über die widersprüchliche Entwicklung in Chile. Dort stehen sich unbestreitbare makroökonomische Erfolgen einer extrem ungleichen sozialen Entwicklung sowie schmerzhafte Rückschläge beim Schutz von Rechtsstaatsprinzipien und der Menschenrechte gegenüber.

“Die Brutalität und Polizeiexzesse, mit der die Regierung Piñera in den zurückliegenden Wochen auf die erneuten Proteste von Schülern und Studenten gegen das Geschäftsmodell des durch und durch kommerziellens Bildungssystems reagiert hat, macht uns”, so Claudia Vera, “einfach jedes Mal sprachlos.” Der Kindernothilfe-Partner ANIDE gehört in Chile einem Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen an, die sich seit langem für ein besseres internationales Monitoring der aus ihrer Sicht prekären Kinder- und Kinderrechtssituation in ihrem Land einsetzen.

Aber es ist auch der innerfamiliäre Kontext, der Sorgen bereitet: Anfang dieses Jahres dokumentierte eine UNICEF-Studie über familiäre Gewalt gegen Kinder, dass Chile im lateinamerikanischen und internationalen Vergleich unverändert hohe Zahlen an Kindesmisshandlungen, mit schweren psychischen und physischen Verletzungen aufweist. “Es hat auf diesem Gebiet”, so Claudia Vera in Duisburg, “in den zurückliegenden Jahren mehr Rück- als Fortschritte gegeben, trotz aller Sensibilisierungsanstrengungen und Kampagnen gegen Gewalt gegen Kinder.” Die Gründe dafür sieht die Sozialwissenschaftlerin auch in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, dem Alltagsdruck, dem die Erwachsenen ausgesetzt sind – und dem fehlenden Unrechtsbewusstsein gegenüber Gewalt in der eigenen Familie.

Die Kindernothilfe hat sich in Chile seit Mitte des zurückliegenden Jahrzehnts immer mehr darauf konzentriert, Kinderrechtsprojekte – etwa zum Schutz von Mädchen und Jungen aus Mapuche-Gemeinden, die im Zentrum von Landkonflikten stehen – oder zur Verbesserung der legalen Situation von Kindern aus Familien, die als Armutsflüchtlinge nach Chile kommen, zu unterstützen. Derzeit kooperiert die Kindernothilfe mit 18 Projekten; geografische Schwerpunkte bilden die VIII. Region in Südchile mit den ärmsten Kommunen des Andenlandes  sowie die Gebiete mit einem hohen Anteil an Mapuche-Bevölkerung. Chile war 1969 das erste Land Lateinamerikas, zu dem die Kindernothilfe Kooperationsbeziehungen aufbaute.

Text und Fotos: Von Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika und Karibik

Essener Greenpeace-Mitglieder besuchen Kindernothilfe-Projekte

Im Oktober 2012 besuchten die Bochumer Abiturientinnen Xenia und Eva (19)  zwei Kindernothilfe-Projekte in Indien. Als Mitglieder der Greenpeace-Jugendgruppe in Essen waren sie in Kontakt mit dem Children Movement for Climate Justice (CMCJ) gekommen, einer Kinderbewegung, die von der Kindernothilfe unterstützt wird. Der indische Kindernothilfe-Koordinator Satish Samuel hatte bei einem Deutschlandbesuch die Greenpeace-Jugendlichen eingeladen, CMCJ-Mitglieder zu treffen und Projekte  in Indien zu besuchen. Jetzt schickten sie uns einen Bericht über ihre Indien-Reise:

“Wir verbrachten jeweils eine Woche in Südindien nahe Madurai, in der Einrichtung der RCPDS (Resource Centre for Participatory Development Studies) und bei der CeFHA (Centre for Humanitarian Assistance Trust) in der Nähe von Visakhapatnam. Schon im Vorfeld hatten wir aus beiden Projekten Wochenpläne mit den Aktivitäten während unseres Aufenthalts erhalten.

Unsere erste Station war RCPDS in Yirudu Nagar, eine Organisation, die seit 2007 mit der Kindernothilfe zusammenarbeitet. In den ersten Tagen lernten wir die Anlage des Projekts, die Mitarbeiter und die unterschiedlichen Arbeitsfelder kennen. Wir besuchten eine Schule und zwei kleine Dörfer in der Umgebung, wo wir uns mit Mitgliedern der Kinder- und Frauenselbsthilfegruppen unterhalten konnten über ihre Erfahrungen mit der Begleitung durch RCPDS.

Die Frauen schilderten uns viele Veränderungen, die ihr Leben seit der Zusammenarbeit bereicherten. Durch die Hilfe der Mitarbeiter lernten sie, ihren Alltag und das Leben in der Familie zu strukturieren und gewannen Unabhängigkeit. Es finden regelmäßige Treffen statt, bei denen die Frauen die Möglichkeit haben, sich auszutauschen und gemeinsam neue Ideen und Pläne zu verwirklichen.

Kinder mischen mit

Die Kindergruppen sind unterteilt in den Child Club (7-13 Jahre) und Palar Panchayat (13-18 Jahre). In regelmäßigem Abstand treffen sich ihre Mitglieder und besprechen alles, was ihren Lebensraum betrifft. Eigeninitiierte Umweltprojekte- und Aktionen, Ausbau der Infrastruktur der Dörfer und auch private Probleme und Bedürfnisse der Kinder finden hier Platz, gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht.

Ein Projekt der Kinder ist eine eigene Farm, die sie auf einem kleinen Stück Land errichtet haben. Dort haben sie die Möglichkeit, ökologischen Landbau zu kennenzulernen und auszuprobieren. Das erlernte Wissen geben sie dann weiter an Farmer aus der Umgebung und sorgen so für die Verbreitung des ökologischen Umdenkens in der Landwirtschaft.

Beeindruckt vom Wissensdurst und Engagement der Kinder

In der kurzen Zeit, die wir bei RCPDS verbrachten, haben wir viele kleine Eindrücke gesammelt über die Arbeit und deren Auswirkung vor Ort. Wir verstanden das Prinzip der Arbeit als Hilfe zur Selbsthilfe, die von den Mitarbeitern begleiteten Menschen bekommen Unterstützung und Anregungen für Entwicklungen, die immer mehr aus eigenen Impulsen entstehen können.

Beeindruckt haben uns vor allem der Wissensdurst und das Engagement der Kinder, denen in Form von den bestehenden Gruppen ein Raum geboten wird, in dem sie sich ausprobieren können und in dem sie durch die Erfahrung des Erfolges ihrer Projekte Selbstständigkeit erlangen. Wir empfinden es als einen großen und wichtigen Schritt, Kindern schon im frühen Alter die Wichtigkeit des rücksichtsvollen Umgangs mit ihrer Umwelt und ihren Ressourcen näher zu bringen, sodass sie diesen verinnerlichen und in die Welt tragen können. Außerdem wird durch die Arbeit an gemeinsamen Projekten ein soziales Miteinander, Spiel und Spaß ermöglicht.

Sehr gefallen hat uns der respektvolle und geduldige Umgang der Mitarbeiter mit den Kindern, die, meistens nur durch kleine Anstöße in ihren Ideen unterstützt und begleitet wurden.

Besuch beim Centre for Humanitarian Assistance Trust

Eine weitere Woche verbrachten wir bei der CeFHA, Centre for Humanitarian Assistance Trust, nahe der Stadt Visakhapatnam. Partner der Kindernothilfe ist sie seit 2005. Auch hier lernten wir zunächst die Mitarbeiter sowie Arbeitsfelder und -abläufe der Organisation kennen. Zusammen mit den Mitarbeitern wurden wir von einer Schule empfangen, die uns an ihrer Projektarbeit zum Thema Biodiversität und traditionelles Saatgut teilhaben ließ. Außerdem begleiteten wir das Team bei einem Besuch an einer Schule in der Nähe, an der von ihnen eine Informationsveranstaltung über die weltweiten Kinderrechte durchgeführt wurde.

Die “Grünen Botschafter”

In den darauffolgenden Tagen lernten wir die Kindergruppen kennen, unter ihnen die der „Green Ambassadors“ . Zu den verschiedenen Kindergruppen der Organisation zählt jedes Kind, das in einem der von ihr begleiteten Dörfer wohnt.

Die Mitglieder der Green Ambassadors berichteten uns viel über ihre Aktivitäten, sie beschäftigen sich mit Themen aus dem Bereich des Umweltschutzes, dem Klimawandel und dessen Auswirkung auf das Leben der Menschen, der Erhaltung der einheimischen Artenvielfalt und der Ressourcenknappheit. Außerdem praktizieren sie zusammen Musik und entwickeln eigene Spiele.

Auch das Dorf Yasidpalem lernten wir kennen, das durch die Unterstützung der CeFHA eine komplett neue Infrastruktur aufbaute und dessen Bewohner heute in der Lage sind, sich selbst zu versorgen und ihren Kindern Bildung zu ermöglichen.

In den Tagen, die wir bei der CeFHA verbrachten, fand sehr viel Austausch über globale Themen statt, sowohl mit den Kindern der Projektgruppen, als auch mit den Bewohnern der Dörfer, den Mitarbeitern und der Vorsitzenden der Organisation, Sasi Prabha Stanley.

Es wurde sich sehr viel Mühe bei der Gestaltung unseres Programms gegeben, einige Kinder bereiteten einen Kulturabend für uns vor, an dem sie uns traditionelle oder von ihnen erarbeitete Tänze und Lieder vorführten. Das Team war sehr freundlich, hilfsbereit und für uns und unsere Fragen immer erreichbar.

Gleichzeitig vermissten wir jedoch zeitweise in dem schwerwiegenden Kontext des Umweltschutzes und Klimawandels einen spielerischen, kindgerechten Umgang in der Arbeit mit den Kindern. Trotzdem aber begeisterten uns auch hier die Ausdauer und Fähigkeiten der Kinder, Verantwortung zu übernehmen und einen Teil zur Verbesserung ihrer Lebensqualität beizutragen.

Umfassende Förderung durch das Projekt

Einen großen Eindruck machte auf uns insbesondere der Umfang der Projektbereiche von CeFHA. Sie unterstützen die Menschen in allen Lebensbereichen: Gesundheitsversorgung, Arbeit und Bildung, Lebensverhältnisse und Verbesserung der Infrastruktur, Frauen- und Kinderrechte und vieles mehr.

Rückblickend waren die beiden Projektbesuche in Indien für uns sehr interessant und lehrreich. Wir haben Einblick erhalten in die Herangehensweise an Umwelt- und Gesellschaftsprobleme in einem uns bisher unbekannten Land. Immer wieder konnten wir Bezug nehmen auf unsere eigene Arbeit bei Greenpeace in Deutschland für die wir viele Anregungen gesammelt haben.

Und auch uns wurde großes Interesse für unsere Projekte entgegengebracht und es machte uns großen Spaß, Ideen weiterzugeben und somit einen kleinen Einblick in unsere Arbeit, sowie Kultur und Lebensweise zu ermöglichen.

Wir haben viel erfahren über die Strukturen der Organisationen, gefallen hat uns der Ansatz ihrer Arbeit, die immer am Kern des Problems anzusetzen scheint und somit wichtige Grundlagen für weitere Veränderungen schafft. Das bezieht sich insbesondere auf die Familien der betreuten Dörfer, die, meist mittellos, Unterstützung und Zugang zu neuen Zukunftsperspektiven erfahren.

Wir finden es toll, dass die Kindernothilfe diese Projekte unterstützt und so langfristig innerhalb der globalen Vernetzung für Annäherung und Austausch sorgt.

Danke schön

Wir möchten uns bedanken für die Möglichkeit unseres Besuchs und die große Erfahrung, die er uns gebracht hat. Wir haben uns in den Projekten sehr gut aufgehoben gefühlt und es war schön, mit einer so großen Selbstverständlichkeit aufgenommen und eingeführt zu werden, in die Arbeit der Organisationen sowie auch ein stückweit in die indische Kultur und Lebensweise.

Ein besonderer Dank gilt den Leitern der beiden Projekte, John Devavaram und Sasi Prabha Stanley, sowie Satish Samuel von der Kindernothilfe Indien und Stefan Ernst von der Kindernothilfe Duisburg.

Bolivien: Notstand in Chapare ausgerufen

Von Jürgen Schübelin

Nach wochenlangem Dauerregen mit entsprechenden Überschwemmungen musste die bolivianische Regierung für den Chapare, den tropischen Teil des Departments Cochabamba, den Notstand ausrufen.

Wie das Kindernothilfe-Büro in Cochabamba am Freitag berichtete, sind mehr als 6.000 Familien aus insgesamt 120 Dörfern und Weilern von dem Hochwasser betroffen und mussten zum Teil evakuiert werden. 14 Schulen wurden entweder von den Wassermassen komplett zerstört oder stark beschädigt: „Am härtesten hat es die Kleinbauernfamilien getroffen“, schreibt Benedicto Rojas, Kindernothilfe-Landesdirektor für Bolivien nach Duisburg, „die Aussaat auf über 5.000 Hektar wurde durch Wassermassen und Schlamm vernichtet.”

Aus dem tropisch-subtropischen Chapare kommt fast alles Gemüse und Obst auf den Märkten in Zentral-Bolivien. Auch in den Hochandenregionen, in denen sich die meisten der von Kindernothilfe in Bolivien unterstützten Projekte befinden, hatte es in den zurückliegenden Wochen extrem stark geregnet. Allerdings waren dort die Schäden an Infrastruktur, Häusern und Felder nicht ganz so verheerend.

“Make every day an International Women’s Day!”

Unser indischer Partner CeFHA schickte uns zum Weltfrauentag diesen Aufruf:

“ CeFHA is working for the development of indigenous communities on various development activities and our main focus is girl child empowerment, children education and women socio economic, health and educational empowerment , manage natural resources and identity as land owners, women farmers, carpenters and masons (skilled persons) in the villages of Kotauratla mandal of Visakhapatnam.

As we all know every year on 8 March, the International Women’s Day, thousands of events are held throughout the world to inspire women and celebrate achievements. A global web of rich and diverse local activity connects women from all around the world ranging from political campaigns, business conferences and government activities and networking events through to local women’s organizations and community women initiatives and more.

Much progress has been made to protect and promote women’s rights in recent times. However, nowhere in the world can women claim to have all the same rights and opportunities as men, according to the UN. The majority of the world’s 1.3 billion absolute poor are women. On average, women receive between 30 and 40 percent less pay than men earn for the same work. Women also continue to be victims of violence, with rape and domestic violence listed as significant causes of disability and death among women worldwide.

In recent decades, much progress has been made on a worldwide level, women’s access to education and proper health care has increased; their participation in the paid labor force has grown; and legislation that promises equal opportunities for women and respect for their human rights has been adopted in many countries. The world now has an ever-growing number of women participating in society as policy-makers.

This year, let us join together to make a difference, think globally and act locally!! Make every day an International Women’s Day. Let us commit ourselves to ensure that the future for girls is bright, equal, safe and rewarding.

The above said program begins at 11 Am, 8th March at CeFHA Campus and we kindly request you to join us , participate and share your views on this special day event.”

NO TO VIOLENCE

Am 4. März finden in Kenia Wahlen statt. In den vergangenen Jahren wurden sie von großer Gewalt und Blutvergießen begleitet. Mitarbeiter und Freiwillige des St. Martins Straßenkinderprojekts in Nyahururu waren in den vergangenen Wochen auf einer Friedensmission, um in diesem Jahr Ausschreitungen zu verhindern. Ein Bericht von Projektmitarbeiter Chris Thuku.

„In unserer Geschichte haben Wahlen immer Gewalt, Totschlag, Verstümmelung und Vertreibung tausender Menschen verursacht. Unsere Region war auch alle fünf Jahre bei jeder Wahl davon betroffen. Dieses Mal jedoch haben viele Organisationen und Gruppen eine Friedenskampagne gestartet, um Gewalt zu verhindern.  St. Martin war eine der Stimmen für den Frieden.

• Wir haben 23 verschiedene Kirchengemeinden besucht und während der Sonntagsgottesdienste mit den Menschen gesprochen.

• Wir haben Mitarbeiter der Stadtverwaltung an einen Tisch gebracht und mit ihnen einen Friedensworkshop veranstaltet.

• Wir sind zu den Blumenfarmen gegangen, auf denen Menschen aus vielen verschiedenen Völkern arbeiten, und haben mit ihnen über ein friedliches Zusammenleben gesprochen.

• Wir sind auf die jungen Leute in unseren Dörfern zugegangen, auf die Studenten, die Jugendlichen in den Kirchengemeinden, die jungen Geschäftsleute in den Städten, und haben ihnen gesagt, dass Frieden bei uns beginnen muss.

• Wir haben 10.000 Flugblätter mit einer Friedensbotschaft gedruckt und an alle Zielgruppen verteilt, die sie wiederum weitergegeben haben an ihre Familien und Freunde, die wir nicht erreichen konnten.

• Ein anderes Projekt hat uns geholfen, Geschichten von Leuten aufzunehmen, die von der Gewalt in den letzten Jahren betroffen gewesen waren, und haben diese Clips auf unserer Friedens-Homepage „Nisamehe“ und auf YouTube gepostet.

Insgesamt haben wir über 11.000 Menschen erreicht, die als Friedensstifter fungieren können, sollte es zu Spannungen kommen.

Wir gehen in diese Wahlen mit dem Vertrauen, dass Frieden eine Chance hat.

Allerdings können wir jetzt nicht stillsitzen und davon ausgehen, dass wir nichts mehr tun müssen. Wir müssen wachsam bleiben und den Armen helfen, wenn sie Hilfe brauchen. Dies ist die Zeit, alle Kenianer zu größerer Einheit aufzurufen.

Sind wir in der Lage, dieses Mal ein großes NEIN zur Gewalt zu sagen?“

Besuch aus Brasilien in der Geschäftsstelle

Von Jürgen Schübelin

(Duisburg, 28. Januar 2013) Entsetzen über die Brandkatastrophe in einer Disco in der südbrasilianischen Stadt Santa Maria, bei der am Wochenende mindestens 230 junge Menschen ums Leben gekommen waren, überschatteten am Montag den Besuch des brasilianischen Projektkoordinators Luciano Ramos in der Kindernothilfe-Geschäftsstelle.

Der Koordinator des Partnerprojektes “Raizes Locais” in dem Favela-Bezirk Mangueirinha bei Rio de Janeiro kam zu Gesprächen mit dem Referat Lateinamerika und Karibik ins Haus. “Solche entsetzlichen Katastrophen machen uns immer wieder schmerzhaft bewusst”, so der 30-jährige brasilianische Historiker und Sozialwissenschaftler, “wie prekär es in Brasilien um die Sicherheitsbedingungen bei großen Veranstaltungen bestellt ist und wie wenig der Staat an dieser Stelle seiner Verantwortung gerecht wird.”

Bei den Gesprächen von Luciano Ramos mit dem Brasilien-Team in der Kindernothilfe-Geschäftsstelle ging es aber auch um aktuelle Situation in den Armenvierteln der Außenbezirke von Rio de Janeiro – 17 Monate vor der Fußballweltmeisterschaft – und die extremen Gewaltprobleme, denen sich das Projekt Raizes Locais gegenüberstehen sieht. In der Partnerschaft mit der Kindernothilfe engagiert sich das Raizes-Projektteam rund um Luciano Ramos mit viel Zivilcourage, Kreativität und durchaus vorzeigbaren Erfolgen um Jugendliche und Familien aus der Favela Mangueirinha. Die Mitarbeiter wollen die Menschen stärken, in den bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Drogenkriminellen und der Polizei nicht ständig unter die Räder zu geraten: “Das geht nur”, so Luciano Ramos, “wenn Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen, dass es möglich ist, im Umgang untereinander Konflikte ohne Gewalt zu lösen, und wenn sie immer wieder Erfolge erleben, um das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl zu stärken.”

Die Kindernothilfe fördert über das Projekt Raizes Locais in Mangueirinha, das zur Kommune Duque de Caxias gehört, seit Januar 2010 die Arbeit mit 205 Kindern und Jugendlichen sowie ihren Familien.

Seit 54 Jahren: Die Kindernothilfe stärkt Mädchen und Frauen in Indien

Link: Die Arbeit der Kindernothilfe in Indien

Die Kindernothilfe und ihre Partner sind tief betroffen von den Geschehnissen in Indien. Seit über 50 Jahren engagieren wir uns in Indien für Kinder, für die Gleichstellung von Mädchen und Jungen, die Durchsetzung ihrer Rechte. Die Projektmitarbeiter vor Ort setzen sich dafür ein, dass sie zu selbstbewussten, eigenständigen Persönlichkeiten heranwachsen, die ohne jahrhundertealte Vorurteile und schädliche Praktiken ihr Leben führen.

Dieses Statement erreichte uns von unserem Partner Holistic Child Development India (HCDI):

„Der Tod des Mädchens in Delhi hat uns wie betäubt zurückgelassen. Wir sind besorgt um die Sicherheit der Mädchen in unseren Projekten und machen uns noch mehr Gedanken darum, wie wir unsere Jungen richtig erziehen.

Besonders im Osten Indiens werden Mädchen und Frauen erzogen, geduldig zu sein, zuzuhören, immer nur zu geben, um alles bitten zu müssen. Und oft, wenn sie im Gegenzug – sei es von Vater, Ehemann, Freund, Bruder oder Sohn – erwarten, dass sie selbst auch zu ihrem Recht kommen, werden sie bestraft und als unweiblich bezeichnet.

Indische Mädchen müssen mit vielen Herausforderungen und Diskriminierungen leben. Gemeinsam mit der Kindernothilfe hat HCDI während der vergangenen Jahre beständig daran gearbeitet, das Leben von Mädchen und Frauen zu verbessern – durch Gemeinwesenprogramme, institutionelle Angebote, Projekte für Kinder in besonderen Lebenslagen.

Wir legen großen Wert darauf, in unseren Projekten eine friedliche und gewaltfreie Atmosphäre zu schaffen, Mädchen und Frauen darin zu bestärken, sich selbst als Individuen sehen, die in verschiedenen Lebensbereichen und Berufen kompetent und talentiert sind. Wir sind zum Beispiel stolz darauf, dass wir in unseren Kinderparlamenten Mädchen in leitenden Positionen haben, die furchtlos schädliche kulturelle Überlieferungen anprangern und ihren Müttern und Schwestern helfen, ein Leben in Würde und Hoffnung zu führen.

Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung der Kindernothilfe-Spender. Ihre Förderung hat vielen Mädchen geholfen, sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen, mit Belastungen umgehen zu können und das Vertrauen nicht zu verlieren. Das gilt besonders für diejenigen, die von HIV/Aids betroffen sind, Behinderungen haben oder nach einer Vergewaltigung geboren wurden. Dank der beständigen Förderung können sich indische Mädchen gegen den Missbrauch ihrer Rechte wehren; sie dürfen endlich hoffen, ihre Lebensträume verwirklichen zu können.

Die Selbsthilfegruppen in unseren Dörfern helfen Frauen, Zugang zur örtlichen Verwaltung zu bekommen, was ein großer Schritt ist, sich aus Ausbeutung und Hilflosigkeit zu befreien.

Während wir daran arbeiten, den Sinn hinter dieser sinnlosen Gewalttat gegen Frauen und Kinder zu sehen und Lösungen zu finden, ist die Zeit gekommen, dass sich Jungen/Männer und Mädchen/Frauen versöhnen. Die Zeit ist gekommen, Brücken des Verstehens zu bauen zwischen den Geschlechtern, indem wir unsere Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Bedürfnisse respektieren und darüber freuen.

Auch unsere Kinder und Projektmitarbeiter haben an den Demonstrationen teilgenommen, an Candlelight-Nachtwachen und Märschen durch verschiedene Städte und Dörfer. Einige Stimmen von Teilnehmern aus dem Projekt Sarva Seva Sangh in Pune:

Saima Pathan (16),  Schülerin
Ich war innerlich zerrissen durch das Trauma dieser Vergewaltigung. Ich habe gedacht, das ist der Tod der Menschlichkeit. Für mich bedeutet Freiheit, dass Mädchen und Frauen sich zu allen Tages- und Nachtzeiten draußen aufhalten können. Vergewaltigung hat nichts zu tun mit der Kleidung, die Frauen tragen, denn sogar vier Jahre alte Mädchen werden nicht verschont. Ich bin froh, wenn die Vergewaltiger so schnell wie möglich bestraft werden.

Akash Wachoure (16), Mitglied eines Kinderparlaments
„Wir als Jungen schämen uns wegen dem, was in Delhi passiert ist. Indien ist ein freies Land, und Frauen sollten sich sicher fühlen und sich ohne Angst überall und zu jeder Zeit aufhalten dürfen.
Eine Menge Zeit verstreicht, bevor Gerechtigkeit geschieht, dadurch fühlen sich die Kriminellen sicher, dass sie für ihre Taten nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Wir marschieren still mit Kerzen durch die Straßen, um alle Leute darauf aufmerksam zu machen, dass Gewalt nicht akzeptabel ist.“

Sanjay Thakur (14), Schüler
„Als wir im Gedächtnis an das tote Mädchen mit unseren Kerzen durch die Straßen zogen, fühlten wir uns, als ob um uns herum alles dunkel wäre und nur wir Kinder Licht hätten. Als Kinder verstehen wir nicht, warum die Menschen an dem Tag so teilnahmslos waren und nicht geholfen haben.“

Jayashree Dhamale (18), Designstudentin
„Ich fühle mich seit diesem Tag nicht mehr sicher. Obwohl das Mädchen mit ihrem Freund zusammen war, wurde sie angegriffen und getötet. Vergewaltiger sollten sofort bestraft werden. Als ich gestern Abend nach Hause fahren wollte, hatte ich Angst, mit dem Bus zu fahren. Ich wünsche mir, dass Mädchen Selbstverteidigung lernen können.“

Frauen in vielen Teilen der Welt werden ausgelacht, wenn sie über ihre Freiheit und ihre Rechte sprechen, und in diesen Momenten der Erniedrigung mögen Frauen aus allen Ecken der Welt zusammenkommen, um Strategien zu entwickeln, stark zu werden. Dieses mögen sie tun ohne jegliche Spur von Schuld oder Scham.

Dr. Naina Athalye, Programm-Department HCDI

Spendenaktion der seonomicon GmbH

Das Redaktionsteam der seonomicon GmbH  fordert auf deren
Staubsauger Testportal dazu auf, einen bestimmten Spendenbetrag für die Kindernothilfe zu erreichen. Dabei müssen die Besucher nicht selber spenden, sondern lediglich verschiedene Aktivitäten ausführen (bspw. die Aktion twittern oder bei Facebook teilen) und jede dieser Aktivitäten wird vom Redaktionsteam mit 1,- € in den Spendentopf belohnt.

Auf dem Testportal gibt es eine eigene Seite mit allen Details zur Spendenaktion. Nach Angaben der seonomicon wird das Spendengeld dem  Kindernothilfe -Projekt “Äthiopien: Hilfe für Straßenkinder” zugutekommen. 

Selbsthilfefrauen verurteilen Attentat auf 14-jährige Kinderrechtsaktivistin

Unsere mutigen pakistanischen Selbsthilfefrauen: Diese Gruppe verurteilt öffentlich das Attentat der Taliban auf die 14-jährige Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai – im Namen von 1000 Frauen, die bei unseren Selbsthilfegruppen in Pakistan mitmachen. Malala Yousafzai wurde am Dienstag (9. Oktober) von Taliban niedergeschossen – weil sie unter anderem dafür kämpft, dass Mädchen zur Schule gehen können. Sie schwebt noch immer in Lebensgefahr. http://bit.ly/PpK73z

“Ganz Pakistan ist geschockt”

“Ganz Pakistan ist geschockt”, schreibt Anees Jillani, Gründer unseres pakistanischen Partners Sparc, über die unfassbare Bluttat vom Dienstag: Taliban hatten die 14-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yusafzai niedergeschossen – weil sie unter anderem dafür kämpft, dass Mädchen zur Schule gehen können. Jillani mahnt: Der Einfluss der Taliban in Pakistan wächst und somit die Unterdrückung jeglicher freien Meinungsäußerung. Um eine “sehr ernsthafte Krise” im Land zu verhindern, müssten vor allem die demokratische Strukturen massiv gestärkt werden. 

Von Anees Jillani 

Malala Yusafzai, born in 1998, is only an eighth-grade student from the town of Mingora in Swat District in the Frontier Province which is now called Khyber Pakhtunkhwa. At such a young age, she proved to be a threat to the Taliban and conservative forces as she stood for the right of girls to go to school.

On October 9, masked Taliban gunmen stopped her school van while it was dropping children home. The gunmen first specifically asked for Malala and then sprayed her with bullets. She was shot in the head and neck; two other girls were also injured. Malala is now fighting for her life at the Combined Military Hospital in Peshawar where after being airlifted there.

A Taliban spokesman, Ehsanullah Ehsan, confirmed by phone that Taliban was responsible for the attack, calling Malala’s crusade for education rights an “obscenity.” “She has become a symbol of Western culture in the area; she was openly propagating it,” Taliban spokesman said, adding that if she survives, the militants would certainly try to kill her again. “Let this be a lesson.”
Malala became gained notability for championing the cause of female education and criticizing the Taliban for opposing it. She wrote a weekly blog for the BBC under a pseudonym “Gul Makai” about the atrocities of the Taliban under the leadership of Maulvi Fazlullah who was a simple lift operator before rising to prominence in 2007 through an FM radio station that espoused Islamist ideology.

Malala while writing the weekly diary for the BBC lived in Mingora, Swat, when it was occupied by the Taliban before they were ousted in a military operation in 2009. During the Taliban occupation, education was banned and many townspeople were executed. Schools were destroyed, and girls’ schools bore the brunt.

For her courageous and outstanding services for the promotion of peace under extremely hostile conditions, she was awarded the first National Peace Award by the Pakistani government in December 2011.

The whole Pakistani nation is shocked, angry and praying for her. Most are expressing their indignation at the government for not providing her adequate security. The authorities say that they had offered her security but her family turned down the offer. Although the family refutes this claim but it should not be surprising considering that security, particularly by the police, is most of the time a liability rather than affording any protection.

It is not fair to blame the government if a prominent person is shot. This can happen anywhere in the world. However, what is shocking about Pakistan is the extent of the lawless elements possessing arms ranging from a simple pistol to sometimes an anti aircraft gun and then freely using them. Pakistan is perhaps now the only country in the world where almost every adult male could be seen carrying a submachine gun upon crossing the provincial border into any one of the seven tribal agencies; drugs are also openly sold there.

The tribal areas are a smugglers’ paradise as the Pakistani police has no right to enter. It is thus a common occurrence that cars are stolen and people are kidnapped and moved from Pakistan to the tribal areas and the police remain helpless. The military never entered these areas until recently when it was forced by the NATO Alliance in Afghanistan to crack down on the Taliban based in these areas. The military operation, however, was limited in scope and the army’s writ is really confined to the main roads and it usually remains within its camps and moves only in convoys and usually after imposing a curfew near the roads.

It is a sad but a serious situation for Pakistan. The country is suffering due to the various fundamentalist forces carrying out terrorist activities throughout the country and the question of any kind of economic activity, what to talk of foreign investment, in such an environment is out of question. As shown by the shooting of Malala in Swat, it is becoming very difficult to speak against the fundamentalists who do not believe in democracy and freedom of expression. They believe in complete elimination of all opposition which apart from expressing their indignation is meant to teach the whole community a lesson. And they have succeeded to a large extent in the country which will prove to be disastrous for the country in the long run.

It is now almost impossible for a female to move around in certain areas of Pakistan without covering her head. The wearing of trousers has become an impossibility. The interaction between males and females is becoming difficult and the whole atmosphere smacks of suppression.

The Government is totally clueless about the situation. The ruling People’s Party is supposedly a liberal party but it has hardly done anything to improve the situation. The same is the case with the Provincial Government of Khyber Pakhtunkhwa which ostensibly espouses secular values but hardly does anything to alleviate the claustrophobic atmosphere.

Many blames themselves and the civil society for the current situation but it is unfair to do so as one side is heavily armed and believes in total violence and utter destruction. It is natural for everybody to look towards the armed forces for salvation to get them out of this repression.

The position of the military in this respect is intriguing. It divides the militants into good and bad ones. `Bad’ ones are those who attack the army and the domestic targets within the country. The `good’ ones are those who may be based in Pakistan but only concentrate on the targets outside the country.

This is what bothers the West and explains the constant American drone attacks on North Waziristan. The West kept quiet about this anomaly but has now started criticizing this policy as hypocritical and stabbing in the back posture.

The military is failing to realize that even the `good’ Taliban have a creeping influence on the society including even the armed forces as is shown by the involvement of the armed forces’ own personnel in almost every attack on its bases and installations. Additionally, it does not take long for the `good’ ones to turn on their benefactors following a disagreement as has happened in the case of many groups. After all, many of the present `bad’ ones were once considered the `good’ ones by the military authorities.

Pakistan is facing an extremely serious crisis but it is not without a solution. What the solution needs is a clear visionary and courageous thinking which compels every person within its border to disarm unless the arms are licensed; and obliges everybody without exception to operate within the perimeters of law and democratic norms. It is the only solution otherwise the few Malalas that are left in Pakistan will also be silenced, forever.