Äthiopien: Ankunft im Jahr 2007

Kindernothilfe-Direktorin Katrin Weidemann bei einer Frauen-Selbsthilfegruppe in Äthiopien. (Quelle: Karl Pfahler)

Kindernothilfe-Direktorin Katrin Weidemann bei einer Frauen-Selbsthilfegruppe in Äthiopien. (Quelle: Karl Pfahler)

Katrin Weidemann, seit August Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, ist zu ihrem ersten Projektbesuch in Äthiopien angekommen und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Montag, 24. November 2014

Nach vier Monaten an der Spitze der Kindernothilfe der erste Projektbesuch. Es geht in ein Kernland unserer Arbeit: nach Äthiopien. Mit im Reisegepäck habe ich die Erfahrung von fünf Jahren Leben und Arbeiten in Tansania.  Jetzt bin ich gespannt auf dieses für mich neue Land Afrikas. Zusammen mit Karl Pfahler, dem für Afrika zuständigen Referatsleiter, verlasse ich Duisburg im Morgengrauen.

Ankunft am Flughafen Addis Abeba kurz vor 22 Uhr Ortszeit. Nein, nach lokaler Zeit ist es die vierte Stunde Nacht. Der Tag beginnt hier  bei Sonnenaufgang um 6 Uhr morgens und zählt 12 Stunden Tag und dann 12 Stunden Nacht. Ich zähle ab jetzt also anders. Auch die Jahre. Man schreibt hier das Jahr 2007. So rechnet es der in Äthiopien verwendete Julianische Kalender.  Beim ersten Schritt aus dem Flugzeug spielt das keine Rolle. Es riecht nach Holzfeuer, ein warmer Wind umschmeichelt uns, zeitlos vertraut. Wie schön, hier zu sein.

 

Äthiopien: Eine Schule für die Kinder von Langano Shalla

Die äthiopischen Kinder freuen sich über den Besuch von Katrin Weidemann. (Fotos: Karl Pfahler)

Die äthiopischen Kinder freuen sich über den Besuch von Katrin Weidemann. (Fotos: Karl Pfahler)

Treffen mit Schulkomitees, Elternvertretern und Lehrern.

Treffen mit Schulkomitees, Elternvertretern und Lehrern

Katrin Weidemann, seit August Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, ist zu ihrem ersten Projektbesuch in Äthiopien angekommen und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Mittwoch, 26. November 2014

Heute ist Sportfest und deshalb kein Unterricht in der Schule von Langano Shalla. Ich treffe mich mit Mitgliedern des Schulkomitees, Elternvertretern und Lehrern in dem flachen Schulgebäude, während draußen die Mädchen und Jungen über den Fußballplatz rennen. Dass sie hier, entlang des afrikanischen Grabenbruchs im südlichen Äthiopien überhaupt eine Schule besuchen können, ist eine besondere Erfolgsgeschichte. Denn Langano Shalla ist eine der am meisten unterversorgten und von Armut betroffenen Gemeinden der Region. Lange gab es weder Schulen noch andere Infrastruktur.

Bis unser Kindernothilfe Partner ein erstes Lernzentrum startete. Das klingt imposant, tatsächlich trafen sich die Kinder anfangs unter dem großen Schattenbaum, um lesen, schreiben und rechnen zu lernen. Der Baum reichte bald nicht mehr aus, bei Regen war an Unterricht nicht zu denken. Also zog die Gruppe übergangsweise in die Kirche. Und jetzt half die ganze Dorfgemeinschaft mit. Sammelte Feuerholz, zimmerte Bänke. Zusammen mit unserem Partner schafften sie es, ein kleines Schulzentrum für ihre Kinder zu errichten.

Unterricht in der Schule von Langano Shalla.

Unterricht in der Schule von Langano Shalla

Stolz erzählen uns die Delegierten die Entstehung “ihrer” Schule. Die mittlerweile übrigens schon um weitere fünf Klasszimmer erweitert werden musste. Und – das ist besonders beeindruckend – die nach langen, mühevollen Verhandlungen schließlich vom Distrikt als staatliche Schule übernommen wurde. 2.500 Kinder haben so in Langano Shalla Zugang zu formaler Bildung erhalten. Und die Schule wächst weiter…

 

Äthiopien: 16 Frauen, 16 besondere Geschichten

Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Katrin Weidemann bei einer Frauen-Selbsthilfegruppe in Äthiopien. (Fotos: Karl Pfahler)

Kindernothilfe-Vorstandsvorsitzende Katrin Weidemann bei einer Frauen-Selbsthilfegruppe in Äthiopien. (Fotos: Karl Pfahler)

Katrin Weidemann, seit August Vorstandsvorsitzende der Kindernothilfe, ist zu ihrem ersten Projektbesuch in Äthiopien angekommen und berichtet hier im Blog von ihren Eindrücken und Erlebnissen.

Dienstag, 25. November 2014

Heute soll ich das Erfolgsmodell Selbsthilfegruppe (SHG) kennenlernen. Wie organisieren sich Frauen in Selbsthilfegruppen? Wie funktioniert ihr Sparmodell? Welche Ziele geben sie sich? Wie wirkt sich ihr Engagement auf ihre Kinder aus? Den ersten Theorieinput bekam ich gestern schon im Flieger. Zwischen Jeddah und Addis einen Powervortrag über Gemeinwesenprojekte im Allgemeinen und Selbsthilfegruppen im Speziellen. Heute Vormittag liefern die Mitarbeiter unserer Partnerorganisation im Viertelstundentakt eine Präsentation nach der anderen. Vor allem zu SHGs. Mehr als 9.000 Gruppen gibt es in Äthiopien. Mit ganz genau  166.291 Mitgliedern. 440.000 Kinder profitieren davon. Die will ich jetzt kennenlernen! Zuvor noch ein Gespräch mit Mulu. Sie ist Leiterin einer Partner-NGO in Addis und wurde kürzlich ausgezeichnet als eine der “most influental women in Africa”. Eine beeindruckende Frau, die sich für die Ärmsten der Armen starkmacht!

Katrin Weidemann bekommt von den Kindern ein Ständchen getrommelt. (Quelle: Karl Pfahler)

Katrin Weidemann bekommt von den Kindern ein Ständchen getrommelt.

Nachmittags bei der Society for Women and Aids in Africa. Ihr Name mag irreführend sein (wer wird hier unterstützt, wer bekämpft?), ihr Ziel  ist klar und eindeutig: in drei Jahren einen  spürbaren Beitrag zu leisten, HIV/Aids in Äthiopien zu bekämpfen und die Situation der Betroffenen zu verbessern. Wir besuchen ihren Stützpunkt, der mitten in einem sozialen Brennpunkt liegt.  Prostitution und Gewalt gegen Frauen und Kinder sind hier an der Tagesordnung. Die Kinder der Trommel und Tanzgruppe empfangen uns. Manche nutzen die Angebote des Hauses schon seit Jahren. Ihre mit Fell umwickelten Trommeln auf Blecheimerbasis bearbeiten sie mit Konzentration und offensichtlicher Freude. Was ihnen am meisten im Center gefällt? Die gut 20 Kinder und Jugendlichen sind sich einig: ihre Trainer! Die zeigen ihnen nicht nur den Umgang mit den Drums und die richtigen Tanzschritte. Die hören ihnen auch zu! Die  nehmen sich Zeit für ihre Fragen. Und geben ihnen mit Ernährungstipps und Hinweisen zur Gesundheitsfürsorge hilfreiches Wissen für ihr Überleben. “Das sind Lebenstrainer”. Für diese Kinder entscheidende Ankerpersonen, die ihnen Selbstvertrauen und  Perspektive geben. Und herzlichen Dank für das Center an die Kindernothilfe, das singen uns die Mädchen und Jungen vielstimmig zu!

Katrin Weidemann schneidet ein äthiopisches Brot an. (Quelle: Karl Pfahler)

Katrin Weidemann schneidet ein äthiopisches Brot an.

Im Takt ihrer Trommeln schneide ich ein wagenradgroßes Brot an. Ganz wichtig: in Kreuzform! Wir essen alle davon, Kinder, Mitarbeiter, Gäste, und nicht nur das Brot an diesem Nachmittag macht uns satt.
Die SHG Frauen warten. 16 Frauen, 16 besondere Geschichten. Vor fünf Jahren lebten sie buchstäblich von der Hand in den Mund. Trauten sich kaum, laut darüber nachzudenken, ob sie das könnten: ihr Leben und das ihrer Familie verbessern. So fing es an. Maleda nannten sie ihre Gruppe – Morgendämmerung.

Das Sparheft der Frauengruppe

Das Sparheft der Frauengruppe

Sie lernten das SHG Sparmodell kennen. Centbeträge zurücklegen. Jede Woche. Ins grüne Heft kommen die Cents für Notfälle. Sie dürfen nur bei Krankheit angetastet werden oder wenn der Schulbesuch des Kinds sonst an der fehlenden Schuluniform scheitern würde. Im gelben Heft werden die Spareinlagen für das eigene kleine Geschäft notiert. Für die Wollfäden, die zu Tuch verwebt werden können Für Lehm, aus dem sich Deckel für die traditionellen Fladenöfen töpfern lassen. Es sind kleine Beträge für kleine Geschäftsideen. Sie bewirken bei diesen Frauen Großes. Während sie erzählen, trinke ich den vierten nach traditioneller äthiopischer Zeremonie zubereiteten Kaffee an diesem Tag. Mein Herz klopft deutlich schneller als sonst. Nicht wegen des Kaffees, da bin ich mir sicher. Es ist die pure Freude.

Handarbeit de Frauengruppe

Handarbeit der Frauengruppe

 

“Unsere Schule war wie ein totes Tier”

Drei Glockenschläge, dann eine Pause, und noch einmal holt der schmächtige Junge mit dem Klöppel aus und schlägt an die kleine Glocke. Noch vor einem Jahr stand hier, am Strand von Asgad in der Gemeinde Salcedo, eine eindrucksvolle Kirche. Dann, am frühen Morgen des 8. November 2013, walzte ein gigantischer Wirbelsturm über die Insel Samar und schlug eine Schneise der Verwüstung quer durch die Philippinen. Vor sich her schob er baumhohe Flutwellen, die die Kirche von Asgad in wenigen Augenblicken zur Ruine machten. Noch sind die Toten, die Taifun Haiyan, der hier Yolanda genannt wird, forderte, nicht endgültig gezählt. Es werden zwischen 6.000 und 10.000 sein. Allein hier, im Dorf Asgad und dem Nachbardorf Jagnaya, verloren 21 Menschen in Sturmflut und einstürzenden Gebäuden ihr Leben.

Anstelle der stolzen Kirche dient nun ein niedriger Behelfsbau aus verblichenem Sperrholz als Gottesdienstraum. Vor dem Eingang hängen, mit rostigem Armiereisen befestigt, die beiden kleinen Glocken der alten Kirche. Drinnen stehen die lädierten, notdürftig geflickten Heiligenfiguren. Es ist der 8. November 2014. Die Gemeinde hat sich versammelt, um ein Jahr nach der Katastrophe ihrer Toten zu gedenken und einen Sinn in all dem zu finden.

Bei meiner Fahrt nach Salcedo habe ich noch viele eingestürzte Häuser gesehen, Schulen, deren Dächer mit grauen Plastikplanen notdürftig abgedichtet waren, Zelte, die als Klassenzimmer dienen. Mehrere internationale Organisationen bauen gerade auf den Inseln Leyte und Samar, die von dem Taifun besonders schwer betroffen waren, Behelfshäuser aus Bambusmatten und Wellblech. Wie lang werden diese Hütten dem tropischen Wetter mit seiner schwülen Hitze und den unberechenbaren Stürmen standhalten?

Die zerstörte Grundschule im November 2013. (Quelle: Kidlat de Guia)In Salcedo und den Nachbargemeinden Mercedes und Guiuan ist etwas ganz anders. Zwei Tage zuvor bin ich in der großen Grundschule in Salcedo gewesen, an der 585 Kinder in sechs Klassenstufen und einer Vorschulklasse unterrichtet werden. Im November 2013 hatte ich hier in Ruinen gestanden. Die meisten Dächer waren davongeflogen, die eisernen Dachkonstruktionen hatten sich wie ein Haufen Spaghetti ineinander verdreht. Edgar, ein munterer Sechstklässler, beschreibt seinen Eindruck so: „Als ich das erste Mal nach dem Taifun zurück kam, sah die Schule aus wie ein totes Tier.“

Aber nun herrscht Feststimmung. Die Bühne auf dem Schulhof ist bunt dekoriert, ein Lehrer hält eine Rede, die Kinder führen Tänze auf, ein elfjähriger Junge in glänzendem dunklen Anzug singt herzzerreißend schön. Alle danken sie der Kindernothilfe und unseren Spenderinnen und Spendern für den Wiederaufbau der Schule, und vor allem für das neue, zweistöckige Gebäude mit sechs Klassenzimmern, das auch als Versammlungshalle für die Gemeinde und – noch wichtiger – als Evakuierungszentrum genutzt werden kann. Edgar und seine Klassenkameradin Cylla erinnern sich an die Zeit im Schulzelt. Da war es heiß und stickig, sie konnten sich kaum konzentrieren. Nun, in den neuen und wiederhergestellten Klassenzimmern, ist es viel kühler. Und es gibt ordentliche Toiletten, wie sie betonen. Edgar fügt noch hinzu: „Ich wollte immer auf eine Privatschule gehen, weil die zweistöckige Schulgebäude haben. Nun haben wir in unserer Schule auch so ein Gebäude!“ Der Stolz ist ihm anzusehen.

Der philippinische Präsdient Aquino begrüßt Kindernothilfe-Vorstand Christoph Dehn. (Quelle: Kidlat de Guia)Auch in Guiuan, dem Ort, in dem der Taifun zum ersten Mal auf Land traf, und der fast völlig zerstört wurde, hat unsere Partnerorganisation AMURT mit ihrem genialen Organisator Kurt Behringer die East Central Elemetary School für ihre 2.075 Schülerinnen und Schüler wieder aufgebaut. Dazu mussten 16 Klassenzimmer neu gebaut und 25 weitere, sowie zwei Büroräume, repariert und renoviert werden. Nun ist alles fertig und strahlt in frischen Farben. Das ist auch der Regierung nicht entgangen, und so kommt am Morgen vor dem Jahrestag der Katastrophe der philippinische Staatspräsident Benigno S. Aquino zu Besuch. Bei seinem Rundgang durch die Schule habe ich Gelegenheit, ihm die Arbeit der Kindernothilfe zu erläutern. Der Präsident bedankt sich herzlich und lobt bei seiner späteren, von den nationalen Fernsehstationen übertragenen Pressekonferenz die Kindernothilfe für ihre Wiederaufbauarbeit.

Mit den Mitteln der vielen Tausend Spenderinnen und Spender der Kindernothilfe sind in weniger als einem Jahr 23 Kindergärten in der Gemeinde Salcedo neu gebaut oder repariert und renoviert worden. Außerdem sind in den Gemeinden Salcedo, Mercedes und Guiuan insgesamt 228 Klassenzimmer an 23 Schulen neu gebaut oder repariert worden. Wie der wendige Schulrat der Provinz Samar, Bernardo Adina, etwas bedrückt zugeben muss, sind das fast genau doppelt so viele Schulräume wie das Erziehungsministerium in der Provinz bisher neu gebaut hat. Zudem kostet der Neubau eines Klassenzimmers durch AMURT mit Mitteln der Kindernothilfe exakt die Hälfte dessen, was das Erziehungsministerium braucht. Wo genau der Differenzbetrag hingeht, darüber braucht man in den Philippinen nicht lange nachzudenken.

Das Neubaugebiet Jagnaya. (Quelle: Kidlat de Guia)Die Gemeinde Salcedo verfügt seit einigen Wochen auch über eine neue Touristenattraktion. In den Dörfern Jagnaya und Asgad sind mit aktiver Beteiligung der Gemeindeverwaltung unter ihrem tatkräftigen und unbestechlichen Bürgermeister Melchor Melgar zwei Neubaugebiete entstanden. Hier, in sicherer Entfernung vom Meer, aber nur wenige Hundert Meter von den alten Häusern entfernt, die der Taifun mit sich gerissen hatte, sieht man die neuen, sturmfesten und erdbebensicheren Häuser. AMURT hat mit Mitteln der Spenderinnen und Spender der Kindernothilfe 115 Wohnhäuser neu gebaut. Während in vielen anderen Gemeinden noch Behelfshütten entstehen, werden hier in wenigen Wochen alle Familien, die ihr Heim verloren hatten, in die neuen Häuser mit Bad, Toilette, Küche und kleinem Garten eingezogen sein. Außerdem wurden 59 Häuser in den beiden Dörfern repariert.

Ivan, der Sohn einer Familie, die schon in ihr neues Haus eingezogen ist, erinnert sich nicht mehr gern an die Monate im Zelt. Da war es stickig; wirklich dicht hielt die Plane nicht, und bei Sturm hatte er immer Angst, dass auch das Zelt, wie zuvor das Haus, wegfliegt. Nach Taifun Haiyan sind in den Katastrophengebieten der Philippinen insgesamt 452 permanente Häuser neu gebaut worden. Ein Viertel davon durch Kindernothilfe/AMURT.

Bei der Feier zum Jahrestag des Taifuns in der Grundschule in Guiuan singen die Lehrerinnen und Lehrer der Kindernothilfe ein Danklied. Es geht um ihre Hoffnungslosigkeit und Ohnmacht in den Trümmern, die der Wirbelsturm hinterlassen hatte. Und darum, wie mit der Hilfe der Kindernothilfe auch Hoffnung und Zuversicht bei ihnen wieder eingekehrt sind. Ich sehe die strahlenden Kinder in den hellen neuen Klassenzimmern und weiß: Der neue Anfang, hier ist er gelungen.

Manila, den 10.11.2014
Christoph Dehn

 

Äthiopien: Bilanz der Regionalen Konferenz zum Individualbeschwerdeverfahren

Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe

Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe

Es waren zwei volle Konferenztage. Nach der Eröffnung durch die Organisatoren der Konferenz – Antje Weber (Kindernothilfe) und Flore-Anne Bourgeois-Prieur (Plan International) für die Koalition RatifyOP3 und den Landesdirektoren von Save the Children und Plan International gab Kathryn Leslie vom Büro der UN-Sonderbeauftragten zu Gewalt gegen Kinder einen Überblick über den Inhalt des neuen Individualbeschwerdeverfahrens und seinen Mehrwert für die Verwirklichung von Kinderrechten weltweit. Dr. Benyam Mezmur, äthiopisches Mitglied im UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, erläuterte zum einem, dieses Verfahren ergänze bestehende Mechanismen auf regionaler und internationaler Ebene sinnvoll. Zum anderen machte er deutlich, dass auch der UN-Ausschuss noch in den Kinderschuhen stecke, was die Durchführung des Verfahrens angeht und das Wohl des Kindes bei der Durchführung an höchste Stelle setzen wird.

Der deutsche Botschafter, Joachim Schmidt, und Marie Delicat von der Botschaft Gabuns gaben anschließend einen hilfreichen Einblick in die Prozesse und Faktoren, die zur Ratifizierung durch ihre Staaten beitrugen. Nach diesen wertvollen Beiträgen machten sich die Teilnehmer/-innen an die Arbeit. In zwei Workshops erarbeiteten sie Strategien, wie sie sich auf nationaler Ebene für die Ratifizierung des Zusatzprotokolls durch ihre Regierungen einsetzen können, welche Schritte dafür geeignet sind und welche Akteure einbezogen werden sollten. „Diese Diskussionen haben uns wirklich die Augen geöffnet. Wir können gemeinsam eine ganze Menge bewegen, und in Ruanda haben wir den Anfang bereits gemacht. Das setzen wir nun mit noch mehr Energie fort“, berichtet Gladys Mihigo von der Kindernothilfe-Partnerorganisation African Evangelistic Enterprise. Sie ist eine von 18 Partnerorganisationen aus sechs Partnerländern der Kindernothilfe, die an der Konferenz teilnahmen.

„Ich bin wirklich begeistert von den vielen intensiven Debatten über die Chancen und Grenzen des Beschwerdeverfahrens“, resümiert Kindernothilfe-Mitarbeiterin Antje Weber, Initiatorin der Konferenz. „Die Teilnehmer sind unglaublich motiviert, und ich bin gespannt, wie die Umsetzung der Länderstrategien weitergeht. Ich bin zuversichtlich, dass Mädchen und Jungen in diesen Ländern die Möglichkeit erhalten werden, das Beschwerdeverfahren zu nutzen.“

Statements der Kindernothilfe-Partner zur Konferenz:

Mercy Chidi, Direktorin von Ripples International (Kenia): „Die Konferenz war sehr informativ und es war fruchtbar, mit den Kollegen aus Kenia gemeinsam die nächsten Schritte zur Realisierung des Individualbeschwerdeverfahrens zu planen.“

Theresa Kabeka, Executive Director, Children in Need Network (Sambia): “Ich habe jetzt ein klares Bild, wie wir für uns die Ratifizierung des Zusatzprotokolls durch unsere Regierung einsetzen können, und wir werden uns stärker vernetzen, um das zu erreichen.“

Peter Njuguna, Direktor, St. Johns Community Centre (Kenia): “Vor der Konferenz kannte ich das neue Individualbeschwerdeverfahren nicht. Ich habe nun einen sehr guten Überblick und möchte mich stärker dafür einsetzen, dass es für Kinder in Kenia Wirklichkeit wird.“

Anslem Wandega, Executive Director, African Network for the Prevention and Protection against Child Abuse and Neglect (ANPPCAN) (Uganda): “Die Konferenz hat mir in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet. Ich habe viel über das neue Beschwerdeverfahren gelernt und werde mich für die Ratifizierung durch unsere Regierung einsetzen.“

Robina Ssentongo, Direktorin, Kitovu Mobile Aids Organization (Uganda): “Wir haben sehr gute Informationen aus erster Hand erhalten. Die Beispiele aus Deutschland und Slowenien waren sehr motivierend.“

Ruth Namwese, Masulita CDP (Uganda): „Das Individualbeschwerdeverfahren hat viel Potenzial und birgt die Chance, Kindern auf internationaler Ebene Gerechtigkeit zu ermöglichen. Ich werde diese neue Wissen mit meinen Kollegen teilen und mich für die Realisierung einsetzen.“

Gladys Mihigo, African Evangelistic Enterprise (Ruanda): “In Ruanda setzen wir uns bereits sehr stark für die Ratifizierung des Individualbeschwerdeverfahrens ein. Ich nehme viele neue Ideen und Inspirationen mit, wie wir noch besser und erfolgreicher werden können und freue mich darauf, sie umzusetzen.“

Chantal Ingabire, Acting Field Office Director, International Justice Mission (Ruanda): “Ich gehe mit der Botschaft nach Hause, dass wir uns in Ruanda noch starker für die Realisierung des neuen Beschwerdeverfahrens einsetzen können und werde meinen Teil dazu beitragen.”

Access to Justice for Children in Africa

Konferenz zum Individualbeschwerdeverfahren in Äthiopien

Antje Weber (links) bei der Konferenz in Addis

Antje Weber (links) bei der Konferenz in Addis

Rund 100 Teilnehmer aus 12 Ländern des südlichen und östlichen Afrikas haben heute in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, gemeinsam den Startschuss für eine regionale Konferenz zum Individualbeschwerdeverfahren zur UN-Kinderrechtskonvention gegeben. Darunter sind auch 19 Partner der Kindernothilfe aus 6 Ländern.

Das Individualbeschwerdeverfahren trat am 14. April 2014 in Kraft. Es gibt Mädchen und Jungen weltweit die Möglichkeit, sich bei einer Verletzung ihrer Rechte vor dem UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in Genf zu beschwere. Dafür müssen „ihre“ Staaten das entsprechende Zusatzprotokoll jedoch ratifizieren. 14 Länder haben sich weltweit bisher zu diesem Schritt entschlossen, viele weitere sollen folgen.

Doch wie läuft das Verfahren genau ab? In welchem Verhältnis steht es zu den bestehenden Verfahren auf nationaler und regionaler Ebene in Afrika? Und welche Erfahrungen machen die Länder, die bereits ratifiziert haben und das Verfahren nun national umsetzen? All diese Fragen diskutieren Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft am 5. und 6. November in Addis Abeba. Eingeladen hat die International Koalition RatifyOP3 – ein Zusammenschluss aus über 80 Nichtregierungsorganisationen weltweit, die sich für die Ratifizierung des Verfahrens einsetzen. Die Konferenz wird freundlicherweise finanziert vom Auswärtigen Amt.

Ein Individualbeschwerdeverfahren für Kinder – was soll das sein?

Der Begriff „Individualbeschwerdeverfahren“ klingt auf den ersten Blick sperrig. Was soll das sein? So sachlich es auch klingen mag, allein in dem Wort steckt viel drin. Seit dem 14. April 2014 ist ein solches Verfahren ergänzend zur UN-Kinderrechtskonvention in Kraft getreten und ermöglicht Kindern einen Beschwerdeweg vor einem internationalen Gremium. Wie soll das genau laufen?

Minderjährig sind nach der UN-Kinderrechtskonvention alle Mädchen und Jungen unter 18 Jahren. Sie dürfen sich künftig beschweren, wenn ihnen Unrecht angetan wurde. Dieser so lapidar klingende Satz birgt viel Tiefgang, wurden Kinder doch lange Zeit als „kleine Erwachsene“ und Objekte von Schutz und Fürsorge ihrer Eltern angesehen. Mit der UN-Kinderrechtskonvention trat hier ein Wandel ein, denn erstmals wurden die Rechte der Kinder 1989 verbindlich festgeschrieben. Seither liegt es nicht im Ermessen der Staaten, wie sie mit den Mädchen und Jungen auf ihrem Territorium umgehen, sondern sie können selbst ihre Rechte einfordern, wenn sie durch Handeln oder Unterlassen des Staates verletzt wurden. Das neue Individualbeschwerdeverfahren bekräftigt die eigenständige Persönlichkeit der Kinder somit, denn sie können nun ganz eigenmächtig vor ein internationales Expertengremium, den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes in Genf, treten und ihr Anliegen darlegen. Das stärkt ihre Eigenständigkeit und verwirklicht ihr Recht, an allen Dingen beteiligt und gehört zu werden, die sie betreffen.

Im Entstehungsprozess dieses Verfahrens wurde auch ein „Kollektivbeschwerdeverfahren“ diskutiert. Das hätte Kindern die Möglichkeit einer Sammelklage gegeben, die auch anonym stattfinden darf. Die internationale Staatengemeinschaft konnte sich zu diesem weiterreichenden Schritt aber nicht durchringen,und so blieb es bei der Möglichkeit, individuell unter Nennung des eigenen Namens gegen einen Staat Beschwerde einzulegen. Der zuständige Ausschuss prüft den Fall und spricht Empfehlungen an den Staat aus. In besonders schweren Fällen kann der Ausschuss auch eine tiefergehende Prüfung im Land selber vornehmen. Für die Verwirklichung der Kinderrechte weltweit ist dies ein Meilenstein.

Antje Weber, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe, zurzeit Addis Abeba

“Eine eigene Schule ist das Beste, was wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können”

Text und Fotos: Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika und Karibik, zurzeit Haiti

Duisburg/Daveau – Haiti (11.10.2014) Das Ziel ist nicht zu verfehlen: Die leuchtendblau gestrichene neue Schule von Daveau auf dem Sattel zwischen zwei Bergkämmen sieht man bereits aus mehreren Kilometern Entfernung. Trotzdem sind es gerade die letzten 250 Höhenmeter beim Aufstieg über einen steilen, unangenehm steinigen Pfad, die noch einmal alle Kraft und Konzentration verlangen. Zum größten Ereignis in der Geschichte der kleinen Bauerngemeinde von Daveau kamen dennoch alle Nachbarn und auch Gäste aus den anderen Dörfern dieser kargen Gebirgslandschaft im Süden der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. „Kinder, nutzt diese Schule aus“, rief Christoph Dehn, der Programm- und Projektvorstand der Kindernothilfe, der zur Schuleinweihung nach Daveau aufgestiegen war, den 125 Mädchen und Jungen aus den sechs Klassen zu, „sie wird euch eine gute Grundlage für alles, was ihr aus eurem Leben macht, geben.“

Genauso sahen das auch die Eltern, als sie vor über zwölf Jahren ein Komitee gründeten und nach Unterstüt- zungspartnern für ihren Plan suchten, in Daveau eine Schule zu errichten. Jolice Cicero, der Elternbeirats-vorsitzende, erinnerte an diese Zeit, als die Mädchen und Jungen um fünf Uhr aufbrechen mussten, um über fünf Kilometer zur nächsten Schule zu laufen und abends völlig erschöpft erst nach 17 Uhr wieder nach Hause zurückkehrten. Mehrere Kinder aus Daveau kostete damals dieser extrem gefährliche Schulweg das Leben, als sie in der Regenzeit bei dem Versuch, den Momance-Fluß zu durchqueren, von den Wassermassen mitgerissen wurden. 2006 errichtete die Gemeinde ein erstes provisorisches Schulgebäude aus Holz mit einem Wellblechdach. Die Kindernothilfe finanzierte das Gehalt der Lehrer und die Baumaterialien. Als bei dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 diese Holzkonstruktion einstürzte, konnte der Unterricht nur noch unter Zeltplanen und im Schatten von Bäumen stattfinden. Und während der Regenzeit war es praktisch überhaupt nicht möglich, mit den Kindern zu arbeiten.

„Wieder haben wir die Kindernothilfe gefragt, ob sie uns helfen könnte“, berichtet Monsieur Cicero vom Elternkomitee. Bereits wenige Wochen nach dem Erdbeben reifte der Plan, mit Unterstützung der Eltern all die kleinen Bergschulen, die ähnlich wie in Daveau zerstört wurden, nach und nach wieder auf zu bauen. Im Betriebsrat von ThyssenKrupp, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dort sowie bei der Geschäftsleitung fand die Kindernothilfe einen solidarischen und engagierten Partner, um dieses logistisch aufwändigste und komplizierteste Projekt in der 55-jährigen Kindernothilfe-Geschichte anzugehen.  Bereits Ende 2010 war mit Coupeau die Pilotschule wieder aufgebaut.  Danach folgten Bois Matin, Dicou, Volant und jetzt Daveau. Das Arbeitsprinzip war bei allen Schulen immer das Gleiche: Die Kindernothilfe finanzierte die Baumaterialien und den Lohn des Baumeisters und seiner Poliere sowie einen Teil der Kosten für den Materialtransport. Die Menschen in den Dörfern steuerten das Gelände für die Schule und ihre Arbeitskraft bei, um die neuen Schulgebäude zu errichten.

Anderthalb Jahre dauerten die Bauarbeiten in Daveau. Jeder Zementsack, das gesamte Baumaterial, die Dachplatten – und am Ende auch die Tafeln und Schulbänke – hatten auf dem Rücken von Eseln und Maultieren und auf den Schultern und Köpfen der mitarbeitenden Eltern über zwei Bergrücken hinweg und durch zwei Flüsse hindurch nach Daveau transportiert werden müssen. Jedes Kind, das vom Tal hinauf zum Unterricht unter den Zeltplanen kam, brachte jeden Tag rund acht Liter Wasser mit, um den Zement für die Fundamente anrühren zu können. Engagiert legten aber auch Nachbarn aus den Gemeinden, deren Schulen bereits zu Ende gebaut worden waren – und diejenigen aus Bouvier, wo derzeit noch gearbeitet wird, immer wieder mit Hand an. Combit nennt man in Haiti dieses eindrucksvolle System von Hilfe auf Gegenseitigkeit.

Errichtet wurde die neue Schule von Daveau in einer Kombination aus soliden Fundamenten, einer Fachwerkkonstruktion mit Holzwänden und einer Wellblechverschalung zum Schutz vor Sonne, Wind und Regen. Liebevoll hatten die Handwerker traditionelle haitianisch-kreolische Bauelemente, wie die geschwungenen Holzverzierungen an den Dächern, eingebaut. Neben den vier Klassenzimmern gibt es einen Schlafraum für die vier Lehrer, die die Woche über in Daveau unterrichten, einen kleinen Raum für die Schulleitung sowie Sanitäranlagen für Kinder und Lehrer. Teil des Projektes ist – wie in allen Bergschulen – aber auch ein Schulgarten, den Schüler, Lehrer und Eltern gemeinsam bestellen.

Eingeweiht wurde die Schule von Daveau mit einem feierlichen Gottesdienst, vielen Liedern, der von den Kindern inbrünstig vorgetragenen haitianischen Nationalhymne und einem ganztägigen Fest, das die 125 Kinder aus den sechs Klassenstufen, Eltern und Lehrer gemeinsam vorbereitet hatten. Christoph Dehn berichtete in seiner Einweihungsrede von den 50.000 Großplakaten, auf denen auch Kinder aus Haiti zu sehen sind, mit denen die Kindernothilfe in Deutschland auf Straßen und Plätzen mit dem Satz „Bildung ändert alles“ für das Menschenrecht auf Bildung wirbt. „Dass es,“ so Dehn, „diese Schule an diesem Ort gibt, zeigt, wie wichtig uns dieses Anliegen ist.“

Jetzt liegt vor dem Team von Wilner Jean-Baptiste, dem Baumeister im Kindernothilfe-Haiti-Büro in Port-au-Prince, gleich die nächste Herausforderung: gemeinsam mit den Eltern auch noch vollends die Schule von Bouvier wieder aufzubauen. Waren es in Daveau vier bis fünf Stunden, die man für den steilen Aufstieg benötigt, sind es in Bouvier volle zehn Stunden. Anfang 2015 soll dann auch diese Aufgabe abgeschlossen sein. Damit verfügen fast 500 Mädchen und Jungen aus sechs Bergdörfern wieder über eine eigene, ordentlich ausgestattete Schule: „Darauf sind wir unendlich stolz, das ist das Beste, was wir unseren Kindern mit auf den Weg geben können“, sagt Monsieur Cicero vom Elternkomitee aus Daveau zum Abschied.

Interamerikanischer Menschenrechtsgerichtshof verurteilt Chile wegen der Anwendung von Anti-Terrorgesetzen gegen Mapuche

Von Jürgen Schübelin, Referatsleiter Lateinamerika und Karibik 

San José/Santiago (21.08.2014) – Gute Nachrichten aus San José, der Hauptstadt von Costa Rica: Der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte (Corte IDH) hat den chilenischen Staat wegen der eklatanten Verletzung von Menschenrechten an Angehörigen des Mapuche-Volkes verurteilt und entsprechende Reparationsleistungen verfügt. Die fortwährende Anwendung von sogenannten Anti-Terrorismus-Gesetzen gegen Mapuche-Aktivisten verletzt, so das Gericht, das Rechtsstaatsprinzip, die Unschuldsvermutung gegenüber den Angeklagten – sowie die universalen Prinzipien von Gleichheit vor dem Gesetz und der Nicht-Diskriminierung.

“Auf dieses Urteil haben wir lange gewartet”, sagt José Horacio Wood, der Direktor der Kindernothilfe-Partnerorganisation Fundación ANIDE, in Santiago: “Wir hoffen, dass diese Entscheidung der internationalen Justiz endlich dazu beiträgt, die unsägliche Anwendungspraxis der sogenannten Anti-Terrorismus-Gesetze in Chile gegen Aktivisten aus sozialen Organisationen und ethnischen Minderheiten zu beenden – und diese Gesetze ganz abzuschaffen.”

Chilenische Menschenrechtsanwälte hatten – unterstützt von einem breiten Bündnis sozialer Organisationen, darunter auch ANIDE – den Fall von acht Angehörigen des Mapuche-Volkes, die von chilenischen Gerichten unter Anwendung der Anti-Terrorgesetzte und den damit verbundenen Einschränkungen von Verteidigungsmöglichkeiten sowie der Einbeziehung anonym bleibender Zeugen, wegen angeblicher “terroristischer Bedrohungen” und “terroristischer Brandstiftungen” 2002 und 2003 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren, vor die Corte Interamericana de Derechos Humanos gebracht. Die Urteile dieses von Richtern aus dem ganzen Kontinent besetzten Tribunals sind – ähnlich wie die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Straßburg im Blick auf die Mitgliedsstaaten des Europarates – für alle Regierungen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) verbindlich.

Bereits seit Jahren werfen Menschenrechtsorganisationen der chilenischen Polizei und Justiz die rassistische Diskriminierung von Angehörigen des Mapuche-Volkes in Form der Kriminalisierung sozialer Proteste und der berechtigten Forderung, illegal angeeignetes Land, das sich jahrhundertelang im Besitz von Mapuche-Gemeinden befunden hatte, zurück zu erlangen, vor. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen im Süden Chiles stehen dabei vor allem immer wieder große Forstunternehmen, die auf ehemaligem Mapuche-Land industriell bewirtschaftete Eukalyptus- und Pinienwälder angelegt haben, damit gewaltige ökologische Schäden – etwa in Gestalt von Grundwasserabsenkungen – verursachen und so den verbliebenen Mapuche-Gemeinde die Lebensgrundlagen entziehen.

Die Kindernothilfe engagiert sich gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation ANIDE seit über fünf Jahren im Rahmen des Projektes “Pichikeche” (zu deutsch: Mädchen und Jungen – 92051) für die Eindämmung von Polizeigewalt gegen Mapuche-Kinder und die Verbesserung der Kinderrechtssituation von Mädchen und Jungen aus dem Mapuche-Volk. In diesem Zusammenhang bilden die Advocacy-Anstrengungen, mitzuhelfen, die chilenischen Behörden, vor allem Polizei und Justiz, zu einer Beendigung von Repression und exzessiver Gewalt gegen Mapuche-Gemeinden zu bewegen, eine wichtige Komponente. “Wir sind unendlich froh über diese Entscheidung aus San José”, sagt José Horacio Wood, “trotzdem dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass damit die massiven Verletzungen der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte der Kinder und Erwachsenen aus indigenen Völkern in diesem Land noch lange nicht beendet sind.”

Links zum Weiterlesen:
Kindernothilfe: Unsere Arbeit in Chile 
Kindernothilfe-Projekt für Mapuche-Kinder in Chile 
Aide-Mémoire 2011 Chile
Kindernothilfe-Magazin 4/2011 
Chile: Gewaltsame Polizeiaktion in Temucuicui
Chile: Erneute Anwendung der Antiterror-Gesetzgebung auf einen Jugendlichen
Projekt- und Programmberaterin aus Chile in der Kindernothilfe-Geschäftsstelle

Fußball-Weltmeisterschaft 2014 – Glückwünsche aus unseren Partnerländern

                                                                                                                                              Ein weltmeisterlicher Tag braucht auch einen weltmeisterlich langen Blogeintrag, finden wir. Hier kommen die gesammelten Glückwünsche aus unseren Partnerländern zur gewonnenen Fußballweltmeisterschaft:

Dear KNH Staff,
Couldn’t resist sending this email – CONGRATULATIONS on last nights performance by Die Mannschaft! I’m sure you are all feeling very good this morning and taking the day off to celebrate what doesn’t happen very often in one’s life time. What I think all loved about Germany, was their consistent application of sound ‘Mannschaft’ practices – a good example for our team effort to fight against poverty and it’s impact on vulnerable children world-wide! Enjoy the ‘sunshine’ of the ‘moment’! With warm regards, Gerald (Südafrika)

Dear All KNH Staff,
Greetings and prayerful wishes from Dr. I.Sebastian!
I am nervous wreck now, because of the last night match. What an emotional drain for 2 1/2 hours? However my favorite Germany Prevailed. Congratulations.
Dr.I.Sebastian (Indien)

¡¡¡¡ FELICIDADES CAMPEONES !!!!!!
“HOY SI PAPA” La cuarta ya está en sus manos…. bien merecida…. e oe oe oe oe, e oe oe oe oe,
Dr. Elmer Villeda (Honduras)

Greetings from Lilongwe! I write to congratulate all KNH staff, through your office, for the successes which the Germany national football team has achieved in Brazil. Germany had broken a number of records, including beating Brazil by 7 goals to 1, winning the prestigious FIFA World Cup in that continent and bringing it to Europe, and having a player (Klose) who has scored more goals at the World Cup than any other player in the history of the World Cup. These are no mean achievements and once again I say, congratulations.
Regards,
Anderson (Malawi)

I must tell you that although I’m not a football fan, my son eats, drinks, sleeps and dreams football 24 hours a day, 7 days a week, even at the expense of his academic performance in school. For this reason I have been following the world cup this year and yesterday I stayed up particularly to watch the match between Germany and Argentina. CONGRATULATIONS to you all on being crowned the 2014 World Cup Champions after such a tense match, we are VERY PROUD TO BE ASSOCIATED WITH GERMANY!!!
Warm regards,
Celina (Kenia)

Greetings from the beautiful Kingdom of Swaziland. Writing this email to extend our appreciations for winning the world cup. The Germans have made history by winning this very important tournament. Congratulations.
Themba (Swasiland)

Yes it great! With blood, breaking bones and all ha ha ha!!
Like watching a movie I couldn’t move to get water!
(Südafrika)

Felicidades!!! Congratulations!!! Gratulation!!!!
Pero los chee!!! se quedaron en segunda, arriba Alemania!!!
Me uno a la gran fiesta de nuestros queridos amigos de la kindernothilfe y de toda la linda gente de Alemania, a nuestros queridos padrinos y a toditititos los demas…!!!! Fue un super juego!!!
De nuevo, felicidades!!!!
Doris (Honduras)

Gratulation Germany team for winning the FIFA World Cup 2014!
Greetings from the KNH Philippine Team (Philippinen)

Just to congratulate us all for the wonderful match which the team lifted the World Cup Champions!!!!.
We were so happy, slept around 1am.
Regards
Meliga (Simbabwe)

I hope you are fine and doing well.
HAWCA congratulates you, KNH team and your country on wining FIFA World Cup 2014. May your country continue to prosper and progress.
All he best
Yours truly
M.D. (Afghanistan)

Sí, hoy sí Papa! Que partido! Saludos del Fridas de Antigua (casi solos aquí ya que la mayoría eran aficionados de Argentina),
Paola y Judy (Guatemala)

I must tell you that although I’m not a football fan, my son eats, drinks, sleeps and dreams football 24 hours a day, 7 days a week, even at the expense of his academic performance in school. For this reason I have been following the world cup this year and yesterday I stayed up particularly to watch the match between Germany and Argentina, having also keenly watched the one Germany played with and seriously embarassed the Brazilians! CONGRATULATIONS to you all on being crowned the 2014 World Cup Champions after such a tense match, we are VERY PROUD TO BE ASSOCIATED WITH GERMANY!!! (#Kenia)

Greetings from wintery Victoria Falls, although the skies a blue and the sun is out, it is quite crisp outside, more crisp inside without heating. I bet Germany must be on a World Cup high!!! All of us didn’t sleep last night – what an amazing game and how wonderful for our team. I feel sorry for Argentina though, but today to my surprise they celebrated in the streets of Rio that they made it this far.
Again, we did well and I am sure our boys well- deserved it.
Warm regards,
Elisabeth (Simbabwe)

Herzlichen Glückwunsch zum WM-Titel, den die deutsche Mannschaft durch ein souveränes, gekonntes, sauberes, faires und natürlich erfolgreiches Spiel wirklich verdient hat.
Susanne Gerling (Brasilien)

Guten Morgen!
Erstmal herzliche Gratulation zu dem verdienten Sieg und Weltmeistertitel! Auch aufgrund der guten Leistungen im Vorfeld war für mich Deutschland der Wunschsieger an der WM. Jetzt ist es geschafft!
(Schweiz)

Greetings!
Congratulations for World Cup win of German Team. It was excellent team work throughout the tournament-every player contributed.
Sajid (Pakistan)

Mis felicitaciones por ustedes!!! Fue un partido emocionante yo estaba por Alemania a pesar de ser latina, pero los Argentinos no son mucho de mi agrado, además Alemania se lo merecía.
Muchos saludos,
Carmen (Peru)

Hello World Champions!
Glückwünsche from all of us.
Enjoy the partying. See you again in 2018!
Cheers!
Zarina (Pakistan)

Parabéns à você e aos demais colegas pelo tetracampeonato alemão! De fato, foi uma linda história conquistada e viva o trabalho futebolístico coletivo!!
Abraços solidários,
Raimunda (Brasilien)

Disfruten el triunfo que bien merecido lo tienen….
Saludos cordiales
Sherly (Peru)

A VERY BIG CONGRATULATIONS TO ALL OF YOU WORLD CHAMPIONS!
It was really a wonderful game. Beginning to the last minute it was filled with tension and excitements. Hats off to all the players. Poor Messi he could not show of his skills in taking the ball to the net. I was hoping Mueller would get the Golden Shoe. I think winning was the focus in the last match.
Hope you all would be celebrating the victory. Did any of you witness the match in person at Brazil?
Please convey my wishes and greetings to all the friends whom I know. Wishing you all a very happy celebration.
Regards…Sathish (Indien)

I am humbled to celebrate with all Germans, particularly KNH staff on your victory. Pass my congratulatory message to your colleagues. Kind regards
Immaculate (Ruanda)

Felicitaciones por la Copa!!!!! Campeones merecedores y mucho!
Claudia (Brasilien)

Felicitaciones también por el triunfo de Alemania, se lo merecen porque tuvieron una excelente participación durante todo El Mundial.
Un fuerte abrazo,
Gloria (Peru)

Congratulations for your thumping victory!
It was an amazing match to watch Germany excel in the extra time and take home the Champion Trophy after 60 years from the Latin American host into Europe. Apart from the playing they were also prayers offered and we were delighted to watch the match with zeal and cheers.
You created a history again!!
Our good wishes and we need to celebrate.
Warm Regards
(Indien)

On the behalf of my self and all staff members, i would like to congratulate all KNH staff and the whole nation for the victory Germany got in the World cup. I have conducted an assessment as to know whom do our staff members support . The result was that all of them were supporting Germany. On last Friday, the staff members informed me to pass their congratulations message if Germany Win the cup. Accordingly, i am passing the congratulations message of our staff members. Wish you good celebration and enjoyment of the victory.
Best regards
Tesfa (Äthiopien)

Merecidos campeones del mundo!!!!
Álvaro (Chile)

Muchísimas Felicidades por el logro del equipo alemán!!!!! La copa está en su casa!!!!!!!!
Un abrazo fuerte,
KNH-Guatemala (Guatemala)

Felicitaciones por el título mundial de fútbol, se lo merecían, fue el mejor equipo del mundo y con juego en equipo, eso es lo más preciado creo yo.
Un abrazo,
Marcela, Antonieta y Richar (Peru)

Greetings from Choma and please receive our warm heartfelt congratulatory messages for conquering the whole world in terms of football. We are proud of Germany. Not only have you achieved the greatest in terms of football but also poverty reduction in Zambia specifically in Choma. We join our leaders and the whole world in saying to the German people well done for winning the world cup! You deserved it, your team was awesome.
Best regards!
Cornwell (Sambia)

Muchas felicidades a todos los amigos del futbol en Alemania por haber ganado por cuarta vez el campeonato mundial! Abrazos de parte de todo el equipo de la oficina de KNH-Bolivia en Cochabamba
Melissa (Bolivien)

Congratulations. I am just imaging how the mood is in Germany this time after winning the world cup. They deserve it, well done.
Best,
Kelly (Sambia)

Dear All
Congratulation for winning the World Cup 2014!!!
We are happy
The team really deserve!
(Äthiopien)

Dear all foot ball lovers at Kindernothilfe,
Congratulations Germany on winning the World Cup!! It was a great game. Keep it up!!!
Thomas (Indien)

Que alegre!!!!muchas felicitaciones. Celebramos con Ustedes!!!!. Bravooooo!!!!
Alba (Guatemala)

Greetings!
We wish to extend our appreciation and join you in celebrating the Championship of your country in the World Cup yesterday.
We celebrate with you and we share your happiness.
Thanks
Anthony (Uganda)

I saw it coming, even though not so sure if they will be able to maintain their energy. The nation must be proud of their own team! Congratulations!!!! Yes its been tough and everybody kept guessing what might happen. It’s over now, history will always have it on record that the German is the world champion for 2014, we can only wait to see if history shall repeat itself in the next world cup, 2018??
Regards
Enock (Swasiland)

hey, all German peoples, I am one of supporters & admiring of German national foot ball team. congratulation Brazil 2014 world cup championships. We were grown by supporters of German peoples /kindernothilfe/ in Ethiopia child care center, so we are happy when German won Brazil 2014 world cup championships.
(Äthiopien)

Congratulations that the Germany football team won the FIFA 2014 championship. The team really deserves to be be champion of the game. (Äthiopien)

Congratulations for the winning the world cup – it was some struggle but at last the German team won. Nice week ahead!
Yours
Felix (Kenia)

Dear Colleagues!
I trust you are all keeping well! Congratulations for taking the world soccer cup! Silvia I know u were watching ..it was a game to watch!
Asia, Nils, did you watch? The boys made your country shine soccer fun or not ! Congrats!
Best regards
Grace (Südafrika)

Abschied von einer ungewöhnlichen Frau

Ein Nachruf  von Jürgen Schübelin

Soeur Marthe Vanrompay, die Gründerin unserer Restavèk-Partnerorganisation „Mouvman Vin Plis Moun“ (MVM) in Carrefour Feuilles, ist am 3. Juli verstorben.

Soeur Marthe, die der 1862 in Scheut bei Brüssel gegründeten Ordensgemeinschaft der Schwestern vom unbefleckten Herzen Marias (CICM) angehörte, ist sicherlich eine der ungewöhnlichsten und beeindruckendsten Persönlichkeiten, die wir im Zusammenhang mit der Kindernothilfe-Haiti-Arbeit kennengelernt haben. Mit all ihrer Kraft, ihrer Kreativität und ihrem geradezu unglaublichen Talent als unermüdliche Netzwerkerin kämpfte sie jahrzehntelang sehr erfolgreich für die Rechte von Restavèk-Kindern in den bidonsvilles von Carrefour Feuilles und den umliegenden Stadtteilen im Westen von Port-au-Prince.

Zusammen mit ihrem Team entwickelte sie eine pädagogische Methode, um mit diesen Kindern – selbst unter widrigsten und prekärsten Umständen – mit Hilfe eines Systems von „moniteurs“ Schulunterricht organisieren zu können. Am 21. Oktober vergangenen Jahres hatten Kerstin Zippel, Michaela Gerritzen, Julia Burmann und ich letztmals die Gelegenheit, Soeur Marthe gemeinsam zu besuchen und ihr von unseren Eindrücken von den Begegnungen mit den MVM-Kindergruppen von Madame Mouscardan und Madame Jaques in den bidonville oberhalb der Place Jérémie zu berichten.

Odana, das Kind, dessen Tagesablauf unsere ehemalige Kollegin Toni Hutter und der Fotograf Jakob Studnar 2010 unter anderem für die Kindernothilfe-Robinson-Seiten dokumentiert haben, kam aus dem MVM-Programm.

Soeur Marthe war – und das hat mich immer mit am meisten beindruckt – eine außerordentlich politisch engagierte Persönlichkeit, ganz fest verortet in der karibischen Variante der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung, mit einem klaren Bewusstsein für die Würde und die Rechte der Kinder, für die sie sich engagierte, aber auch einem profunden Wissen um die Ursachen von struktureller Gewalt, denen die Menschen in Haiti ausgesetzt sind. Sie liebte – bei aller pointierten Kritik an den Herrschenden und den Verhältnissen in Haiti – dieses Land und seine Menschen bedingungslos: „Nie und nimmer würde ich von hier weggehen!“, sagte sie uns am 21. Oktober 2013 beim Abschied.

Die Kindernothilfe fördert das von Soeur Marthe initiierte Projekt zur alternativen Schulbildung von 1.495 Restavèk-Kindern und zum Schutz ihrer Rechte seit dem Januar 2010. „Mouvman Vin Plis Moun“ (frei übersetzt: Bewegung für mehr Menschlichkeit) ist das größte Restavèk-Partnerprojekt der Kindernothilfe in Haiti.

Zu Weihnachten 2010 veröffentlichten wir folgende Reportage über Soeur Marthe und ihre Kinder: http://blog.kindernothilfe.org/de/page/8

Soeur Marthe wurde am 7. Januar in Carrefour Feuilles beigesetzt.